Epilepsie: Definition, Ursachen, Symptome und Behandlung der chronischen neurologischen Erkrankung

Epilepsie ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Charakteristische Anzeichen für Epilepsie sind wiederkehrende Anfälle, die durch abnorme elektrische Aktivitäten im Gehirn ausgelöst werden. Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen von Epilepsie betroffen, wobei die Häufigkeit im Kindesalter und bei älteren Menschen besonders hoch ist. Die Prävalenz in Industrieländern wird mit 0,5-0,9 Prozent angegeben. Die Neuerkrankungsrate liegt bei 40-70/100.000 Einwohnern pro Jahr.

Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Krankheit: Zunächst wird erläutert, was Epilepsie ist und wie sie entsteht.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie, auch bekannt als Fallsucht, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese sogenannten epileptischen Anfälle entstehen dadurch, dass Nervenzellen im Gehirn zu viele Signale auf einmal geben. Die Bedeutung des Begriffs Epilepsie geht auf das griechische Wort „epilambanein“ zurück, was „ergriffen werden“ meint, und beschreibt die plötzliche Natur der Krampfanfälle.

Epilepsie (ICD-10 G40) ist der Oberbegriff für zerebrale Funktionsausfälle aufgrund einer neuronalen Netzstörung. Leitsymptom sind wiederholte Anfälle. Definiert ist ein epileptischer Anfall als ein vorübergehendes Auftreten von subjektiven Zeichen und/oder objektivierbaren Symptomen aufgrund einer pathologisch exzessiven und/oder synchronisierten neuronalen Aktivität im Gehirn.

Es gibt einen Unterschied zwischen einem epileptischen Anfall und Epilepsie. Während ein epileptischer Anfall ein einmaliges Erlebnis sein kann und durch verschiedene Faktoren ausgelöst wird, wie z. B. der Einnahme von Drogen, Stress oder enormem Schlafmangel, handelt es sich bei Epilepsie um eine chronische Erkrankung. Bei dieser produziert unser Gehirn immer wieder Anfälle, häufig durch äußere Einflüsse ausgelöst. Jedoch kann dies auch ohne Reize von Außen passieren.

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Wie entsteht Epilepsie?

Epilepsie entwickelt sich, wenn die normale elektrische Aktivität im Gehirn gestört wird. Nervenzellen kommunizieren durch elektrische Signale, die in einem koordinierten Muster ablaufen.

Das zentrale Nervensystem im Gehirn besteht aus Milliarden von Nervenzellen. Diese erzeugen, empfangen und übertragen elektrische Signale. Das Zusammenspiel der Nervenzellen ist genau aufeinander abgestimmt. Bei Störungen kommt es zu plötzlichen elektrischen Entladungen. Diese Impulse werden im Körper weitergeleitet. Sie können krampfartige Zuckungen von Muskelgruppen auslösen. Vor allem die Arme und die Beine sind betroffen. Die Zuckungen lassen sich willentlich nicht kontrollieren. Jede Schädigung von Hirngewebe kann zu einer spontanen Entladung von Nervenzellen und damit zu einem Krampf führen.

Bislang sind die neurobiologischen Zusammenhänge der Epileptogenese nicht bis ins letzte Detail verstanden. Man weiß allerdings, dass eine neuronale intra- und transzelluläre Übererregung (Hyperexzitabilität) einzelner Nervenzellen, Fehlkoordinationen von Erregung und Hemmung neuronaler Zellverbände, veränderte Zellmembraneigenschaften und eine fehlerhafte Erregungsübertragung synaptischer Netzwerke zu einer abnormen exzessiven neuronalen Entladung führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Auslöser von Epilepsie sind vielfältig. Die Ursachen der Epilepsie sind noch nicht vollständig geklärt. In vielen Fällen ist eine Form der Epilepsie schon früher in der Familie aufgetreten, was für eine erbliche Veranlagung spricht. In einigen Fällen kann man Veränderungen im Erbmaterial (Genmutation) erkennen. Manche Anfälle können sich in Folge von Unfällen (posttraumatisch) oder als Reflexantwort ereignen. Bei anderen Anfällen können Veränderungen in der Gehirnstruktur (z. B. eine fokale kortikale Dysplasie) ursächlich sein.

