Pflegeplanung bei Alzheimer-Demenz: Ein umfassender Leitfaden

Die Alzheimer-Krankheit, auch als Demenz vom Alzheimer-Typ oder Morbus Alzheimer bekannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung und die häufigste Form von Demenz. Dabei werden Nervenzellen im Gehirn nach und nach geschädigt und sterben ab, was zu einem fortschreitenden Verlust geistiger Funktionen führt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Pflegeplanung bei Alzheimer-Demenz, von den ersten Anzeichen bis hin zu fortgeschrittenen Stadien und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige.

Einführung in die Alzheimer-Demenz

Alzheimer ist eine chronische Erkrankung, die sich durch spezifische Veränderungen im Gehirn auszeichnet. Diese Veränderungen führen dazu, dass Patienten allmählich ihre kognitiven Fähigkeiten verlieren. Betroffen sind zunächst häufig das Gedächtnis und Denkvermögen, im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auch das Verhalten und die Persönlichkeit der Patienten. Die Alzheimer-Krankheit ist nicht direkt mit Demenz gleichzusetzen, da Demenz ein Oberbegriff für rund 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns ist, von denen eine die Demenz vom Alzheimer-Typ ist.

Frühe Anzeichen und Diagnose

Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“. Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen.

Eine frühe Diagnose ist wichtig, auch wenn die Krankheit bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. Erste Anlaufstelle zur Abklärung dieser Auffälligkeiten ist in der Regel der Hausarzt. Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich des Gehirns. In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle Gedächtnissprechstunden oder Gedächtnisambulanzen, die auf die Frühdiagnostik bei beginnenden Gedächtnisproblemen spezialisiert sind. Die Diagnostik umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests, um die Symptome des Patienten gründlich zu bewerten und abzuklären. Kognitive Tests und psychometrische Tests werden eingesetzt, um die geistige Leistungsfähigkeit zu untersuchen.

Ursachen und Risikofaktoren

Sicher ist, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Es kommt zum Absterben von Nervenzellen im Gehirn, wodurch auch die Hirnmasse abnimmt (fachsprachlich Hirnatrophie). Bei einer Alzheimer-Demenz sind vor allem Nervenzellen in der Hirnrinde, aber auch in tiefer liegenden Hirnbereichen betroffen. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen. An dem Krankheitsgeschehen beteiligt sind hauptsächlich zwei Proteine: das sogenannte Beta-Amyloid und Tau-Protein.

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Beta-Amyloid ist ein Protein, das normalerweise im Gehirn vorkommt. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen. Diese sogenannten Plaques sind wie Straßensperren auf den Informationswegen des Gehirns. Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelhafte Fasern, sogenannte Fibrillen.

Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können. Nur in etwa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine Erbkrankheit, die sogenannte familiäre Alzheimer-Demenz (FAD).

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist chronisch, und die Dauer der einzelnen Krankheitsstadien variiert je nach Einzelfall. Oftmals beginnt eine Alzheimer-Erkrankung mit „leichten kognitiven Störungen“.

Frühes Stadium (Stadium 2)

Im frühen Stadium sind die Störungen noch relativ gering. Allerdings ist das Kurzzeitgedächtnis bereits beeinträchtigt, und es fällt den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen. Sie benötigen Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Dinge werden verlegt, Informationen nicht behalten.

Mittleres Stadium

Ebenso nehmen Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit zu und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich im mittleren Stadium auch eine massive Unruhe ein. Viele Betroffene neigen dazu, aus der Wohnung zu laufen, eine sogenannte Hinlauftendenz. Außerdem kann es zu aggressivem Verhalten und Wutausbrüchen kommen.

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Spätes Stadium

Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren.

Endstadium

Im Endstadium von Alzheimer sind die meisten Patienten teilnahmslos. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden. Die häufigste Todesursache bei Alzheimer ist nicht die Erkrankung selbst, sondern meist eine Lungenentzündung durch sogenannte Aspiration oder eine Blutvergiftung durch Dekubitus.

Pflegeplanung und -maßnahmen

Wenn Sie einen Menschen mit Demenz zuhause pflegen, müssen Sie einen Weg finden, wie Sie langfristig gut miteinander kommunizieren und leben können. Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr zu wissen, wie er seinen Haarkamm bedienen soll. Kleine Orientierungs- und Erinnerungshilfen im Wohnraum können Betroffenen und Angehörigen den Pflegealltag erleichtern. Wenn Alzheimer-Patienten über die Zeit den Umgang mit alltäglichen Dingen verlernen, wird die Auswahl an Aktivitäten im Alltag immer kleiner. Das Bedürfnis nach Beschäftigung bleibt jedoch. Kleinere Aufgaben und Übungen für die Person mit Alzheimer schaffen auch Ihnen als Pflegeperson kleine Pausen.

Kommunikation und Umgang

Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.

