Schlaganfall: Gefahren und Folgen – Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall kann jeden treffen, unabhängig vom Alter. Obwohl das Risiko mit zunehmendem Alter steigt, ist es wichtig zu verstehen, dass ein Schlaganfall keine reine "Alterskrankheit" ist. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Gefahren und Folgen eines Schlaganfalls, von den Risikofaktoren bis hin zu den langfristigen Auswirkungen und Therapiemöglichkeiten.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Die Ursachen für einen Schlaganfall sind vielfältig und lassen sich in nicht beeinflussbare und beeinflussbare Risikofaktoren unterteilen. Es ist wichtig zu wissen, dass sich diese Faktoren gegenseitig beeinflussen und das Risiko für Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder arterielle Verschlusskrankheit erhöhen können.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren

  • Alter: Das Schlaganfall-Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an.
  • Geschlecht: Männer haben ein höheres Schlaganfall-Risiko als Frauen, besonders im mittleren Lebensalter. Bei Frauen ereignet sich der Schlaganfall meist in einem späteren Lebensabschnitt, was oft schwerwiegendere Folgen hat.
  • Vererbung: Wenn in der Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist, erhöht sich das persönliche Risiko, selbst einen Schlaganfall zu erleiden. Dies gilt besonders bei vererbbaren Erkrankungen.

Beeinflussbare Risikofaktoren

  • Bluthochdruck (Hypertonie): Der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall. Je höher der Blutdruck und je länger er unbehandelt bleibt, desto größer ist das Risiko.
  • Erhöhtes Cholesterin: Steigert das Risiko für Gefäßerkrankungen durch Ablagerungen an den Gefäßwänden, was Arteriosklerose und Bluthochdruck begünstigt.
  • Rauchen: Erhöht das Schlaganfall-Risiko um das Zwei- bis Vierfache, da Schadstoffe die Blutgefäße belasten und Nikotin die Arterien verengt.
  • Vorhofflimmern: Eine Herzrhythmusstörung, die das Schlaganfall-Risiko massiv erhöht, da sich Blutgerinnsel im Herzen bilden und ins Gehirn gelangen können.
  • Diabetes: Erhöht das Schlaganfall-Risiko um das Zwei- bis Dreifache, da der hohe Zuckergehalt im Blut die Gefäßwände angreift und Arteriosklerose beschleunigt.
  • Übergewicht: Erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Bewegungsmangel: Fördert Übergewicht, erhöht den Blutdruck und verschlechtert die Blutfettwerte.
  • Stress: Kann zur Ausschüttung von Stresshormonen, Verengung der Blutgefäße, Zunahme der Herzfrequenz, Anstieg von Blutdruck und Blutzuckerspiegel und Erhöhung der Blutgerinnungsneigung führen.
  • Arteriosklerose: Veränderung der Blutgefäße durch Ablagerungen, die Struktur und Elastizität der Gefäße beeinträchtigen.
  • Carotisstenose: Einengung der Halsschlagadern, meist durch Arteriosklerose verursacht, die zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns führen kann.

Prävention von Schlaganfällen

Die Vermeidung von Risikofaktoren ist der Schlüssel zur Prävention eines Schlaganfalls.

