Die Alzheimer-Krankheit ist eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen und stellt eine besondere Herausforderung für Betroffene, Angehörige und die medizinische Forschung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Ursprünge der Krankheit, ihre Symptome, Diagnosemethoden, Behandlungsmöglichkeiten und gibt einen Ausblick auf aktuelle Forschungsansätze.
Was ist die Alzheimer-Krankheit?
Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung, die zu einem fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Gehirn führt. Dieser Abbau verursacht zunehmende Einschränkungen der Fähigkeiten der Erkrankten. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, wobei etwa 60 Prozent aller Demenzfälle auf Alzheimer zurückzuführen sind. Im landläufigen Sprachgebrauch werden Alzheimer und Demenz oft fälschlicherweise gleichgesetzt.
Der Begriff Demenz stammt vom lateinischen Wort "dēmēns" ab, was so viel wie "nicht recht bei Sinnen" bedeutet. Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungsbilder, bei denen eine Hirnschädigung zu einem schrittweisen Verlust des Gedächtnisses, des Denkens, der Erinnerung, der Orientierung oder der Verknüpfung von Denkinhalten führt.
Die Geschichte der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit ist nach ihrem Entdecker, Alois Alzheimer, benannt. Er beschrieb erstmals 1906 den fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Gehirn, der für die Alzheimer-Krankheit typisch ist.
Dr. Alzheimer behandelte im Jahr 1901 die 51-jährige Patientin Auguste Deter in der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt. Sie erinnerte sich kaum an ihren Vornamen, war misstrauisch, aggressiv und weinerlich. „Ich habe mich sozusagen verloren“, sagte Auguste Deter zu ihrem Arzt Alois Alzheimer. Das Verhalten der Patientin beschäftigte Alzheimer so sehr, dass er sich nach ihrem Tod 1906 ihre Krankenakte und Gewebeproben nach München schicken ließ, wo er inzwischen an der Königlich Psychiatrischen Klinik arbeitete.
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Alzheimer vermutete biologische Ursachen für den geistigen Verfall seiner Patientin. Nach dem Tod von Auguste Deter 1906 untersuchte er ihr Gehirn. 1907 veröffentlichte er seine Entdeckung in der Schrift „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“.
Sein Vorgesetzter Dr. Emil Kraepelin nahm die Krankengeschichte von Auguste Deter 1910 in einem Lehrbuch auf und nannte sie die „Alzheimersche Krankheit“.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind bisher nicht ausreichend erforscht. Allerdings sind bestimmte Risikofaktoren bekannt, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen können.
- Alter: Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Je älter man wird, umso größer ist auch das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre, nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.
- Genetische Faktoren: Genetische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzen. Allerdings sind sie in weniger als 3% der Fälle der alleinige Auslöser für die Krankheit.
- Weitere Risikofaktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass auch andere Faktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und mangelnde körperliche Aktivität das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung erhöhen können.
Symptome und Verlauf
Kennzeichen einer Demenzsymptomatik ist das Auftreten von Veränderungen in verschiedenen Symptombereichen. Im Vergleich zu dem früheren Zustand treten Änderungen im Bereich mehrerer geistiger (kognitiven) Fähigkeiten auf (z. B. Gedächtnis, Orientierung, Aufmerksamkeit, Denkvermögen, Sprache). Gleichzeitig treten Beeinträchtigungen im Bereich der Alltagstätigkeiten und Verhaltensänderungen bzw. psychische Veränderungen auf.
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist bei jedem etwas unterschiedlich. Die Erkrankten sind aber zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Krankheitsdauer bis zum Tod beträgt im Durchschnitt etwa acht Jahre. Es gibt aber sehr schnelle Verläufe von nur zwei Jahren und sehr langsame Verläufe von über 20 Jahren.
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Die Krankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt:
- Leichte Kognitive Beeinträchtigung (MCI): An deren Beginn stehen in den meisten Fällen leichtgradige, aber messbare Einschränkungen von kognitiven Fähigkeiten. Die Einschränkungen sind aber noch so gering, dass sie sich nicht auf alltägliche Aufgaben auswirken. Meist ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Diesen Zustand bezeichnet man als "Leichte Kognitive Beeinträchtigung" oder auf Englisch "Mild Cognitive Impairment" (MCI).
- Frühes Stadium: Im frühen Krankheitsstadium stehen Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses im Vordergrund. Die Erkrankten können sich den Inhalt von Gesprächen nicht einprägen oder finden abgelegte Gegenstände nicht mehr wieder. Zusätzlich bestehen Störungen des planenden und organisierenden Denkens, Wortfindungs- und Orientierungsstörungen. Die Betroffenen sind in diesem Stadium bei Alltagsaufgaben weitgehend selbstständig. Lediglich komplizierte Tätigkeiten, beispielsweise das Führen des Bankkontos oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, können sie nur mit Hilfe ausführen.
- Mittleres Stadium: Die Einschränkungen von Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierungsfähigkeit nehmen allmählich zu und erreichen einen Grad, der die selbstständige Lebensführung nicht mehr zulässt. Die Betroffenen brauchen zunehmend Hilfe bei einfachen Aufgaben des täglichen Lebens wie Einkaufen, Zubereiten von Mahlzeiten, Bedienen von Haushaltsgeräten oder der Körperpflege. Viele Erkrankte können keine vollständigen Sätze mehr bilden und sind dadurch schwer zu verstehen. Die Erinnerungen an lang zurückliegende Ereignisse verblassen ebenfalls.
