Irreversible Hemmung von Neuronen: Mechanismen und Bedeutung

Um Stoffwechselreaktionen und insbesondere Enzyme in ihrer Funktion zu regulieren, existiert das Prinzip der Enzymhemmung. Bei der Enzymhemmung wird die Funktion eines Enzyms durch Inhibitoren verlangsamt oder verhindert, sodass die Reaktion nicht mehr oder nur noch verlangsamt durchgeführt werden kann. Es gibt verschiedene Arten, wie Enzyme gehemmt werden können, wobei sich ein hemmendes Molekül (Inhibitor) entweder an das Enzym selbst oder an das Substrat bindet. Die größte Unterscheidung liegt darin, ob die Hemmung reversibel ist, d.h. durch Ablösen des Inhibitors rückgängig gemacht werden kann, oder ob sie irreversibel ist, was bedeutet, dass das Enzym dauerhaft gehemmt ist.

Grundlagen der Enzymhemmung

Enzyme sind Proteine, die Reaktionen katalysieren, indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen. Sie binden mit ihrem aktiven Zentrum an Substrate und ermöglichen so chemische Reaktionen. Bei der Enzymhemmung wird diese Funktion durch Inhibitoren beeinträchtigt.

Reversible Enzymhemmung

Bei der reversiblen Enzymhemmung kann sich der Inhibitor wieder vom Enzym oder Substrat lösen, wodurch das Enzym seine normale Funktion wiedererlangt. Dies ist wichtig, wenn eine Enzymreaktion nur vorübergehend unterbunden werden soll. Es gibt verschiedene Typen der reversiblen Hemmung:

  • Kompetitive Hemmung: Hier konkurriert ein Inhibitor, der dem eigentlichen Substrat ähnelt, um die Bindungsstelle im aktiven Zentrum des Enzyms. Wenn die Menge des Inhibitors steigt, kann er das Substrat verdrängen und dessen Umsetzung verhindern. Ein Beispiel ist die Alkohol-Dehydrogenase (ADH), die sowohl Ethanol als auch Methanol binden kann. Bei einer Methanol-Vergiftung wird Ethanol eingesetzt, um das Methanol vom Enzym zu verdrängen und dessen Abbau zu verhindern.
  • Allosterische Hemmung (nicht-kompetitive Hemmung): Enzyme mit einem allosterischen Zentrum können durch einen Inhibitor an dieser Stelle gebunden werden, was zu einer strukturellen Veränderung des Enzyms führt. Dadurch ändert sich auch die Form des aktiven Zentrums, sodass das Substrat nicht mehr binden kann. Dieses Prinzip wird oft für die negative Rückkopplung genutzt, bei der das Produkt einer Reaktion als Inhibitor für das Enzym dieser Reaktion dient.
  • Unkompetitive Hemmung: Hier bindet der Inhibitor erst an das Enzym, nachdem das Substrat bereits im aktiven Zentrum sitzt. Diese Bindung führt ebenfalls zu einer Strukturveränderung, wodurch das Substrat aus dem aktiven Zentrum "geworfen" wird.
  • Hemmung des Substrats: In diesem Fall bindet der Inhibitor nicht an das Enzym, sondern direkt an das Substrat, wodurch dieses nicht mehr in das aktive Zentrum des Enzyms passt und somit nicht umgesetzt werden kann.

Irreversible Enzymhemmung

Bei der irreversiblen Enzymhemmung ist eine Reaktivierung des Enzyms nicht möglich, selbst wenn der Inhibitor entfernt wird. Dies geschieht, wenn der Inhibitor eine kovalente Bindung mit dem Enzym eingeht, was zu einer dauerhaften Veränderung des aktiven Zentrums führt.

Irreversible Hemmung im Detail

Die irreversible Hemmung tritt ein, wenn ein Inhibitor kovalent an das Enzym bindet und dessen aktive Stelle so verändert, dass das Substrat nicht mehr binden kann. Kovalente Bindungen sind starke chemische Bindungen, bei denen sich zwei Atome ein Elektronenpaar teilen. Dies führt zu einer dauerhaften Inaktivierung des Enzyms.

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Mechanismus der irreversiblen Hemmung

Bei der irreversiblen Hemmung binden sich Inhibitoren an das aktive Zentrum des Enzyms und verändern es so, dass die Bindung des passenden Substrats fortan nicht mehr möglich ist. Dies kann durch verschiedene Mechanismen geschehen, darunter:

  • Kovalente Modifikation: Der Inhibitor bildet eine kovalente Bindung mit einer funktionellen Gruppe im aktiven Zentrum des Enzyms.
  • Strukturelle Verzerrung: Der Inhibitor verursacht eine so starke strukturelle Veränderung des Enzyms, dass das aktive Zentrum dauerhaft deformiert wird.

