Ist Migräne eine Erbkrankheit? Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen sind oft von weiteren Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, deuten Forschungsergebnisse stark darauf hin, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die genetischen Aspekte der Migräne, ihre Symptome, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und gibt Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse.

Was ist Migräne?

Migräne ist mehr als nur ein "starker Kopfschmerz". Es handelt sich um eine neurologische Funktionsstörung, bei der das Gehirn besonders empfindlich auf innere und äußere Reize reagiert. Diese Überreizung kann zu einer Entzündung an den Blutgefäßen von Gehirn und harter Hirnhaut führen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) schätzt, dass etwa 14 Prozent aller Frauen und 8 Prozent aller Männer unter Migräne leiden. Besonders betroffen sind Erwachsene zwischen 35 und 45 Jahren, wobei Frauen in dieser Altersgruppe dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

Symptome der Migräne

Die Symptome einer Migräneattacke können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Typische Symptome sind:

  • Pulsierend-pochender Schmerz: Der Schmerz tritt in der Regel in nur einer Kopfhälfte auf. Er kann aber auch beidseitig auftreten oder sich auf verschiedene Bereiche des Kopfes ausbreiten.
  • Übelkeit und Erbrechen: Viele Migränepatienten leiden unter Übelkeit, die bis zum Erbrechen führen kann.
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: Betroffene sind während einer Attacke oft sehr empfindlich gegenüber Licht (Photophobie) und Lärm (Phonophobie).
  • Aura: Bei etwa 15 Prozent der Migränepatienten geht der Kopfschmerzphase eine Aura voraus. Auren sind neurologische Ausfälle, die sich meist in visuellen Symptomen äußern, wie Flimmern vor den Augen oder Gesichtsfeldausfälle. Es kann aber auch zu Sprach- oder Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmungen in einer Körperhälfte kommen.

Migräne bei Kindern

Kopfschmerzen treten häufig bereits in jungen Jahren auf. Etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder zwischen sieben und 15 Jahren leiden unter Migräne-Symptomen. Selbst noch jüngere Kinder kann es treffen. Im Gegensatz zu Erwachsenen verspüren Kinder den Schmerz oft beidseitig, und die Attacken können kürzer sein und manchmal schon nach 30 Minuten wieder abklingen. In einigen Fällen kündigt sich die Migräne-Attacke schon einen Tag vorher an, etwa durch eine bedrückte Stimmung oder fehlenden Appetit.

Genetische Grundlagen der Migräne

Die Vorstellung, dass Migräne eine genetische Komponente hat, ist nicht neu. Viele Betroffene berichten, dass Migräne in ihrer Familie gehäuft auftritt. Studien haben gezeigt, dass Kinder von Migränepatienten ein höheres Risiko haben, selbst an Migräne zu erkranken.

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Familiäre Häufung

Es kommt häufig vor, dass mehrere Generationen in einer Familie unter Migräne leiden. Dies deutet darauf hin, dass ein genetischer Faktor zur Krankheitsgeschichte beiträgt. Eine Studie an 50 finnischen Familien mit mehreren Migräne-Patienten deutete darauf hin, dass die Krankheit erblich sein könnte. Die Forscher stellten fest, dass 30 Prozent der Betroffenen in der q23-Region auf dem langen Arm von Chromosom 4 bestimmte genetische Merkmale aufweisen.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Die weltweit größte Genetikstudie in der Migräneforschung identifizierte erstmals einen genetischen Risikofaktor für Migräne. Entdeckt wurden Genvarianten im Band des langen Arm des Chromosoms 8, bezeichnet mit dem Kürzel 8q22.1. Die Träger dieser Variante sind also prädisponiert für eine Migräneerkrankung.

Die Studie deutet auf eine genetisch bedingte Fehlregulation des hauptsächlichen Glutamat-Membrantransporters hin. Glutamat ist ein wichtiger Neurotransmitter, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen könnte. Eine Besonderheit des Glutamats ist, dass dieser Neurotransmitter, sobald er einmal durch Gehirnaktivität freigesetzt wurde, nicht gleich metabolisiert wird, also abgebaut und damit unschädlich wird. Glutamat kann nur über Membrantransporter aus dem extrazellulären Raum entfernt werden.

Bedeutung für die Krankheitsursache

Die Forschungsergebnisse liefern wichtige Hinweise auf die Mechanismen, die bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen. Es wird vermutet, dass ein gestörter Glutamathaushalt zu einer Welle neuronaler Entladung (Spreading Depression, SD) führen kann, die sowohl die Aura auslöst als auch den Kopfschmerz. Es bleibt jedoch unklar, ob der hohe Glutamatspiegel für beides getrennt verantwortlich ist.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose der Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese des Patienten und einer neurologischen Untersuchung. Es gibt keine spezifischen Tests, die Migräne nachweisen können. Die Diagnose wird in der Regel anhand der Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) gestellt.