Epilepsien und die damit verbundenen Anfälle sind auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen. Aktuell werden folgende Ätiologien unterschieden:

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  • Strukturelle Ursachen: Eine strukturelle Epilepsie ist mit umschriebenen pathologischen Hirnveränderungen assoziiert. Diese können erworben oder genetisch bedingt sein. Epileptogene Läsionen sind beispielsweise Hirntumore und Hirninfarkte, Kontusionsdefekte, vaskuläre Malformationen, Enzephalozelen, fokale kortikale Dysplasien, Polymikrogyrie der kortikalen Neurone, hypothalamische Hamartome oder eine Hippocampussklerose. Ebenso kann eine perinatale Hirnschädigung, oft infolge von Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs, eine Epilepsie verursachen.
  • Genetische Ursachen: In den letzten Jahren wurden mehrere Hundert Gene und Gen-Veränderungen identifiziert, die vermutlich oder sicher eine Epilepsie (mit)verursachen.
  • Infektiöse Ursachen: Infektionen sind die weltweit häufigste Ursache von Epilepsie. Eine infektiöse Ätiologie bezieht sich auf Patienten mit Epilepsie und nicht auf Patienten, die Anfälle im Verlauf einer akuten Infektion erleiden.
  • Metabolische Ursachen: Eine metabolisch verursachte Epilepsie ist direkte Folge einer Stoffwechselstörung, die epileptische Anfälle als Kernsymptomatik aufweist. Es wird angenommen, dass die meisten metabolisch bedingten Epilepsien einen genetischen Hintergrund haben und nur selten erworben sind.
  • Immunologische Ursachen: Eine immunologische Epilepsie ist auf eine autoimmun vermittelte Entzündung des ZNS zurückzuführen.
  • Unbekannte Ursachen: Neben den zuverlässig differenzierbaren Epilepsien gibt es Formen, deren Ursache (noch) nicht bekannt ist.

Auslöser (Trigger) von epileptischen Anfällen

Epileptische Anfälle können aus heiterem Himmel auftreten. In vielen Fällen sind aber auch bestimmte Trigger eines Anfalls bekannt. Die Auslöser können sich im individuellen Fall unterscheiden. Zu den häufigsten Triggern von epileptischen Anfällen gehören unter anderem:

  • Schlafmangel
  • unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • starke körperliche oder seelische Belastung (Stress)
  • hohes Fieber
  • Alkohol und Alkoholentzug
  • Drogen oder Schlafmittelentzug
  • eher selten flackerndes Licht (Computerspiele, Stroboskopbeleuchtung in Clubs)

Symptome der Epilepsie

Epilepsie äußert sich durch wiederholte Anfälle, die von kurzen Zuckungen bis hin zu schwereren Krampfanfällen und Bewusstseinsverlust reichen können. Die Symptome variieren je nach Form der Epilepsie bzw. Zu den allgemeinen Anzeichen zählen plötzliche Muskelzuckungen, unkontrollierte Bewegungen, Bewusstseinsverlust, Verwirrtheit und sensorische Störungen.

Abhängig von Ort und Ausprägung der Anfälle variiert die Phänomenologie beträchtlich. So gibt es nur wenige Sekunden dauernde motorische und sensible Episoden, Absencen, Abläufe mit Zuckungen einer Extremität, komplexe Bewegungs- und Bewusstseinsphänomene sowie die klassischen tonisch-klonischen Anfälle.

