Primäre Hirntumoren sind selten und entstehen direkt aus Gehirngewebe, anders als Hirnmetastasen, die Absiedlungen von Krebs aus anderen Organen darstellen. Es gibt zahlreiche verschiedene Formen von Hirntumoren, und die Beschwerden hängen vor allem von der Größe und Lage des Tumors ab. Die Behandlung kann Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente umfassen, und in manchen Fällen können Patienten an klinischen Studien mit neuen experimentellen Therapien teilnehmen.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Sie sollten nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Was ist ein Hirntumor?
Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des Gehirns und können gutartig oder bösartig sein. Zusammen mit Tumoren in Rückenmark, Hirn- und Rückenmarkshäuten und Hirnnerven werden sie auch als Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) bezeichnet.
Gutartige und Bösartige Hirntumoren
Gutartige Hirntumoren wachsen gut begrenzt und können meist vollständig entfernt werden, während bösartige Hirntumoren in umliegendes Gewebe wachsen, was ihre vollständige Entfernung erschwert.
Beispiele für bösartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Glioblastom
- Diffuses Astrozytom
- Diffuses Oligodendrogliom
- Medulloblastom
Auch bösartige Tumoren des Lymphsystems (maligne Lymphome) können im Gehirn auftreten.
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Beispiele für gutartige Tumoren des zentralen Nervensystems:
- Meningeom
- Neurinom/Schwannom
- Pilozytisches Astrozytom
Hypophysen-Adenome sind ebenfalls häufige gutartige Tumoren im Bereich der Hirnanhangdrüse, werden aber formal den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet.
Eigenschaften von Hirntumoren
Hirntumoren unterscheiden sich in:
- Ursprungs-Zelltyp: Am häufigsten gehen sie von Gliazellen aus (Gliome).
- Genetischen Veränderungen (Mutationen): Diese sind entscheidend für die Einschätzung des Krankheitsverlaufs und die Therapieplanung, z. B. Veränderungen im IDH-Gen bei Gliomen.
- Wachstumsverhalten und Prognose: Beschrieben durch den ZNS-WHO-Grad von 1 (langsam wachsend) bis 4 (schnell wachsend).
Es ist wichtig zu beachten, dass Hirnmetastasen von Tumoren außerhalb des Gehirns ausgehen und anders behandelt werden als primäre Hirntumoren.
Symptome von Hirntumoren
Hirntumoren können vielfältige Beschwerden verursachen, die von der Lage des Tumors abhängen. Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit können auch bei anderen harmlosen Erkrankungen vorkommen, aber neu auftretende oder sich verändernde Kopfschmerzen sollten abgeklärt werden.
Typische Symptome:
- Neu auftretende Kopfschmerzen, vor allem nach dem Aufwachen
- Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
- Ungeklärte Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen (verschleiertes Sehen, Doppelbilder, Verlust des Sehvermögens in einem Gesichtsfeld)
- Allmählicher Verlust der Empfindung oder Bewegungsfähigkeit (Motorik) in einem Arm oder einem Bein
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
- Sprachschwierigkeiten
- Hörstörungen
- Müdigkeit bis zur Benommenheit
- Zunehmende Verwirrung
- Veränderungen der Persönlichkeit oder des Verhaltens
- Hormonelle Störungen (bei Tumoren der Hypophyse)
Ursachen und Risikofaktoren für Hirntumoren
Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unklar. Experten vermuten, dass sie überwiegend zufällig aufgrund von Fehlern bei der Zellteilung entstehen.
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Bekannte Risikofaktoren:
- Bestimmte genetische Krankheitsbilder: Erbliche Tumorsyndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom oder Erkrankungen wie Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Familiäre Belastung: Verwandte ersten Grades von jung erkrankten Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko.
- Therapeutische Bestrahlung: Bestrahlung des Schädels oder im Kopf-Hals-Bereich, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, erhöht das Risiko.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Eine solche Untersuchung der Kopf-Hals-Region kann das Risiko geringfügig erhöhen.
Forschung: Umweltfaktoren und Lebensstil
Ob Infektionen mit bestimmten Viren, schädigende Substanzen, Rauchen oder Alkohol das Risiko für Hirntumoren erhöhen, ist bisher unklar.
Mobiltelefone
Bisher wurde kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Hirntumoren festgestellt.
Häufigkeit von Hirntumoren
In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 7.300 Menschen an einer bösartigen Krebserkrankung des Zentralen Nervensystems. Männer erkranken im Mittel mit 63 Jahren, Frauen mit 66 Jahren. ZNS-Tumoren können jedoch in jedem Lebensalter auftreten.
