Muskelkrämpfe in Armen, Händen und Fingern sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Ein Muskelkrampf ist eine plötzlich einsetzende kurze, unbeabsichtigte und meist schmerzhafte Anspannung eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Bei Krämpfen in den Armen, Händen und Fingern werden Muskeln unerwartet und unkontrolliert angespannt. Dabei verhärten sich die Muskeln für eine kurze Zeit. Öfters sind diese Verhärtungen dann mit stechenden Schmerzen verbunden und können Betroffene auch längerfristig belasten. Manchmal tauchen auch Zuckungen der Muskelfasern statt Verhärtungen auf. Diese sind zwar weniger schmerzhaft, jedoch trotzdem unangenehm.
Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Nervenschmerzen (neuropathischen Schmerzen) und Muskelkrämpfen in Armen, Händen und Fingern, einschliesslich ihrer Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien. Ziel ist es, Betroffenen ein umfassendes Verständnis zu vermitteln und ihnen zu helfen, ihre Beschwerden effektiv zu lindern.
Arten von Muskelkrämpfen
Bei Krämpfen unterscheidet man zwischen folgenden Formen:
- Muskelverhärtung: Beim betroffenen Muskel verhärten sich die Muskelfasern. Der schmerzhafte Krampf kann wenige Minuten andauern.
- Faszikulation: Bei dieser Form kommt es zu unregelmäßigen und unkontrollierten Zuckungen des betroffenen Muskels. Diese sind meist schmerzfrei und verschwinden innerhalb weniger Sekunden wieder.
- Rigor: Ein Rigor ist eine Muskelstarre, bei der es zur gleichzeitigen Verkrampfung von entgegengesetzten Muskeln kommt. Diese verursachen starke Schmerzen und eine Steifheit der Muskeln.
Aufbau der Muskulatur in Armen und Händen
Der Aufbau der Muskulatur in Armen, Händen und Fingern spielt eine wichtige Rolle in unseren alltäglichen Bewegungen. Hier sind einige der Hauptmuskeln:
Arme:
- Bizeps: Der Bizeps, an der Vorderseite des Oberarms, ist für das Beugen des Ellenbogens verantwortlich und spielt eine Schlüsselrolle bei Aktivitäten wie dem Heben von Gegenständen.
- Brachialis: Dieser Muskel liegt tiefer im Oberarm und ist zusammen mit dem Bizeps für die Beugung des Unterarms verantwortlich.
- Trizeps: Der Trizeps, auf der Rückseite des Oberarms, streckt den Ellenbogen. Er ist wichtig für Bewegungen wie das Strecken des Arms nach hinten.
Hände und Finger:
- Unterarmflexoren und -extensoren: Diese Muskeln ermöglichen die Bewegungen von Handgelenk und Fingern. Die Flexoren beugen die Finger, während die Extensoren sie strecken.
- Thenarmuskeln: Diese befinden sich in der Handfläche und steuern die Bewegungen des Daumens.
Krampfartige Schmerzen in den Armen, Händen und Fingern: Mögliche Auslöser
Krämpfe in der Muskulatur können vielschichtige Ursachen haben. Oftmals ist eine Überbelastung des betroffenen Muskels der Auslöser. Aber auch Hormone, bestimmte Erkrankungen oder ein Ungleichgewicht des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts können mögliche Ursachen sein.
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Übersicht: Mögliche Auslöser
- Überbelastung des Muskels: Eine Überbelastung des betroffenen Muskels kann sich in Krämpfen zeigen. Bei einer zu intensiven oder einseitigen Belastung des Muskels, beispielsweise beim Sport oder bei dauerhaften einseitigen Bewegungen, kann es zu Verkrampfungen kommen.
- Hormonelle Erkrankungen: Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse kann ein Calciummangel entstehen. Muskelkrämpfe sind dann typische Erscheinungen. Auch während einer Schwangerschaft können vermehrt Muskelkrämpfe auftreten.
- Calciummangel: Calciummangel im Blut kann zu Muskelkrämpfen führen. Ursache für einen Calciummangel kann u. a. ein Vitamin-D-Mangel sein, z. B. bei Bauspeicheldrüsenentzündung, chronischer Nierenschwäche oder Fehlfunktion der Nebenschilddrüse.