Krampfanfälle wirken sich auf Bewegungen, Empfindungen und Bewusstsein aus. Grundsätzlich wird zwischen fokalen und generalisierten Anfällen unterschieden. Die ILAE unterscheidet grundsätzlich zwischen Anfällen mit fokaler, generalisierter oder unbekannter Ausbreitung. Darüber hinaus werden diese in Formen mit motorischen und nicht-motorischen Bewegungsstörungen eingeteilt.

DRK Bundesarzt Prof. Dr. Bernd Böttiger rät Betroffenen zu achtsamen und gesunden Routinen: "Betroffene Personen sollten auf einen regelmäßigen Tagesablauf achten und hierbei vor allem anfallauslösende Faktoren meiden. Dazu gehören Stress, Schlafentzug, Reizüberflutung oder auch Alkohol in größeren Mengen." Um mögliche Auslöser oder Medikamentenwirkungen besser nachvollziehen zu können, empfiehlt der Experte das Führen eines Anfallkalenders. So können Risiken erkannt und im Alltag ggf. vermieden werden. Doch nicht nur das Wissen über Risikofaktoren steigt mit der Zeit, auch erste Vorzeichen werden nach und nach von Betroffenen besser und schneller erkannt: "Mit der Zeit lernen Betroffene ihren Körper kennen und manche spüren erste Vorzeichen, sogenannte Auren, vor dem Krampfanfall. Sie können sich durch Übelkeit, Geruchsempfindungen, Bauchkribbeln u. a. äußern.

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Generalisierte Anfälle

Formen der Epilepsie, die sich durch generalisierte Anfälle kennzeichnen, betreffen beide Gehirnhälften und führen zu einem vollständigen Bewusstseinsverlust und starken muskulären Zuckungen oder Krämpfen.

Diese Anzeichen sind charakteristisch für die generalisierte Anfallsform:

  • Tonisch-klonische Anfälle (Grand-Mal-Anfälle): Beginnen mit einer steifen Phase (tonisch) und gehen dann in rhythmische Zuckungen (klonisch) über. Durch die Anspannung aller Muskeln wird der Körper plötzlich steif (tonische Phase). Es folgt ein Bewusstseinsverlust - und danach kommt die klonische Phase. Dabei zucken die Muskeln krampfartig durch abwechselndes An- und Entspannen. Beim tonisch-klonischen epileptischen Anfall kommt es manchmal zu Zungen- oder Wangenbiss und Einnässen.
  • Absence-Anfälle (Petit-Mal-Anfälle): Verursachen kurze Bewusstseinsverluste ohne Stürze oder Zuckungen, oft unbemerkt von Außenstehenden. Teilweise handelt es sich um kurze „Aussetzer“ (sogenannte Absencen oder Bewusstseinsstörungen).
  • Myoklonische Anfälle: Führen zu plötzlichen, kurzen Muskelzuckungen, die einzelne Muskeln oder Muskelgruppen betreffen können.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle gehören zur Epilepsieform, die nur bestimmte Region des Gehirns betrifft und zu unterschiedlichen motorischen, sensorischen oder psychischen Symptomen führen kann, oft ohne Bewusstseinsverlust. Beim fokalen Anfall befindet sich die Störung in einem kleinen Bereich in einer der beiden Hirnhälften.

  • Beim fokalen Anfall zeigt die Patientin oder der Patient nicht zielgerichtete Verhaltensweisen. Beispiele sind Schmatzen, Lippenlecken sowie Nesteln. Auch Muskelzuckungen, verkrampfte Gliedmaßen und Muskelschwäche sind beim fokalen Anfall möglich. Während des Anfalls nimmt die Person manchmal ein Kribbeln, Taubheitsgefühle, Lichtblitze, ungewöhnliche Geräusche oder Gerüche wahr. Auch plötzliche Angst oder kurze Aussetzer in Sprache oder Gedächtnis treten auf. Weitere Symptome können Herzrasen, Schweißausbrüche, Speichelfluss und Übelkeit sein.

