Lambrusco: Mehr als nur ein süßer Schaumwein – Gesundheitliche Vorteile und Vielfalt

Lambrusco, oft als billiger Massenwein abgetan, erlebt eine Renaissance. Dieser Artikel beleuchtet die gesundheitlichen Vorteile von Lambrusco, räumt mit Vorurteilen auf und zeigt die Vielfalt dieses italienischen Weins auf.

Lambrusco: Eine Familie von Rebsorten

Lambrusco ist nicht nur eine Rebsorte, sondern eine ganze Familie von über 20 Rebsorten, die alle den Namen "Lambrusco" oder "Lambrusca" tragen, meist mit einem Zusatz wie Lambrusco di Sorbara oder Lambrusco Grasparossa. Eine der Rebsorten, Lambrusco Mendoza, ist sogar mit der toskanischen Stammrebsorte Sangiovese identisch. Der Name "Lambrusco" bedeutet übersetzt "wilde Rebe", was auf die Vielfalt und Ursprünglichkeit dieser Weine hindeutet.

Vom Massenprodukt zum Qualitätserzeugnis

Lange Zeit galt Lambrusco als minderwertiger, süßlicher Schaumwein, der in den 1980er Jahren sogar in Dosen abgefüllt wurde. Dieses Image haftet ihm noch immer an, doch es gibt mittlerweile viele hervorragende Lambrusco-Weine, die das Niveau dieses Getränks massiv heben.

Qualitativ hochwertiger restsüßer und edelsüßer Wein entsteht immer in einem natürlichen Verfahren. Die Süße eines Weines wird bei Qualitätsweinen vom unvergorenen Zucker (Restzucker) bestimmt, der nach erfolgter Gärung im Wein bleibt. Bei sehr reifen Trauben und steigendem Alkohol ist die Hefe manchmal schon vor dem Gären des gesamten Zuckers erschöpft und überlässt dem Wein einen mehr oder minder großen Teil natürlichen Fruchtzuckers. Generell kann der Winzer die Gärung auch stoppen.

Gemeinhin werden Weine unter vier Gramm Restzucker pro Liter (in Deutschland bis 8 Gramm) als trocken bezeichnet. Es kann aber vorkommen, dass bei gut eingebundener und ausgleichender Säure selbst ein Wein mit 15 Gramm Restzucker als trocken empfunden wird. Und es kann relativ trockene Weine geben, die aufgrund fehlender Säure als süß empfunden werden.

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Schaumwein, Stillwein, süß oder trocken? Die Vielfalt des Lambrusco

Der größte Teil der Lambrusco-Weine wird als Schaumwein vermarktet, aber es gibt auch "stille" Lambrusco-Weine, also normale Rotweine. Für Schaumweine geben die Bezeichnungen auf dem Etikett Auskunft über den Restzuckergehalt:

  • Secco: Trocken ausgebauter Lambrusco mit Blumen- und Kräuteraromen.
  • Semisecco: Halbtrockene Stilistik mit fruchtbetonten Aromen.
  • Amabile: Lieblich
  • Dolce: Süß

Die Anbaugebiete des Lambrusco

Nicht nur die Rebsorten, sondern auch die Anbaugebiete tragen den Begriff Lambrusco im Namen. Es gibt vier DOC-Bereiche für Lambrusco, von denen drei in der Emilia-Romagna liegen:

  • Lambrusco di Sorbara
  • Lambrusco Grasparossa di Castelvetro
  • Salamino di Santa Croce

Das einzige DOC-Gebiet außerhalb der Emilia-Romagna ist Lambrusco Mantovano in der Lombardei. Die wichtigsten DOC-Bereiche sind Lambrusco di Sorbara und Lambrusco Grasparossa.

Sorbara und Grasparossa: Der Geschmack des Lambrusco

Die beiden bekanntesten DOC-Bereiche unterscheiden sich in der Stilistik der produzierten Weine, da sich die Rebsorten selbst deutlich unterscheiden:

  • Lambrusco di Sorbara: Elegante Weine mit Blumenduft, trocken und frisch, mit Aromen von Orangenblüten, Mandarinen, Kirschen, Veilchen und Wassermelonen.
  • Lambrusco Grasparossa di Castelvetro: Kräftige Weine mit Aromen von schwarzen Johannisbeeren und Heidelbeeren, Anklängen von Oregano und Kakao.

Gesundheitliche Vorteile von Lambrusco

Neben dem Genuss bietet Lambrusco, wie andere Weine auch, gesundheitliche Vorteile, wenn er in Maßen konsumiert wird.