Beispiele für irreversible Hemmung

  • Penicillin: Dieses Antibiotikum wirkt durch irreversible Hemmung des Enzyms D-Alanin-Transpeptidase, das für den Aufbau der bakteriellen Zellwand benötigt wird. Penicillin bindet an das aktive Zentrum der Transpeptidase und macht diese funktionsunfähig, was zum Absterben der Bakterien führt.
  • Aspirin (Acetylsalicylsäure): Aspirin hemmt die Cyclooxygenase (COX) irreversibel, wodurch die Produktion von Thromboxan in Thrombozyten reduziert wird. Dies führt zu einer verminderten Thrombozytenaggregation und wirkt blutverdünnend.
  • Schwermetalle: Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium können Enzyme irreversibel hemmen, indem sie sich an negative Stellen der Protein-Aminosäurenkette binden. Dies führt zu einer Veränderung der Enzymstruktur und zur Blockierung des aktiven Zentrums. Ein Beispiel ist die Hemmung der Katalase durch Kupfersulfat.
  • Enzymgifte: Typische Enzymgifte sind Schwermetalle, die sich an die negativen Stellen der Proteinstruktur binden und so die Enzymfunktion blockieren.

Bedeutung der irreversiblen Hemmung

Die irreversible Hemmung spielt eine wichtige Rolle in verschiedenen biologischen und medizinischen Kontexten:

  • Pharmakologie: Viele Medikamente wirken durch irreversible Hemmung von Enzymen, um bestimmte Stoffwechselwege zu blockieren oder Krankheitserreger zu bekämpfen.
  • Toxikologie: Die irreversible Hemmung von Enzymen durch Gifte kann zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.
  • Biochemie: Das Verständnis der Mechanismen der irreversiblen Hemmung ist wichtig, um die Funktion von Enzymen und Stoffwechselwegen zu verstehen.

Irreversible Hemmung in Neuronen

In Neuronen kann die irreversible Hemmung von Proteinen und Enzymen schwerwiegende Folgen haben, da sie die normale Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und zum Zelltod führen kann.

Störung der Kalziumhomöostase und Proteinsynthese

Zellen reagieren auf Stress mit einer vorübergehenden Suppression der Proteinsynthese (PS). Wenn diese Hemmung der PS jedoch irreversibel wird, sterben die Zellen ab. Es wird vermutet, dass die neuronale PS durch die Kalziumhomöostase des endoplasmatischen Retikulums (ER) kontrolliert wird. Eine Störung der Kalziumhomöostase des ER, die zu einer Hemmung der PS führt, kann ein wichtiger Pathomechanismus bei der Entstehung von Zellschäden nach metabolischen Stresszuständen und bei degenerativen Erkrankungen des Gehirns sein.

Dopamin und neuronale Funktion

Dopamin spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen Funktionen im Gehirn, wie Bewegung, Lernen von Gewohnheiten, Belohnung und Motivation. Die Dopaminausschüttung erfolgt hauptsächlich durch dopaminerge Nervenzellen in der Substantia nigra pars compacta und im ventralen Tegmentum. Eine Störung der Dopaminfreisetzung oder -übertragung kann zu neurologischen Erkrankungen führen.

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Alzheimer-Krankheit

Ein Beispiel für die Bedeutung der irreversiblen Hemmung in Neuronen ist die Alzheimer-Krankheit. Bei dieser Krankheit werden Amyloid-Vorläuferproteine (APP) durch Enzyme, sogenannte Sekretasen, in kleinere Einheiten geschnitten. Insbesondere die γ-Sekretase spielt hierbei eine zentrale Rolle, da sie β-Amyloid-Peptide freisetzt, die sich anschließend zusammenlagern und das Hirngewebe irreversibel schädigen.

Forscher haben herausgefunden, dass die γ-Sekretase aus mehreren Untereinheiten besteht, von denen Präsenilin eine essenzielle Komponente ist. Die Hemmung der γ-Sekretase oder ihrer Untereinheiten könnte ein Ansatzpunkt für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit sein, um die Produktion von β-Amyloid-Peptiden zu reduzieren.

Auswirkungen von Schwermetallen auf neuronale Enzyme

Schwermetalle können auch in Neuronen Enzyme irreversibel hemmen und dadurch deren Funktion beeinträchtigen. Dies kann zu neurologischen Schäden und neurodegenerativen Erkrankungen führen.

Inhibitoren in der Medizin und Biochemie

Inhibitoren spielen eine zentrale Rolle in der Medizin und Biochemie. Sie werden eingesetzt, um Krankheiten zu therapieren, Signalwege zu kontrollieren und biochemische Mechanismen besser zu verstehen.

Medizinische Anwendungen

  • ACE-Hemmer: Diese Medikamente senken den Blutdruck, indem sie das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) hemmen.
  • Proteaseinhibitoren: Sie werden in der HIV-Therapie eingesetzt, um die Virusreplikation zu hemmen.
  • Aspirin: Hemmt die Cyclooxygenase (COX) irreversibel und wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Biochemische Anwendungen

Inhibitoren werden verwendet, um Stoffwechselprozesse zu regulieren und Gewebeschäden durch übermäßige Enzymaktivität zu verhindern. Körpereigene Inhibitoren steuern beispielsweise die Aktivität von Verdauungsenzymen oder Proteasen.

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