Anfallsformen im Detail

  • Fokale Anfälle: Epileptische Anfälle können im Gehirn herdförmig entstehen (fokale Anfälle). Manchmal sieht man dem Betroffenen gar nicht an, dass er einen Anfall hat. Er berichtet nur eine Wahrnehmung, wie zum Beispiel das Sehen von Blitzen in einer Hälfte des Gesichtsfeldes, Höreindrücke oder Kribbeln und Taubheitsgefühle im Bereich einer Extremität.
  • Generalisierte Anfälle: Generalisierte Anfälle betreffen beide Hirnhälften. Eventuell kommt es nur zu einem kurzen Aussetzer, der 10-20 Sekunden dauert. Begleitend kann der Betroffene blinzeln, die Augen nach oben bewegen oder den Kopf leicht nach hinten neigen (Petit Mal). Bei einem großen generalisierten Anfall (Grand Mal) verkrampft sich der Patient zunächst (tonische Phase). Gewöhnlich setzt dann nach 30-60 Sekunden eine Phase des Zuckens des ganzen Körpers ein (klonische Phase). Insbesondere beim großen epileptischen Anfall ist der Betroffene tief bewusstlos. Seine Atmung ist eingeschränkt und sein Gesicht kann sich blau verfärben.
  • Atonische Anfälle: Es gibt auch Anfälle, in denen der Betroffene die Muskelspannung verliert und zusammensackt. Solche Anfälle werden als atonische Anfälle bezeichnet.
  • Anfälle mit Versteifung: Auf der anderen Seite gibt es Anfälle, bei denen der Betroffene völlig versteift hinstürzt.

Phänomene nach dem Anfall

Es gibt unterschiedliche Phänomene nach einem Anfall. Experten nennen dies die „postiktuale“ Phase. Nach einem großen tonisch-klonischen Anfall schläft der Betroffene in der Regel längere Zeit. Anschließend ist er abgeschlagen und hat häufig spätestens am nächsten Tag einen Muskelkater.

Nach einem herdförmigen Anfall kann der Betroffene unter Umständen noch längere Zeit verwirrt, sprachgestört oder an der Extremität, an der der Anfall abgelaufen ist, gelähmt sein.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie erfolgt durch eine gründliche Anamnese, neurologische Untersuchungen und den Einsatz von bildgebenden Verfahren wie MRT.

Für die Diagnose wird die Patientin oder der Patient ausführlich befragt und körperlich untersucht.

Hier sind die wichtigsten Diagnosemöglichkeiten:

  • Anamnese: Eine detaillierte Patientenbefragung, die Informationen über die Anfallshäufigkeit, -dauer und -charakteristik sammelt. Auch Familienanamnese und Vorerkrankungen sind relevant. Der genaue Ablauf eines Anfalls ist für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aufschlussreich und sollte von Angehörigen nach Möglichkeit dokumentiert werden. Eine Videoaufnahme mit dem Handy kann zum Beispiel hilfreich sein. Allerdings sollten Angehörige nur dann filmen, wenn sie das vorab mit den Betroffenen zu Diagnostik-Zwecken vereinbart haben.
  • Neurologische Untersuchungen: Standardisierte Tests zur Überprüfung der neurologischen Funktionen, um mögliche Ursachen der Krampfanfälle zu identifizieren.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Ein Verfahren, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst und abnorme Muster, die auf eine Epilepsieform hinweisen, erkennt. Das Elektroenzephalogramm (EEG) misst die Hirnströme. Die Hirnstromkurve zeigt an, ob eine Neigung zu epileptischen Anfällen besteht.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Hochauflösende Bilder des Gehirns, die strukturelle Anomalien wie Tumore, Narbengewebe oder Fehlbildungen sichtbar machen. Mit der Magnetresonanztomografie des Gehirns (MRT) lassen sich krankhafte Veränderungen im Körper in hochauflösenden Bildern sichtbar machen.
  • Computertomographie (CT): Eine Methode zur schnellen Erstellung detaillierter Querschnittsbilder des Gehirns, nützlich bei akuten Fällen oder wenn eine MRT nicht verfügbar ist.
  • Bluttests: Zur Ausschlussdiagnose von Stoffwechselstörungen oder Infektionen, die Anfälle verursachen könnten. Auch die Blutuntersuchung kann dabei helfen, mögliche Ursachen für einen Krampfanfall oder eine Epilepsieerkrankung aufzuspüren.
  • Video-EEG-Monitoring: Eine Kombination aus EEG und Videoüberwachung, um Anfälle direkt zu beobachten und deren Verlauf genau zu dokumentieren.
  • Genetische Testung: Manchmal wird eine genetische Testung veranlasst.