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, wenig Fleisch und wenig Alkohol ist empfehlenswert.
  • Regelmäßige Bewegung: 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, sind ideal. Regelmäßige körperliche Aktivität und Sport halten fit: Bewegung trainiert unsere Muskeln und Gefäße und der Körper wird beim Sport mit mehr Sauerstoff versorgt. Dies macht die Gefäße elastisch. Besonders Ausdauersport reguliert den Zuckerstoffwechsel und senkt Blutdruck- und Cholesterinwerte.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht ist keine Erkrankung im eigenständigen Sinn. Es erhöht aber das Risiko für Folgeerkrankungen und unterstützt die Negativspirale der Faktoren, die Herzinfarkt und Schlaganfall hervorrufen können. Denn neben Diabetes, Gicht und anderen Stoffwechselerkrankungen steigert Übergewicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose.
  • Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Messungen und gegebenenfalls medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck. Sie können Ihren Blutdruck jederzeit beim Arzt und in vielen Apotheken messen lassen. Dort erfahren Sie auch, wie oft Sie Ihren Blutdruck kontrollieren sollten und welche Blutdruckwerte für Sie empfehlenswert sind. Tägliche Messung: Sinnvoll für Bluthochdruckpatientinnen und -patienten, wenn Änderungen der Blutdruckmedikamente erfolgen oder wenn Beschwerden auftreten, die mit Bluthochdruck in Zusammenhang stehen können, etwa Schwindel, Kopfschmerzen, innere Unruhe und Nasenbluten. Monatliche Messung: Ratsam für Menschen mit Herzerkrankungen, um sicherzugehen, dass das Herz keinem zu hohen Druck ausgesetzt ist. Halbjährliche Messung: Viele Mediziner empfehlen, ab dem 40. Lebensjahr mindestens in halbjährlichen Abständen den Blutdruck zu messen. Das gilt besonders, wenn Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhanden sind. Dazu gehören Übergewicht, Rauchen, hohe Blutfettwerte (Cholesterin), Bewegungsmangel und Stress. Kommt in der Familie Bluthochdruck gehäuft vor, sollten die Messungen bereits ab dem 35.
  • Behandlung von Diabetes und Fettstoffwechselstörungen: Eine gute Blutzuckereinstellung und die Normalisierung der Blutfettwerte sind wichtig.
  • Nichtrauchen: Der Verzicht auf Zigaretten reduziert das Schlaganfall-Risiko erheblich.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Während übermäßiger Alkoholkonsum schädlich ist, deuten einige Studien darauf hin, dass leichter bis mäßiger Alkoholkonsum das Schlaganfall-Risiko senken kann. Dies gilt aber nur für den Hirninfarkt.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Ein Schlaganfall-Risikotest kann helfen, das persönliche Risiko einzuschätzen und frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen. Wenn der Test auffällig ist, sollte er unbedingt immer zum Arzt gehen und dann können Risikofaktoren frühzeitig überprüft und entsprechende Behandlungen eingeleitet werden.

Anzeichen und Symptome eines Schlaganfalls

Es ist entscheidend, die Anzeichen eines Schlaganfalls zu erkennen und sofort zu handeln. Die Symptome treten plötzlich auf und können sein:

  • Plötzliche Taubheit oder Schwäche: Besonders auf einer Körperhälfte.
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen.
  • Sehstörungen: Plötzliches Verschwommensehen oder Verlust des Sehvermögens.
  • Schwindel: Plötzlicher Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen.
  • Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, heftige Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache.
  • Einseitige Lähmung des Gesichts: Wie ein hängender Mundwinkel.

FAST-Test

Der FAST-Test ist eine einfache Methode, um einen Schlaganfall zu erkennen:

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  • Face (Gesicht): Ist das Gesicht verzogen, hängt ein Mundwinkel herunter?
  • Arms (Arme): Können beide Arme gleichzeitig angehoben werden?
  • Speech (Sprache): Ist die Sprache verwaschen oder undeutlich?
  • Time (Zeit): Wenn eines dieser Symptome auftritt, sofort den Notruf 112 wählen!

Erste Hilfe bei Schlaganfall

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute.

  1. Sofort den Notruf 112 wählen: Die Aktivierung des Rettungssystems hat oberste Priorität.
  2. Person beruhigen: Dem Betroffenen Mut zusprechen und beruhigen.
  3. Stürze vermeiden: Darauf achten, dass die Person nicht stürzt, falls sie eine Gangstörung hat.

Behandlung im Krankenhaus

Die Behandlung eines Schlaganfalls erfolgt idealerweise in einer spezialisierten Stroke Unit. In Deutschland wird heutzutage auch der Großteil - ich will nicht sagen alle Schlaganfall-Patienten - auf solchen Stroke Units behandelt. Über die letzten Jahre hat sich auf diesem Gebiet eine Behandlungsexpertise entwickelt, so dass Schlaganfälle in solchen Einheiten besser behandelt werden als zum Beispiel in Krankenhäusern, die das nicht vorhalten oder in anderen Abteilungen oder internistischen Kliniken.

Diagnostik

  • Herz-Kreislauf-Monitoring: Überwachung von Herzfrequenz, Atemfrequenz und Blutdruck.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT zur Untersuchung der gehirnversorgenden Gefäße und zur Abklärung von Art und Ausmaß des Schlaganfalls.