Früherkennung von Hirntumoren
Bisher gibt es kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Gehirntumoren für alle, da bösartige Hirntumoren eher selten sind und es Hirntumoren gibt, die innerhalb weniger Wochen rasch wachsen können. Ausnahmen gelten für Risikogruppen mit erblichen Tumorerkrankungen (Tumorsyndrome), bei denen regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren sinnvoll sein können.
Diagnostik von Hirntumoren
Zur Diagnostik von Hirntumoren stehen verschiedene und einander ergänzende Verfahren zur Verfügung.
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- Anamnese: Der Arzt fragt nach Vorerkrankungen, Lebensgewohnheiten und dem Verlauf der Beschwerden.
- Klinische Untersuchungen: Beurteilung der Sinneswahrnehmung, Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses.
- Bildgebende Untersuchung: Magnetresonanztomographie (MRT) ist die Untersuchung der Wahl.
- Biopsie: Entnahme von Tumorgewebe zur mikroskopischen Untersuchung und zur Analyse von Genveränderungen.
Arten einer Biopsie:
- Stereotaktische Biopsie (gezielte Gewebeentnahme)
- Entnahme von Tumorgewebe während der Tumoroperation
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung unterscheidet sich je nach Form des Hirntumors.
- Operation: Entfernung des Hirntumors, soweit möglich.
- Weitere Behandlung (bei bösartigen Hirntumoren): Strahlentherapie, Chemotherapie oder eine Kombination aus beidem.
- Zielgerichtete Therapie: Medikamente, die sich gegen bestimmte Eigenschaften der Krebszellen richten.
- Experimentelle Therapien: Im Rahmen klinischer Studien.
Unterstützende Behandlung (Supportivtherapie)
Linderung oder Vorbeugung von Beschwerden, die durch die Behandlung oder die Krebserkrankung auftreten können, z. B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, epileptische Krampfanfälle oder Hirnschwellung (Hirnödem).
Rehabilitation nach der Therapie eines Hirntumors
Bei Patientinnen und Patienten mit neurologischen Beschwerden prüfen Ärzte bereits frühzeitig, ob und wie diese gebessert werden können. Betroffene und ihre Angehörigen können außerdem eine psychoonkologische Unterstützung in Anspruch nehmen.
Verlaufskontrollen nach der Behandlung
Nach der Therapie dienen Kontrolluntersuchungen dazu, einen Rückfall der Erkrankung (Rezidiv) und Folgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Häufigkeit der Untersuchungen hängt vom Risiko eines erneuten Wachstums des Hirntumors oder dem Auftreten neuer Beschwerden ab.
Auswirkungen eines Hirntumors auf das Leben und den Alltag
Die Einschränkungen hängen von der Art des Tumors, der Lage im Gehirn, der Phase der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand, der Art der Behandlung und den Behandlungsfolgen ab.
Ansprechpartner bei Hirntumoren
Bei der Behandlung von Hirntumoren arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen. Krankenhäuser mit viel Erfahrung können sich als Onkologisches Zentrum mit dem Modul Neuroonkologie zertifizieren lassen. Die Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA) in der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. kann bei der Suche nach einem geeigneten Behandlungszentrum unterstützen.
Rauchen und Hirntumoren: Gibt es einen Zusammenhang?
Die Frage, ob Rauchen das Risiko für Hirntumoren erhöht, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung. Während einige Studien keinen direkten Zusammenhang gefunden haben, deuten andere darauf hin, dass Rauchen indirekt das Risiko beeinflussen könnte.
Nikotin und Hirnmetastasen
Eine Studie hat gezeigt, dass Nikotin die Bildung von Metastasen im Gehirn fördern kann, indem es die Bildung von M2-Mikroglia stimuliert. M2-Mikroglia sind Immunzellen, die das Tumorwachstum fördern können. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Nikotinersatztherapien möglicherweise keine geeigneten Strategien für Lungenkrebspatienten sind, die versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören.
Cannabis und Kopf-Hals-Tumore
Eine Studie hat einen Zusammenhang zwischen Cannabisabhängigkeit und einem erhöhten Risiko für Kopf-Hals-Tumore gefunden. Da Cannabis zumeist geraucht wird und dabei schädliche Stoffe entstehen, könnte dies ein möglicher Risikofaktor sein. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studie lediglich einen statistischen Zusammenhang zeigt und keinen Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung liefert.
Allgemeine Krebsrisiken durch Rauchen
Es ist unbestritten, dass Rauchen ein wichtiger vermeidbarer Risikofaktor für Krebs ist. Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs, sondern auch eine ganze Reihe anderer Krebserkrankungen. Obwohl der direkte Zusammenhang zwischen Rauchen und Hirntumoren nicht eindeutig belegt ist, ist es wichtig, die allgemeinen Krebsrisiken durch Rauchen zu berücksichtigen.