- Neurologische Erkrankungen: Diese Fehlfunktionen im Nervensystem können eine Muskelschwäche verursachen, die auch zu Muskelkrämpfen führen kann, z. B. bei einer Polyneuropathie. Auslöser dieser Krankheit sind z. B. Diabetes, Alkoholmissbrauch sowie Autoimmun-, Infektions- und Krebserkrankungen.
- Diabetes mellitus: Begleiterscheinungen von Diabetes mellitus können Krämpfe in den Muskeln sein.
- Entzündliche Muskelerkrankungen: Mögliche Auslöser für entzündliche Muskelerkrankungen können Viren (Grippe), Bakterien (Tetanus), Parasiten und auch Autoimmunerkrankungen (wie Myasthenia gravis) sein. Für nichtentzündliche Muskelerkrankungen, die zu Muskelschmerzen führen können, sind u. a. Muskeldystrophien (Erbkrankheit, bei der sich das Muskelgewebe abbaut), Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion) oder Erkrankungen des Nervensystems (wie Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Multiple Sklerose (MS) oder Polio) verantwortlich.
Neuropathische Schmerzen: Einleitung
Neuropathische Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität von Betroffenen erheblich. Und wie so oft zahlt sich frühzeitiges Gegensteuern aus. Neuropathische Schmerzen betreffen 7-10 % der Gesamtbevölkerung - Tendenz mit dem Alter zunehmend. Auslöser sind Verletzungen oder degenerative Veränderungen von peripheren Nerven und Strukturen des ZNS. Je nach Genese variieren Qualität, Intensität und Lokalisation der Beschwerden. Typisch sind Brennen, Stechen, anfallsartig einschießende Attacken oder Missempfindungen. Auch eine Überempfindlichkeit auf normalerweise schmerzlose Reize (Allodynie) Hyperalgesie oder Hypästhesie und Taubheitsgefühl kommen vor. Durch neuronale Anpassungen verschiebt sich die Schmerzschwelle.
Wie äußern sich Krämpfe in den Händen und Fingern?
Krämpfe in den Händen sind eine ungewollte, zumeist schmerzhafte Anspannung einer bestimmten Muskelregion. Die Muskeln in der Hand verhärten sich und die Finger beginnen zu kribbeln und schmerzen. Hierbei unterscheidet man zwischen kurzen und dauerhaften Krämpfen sowie kleinen Zuckungen, sogenannten Faszikulationen.
Muskelkrämpfe in den Händen und Fingern treten eher selten auf. Wenn es aber dennoch zu Krämpfen kommt, beispielsweise in den Fingern, können unterschiedliche Ursachen in Frage kommen: Überbelastung, andauernde einseitige Belastung oder eine unzureichende Versorgung mit bestimmten Mineralien, wie Magnesium, Kalium und Calcium.
Da mögliche Ursachen für Krämpfe nicht immer harmlos, sondern vielmehr komplex sein können, sollten bei regelmäßig auftretenden Krämpfen die Ursachen unbedingt durch eine Ärztin oder einen Arzt abklärt werden.
Behandlung von Muskelkrämpfen in Armen und Händen
Krämpfe in Armen und Händen sind zwar oftmals harmlos, können jedoch sehr unangenehm oder schmerzhaft sein. Bei Krämpfen werden die Muskeln in den betroffenen Regionen unkontrolliert und unerwartet angespannt und verhärten sich für eine kurze Dauer.
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Hilfe bei akuten Krämpfen - wertvolle Tipps
- Der betroffene verkrampfte Muskel kann z. B. durch leichtes Schütteln der Hand oder des Unterarms gelockert werden.
- Regelmäßige Bewegungen und Dehnen können helfen, Krämpfen vorzubeugen oder diese im akuten Fall zu lindern.
- Wärme, z. B. in Form von warmen Bädern oder einer Wärmflasche, kann helfen, die Muskeln zu entspannen.
- Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine gesunde, mineralstoffreiche Ernährung sind wichtig.
- Magnesium (beispielweise enthalten in Bananen oder Nüssen) und zusätzliche Präparate gegen Vitamin-D-Mangel können helfen.
Was tun, wenn Krämpfe in den Händen lange andauern?