  1. Versuchen Sie, den zu Pflegenden zu verstehen, indem Sie vor der eigentlichen Pflegemaßnahme seine Bedürfnislage ergründen.
  2. Zu Beginn Ihrer Maßnahme sollten Sie erst einmal für „schönes Beziehungswetter“ sorgen. Treten Sie in sein Sichtfeld - das bedeutet, Sie sprechen ihn von vorne an -, gehen Sie auf Augenhöhe und warten Sie erst einmal ab, bis der Betroffene Sie erkennt. Setzen Sie ein Lächeln als Verstärkung ein. Sprechen Sie ruhig und langsam. Nutzen Sie eine vertraute Ansprache.
  3. Ergründen Sie mögliche Stressfaktoren und minimieren Sie diese weitestgehend, z. B. Ausschalten von Radiogeräten oder Fernseher. Schließen Sie Fenster und Türen und sorgen Sie für eine angemessene Raumtemperatur. Vermeiden Sie lautes und schnelles Sprechen.
  4. Reagiert Ihr zu Pflegender mit Demenz auf Ihre Pflegemaßnahme ablehnend, müssen Sie diese umgehend abbrechen.
  5. Zeigt Ihr Pflegekunde mit Demenz mitten in der Pflegemaßnahme Ablehnung, sollten Sie versuchen, den Auslöser zu ergründen.
  6. Überdenken Sie bei ängstlichen und unsicheren Pflegekunden mit Demenz Ihre eigentlichen Pflegeziele, nämlich Wohlbefinden erhalten und Vertrauen aufbauen. Stellen Sie die Reinigung des Körpers erst einmal hintenan.
  7. Bedenken Sie, dass Pflege Spaß machen kann. Testen Sie daher Alternativen, z. B. Mundpflege mit wohlschmeckenden Getränken.

Gestaltung des Wohnraums

Zur Pflegeplanung bei Demenz zählt auch, dafür zu sorgen, dass die Wohnung des Patienten demenzgerecht gestaltet ist. Dazu gehört zum Beispiel:

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  • Große Symbole an den Türen in der Wohnung, welche die Nutzung des jeweiligen Raumes signalisieren (Küche, Bad, Schlafzimmer etc.)
  • Durchsichtige Kleiderschranktüren (erleichtern das Finden von gewünschten Kleidungsstücken wie Unterwäsche oder Mantel)
  • Umrüsten des Herdes, sodass er sich nach einer gewissen Zeit allein ausschaltet (Vorbeugung von Bränden und Verletzungen)
  • Lichtelemente im Fußboden (Vorbeugung von Stürzen)
  • Sicheres Einschließen von Putzmitteln (senkt die Verwechslungs- und Vergiftungsgefahr)
  • Entfernen von Haken und Schlüsseln, mit denen sich etwa die Badezimmertür von innen verriegeln lässt

Aktivierende Pflege

Stellen Sie die Aktivierende Pflege in den Mittelpunkt: Sie ist darauf aus, den Pflegebedürftigen möglichst lange in seiner Selbstständigkeit zu unterstützen und zu fördern. Üben Sie sich in Geduld: Bestimmte Anforderungen müssen mehrfach wiederholt werden, ehe sie vom Patienten umgesetzt werden. Und auch das Ausführen von einfachen Handlungen wie das Ankleiden dauert nun vielleicht länger. Bleiben Sie ruhig, wenn es einmal laut wird: Demenz geht in vielen Fällen mit Persönlichkeitsveränderungen einher. Seien Sie vorausschauend: Wichtig ist beispielsweise, mögliche Gefahrenquellen zu erkennen. Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf: Der an Demenz Erkrankte kommt oft nur sehr schwer mit neuen Dingen zurecht. Arbeiten Sie mit Lob und Zuwendung: Es ist nicht hilfreich, den Angehörigen dafür zu kritisieren, was er nicht mehr kann, sondern ihm Bestätigung zu geben. Dafür können Sie ihn auch in einfache Aufgaben im Haushalt mit einbeziehen. Übrigens wirken oft auch Berührungen Wunder. Versetzen Sie sich in den Menschen: Lachen Sie mit ihm, gehen Sie mit ihm auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Bei Demenzkranken tritt im fortgeschrittenen Stadium oft die Kindheit in den Vordergrund.

Unterstützung für Angehörige

Die Aufgabe, sich um einen dementen Menschen zu kümmern, verlangt von Angehörigen viel Einsatz und Geduld - und zwar zunehmend mehr, je weiter die Krankheit fortschreitet. Die Familie sollte daher überlegen, wie viel Unterstützung sie leisten kann und ab wann externe Hilfe (etwa durch ambulante Pflegedienste) notwendig ist. Der behandelnde Arzt hilft Angehörigen bei dieser Einschätzung. Niemand kann und muss diese schweren Aufgaben auf Dauer und ganz alleine erfüllen. Auch im Interesse der Erkrankten ist es wichtig und ratsam, mit den eigenen Kräften hauszuhalten und sich frühzeitig nach Möglichkeiten der Beratung und Entlastung umzusehen.