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Moderate Mengen

Alkohol sollte stets in Maßen konsumiert werden, aber ein regelmäßiger und moderater Weingenuss ist aus Expertensicht für gesunde Erwachsene empfehlenswert.

Bestandteil der Mittelmeerdiät

Wein ist ein Bestandteil der Mittelmeerdiät, die uneingeschränkt gesund ist und allgemein empfohlen wird.

Das "französische Paradoxon"

Gesundheit und ein langes Leben trotz fettreicher Ernährung beschreibt auch das "französische Paradoxon". Obst, Gemüse, Olivenöl sowie einige Gläser Rotwein am Tag enthalten jede Menge bioaktive Substanzen in Form der pflanzlichen Polyphenole, die man allgemein zur Gruppe der Tannine oder Gerbstoffe zählt.

Herz-Kreislauf-System

Es gibt zahlreiche zuverlässige Untersuchungen über die Herz und Kreislauf stärkende und damit auch lebensverlängernde Wirkung des Weingenusses. Die Rate der Herzinfarkte und Hirnschläge ist bei Weintrinkern nachweislich geringer und die Lebenserwartung höher. Das sogenannte schlechte Cholesterin, das LDL- (Lipoprotein), welches zur Arterienverkalkung beiträgt zu verhindern. Wein wirkt hier antioxidierend. Und er hat offenbar noch weitere positive Effekte. An der Universität in Köln wurde festgestellt, dass Wein die Nieren und Schilddrüsen anregt. Es scheint sich inzwischen auch zu zeigen, dass Krebs, Demenzerkrankungen und Nierenleiden bei Weintrinkern seltener auftreten.

Die Kombination macht's

Die gesundheitsfördernde Wirkung ist nicht allein im Alkoholgehalt des Weines begründet. Vielmehr ist es die Kombination des Alkohols mit anderen wertvollen Inhaltsstoffen, der die guten Auswirkungen auf die Gesundheit zuzuschreiben ist.

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Weißwein auch gesund

Viele Weingenießer meinen, dass gesundheitliche Vorteile nur beim Genuss von Rotwein erzielt werden, aber es gibt inzwischen eindeutige Beweise, dass der moderate Weißweinkonsum ebenso gesund ist.

Aber Vorsicht!

Doch bei all diesen positiven Nebenwirkungen darf man nun keineswegs davon ausgehen, dass ein regelmäßiger Weinkonsum die Gesundheit nur im Guten beeinflusst. Die Empfehlungen zum Weinkonsum aus Ernährungswissenschaft und Medizin werden in neueren Veröffentlichungen stets höher angegeben als in älteren.

Alkohol erhöht den Blutdruck

Aus Untersuchungen weiß man inzwischen aber, dass auch ein moderater Konsum schlecht für das Herz-Kreislauf ist. Besonders auf den Blutdruck kann regelmäßiger Alkohol-Konsum negative Auswirkungen haben. Viele glauben, dass Alkohol in Maßen unbedenklich ist. Rotwein soll sogar gut fürs Herz sein, heißt es oft. Wenn man also in der Weihnachtszeit hin und wieder einen Glühwein trinkt, kann das nicht groß schaden, oder? Studien zeigen jedoch, dass auch ein moderater Alkoholkonsum Risiken für die Gesundheit birgt, vor allem für das Herz-Kreislauf-System. Gerade bei den Themen Alkohol und Blutdruck gibt es viele unbelegte Annahmen und Mythen. Besonders hartnäckig hält sich das französische Paradox.

Alkohol senkt den Blutdruck - aber nur für kurze Zeit

Die Vermutung, dass geringe Mengen Alkohol das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen, könnte mit der Wirkung von Ethanol zusammenhängen. Viele Menschen entwickeln beim Trinken von Alkohol Gesichtsrötungen (Flush). Der Grund: Ethanol erweitert die Gefäße, wodurch die Durchblutung steigt und der Blutdruck sinkt. Dieser Effekt ist jedoch nicht von Dauer: „Alkohol hat eine gefäßerweiternde Wirkung, die hält allerdings nur in der Zeit des Alkoholkonsums an“, erklärt Matthias Riedl. Wissenschaftlich deutet nichts darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum den Blutdruck senken könnte. Im Gegenteil: Schon geringe Mengen Alkohol können auf Dauer Bluthochdruck begünstigen.