Muskelkrämpfe treten in den Armen, Händen und Fingern eher selten auf. Treten sie dennoch auf, verhärten sich die Muskeln in der Hand und die Finger beginnen zu kribbeln und schmerzen. Hierbei wird zwischen kurzen und dauerhaften Krämpfen und kleinen Zuckungen, sogenannten Faszikulationen, unterschieden.
Bei einem Krampf im Unterarm oder in der Hand sollte zuerst die Muskulatur entlastet werden. Machen Sie eine kurze Pause und geben Sie der Muskulatur die Möglichkeit, zu entspannen und die Durchblutung zu verbessern.
Dehnen Sie die betroffene Muskulatur vorsichtig. Wenn sich beispielsweise der Zeigefinger verkrampft und zur Handinnenfläche krümmt, dehnen Sie ihn leicht nach oben - also von der Handinnenfläche weg. Achten Sie dabei darauf, dass Sie Ihre Schmerzgrenze nicht überschreiten.
Wärme kann helfen, die Verkrampfung effektiv zu lockern. Eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen können helfen. Schon eine warme Tasse Tee, die sie in den Händen halten, kann helfen, die Durchblutung der Hände zu steigern und diese zu entkrampfen.
Auch leichte Massagen können helfen, die verkrampfte Muskulatur zu entspannen.
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Grundsätzlich kann man sagen, dass die Schmerzen eher harmlos sind, wenn sie nur eine kurze Zeit andauern und von selbst wieder verschwinden. Sollten sie mehrere Tage andauern oder gehäuft auftreten, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden!
Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen
Langsam aufdosieren lautet die Devise in der Pharmakotherapie neuropathischer Schmerzen. Vier bis acht Wochen dauert es, bis eine Wirkung eintritt. Teils zieht sich die Behandlung über Jahre. Da bedarf es realistischer Erwartungen - sowohl beim Patienten als auch beim Behandler. Nicht-Opiodanalgetika wie Novaminsulfon und NSAR wirken bei neuropathischen Schmerzen kaum. Antikonvulsiva, Antidepressiva, spezielle Pflaster und in wenigen Fällen Opioide helfen da schon eher. Aber „wir wissen alle, dass die Schmerzen sehr schwer zu behandeln sind“, sagte Anke Richter-Scheer, niedergelassene Internistin aus Bad Oeynhausen. Oft bedarf es einer Kombitherapie und völlig beschwerdefrei werden die wenigsten. Eine 30-50%ige Analgesie darf man erwarten. Diese Information gilt es, Patienten zu vermitteln. Betroffene, bei denen eine deutlichere Reduktion gelingt, haben häufig mit Nebenwirkungen der Medikamente zu kämpfen, so die Erfahrung der Kollegin.
Prävention von Muskelkrämpfen in den Händen
Um vor allem Krämpfen in den Händen und Fingern vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:
- Regelmäßige Pausen können genutzt werden, um die Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung der Hände und Finger zu fördern.
- Dehnübungen sind nützlich, um die Armmuskulatur, insbesondere die Muskeln der Handgelenke und Finger, zu lockern, Verspannungen zu lösen und Krämpfen vorzubeugen.
- Eine ergonomische Arbeitsumgebung wie ein höhenverstellbarer Computertisch kann helfen, einseitige Belastungen zu vermeiden.
- Hilfsmittel, wie ein Mauspad mit integrierter Abstützung des Handgelenks, eine ergonomische Tastatur oder Handgelenkstützen können die Belastung der Hände und Finger reduzieren.
- Ein spezielles Hand- und Fingertraining kann helfen, Muskeln aufzubauen und diese leistungsfähiger zu machen.
Wer ist besonders häufig von Krämpfen in der Hand betroffen?
Die Unterarmmuskulatur ist im Alltag besonders stark gefordert. Vor allem bei einem Bildschirmarbeitsplatz kann eine Belastung durch die Arbeit mit der Computermaus und der Tastatur entstehen. Auch körperlich fordernde Berufe sind belastend, wie in der Pflege oder im Handwerk. Wenn eine einseitige Belastung über einen längeren Zeitraum besteht und keine Entspannungspausen möglich sind, können Krämpfe der Muskulatur entstehen.