Entlastungsangebote

  • Ambulante Pflegedienste: Die Fachkräfte helfen den Patienten zum Beispiel beim Aufstehen, Waschen und Toilettengang.
  • 24-Stunden-Betreuung: Wenn die Unterstützung durch ambulante Pflegekräfte nicht ausreicht, der Demenzkranke aber trotzdem in seinem eigenen Zuhause bleiben will, kann eine 24-Stunden-Betreuung sinnvoll sein.
  • Betreuungsgruppen für Demenzkranke: Vielerorts wird eine Gruppenbetreuung für Demenz-Patienten angeboten. Die Teilnehmer treffen sich regelmäßig, etwa um gemeinsam zu essen, singen, basteln oder spielen.
  • Tagespflege: Im Rahmen der Tagespflege verbringen Demenz-Patienten einen oder mehrere Tage pro Woche gemeinsam in einer Tagespflegeeinrichtung.
  • Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege: Wenn pflegende Angehörige zum Beispiel krank werden oder Urlaub brauchen, können Demenzkranke, die ansonsten zuhause betreut werden, vorübergehend in Einrichtungen der Kurzzeitpflege untergebracht werden. Alternativ gibt es in solchen Fällen die Möglichkeit einer Verhinderungspflege (Ersatzpflege).
  • Ambulant betreute Demenz-Wohngemeinschaften: Eine Alternative zum Pflegeheim kann in manchen Fällen eine Demenz-WG sein. Dort leben mehrere Demenz-Patienten zusammen in einer großen Wohnung.

Persönliche Voraussetzungen für Pflegende

Für eine individuelle und personenzentrierte Arbeit mit Menschen mit Demenz sind aufseiten der Mitarbeiter bestimmte persönliche Eigenschaften notwendig:

  • Innere Ruhe: Als Mitarbeiter müssen Sie innerlich ausgeglichen und ruhig sein, da diese Gemütslage vom Menschen mit Demenz wahrgenommen wird.
  • Empathie: Um einem Menschen wirklich gerecht werden zu können, müssen Sie sich in ihn hineinversetzen können.
  • Flexibilität: Insbesondere Menschen mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ und bei der Lewy-Body-Demenz müssen Sie mit starken Schwankungen der Kognition über den Tag rechnen.
  • Stabilität: Als Bezugsmitarbeiter geben Sie Ihren Pflegekunden mit Demenz Halt und Sicherheit. Wichtig ist daher, dass Sie für Ihren Pflegekunden berechenbar und stabil wirken.
  • Ungezwungenheit in der Kontaktaufnahme: Menschen mit Demenz dürfen in Ihnen keine Angst oder Ablehnung auslösen.
  • Belastbarkeit: Da Sie sich ständig verändernden Situationen in der Arbeit mit Menschen mit Demenz anpassen müssen, ist ein gewisses Maß an Belastbarkeit erforderlich.

Finanzielle Aspekte

Wenn Sie feststellen, dass sich ein Unterstützungsbedarf abzeichnet, sollten Sie den möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad prüfen. Denn mit diesem stehen der betroffenen Person verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zu, die ihren Pflegealltag erleichtern sollen. Die Pflege von Demenz-Patienten ist nicht billig, besonders, wenn die Patienten umfassende Hilfestellung und Betreuung brauchen. In vielen Fällen beteiligt sich die Pflegeversicherung an den Kosten. Ob und wie viel sie zahlt, hängt von der Pflegebedürftigkeit des Demenzkranken ab: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen begutachtet den Demenz-Patienten (nach Antragstellung bei der Pflegekasse) und weist ihm einen bestimmten Pflegegrad zu. Je höher diese Einstufung ist, desto höher ist auch der Zuschuss der Pflegekasse zu den Pflegekosten.

Forschung und Versorgungspfade

Das Projekt (Dezember 2024 bis Dezember 2027) wird von der Abteilung Pflege des IGES-Instituts unter Leitung von Dr. Elisabeth Hahnel gemeinsam mit dem Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt a. M. (Prof. Johannes Pantel) federführend durchgeführt. Die Beteiligten wollen dabei einen Versorgungspfad für Menschen mit Alzheimer-Demenz und ihre An- und Zugehörigen entwickeln, der darauf abzielen soll:

  • Die sektorenübergreifende Zusammenarbeit der an der Versorgung beteiligten Akteurinnen und Akteure zu stärken.
  • Die Qualität der Versorgung im Vergleich zur derzeitigen Praxis messbar zu verbessern und sicherzustellen.
  • Evidenzbasierte Empfehlungen werden mit praxisnahen, wissensbasierten Ansätzen verbunden und in eine alltagsnahe, medizinische und pflegerische Versorgung „übersetzt“.

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