EEG und MRT sind nach einem epileptischen Anfall wichtige Entscheidungshilfen, ob zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer Therapie begonnen werden soll. Sind beide Untersuchungen unauffällig, sollte in der Regel ein zweiter Anfall abgewartet werden.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie umfasst medikamentöse Therapien, chirurgische Eingriffe und alternative Ansätze wie den Vagusnerv zu stimulieren. Die Behandlung von Epilepsie richtet sich nach der Form und Ursache der Anfälle.

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf ab. Meist wird eine Epilepsie mit Medikamenten behandelt, sogenannten Antiepileptika. Es stehen unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Wenn ein Medikament in einer niedrigen Dosierung nicht wirkt, kann zunächst die Dosis erhöht werden. Zeigt sich kein Erfolg, probiert man ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe oder kombiniert mehrere Wirkstoffe.

Die Behandlung wird von einer Neurologin oder einem Neurologen begleitet. Kinder und Jugendliche werden von Kinder- und Jugendneurologinnen und -neurologen betreut. Meist findet ein Teil der Untersuchung und Behandlung im Krankenhaus statt. Manche ambulanten Einrichtungen und Kliniken haben sich auf die Behandlung von Menschen mit Epilepsie spezialisiert: Epilepsie-Zentren, Epilepsie-Ambulanzen und Schwerpunktpraxen. Diese eignen sich besonders bei speziellen Problemen, einer unklaren Diagnose oder wenn es trotz Behandlung weiter zu Anfällen kommt.

Medikamentöse Therapie

Die häufigste Behandlungsmethode umfasst die Einnahme von Antiepileptika, die helfen, Anfälle zu kontrollieren. Die Auswahl des Medikaments hängt von der Anfallsform und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen ab.

Wer sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheidet, nimmt diese meist über mehrere Jahre ein. Wenn in dieser Zeit keine Anfälle aufgetreten sind, können manche Menschen versuchsweise auf Medikamente verzichten. Andere benötigen ihr Leben lang Medikamente.

Antiepileptika können Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel haben. Manchmal bestehen spezielle Risiken, zum Beispiel während der Schwangerschaft für das ungeborene Kind. Eine ausführliche ärztliche Beratung ist dann besonders wichtig.

Epilepsiechirurgie

Bei Patientinnen und Patienten, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen, kann die Epilepsiechirurgie in Betracht gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Bereich des Gehirns zu entfernen oder zu isolieren, der für die epileptischen Anfälle verantwortlich ist.

Wenn sich bei fokalen Anfällen feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns die Anfälle auslöst, kann er entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.

Vagusnervstimulation

Dabei wird ein Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden und soll die Überaktivität der Nervenzellen hemmen. Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv des vegetativen Nervensystems und an der Regulierung der inneren Organe beteiligt.

Ergänzende Therapien

Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.

Für Kinder mit Epilepsie steht eine qualifizierte Ernährungsberatung zur Verfügung, die auf die Vorteile einer ketogenen Diät abgestimmt ist.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden. Bei einem schweren Anfall kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein.