Die Hand ist ebenfalls besonders dann betroffen, wenn ungewohnte Anstrengungen vorkommen, beispielsweise beim Schreiben, aber auch beim Stricken oder beim Spielen am Computer. So sind Krämpfe in den Händen meistens auf die Überbelastung des Handgelenks zurückzuführen. Diese Überbelastung kann zu einer Wucherung des Bindegewebes führen, die die Einengung von Nerven zur Folge hat und somit schmerzhafte Kämpfe verursachen kann.
Einseitige Belastungen, wie sie z. B. beim Schreiben vorkommen, können zu einem sogenannten „Schreibkrampf“ führen. Hierbei verkrampfen vor allem die beim Schreiben aktiv beteiligten Muskeln der Hand, insbesondere der Zeige-, Mittelfinger und Daumen.
Der Schreibkrampf gehört zusammen mit der Golferdystonie und der Musikerdystonie zu den tätigkeitsspezifischen Beschäftigungskrämpfen, die nur während dieser spezifischen Tätigkeiten in Erscheinung treten, wobei der Schreibkrampf die verbreitetste Form ist. Betroffen sind dabei vor allem die Hände und Arme.
Die ersten Symptome treten typischerweise im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf. Häufig beklagen Betroffene Krämpfe, reduzierte Schreibgeschwindigkeit, Zittern, Steifheitsgefühle und Ungeschicklichkeit. Auch das Fallenlassen von Gegenständen und kleinere Verletzungen können die Folge sein. Erst im Verlauf können meist schmerzhafte Fehlhaltungen auftreten.
Abzugrenzen sind Krämpfe wie der Schreibkrampf von anderen muskuloskelettalen Beschwerden oder Nervenschädigungen, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen können. Hierbei treten meist auch sensible Symptome wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle auf.
Bei regelmäßig auftretenden Krämpfen sollten daher die Ursachen durch eine Ärztin oder einen Arzt abklärt werden.
Die Rolle der Durchblutung bei Muskelkrämpfen in Armen und Händen
Eine Durchblutungsstörung des Arms besteht dann, wenn insgesamt weniger Blut und damit auch weniger Sauerstoff im Arm ankommt oder weniger Blut aus dem Arm abfließen kann als sonst. Dies kann z. B. dann der Fall sein, wenn die Arme während der Arbeit am Laptop oder am Computer lange angewinkelt sind. Auch beim Spielen mit Spielkonsolen, beim Handarbeiten oder Werken kann dies der Fall sein.
Mögliche Folgen können steife Glieder, kalte Hände oder auch Krämpfe sein. Meist hören diese Beschwerden durch Unterbrechung der einseitigen Tätigkeit und Lockerung bzw. vorsichtiges Dehnen der betroffenen Muskeln wieder auf.
Diese eher harmlosen Durchblutungsstörungen unterscheiden sich von erstzunehmenden Problemen wie Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln. Hier sollte zur weiteren Abklärung eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Fallbeispiel: Amelies Geschichte - Vom Schmerz geplagt zur Gipfelstürmerin
Ein kleiner Fehltritt beim Schulsport hatte für die neunjährige Amelie gravierende Folgen - die wehe Zehe verschlimmerte sich dramatisch, ohne dass eine organische Ursache zu finden war. Amelie liebt Leichtathletik - zweimal in der Woche geht die 5-Klässlerin zum Training der TSG Augsburg; Sprint und Weitsprung sind ihre Disziplinen, auf ihre kürzlich erreichte Weite von 4,10 Meter ist sie richtig stolz. Viel Zeit nimmt sich die Schülerin des Maria-Ward-Gymnasiums außerdem für ihre kleine Havaneserhündin Momo; unbeschwert tollt sie mit dem schwarz-weißen Fellbündel um die Wette. Dass das mittlerweile elf Jahre alte Mädchen mit dem braunen Pferdeschwanz seine Lebens- und Bewegungsfreude wiedererlangt hat, war nicht abzusehen, als es vor einem Jahr in der Schmerzambulanz am Bayerischen Kinderschmerzzentrum im