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Schwierigkeiten bei der Diagnose

Trotz klarer Diagnosekriterien wird Migräne oft nicht erkannt oder falsch diagnostiziert. Studien zeigen, dass nur ein Teil der Migränepatienten eine korrekte Diagnose erhält. Besonders bei Männern und Kindern wird die Erkrankung verkannt. Migräne gilt immer noch als eine Frauen-Krankheit. Deswegen gehen viele Ärzte davon aus, dass Männer nicht Migräne haben können. Kinder haben hingegen häufig untypische Symptome - zum Beispiel erbrechen sie sich statt über Kopfschmerzen zu klagen.

Behandlungsmöglichkeiten der Migräne

Da Migräne nicht heilbar ist, zielt die Therapie darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren. Die Behandlung umfasst sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze.

Akutbehandlung

Bei einer akuten Migräneattacke können Schmerzmittel und Triptane helfen. Triptane sind spezielle Migränemittel, die beim Spannungskopfschmerz unwirksam sind. Auch herkömmliche Schmerzmittel können leichte und mittelschwere Migräneanfälle mildern. Da Erbrechen und Übelkeit die Wirksamkeit der Medikamente beeinträchtigen können, empfiehlt die DMKG den Patienten zusätzlich Magen-Darm-Mittel zu schlucken. Außerdem hilft Bettruhe in dunklen, ruhigen Räumen und ein Eisbeutel auf der Stirn.

Vorbeugende Maßnahmen

Es gibt verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen, die helfen können, Migräneattacken vorzubeugen:

  • Regelmäßiger Ausdauersport: Sport kann Migräneattacken vorbeugen. Empfohlen werden zwei- bis dreimal die Woche aeroben Ausdauersport treiben, zum Beispiel Fahrrad fahren oder Jogging.
  • Entspannungsübungen: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
  • Identifizierung und Vermeidung von Triggern: Bestimmte Auslöser (Triggerfaktoren) können Migräneattacken provozieren. Zu den häufigsten Triggern gehören Hormonschwankungen, Änderungen im Wach-Schlaf-Rhythmus, das Wetter, Stress und bestimmte Nahrungsmittel.

Medikamentöse Prophylaxe

Wenn Migräne häufig und besonders stark auftritt, kann eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll sein. Hierfür werden häufig Beta-Blocker oder Epilepsie-Medikamente eingesetzt. Auch eine "Prophylaxe light" mit Magnesium kann bei vielen Patienten helfen.

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Homöopathische Behandlung

Anders als in der Schulmedizin, wo man hier überwiegend „nur“ auf den Schmerz selbst achtet und diesen zu tilgen versucht, versucht man in der Homöopathie herauszufinden, was mit der ganzen Konstitution dieses Patienten nicht stimmt, wo seine seelischen, allgemeinen oder auch lokalen Störungen liegen, die dann in ihrer Summe eben die Kopfschmerzsituation mit auslösen. Dazu wird man zunächst eine gründliche Erstanamnese durchführen, um alle Symptome des Patienten zu erfragen ( Migräne, Psyche, Allgemeines, Lokales etc…), danach wird dasjenige homöopathische Mittel eingesetzt, welches den hier besonders charakteristischen Symptomen am besten entspricht.

Kopfschmerztagebuch

Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt den Arzt dabei, die individuellen Stressfaktoren zu erkennen. Das kann zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein, ein ausufernder Medienkonsum oder eine Konfliktsituation in der Familie. Der Arzt bespricht dann mit dem Kind und seinen Eltern geeignete Maßnahmen, die den kindlichen Stress verringern und die seelische Widerstandskraft steigern können.

Umgang mit Migräne im Alltag

Migräne kann den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit den Attacken umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:

  • Akzeptanz der Erkrankung: Migräne ist eine chronische Erkrankung, die nicht einfach "weggemacht" werden kann. Die Akzeptanz der Erkrankung ist ein wichtiger Schritt, um mit ihr umzugehen.
  • Selbstmanagement: Betroffene können lernen, ihre Migräne selbst zu managen, indem sie ihre Triggerfaktoren identifizieren und vermeiden, Entspannungstechniken anwenden und regelmäßige Bewegung in ihren Alltag integrieren.
  • Unterstützung suchen: Es ist wichtig, sich mit anderen Migränepatienten auszutauschen und Unterstützung zu suchen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen Betroffene sich gegenseitig unterstützen können.
  • Kindgerechtes, gesundes, ausgewogenes, bewegungsreiches und glückliches Leben: Bei Kindern mit leichter Migräne steht eine Behandlung mit Medikamenten nicht im Vordergrund. Neben Ruhe und Schlaf bringt vielen bereits regelmäßiger Sport Linderung.

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