Bereits geringe Mengen Alkohol treiben den Blutdruck nach oben

Frauen dürfen täglich bis zu 10 Gramm Alkohol konsumieren, Männer bis zu 20 Gramm - so sah das lange Zeit die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wer maximal ein halbes Liter Bier oder 250 ml Wein am Tag trank, durfte sich auf der vermeintlich sicheren Seite wähnen. Doch die DGE hat letztes Jahr in einem Positionspapier die bisher geltende Referenzmenge für Alkohol revidiert. Täglich ein kleines Glas Rotwein oder eine Flasche Bier zu trinken, wird nun mit einem moderaten Gesundheitsrisiko verbunden. Zu diesen möglichen Risiken zählt die DGE unter anderem Bluthochdruck. Eine Übersichtsarbeit von 2023 gibt dieser Einschätzung recht: Bereits 12 Gramm Alkohol täglich - also das besagte Bier oder das kleine Glas Wein - kann den Blutdruck ansteigen lassen, so das Fazit der Studie. Riedl betont ebenfalls: „Alkohol ist an über 200 Krankheiten mitbeteiligt. Es gibt keine unbedenkliche Alkoholmenge.

Studie zeigt: Je höher der Alkohol-Konsum desto höher steigt der Blutdruck

Eine kürzlich veröffentlichte Studie dänischer Forscher zeigt, dass selbst geringe Mengen Alkohol den Blutdruck beeinflussen. Über 104.400 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 100 Jahren gaben Auskunft über ihren Alkoholkonsum und ließen ihren Blutdruck messen. Die Forscher stellten nach der Auswertung der Daten eine lineare Beziehung zwischen der Menge des Alkohols und dessen Wirkung fest: Je mehr die Teilnehmer tranken, desto höher war ihr Blutdruck. In der Weihnachtszeit steigt der Alkoholkonsum. Der Unterschied zwischen starkem Alkoholkonsum (mehr als 35 Getränke pro Woche) und niedrigem Konsum (maximal zwei Getränke pro Woche) war deutlich: Starke Trinker wiesen einen um 11 mmHg höheren systolischen und einen um rund 7 mmHg höheren diastolischen Blutdruck auf. Der Effekt zeigte sich bei Frauen und Menschen unter 60 Jahren besonders stark. Der Blutdruck wird in der Maßeinheit Millimeter Quecksilbersäule, kurz mmHg, gemessen. Er setzt sich aus zwei Werten zusammen: Der erste Wert gibt den systolischen Blutdruck an. Dieser beschreibt, wie stark der Druck ist, wenn das Blut in der Anspannungsphase des Herzens (Systole) in die Gefäße einströmt. Der Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) wird mit dem zweiten Wert, dem diastolischen Blutdruck, angegeben.

Französisches Paradox: Rotwein als vermeintlicher Herzschutz

Die Studienergebnisse widersprechen der weit verbreiteten Annahme, Rotwein könne gesundheitliche Vorteile bieten. Lange Zeit hieß es, ein kleines Glas täglich schütze das Herz. Als Beleg diente das sogenannte französische Paradox („French Paradox“): Vor vielen Jahrzehnten beobachtete man, dass Franzosen im Ländervergleich seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, obwohl sie fettreich essen und überdurchschnittlich viel Rotwein trinken. Forscher führten dies unter anderem auf das im Rotwein enthaltene Resveratrol zurück, einen sekundären Pflanzenstoff aus der Gruppe der Polyphenole, der vor allem in den Schalen von Trauben vorkommt. In Laborstudien konnte Resveratrol Entzündungen in Blutgefäßen eindämmen, doch diesen Effekt konnten Wissenschaftler am Menschen bislang nicht nachweisen.

Alkohol erhöht den Blutdruck durch Gefäßveränderungen

Ob Wein, Bier oder Schnaps - wer regelmäßig Alkohol trinkt, riskiert auf Dauer einen erhöhten Blutdruck. Die genauen Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass Alkohol das Gehirn dazu bringt, Botenstoffe freizusetzen, die das vegetative Nervensystem beeinflussen. „Man nimmt an, dass Alkohol den Sympathikus aktiviert. Dieser ist Teil des Nervensystems, das für Aktivität und für die Stressreaktion des Körpers verantwortlich ist und eine Blutdrucksteigerung bewirken kann“, so Riedl. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann demnach dazu führen, dass die empfindlichen Gefäßwände dauerhaft unter Druck stehen und dadurch Schaden nehmen. Sind die Gefäße geschwächt, können sich darin schneller Ablagerungen bilden - dadurch entsteht eine Arteriosklerose. In der Folge verengen sich die Arterien und werden unelastisch, was den Blutdruck noch weiter ansteigen lässt. Langfristig kann Bluthochdruck ernste Folgen haben. Gefäßschäden können schlimmstenfalls einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall auslösen. Rotwein gilt als gesund, sogar als herzschützend. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es aber nicht.