Universitätsklinikum Augsburg vorgestellt wurde. Schmerzgeplagt, auf Krücken, stark bewegungseingeschränkt durch einen geschwollenen, äußerst schmerzenden Fuß. Kein Mediziner hatte bisher organische Ursachen für Amelies Befinden erkannt. »Sie bewegte sich nur noch auf dem anderen Bein hüpfend oder mit Gehhilfen fort« berichtet Kinderärztin und Schmerztherapeutin Rosemarie Ahnert, die ärztliche Leiterin des Zentrums, in dem chronisch kranke Kinder ambulant und stationär versorgt werden. »Zur Untersuchung durfte ich sie zunächst gar nicht anfassen, sie war extrem berührungsempfindlich.«
Amelies Leidens-Geschichte, die sie im Beisein ihres Vaters erzählt, begann im April 2016 beim Schulsport. »Wir haben Hochsprung geübt,« erinnert sich Amelie, »und ich hab‘ die Latte zu hoch gelegt.« Beim anschließenden Sprung bleibt sie hängen und staucht sich beim Aufkommen am Boden den rechten großen Zeh. »Das hat zwar wehgetan, war aber erst gar nicht so schlimm.« Die Mutter reibt die verletze Zehe am Nachmittag mit Salbe ein und macht einen festen Verband. Als nach ein paar Tagen der Schmerz nicht nachlässt, gehen die Eltern mit ihrem Kind zum Arzt. Vielleicht ist doch etwas am Knochen, eine Kapsel, ein Band gerissen? Ultraschall und Röntgenaufnahme ergeben - nichts. Der Fußrücken ist stark geschwollen und dunkelrot verfärbt. Auftreten geht nicht mehr, Amelie wird nun zur Schule gebracht und geholt, verbringt die meiste Zeit zuhause im Sitzen. Die heftigen Schmerzen lassen sie die Lust am Lesen, Spielen und Freunde treffen verlieren. Es folgen Laboruntersuchungen und MRT - ohne Ergebnis. Amelies Fuß beginnt, sich leicht nach innen zu formen. Erst geht sie wochenlang an Krücken, später bringt der neue »Walker« etwas Erleichterung: Der stabile orthopädische Entlastungsschuh gibt ihr Halt und Sicherheit, endlich kann sie wieder auf beiden Beinen stehen. Der Schmerz aber bleibt.
»Wenn ein Kind so leidet, beeinträchtigt das das komplette Familienleben,« sagt Amelies Vater, ein besonnener, freundlicher Mann, wie die Mutter promovierter Chemiker. Zum Mitleid gesellen sich Ängste, sogar Zweifel, gute und weniger gute Ratschläge aus Familien- und Bekanntenkreis kommen hinzu.
Die Ursache auf der Spur: CRPS
Wie nah die besorgten Eltern mit ihren Überlegungen der Ursache gekommen waren, erfahren sie schließlich am Kinderschmerzzentrum Augsburg. »Es war reines Glück, dass wir dort ankamen, wo Amelie professionell behandelt werden konnte,« sagt der Vater. Zuvor hatte bei einer Untersuchung im Klinikum ein Chirurg in den Symptomen eine Erkrankung erkannt, die er bereits bei Erwachsenen behandelt hatte: CRPS, das Komplexe regionale Schmerzsyndrom, das sehr selten bei Kindern vorkommt. »Seine Vermutung hat sich bei uns bestätigt,« sagt Rosemarie Ahnert, die umgehend Amelies stationäre Aufnahme empfahl. »Endlich sagte mir jemand, was ich habe: Reflexdystrophie,« spricht Amelie ihre Krankheit fehlerfrei aus. »Und dass ich jetzt Hilfe bekomme«. Für sie begannen im Juni 2016 sechs spannende Wochen als »Gipfelstürmer«. »Ein bisschen wie im Internat«, nicht wie im Krankenhaus sei sie sich in ihrem gemütlich eingerichteten Zweibettzimmer vorgekommen, dass sie mit einem gleichaltrigen Mädchen teilte. Der Tag ist streng strukturiert, gemeinsame Mahlzeiten, Unterricht an der hauseigenen Schule, dazwischen die individuellen Therapien und Gruppenaktivitäten wie Ausflüge in den Zoo und Spieleabende. »Wir haben einmal ein Gehirnmodell untersuchen dürfen,« erzählt Amelie, die dabei gelernt hat, wie Wehtun entsteht und wie die Schmerzwahrnehmung funktioniert. Überhaupt wurde ihr viel erklärt, be- und gehandelt wurde stets nur mit ihrem Einverständnis. »Pfleger und Erzieher unterstützen und ermutigen die Kinder, sich wieder etwas zuzutrauen, geben mit positivem Feedback viel Selbstvertrauen zurück,« ergänzt Rosemarie Ahnert. Ärztin steht seither auf Amelies persönlicher Berufswunschliste ganz weit oben noch vor Lehrerin und Schauspielerin …