Therapie

  • Thrombolyse (Lyse-Therapie): Medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels bei einem ischämischen Schlaganfall. Grundsätzlich sollte die Lysetherapie innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Schlaganfallsymptome begonnen werden. Neue Studien haben gezeigt, dass unter bestimmten Umständen eine Lysetherapie auch noch später erfolgreich sein kann.
  • Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels bei einem ischämischen Schlaganfall, oft mittels Katheter. Vor allem beim Verschluss großer Hirngefäße erfolgt eine Thrombektomie. Im Bereich der Thrombektomie gibt es tatsächlich Heilungserfolge, die an Wunderheilung grenzen kann: Es gibt Fälle, in denen der Patient mit einer schwerstgradigen Lähmung in die Klinik kommt und bei Entlassung eine Woche später keinerlei Einschränkungen mehr hat - sofern er nach dem Schlaganfall schnell in die Klinik gebracht wurde. Das ist gar nicht mal so selten und natürlich ein riesiger Erfolg der medizinischen Therapie.
  • Behandlung von Hirnblutungen: Blutdrucksenkung und gegebenenfalls operative Entfernung des Blutergusses. Bei ausgedehnten Hirnblutungen wird operiert.
  • Frührehabilitation: Krankengymnastik, Ergo- und Sprachtherapie zur Unterstützung der Rückbildung neurologischer Ausfälle.

Folgen eines Schlaganfalls

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von Art und Ausmaß des Schlaganfalls ab. Die stärksten Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall resultieren aus schwerwiegenden Lähmungen und Sprachstörungen. Und natürlich gibt es weitere Symptome, die nicht unbedingt etwas mit der initialen Schlaganfall-Symptomatik zu tun haben, die sich aber im Verlauf des Schlaganfalls entwickeln können und gar nicht mal selten sind.

Häufige Folgen

  • Lähmungen: Oft halbseitig, können Arme, Beine oder das Gesicht betreffen.
  • Sprachstörungen (Aphasie): Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen oder Lesen.
  • Sprechstörungen (Dysarthrie): Beeinträchtigung der Sprechmuskulatur.
  • Sehstörungen: Gesichtsfeldausfälle, Doppeltsehen oder Blindheit.
  • Schluckstörungen (Dysphagie): Schwierigkeiten beim Schlucken von Nahrung und Flüssigkeit. Auf eine Schluckstörung kann unter anderem eine verlangsamte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, häufiges Verschlucken, Hustenanfälle oder Atemnot hinweisen.
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen: Schwierigkeiten beim Merken, Lernen und Konzentrieren.
  • Aufmerksamkeitsstörungen (Neglect): Vernachlässigung einer Körperhälfte oder des Raumes. Bei einem Neglect ist die Wahrnehmung der betroffenen Körperseite gestört.
  • Psychische Probleme: Depressionen, Angststörungen oder emotionale Labilität. Viele Schlaganfall-Betroffene leiden unter Depressionen. Eine Angststörung kann viele Auslöser haben.
  • Spastik: Verkrampfte Muskulatur. Eine Spastik tritt in der Regel erst Wochen oder Monate nach dem Schlaganfall auf.
  • Schmerzen: Nervenschmerzen oder Muskelschmerzen.
  • Demenz: Verlust kognitiver Fähigkeiten. Eine Demenz bringt in der Regel typische Anzeichen mit sich: Die Konzentrations- und Orientierungsfähigkeiten lassen nach.
  • Epileptische Anfälle: Ein epileptischer Anfall entsteht dadurch, dass Nerven im Gehirn zu viele Signale abgeben - also übermäßig aktiv sind.

Langzeitfolgen

  • Einschränkungen im Alltag: Schwierigkeiten bei der Körperpflege, beim Anziehen, Essen oder Gehen. Von den betroffenen Personen weisen bis zu 40 Prozent längerfristig Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens, zum Beispiel bei der Fortbewegung, der Körperpflege oder dem selbstständigen Ankleiden und Essen auf.
  • Pflegebedürftigkeit: In schweren Fällen ist eine dauerhafte Pflege notwendig.
  • Arbeitsunfähigkeit: Viele Betroffene können ihren Beruf nicht mehr ausüben. Etwa eine von drei betroffenen Personen muss ihre berufliche Tätigkeit wechseln, ungefähr ein Viertel bleibt dauerhaft arbeitsunfähig.
  • Soziale Isolation: Rückzug aus dem sozialen Leben aufgrund von körperlichen oder psychischen Problemen. Corona bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Lebenswelt aller. Vor allem alleinstehende Menschen sind wegen des Corona-Lockdowns einsamer und bewegen sich weniger.

Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung nach einem Schlaganfall. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität des Betroffenen wiederherzustellen.

Bestandteile der Rehabilitation

  • Physiotherapie (Krankengymnastik): Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
  • Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten und Feinmotorik.
  • Logopädie (Sprachtherapie): Behandlung von Sprach- und Sprechstörungen. Mit Hilfe von Krankengymnasten, Sprachtherapeuten und Ergotherapeuten sollen die Patienten die verlorengegangenen alltäglichen Fähigkeiten wie z. B. Sprechen, Schlucken, Gehen und Ankleiden wieder erlernen.
  • Neuropsychologie: Behandlung von Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen.
  • Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Probleme.