Bluthochdruck durch Alkohol: Übergewicht als wichtiger Faktor

Aber auch indirekt kann Alkohol den Blutdruck erhöhen. Er kann zu Übergewicht beitragen, einem der wichtigsten Risikofaktoren für Bluthochdruck. „Eine Gewichtszunahme ist immer auch mit einer Zunahme des Blutdrucks verbunden“, warnt der Ernährungsexperte. Das Herz muss stärker pumpen, da mehr Körpermasse mit Blut versorgt werden muss. Zum einen ist Alkohol extrem energiereich. Laut der DGE stecken in einem Gramm Ethanol etwa sieben Kilokalorien. Nur Fett kann das überbieten - auf ein Gramm kommen hier neun Kalorien. Ein Gramm Zucker enthält hingegen „nur“ rund vier Kalorien. Mit einem Glas Wein nimmt man somit etwa 170 Kalorien zu sich, zwei Flaschen Bier schlagen mit über 500 Kalorien zu Buche. Zum anderen kann Alkohol appetitanregend wirken und in größeren Mengen Heißhunger auf fett- und salzreiches Essen auslösen. Laut einer Studie des Francis Crick Instituts in London könnte dies daran liegen, dass Ethanol im Gehirn AGRP aktiviert. Diese Nervenzellen springen normalerweise an, wenn wir hungern.

Lambrusco als Speisebegleiter

Lambrusco ist nicht nur ein Aperitif, sondern auch ein hervorragender Begleiter zu vielen Speisen, insbesondere zu den Klassikern der italienischen Küche wie Mortadella, Salami, Parmesankäse, Pasta und Spaghetti Bolognese. Die Italiener trinken Lambrusco übrigens nicht als Aperitif, sondern zum Essen.

Der Lambrusco Grasparossa Amabile Tradizione Settecani DOP harmoniert hervorragend mit Antipasti wie Prosciutto, Salami, Oliven und Käse, passt ebenso zu Pizza, Pasta und Lasagne wie zu gegrilltem Fleisch, würzigen Würstchen oder Geflügelgerichten. Auch Schweinefilet, Truthahn und tomatenbasierte Speisen wie Caprese oder Tomatensuppen werden durch seine fruchtige Frische bereichert. Darüber hinaus eignet er sich ideal zu nicht zu süßen Desserts wie Frucht-Tiramisu oder Beeren mit Mascarpone sowie zu leichten Sommergerichten wie Salaten oder gegrilltem Gemüse. Wichtig ist, dass die Speisen nicht zu stark gewürzt sind, damit die subtilen Aromen des Weins ihre volle Wirkung entfalten können.

Tipps für den Genuss von Lambrusco

  • Lambrusco sollte man jung trinken, am besten den aktuellen Jahrgang.
  • Wegen der Kohlensäurebläschen muss er leicht gekühlt serviert werden, idealerweise um die zwölf Grad.
  • Am besten schmecken die trockenen und halbtrockenen Lambruschi.

Empfehlungen für guten Lambrusco

  • Pruno Nero Dry, Lambrusco di Modena, Cleto Chiarli: Ein purpurfarbener Lambrusco aus der Grasparossa-Traube mit Cassis- und Kirscharomen und kräftigem Tannin.
  • Sasso Storno Secco, Lambrusco Grasparossa di Castelvetro, Zanasi: Überwiegend aus Grasparossa mit etwas Salamino und Malbo Gentile, feinperlig, herb und mit gutem Trinkfluss.
  • Concerto, Lambrusco Reggiano, Medici Ermete: Ein ausgewogener Lambrusco aus der Salamino-Traube mit gutem Trinkfluss.
  • Ottocentonero, Lambrusco dell'Emilia, Albinea Canali: Grasparossa und Salamino zu gleichen Teilen und etwas Ancellotta, dunkle Beeren, rustikaler Stil.
  • Omaggio a Gino Friedmann, Lambrusco di Sorbara, Cantina di Carpi e Sorbara: Ein spritziger Sorbara mit Aromen von Johannisbeeren und Sauerkirsche.
  • Radici“ von Alberto Paltrinieri: Aromen von roten Johannisbeeren, Rhabarber und Sauerteigbrot. Animierend, ursprünglich und fern aller Klischees.
  • Alfredo Molinari“ von Cantina di Sorbara e Carpi: Dunkle Kirscharomen und eine konturierende feine Würze.
  • Canova“ der Fattoria Moretto: Biowein von alten Reben aus ertragsarmer Hügellage, überraschend, zupackend.
  • Galpèdar“ von Lebovitz: Perlende Harmonie.

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