- Fortgeschrittenes Stadium: Im fortgeschrittenen Stadium besteht ein hochgradiger geistiger Abbau, die Sprache beschränkt sich nur noch auf wenige Wörter oder versiegt ganz. Die Demenzerkrankten sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. In der Regel geht die Kontrolle über Blase und Darm sowie über die Körperhaltung verloren. Viele können nicht mehr ohne Hilfe gehen, brauchen einen Rollstuhl oder werden bettlägerig. Es können Versteifungen in den Gliedmaßen, Schluckstörungen und Krampfanfälle auftreten.
Diagnose
Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Auch die Alzheimer-Krankheit kann mit geringem diagnostischen Aufwand gut erkannt werden.
Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten.
Sofern Warnsignale vorliegen, zum Beispiel Vergesslichkeit für wiederkehrende Ereignisse und alltägliche Begebenheiten, Wortfindungsstörungen oder Orientierungseinbußen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gerade bei leichten, beginnenden Einbußen ist es empfehlenswert, - nach Absprache mit dem Hausarzt - einen Facharzt (Neurologe bzw. Psychiater) oder eine Gedächtnissprechstunde aufzusuchen.
Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) festzustellen. Die Alzheimer-Krankheit führt zu einer Schrumpfung bestimmter Bereiche des Gehirns. Diese Schrumpfung kann mithilfe von MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder CT (Computer-Tomografie) sichtbar gemacht werden.
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Behandlungsmöglichkeiten
Für primäre Demenzen und damit den Großteil aller Erkrankungen gibt es derzeit keine Therapien, die zu einer Heilung führen. Allerdings gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Krankheitsverlauf verzögern und die Lebensqualität der Erkrankten verbessern können.
Medikamentöse Behandlung
In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt.
Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.
Medikamentöse Behandlungen setzen etwa bei dem für das Gedächtnis wichtigen Botenstoff Acetylcholin an. Dafür werden Arzneimittel eingesetzt, die das Enzym hemmen, das für den natürlichen Abbau von Acetylcholin sorgt.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern.
Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.
Nicht-medikamentöse Therapien werden eingesetzt, um die verbliebenen Fähigkeiten der Betroffenen zu trainieren, Alltagsfunktionen möglichst lange zu erhalten und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Dazu zählen etwa Musik- und Kunsttherapien, Bewegungsübungen oder Sinnes- und Wahrnehmungsübungen.
Weitere Therapieansätze sind die Basale Stimmulation, bei der die Reizarmut von an Demenz erkrankten Personen verhindert werden soll, die Förderung des Wissens rund um die eigene Person und deren Beziehungsumfeld im Rahmen einer Selbsterhaltungstherapie, sowie das Realitäts-Orientierungs-Training, welches jedoch vor allem in einem frühen Stadium der Demenz erfolgversprechend ist. Um die Wahrnehmung von Demenzkranken zu schulen, können auch musisch-künstlerische Therapieansätze verfolgt werden. Hierzu zählen die Kunst-, Musik- oder Tanztherapie. In der Ergotherapie lassen sich die motorischen Fähigkeiten von Demenzkranken trainieren. Neben den aktivierenden Behandlungsmethoden kann sich auch Entspannung positiv auf den Gesundheitszustand von Menschen mit Demenz auswirken. So lässt sich beispielsweise durch eine Aromatherapie eine Besserung von depressiven Stimmungen erzeugen, die bei Demenz häufig auftreten.
Bedeutung der Angehörigen
Angehörige spielen eine entscheidende Rolle bei der Betreuung und Pflege von Menschen mit Alzheimer. Sie sind durch die Auswirkungen der Demenz oft stark psychologisch belastet. Dennoch können sie Demenzkranke meist besser verstehen als andere, weil der Schlüssel zu deren Verhalten oft in der Biografie liegt.
Angehörige, die die Pflege überwiegend oder vollständig selbst übernehmen, können schnell an ihre Belastungsgrenzen kommen und sollten sich über Unterstützungsangebote informieren. Hilfreich können auch Selbsthilfegruppen von Angehörigen Demenzkranker sein.
Aktuelle Forschung
Die von Alois Alzheimer vor über 100 Jahren entdeckten Veränderungen im Gehirn von Auguste Deter bilden bis heute die Grundlage der aktuellen Alzheimer-Forschung. Heute arbeiten weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Erforschung dieser komplexen und bis heute unheilbaren Krankheit. Seit dieser ersten Beschreibung hat sich dank Forschung unser Verständnis der Krankheit stetig vertieft - die wichtigsten Entwicklungen zeigen unsere Meilensteine der Alzheimer-Forschung.
Die Forschung konzentriert sich auf verschiedene Bereiche, darunter:
- Früherkennung: Entwicklung von Biomarkern und Diagnoseverfahren, die eine frühe Erkennung der Krankheit ermöglichen.
- Krankheitsursachen: Identifizierung der genauen Ursachen und Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit.
- Therapieentwicklung: Entwicklung von Medikamenten und Therapien, die den Krankheitsverlauf verzögern, stoppen oder sogar umkehren können.
- Prävention: Entwicklung von Strategien zur Vorbeugung der Alzheimer-Krankheit.