Phasen der Rehabilitation

  • Akutrehabilitation: Beginn im Krankenhaus, sobald der Zustand des Patienten stabil ist. Das erste Training erfolgt kurz nach dem Schlaganfall noch im Krankenhaus. Auf Schlaganfall-Stationen arbeiten darum Neurologen mit intensivmedizinischer Zusatzausbildung, Krankenschwestern und Pfleger Hand in Hand mit medizinischen Assistenzberufen, wie Krankengymnastik (Physiotherapie), Sprach- und Beschäftigungstherapie (Logopädie, Ergotherapie).
  • Frührehabilitation: Fortsetzung der Rehabilitation in einer spezialisierten Klinik oder Reha-Zentrum.
  • Ambulante Rehabilitation: Fortsetzung der Therapie zu Hause oder in einer Tagesklinik. Je nach Schweregrad der Behinderung wird der Schlaganfall-Patient in einem Rehabilitationszentrum stationär, tagesklinisch oder ambulant weiterbehandelt. Auch eine rein ambulante Versorgung zu Hause ist denkbar, wenn nur einzelne Funktionen, wie zum Beispiel die Sprache, betroffen sind.

Bedeutung der Angehörigen

Die Angehörigen spielen eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozess. Sie begleiten den Patienten über einen manchmal sehr langen Zeitraum. Zu den belastenden Folgen für die Angehörigen zählen die Zunahme emotionaler und praktischer Anforderungen nach dem Schlaganfall, Veränderungen im familiären Zusammenleben sowie ein fortschreitender Verlust sozialer Kontakte. Aufgrund der erlebten Belastungen kann sich auch der Gesundheitszustand der Angehörigen deutlich verschlechtern, was sich zumeist in erhöhter Depressivität ausdrückt.2 Angehörige sollten daher sorgfältig auch auf ihr eigenes Wohl achten. Es ist wichtig, Unterstützung anzunehmen, wann immer es geht. Denn es gibt auch für Familienangehörige eine Reihe von Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen oder Beratungsangebote der Kliniken und Gemeinden.

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Leben nach einem Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark verändern. Mit Disziplin, Durchhaltevermögen und der Unterstützung ihres Umfeldes gelingt es den meisten Schlaganfallpatienten, wieder zu einer guten Lebensqualität zurückzufinden. Zunächst ist es wichtig, dass sich Betroffene nicht aufgeben und auch in der häuslichen Umgebung das Training aus der Rehabilitation fortführen. Die kontinuierlichen Übungen können dazu beitragen, einen alltäglichen Rhythmus zu etablieren und das Selbstbewusstsein zu stärken. Betroffene sollten sich viel bewegen. Regelmäßige Bewegung kann Druckgeschwüre, Gelenkversteifungen und Beinvenenthrombosen verhindern. Bewegung bedeutet Selbstständigkeit im Sinne eines selbstbestimmten Lebens. Die Zusammenkunft mit Menschen, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, hilft bei der seelischen Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung. Als Betroffener bietet sich die Möglichkeit, sich innerhalb einer Selbsthilfegruppe gegenseitig zu unterstützen und zu motivieren. In Deutschland gibt es über 400 Schlaganfall- Selbsthilfegruppen.

Tipps für Betroffene

  • Regelmäßiges Training: Fortsetzung der Übungen aus der Rehabilitation.
  • Gesunde Lebensweise: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Soziale Kontakte pflegen: Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder anderen sozialen Aktivitäten.
  • Unterstützung suchen: Annahme von Hilfe von Angehörigen, Freunden oder professionellen Helfern.
  • Nicht aufgeben: Mit Geduld und Ausdauer können viele Fähigkeiten wiedererlangt werden.

Schlaganfall-Lotsen

Eine spezielle Form der Nachsorge stellen die Schlaganfall-Losten dar, die den Patienten unterstützen, in die gewohnte Lebensumgebung zurückzukehren. Schlaganfalllotsin Nastasja Pfaff mit dem 1.000. Patienten des SOS Care Programms . 05. 1.000. Schlaganfall-Patient absolviert vom Uniklinikum entwickeltes Nachsorgeprogramm SOS-Care.