In der Psychotherapie, zu der auch eine wöchentliche Familiengesprächsrunde gehört, lernt Amelie erstmals über einen ganz besonderen Schmerz zu sprechen, den sie ganz tief in sich verborgen hatte: die Angst, ihre Mama zu verlieren. Seit Jahren lastet die schwere Erkrankung der Mutter auf der vierköpfigen Familie, die wegen spezieller Behandlungsmöglichkeiten sogar von Norddeutschland nach Augsburg gezogen war. »Natürlich haben wir vor den Kindern die Krankheit nicht verbergen können,« sagt der Vater nachdenklich, »aber wir wollten ihnen doch das Leben nicht so schwermachen.« Auch Amelie hatte Scheu, ihre Mutter mit ihren eigenen Ängsten und Fragen zusätzlich zu belasten. Die Psychologin gibt ihr Tipps, wie sie Unangenehmes und Konflikte ansprechen und lösen könnte. Schließlich sprechen Mutter und Tochter erstmals ausführlich über Tod und Sterben, eine Last fällt von Amelie ab. Auch die intensiven physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen fruchten, der kranke Fuß erholt sich zusehends: Gipfelstürmerin Amelie kann die Station schmerzfrei und selbständig gehend verlassen.
»Wir haben alle dazugelernt,« berichtet der Vater. »Wir trauen uns jetzt zu, auch Unangenehmes oder Trauriges zu besprechen.« Niemand in der Familie soll mehr seinen Kummer mit sich allein herumtragen müssen. Vor der Entlassung hat Amelie mit der Psychologin einen »Koffer gepackt«. Da kam »Selbstvertrauen, über Sorgen sprechen, ohne Walker laufen und wieder alles machen können hinein«, zählt Amelie auf. Die Sachen hat sie behalten. Neulich ist wieder mal was passiert: Leichtathletin Amelie hat sich das Knie verdreht. Während bei der Mutter sofort »alle Alarmglocken läuteten«, blieb die Tochter ganz cool.
CRPS: Wenn der Schmerz aus den Fugen gerät
Amelies Leiden, das Komplexe regionale Schmerzsyndrom CRPS (Complex Regional Pain Syndrom), auch Reflexdystrophie genannt, äußert sich durch massive und langanhaltende Schmerzen ohne erkennbare organische Ursache oder nach einem bereits abgeschlossenen Heilungsprozess an Händen oder Füßen. Sie gehen meist mit einer starken Bewegungs- und Funktionseinschränkung einher. Auslöser der bei Kindern selten anzutreffenden chronischen Erkrankung - Mädchen zwischen elf und 13 Jahren sind am häufigsten betroffen - sind zunächst harmlosere Verletzungen wie eine Zerrung oder Verstauchung. Mit der Zeit treten dann Beschwerden in dem betroffenen Körperteil auf, die so heftig sein können, dass bereits ein Pusten auf die Stelle als unerträglich empfunden wird. Gleichzeitig ist sie deutlich geschwollen und die Haut wird rot, extrem kalt oder heiß. Die tatsächliche Ursache dafür, warum der Schmerz aus den Fugen gerät, ist nicht immer zu klären. Als große psychische Risikofaktoren bei Kindern gelten jedoch kritische Lebensereignisse wie Tod, Trennung oder Mobbing.
Diagnostik und Behandlung peripherer Nervenerkrankungen in der München Klinik Harlaching
Die München Klinik Harlaching bietet umfassende Diagnostik und spezialisierte Therapie bei Erkrankungen peripherer Nerven, von elektrophysiologischer Diagnostik und Nervenultraschall bis zur spezialisierten Therapie und Rehabilitation.
Diagnostische Verfahren
- Elektromyographie: Zur Messung der Muskelaktivität.