  1. Ruhe bewahren: Ein Anfall wirkt oft extrem und dramatisch, in den meisten Fällen hört er jedoch bereits nach wenigen Minuten von selbst auf und Betroffene nehmen keinen Schaden.
  2. Ggf. Notarzt rufen: Sie haben nicht gesehen, wie die oder der Betroffene zu Boden gegangen ist? In diesem Fall sollten Sie Notärztin oder Notarzt rufen, damit Verletzungen durch einen möglichen Sturz ausgeschlossen werden können. Der Einsatz einer Notärztin oder eines Notarztes ist auch dann wichtig, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder die betroffene Person nach dem Anfall nicht normal atmet.
  3. Gefahren minimieren: Krampfende Menschen haben keine Kontrolle über ihren Körper.
  4. Abschirmen: Der dramatische Effekt eines Krampfanfalls zieht häufig Blicke von Passanten an, gerade, wenn dieser mitten in der Öffentlichkeit stattfindet. Versuchen Sie daher, die betroffene Person zu schützen, indem sie diese vor unerwünschten Blicken abschirmen.
  5. Nichts in den Mund stecken: Häufig hält sich das Gerücht, krampfenden Personen Gegenstände in den Mund zu stecken, um einen Biss auf die Zunge zu verhindern.
  6. Nach dem Anfall folgt die stabile Seitenlage: Nach dem Anfall kann die betroffene Person bewusstlos sein.

Prognose von Epilepsie

Die Prognose von Epilepsie variiert stark und hängt von der Art der Anfälle und der Reaktion auf die Behandlung ab. Der Verlauf von Epilepsie ist individuell unterschiedlich. Einige Epileptikerinnen und Epileptiker reagieren gut auf Medikamente und bleiben über lange Zeiträume anfallsfrei. Bei anderen sind die Anfälle resistent gegenüber Medikamenten, was zu einer chronischen Erkrankung führen kann.

Die Lebenserwartung von Menschen mit Epilepsie ist in den meisten Fällen nicht wesentlich verkürzt. Durch moderne Medikamente und Therapien können viele Betroffene ein nahezu normales Leben führen. Allerdings hängt die Prognose stark von der Schwere und der Kontrolle der Anfälle ab.

Folgen einer unbehandelten Epilepsie

Unbehandelt kann Epilepsie zu schweren gesundheitlichen und sozialen Folgen führen, darunter Verletzungsrisiken während eines Anfalls und Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung bei Kindern.

Epilepsie kann verschiedene Folgen haben:

  • Physische Folgen: Verletzungen durch Stürze oder Unfälle während eines Anfalls, einschließlich Knochenbrüche und Kopfverletzungen.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Langfristige Anfälle können die geistige Entwicklung und kognitive Funktionen beeinträchtigen, insbesondere bei Kindern.
  • Psychosoziale Auswirkungen: Stigmatisierung, Angststörungen und Depression sind häufige Begleiterscheinungen, welche die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken können.
  • Einschränkungen im Alltagsleben: Schwierigkeiten bei der Berufsausübung, im sozialen Umfeld und bei alltäglichen Aktivitäten können auftreten. Auch rechtliche Einschränkungen wie Fahrverbote können eine Rolle spielen.
  • Erhöhtes Risiko für plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie (SUDEP): In seltenen Fällen kann es zu einem plötzlichen unerwarteten Tod kommen, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind.

Leben mit Epilepsie

Menschen mit Epilepsie dürfen unter bestimmten Bedingungen Auto fahren, wenn sie eine gewisse Zeit anfallsfrei sind und dies von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten bestätigt wird. Eine Kraftfahreignung hängt von der individuellen Situation und der Einschätzung der behandelnden Neurologin bzw.

Eine ausführliche individuelle Beratung, insbesondere zu Themen wie Führerschein, Ausbildung, Arbeitsplatz, ist wichtig. Informationen und gegenseitige Unterstützung bieten auch Selbsthilfegruppen.

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