Nachsorgeprogramm SOS-Care

2011 nahm Deutschlands erster Schlaganfall-Lotse am Dresdner Uniklinikum seine Arbeit auf. Uwe Helbig, der heute das Team leitet und weitere Casemanager ausbildet, war wesentlich an der Ausgestaltung des SOS-Care-Konzepts beteiligt. Ausgangspunkt von SOS-Care war, standardisierte Versorgungsangebote in der ambulanten Nachbehandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten zu etablieren, die auch deren persönliches Umfeld einbezogen. Deshalb setzte das an der Klinik für Neurologie des Uniklinikums mit Unterstützung der AOK PLUS entwickelte und erprobte Programm auf ein ambulantes Casemanagement, in dessen Rahmen die Betroffenen für ein Jahr persönlich betreut werden. Dies übernehmen speziell geschulte Schlaganfall-Lotsinnen und -Lotsen, welche die weitere medizinische Versorgung koordinieren sowie Patientinnen und Patienten zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil motivieren. Wichtige Ziele sind dabei, die individuellen Risikofaktoren zu reduzieren und die Therapietreue zu verbessern - etwa in Form der regelmäßigen Einnahme der Medikamente. Intention dieser Nachsorge ist es, einen erneuten Schlaganfall und dessen Folgen zu vermeiden. Bisher wird dieses Angebot im Rahmen eines bundesweit einmaligen, mit der AOK PLUS geschlossenen Selektivvertrags finanziert. Deshalb ist das Nachsorgeprogramm auf Versicherte dieser gesetzlichen Krankenkasse begrenzt.

Lebenserwartung nach einem Schlaganfall

Obwohl ein Schlaganfall noch immer eine recht häufige Todesursache ist, überleben ihn die meisten Menschen bei rechtzeitiger Behandlung. Der entstandene Schaden am Gehirn kann die Lebenserwartung allerdings in den darauffolgenden Monaten und Jahren erheblich beeinflussen. Das liegt zum einen daran, dass die zugrunde liegenden Erkrankungen, etwa Arteriosklerose oder Diabetes mellitus, auf vielfältige Art und Weise zu Komplikationen führen und die Lebenserwartung verkürzen können. Außerdem ist das Risiko für weitere Ereignisse stark erhöht: Etwa eine von zehn betroffenen Personen erleidet innerhalb eines Jahres erneut einen Schlaganfall. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen überleben das erste Jahr nach dem Schlaganfall, mehr als die Hälfte der Betroffenen unter 50 Jahren auch die nächsten fünf. Das Alter ist ein entscheidender Faktor: Zum einen sinkt mit zunehmendem Alter die verbleibende Lebenserwartung nach einem Schlaganfall. Zum anderen ist die Erkrankung bei jüngeren Personen seltener unmittelbar lebensbedrohlich: Lediglich eine von 100 Personen unter 44 Jahren stirbt innerhalb der ersten Tage nach einem Hirnschlag im Krankenhaus, bei den über 90-Jährigen sind es 19 Prozent. Daneben spielt die Ursache für den Schlaganfall eine Rolle: An Hirnblutungen versterben kurz- und mittelfristig mehr Menschen als an einem ischämischen Infarkt. Was tut Schlaganfallpatienten gut? Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel oder weitere Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, beeinflussen die Lebenserwartung nach einem Schlaganfall. Bei Menschen, die einen gesunden Lebensstil führen und Begleiterkrankungen konsequent und bestmöglich therapieren, ist sie höher.

Einsamkeit als Risikofaktor

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe stellt das Thema Einsamkeit in den Mittelpunkt des Aktionstages gegen den Schlaganfall am 10. Mai 2021. Erst einsam, dann krank? - das haben wir Dr. Alexander Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Neurologie an den Sana Kliniken Leipziger Land in Borna und Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, gefragt. Kann man an Vereinsamung und Bewegungsmangel wirklich sterben? Es scheint so. „Einsamkeit ist die Todesursache Nummer eins in den westlichen Ländern“, sagt der bekannte Neurowissenschaftler und Psychiater Manfred Spitzer. Und eine Metastudie der University of York in Großbritannien zeigt, dass Einsamkeit und soziale Isolation das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöhen. Einsamkeit ist vermeidbar - jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen, dass sich andere Menschen nicht einsam fühlen. Laden Sie die alleinstehende Nachbarin mal auf eine Tasse Tee ein. Zeigen Sie anderen Menschen Möglichkeiten für neue Kontakte auf. Engagieren Sie sich ehrenamtlich, zum Beispiel in der Seniorenarbeit oder in der Unterstützung Jugendlicher. Dazu muss man vielleicht seine persönliche Komfortzone verlassen, aber es lohnt sich. Und aus medizinischer Sicht? Wenn wir das Schlaganfallrisiko unserer Patienten senken wollen, sollten wir neben den bekannten bewährten Maßnahmen auch deren soziale Netzwerke mit einbeziehen und sie ermutigen, neue Wege und Bekanntschaften einzugehen.

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