- Elektroneurographie (ENG/NLG) / Nervenleitgeschwindigkeit (NLG): Zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
- Muskelsonographie: Ultraschalluntersuchung der Muskeln.
- Nervensonographie / hochauflösender Nervenultraschall: Zur Visualisierung von Nervenschädigungen.
Vorteile der Nervensonographie
Durch die intensive Differenzialdiagnostik und insbesondere Nervensonographie kann Art und Ausmaß der Nervenschädigung häufig direkt visualisiert werden. So ist eine gezieltere Behandlung Ihrer Erkrankung möglich. Zudem kann dadurch die Prognose besser abgeschätzt werden.
Sollte ein chirurgischer Eingriff notwendig sein, kann die behandelnde Chirurgin bzw. der Chirurg mithilfe der Informationen aus der Nervensonographie den Eingriff exakter planen.
Behandlungsangebote
Die München Klinik ist Haus der Maximalversorgung und bietet individuelle Therapiemöglichkeiten. Je nach Fragestellung und natürlich Ihren Wünschen wird die Therapieempfehlung für Ihre Nervenerkrankung im Team aus Neurologie und Neurochirurgie, Physikalischer Medizin sowie Orthopädie und Unfallchirurgie erarbeitet.
Trigeminusneuralgie: Ursachen, Diagnose und Therapie
Die Trigeminusneuralgie, auch als Gesichtsschmerz bezeichnet, ist eine chronische Schmerzerkrankung. Es handelt sich um einen äußerst schmerzhaften Reizungszustand des fünften Hirnnerven, des sogenannten Trigeminusnerven. Dieser führt hauptsächlich sensible und motorische Fasern, mit denen er Gesicht, Nasenhöhle, Mundhöhle und Kaumuskeln versorgt. Somit ist er für das „Spüren“ im Gesicht verantwortlich.
Ursachen
Man unterscheidet die idiopathische von einer symptomatischen Trigeminusneuralgie. Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie kann eine explizite Ursache gefunden werden, beispielsweise in Folge eines Entzündungsprozesses (z. B. bei Multipler Sklerose) oder eines Hirntumors. Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie findet man häufig einen neurovaskulären Konflikt, d.h. einen engen Kontakt zwischen dem Nerv und einem pochenden Blutgefäß.
Diagnose
Die Diagnose der Trigeminusneuralgie erfolgt im ersten Schritt „klinisch“; d.h. es werden die Symptome und die Krankengeschichte der Betroffenen betrachtet. Im nächsten Schritt sollte eine Bildgebung mittels MRT des Kopfes durchgeführt werden.
Therapie
Bei der Trigeminusneuralgie-Therapie unterscheidet man die konservative von der invasiven Behandlung.
- Konservative Behandlung: Die bisher gängige Therapie ist die medikamentöse Behandlung mit krampflösenden Medikamenten (Anticonvulsiva).
- Invasive Behandlung: Reicht eine medikamentöse Therapie nicht aus, kann eine neurochirurgische bzw. ablative Therapie in Erwägung gezogen werden. Eine Möglichkeit ist die Mikrovaskuläre Dekompression (MVD), bei der der krankhafte Kontakt zwischen Gefäß und Nerv beseitigt wird. Alternative Verfahren sind ablative Verfahren, die die teilweise Zerstörung des Nervs beinhalten.
Klosterfrau Produkte zur Unterstützung
Klosterfrau bietet eine Reihe von Produkten, die traditionell zur Linderung von Beschwerden im Zusammenhang mit Muskelverspannungen, Erkältungen und Nervosität eingesetzt werden:
- Klosterfrau Melissengeist: Zur Besserung des Allgemeinbefindens bei Belastung von Nerven und Herz-Kreislauf mit innerer Unruhe und Nervosität.
- Klosterfrau Schmerzfluid: Zur Förderung der Hautdurchblutung, z. B. zur unterstützenden Behandlung von Zerrungen, Prellungen, Verstauchungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Klosterfrau Franzbranntwein Latschenkiefer: Traditionell zur Förderung der Hautdurchblutung bei Muskel- und Gelenkschmerzen.
- Klosterfrau Japanisches Heilpflanzenöl: Äußerlich bei Muskelschmerzen und nervenschmerzähnlichen Beschwerden.
- Klosterfrau Seda-Plantina: Bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen.
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