Sprachliche Beeinträchtigungen sind oft ein frühes Anzeichen für Demenz und können das Grundbedürfnis nach Kommunikation erheblich beeinträchtigen. Demenz ist ein Oberbegriff für eine Gruppe von Erkrankungen, die durch einen fortschreitenden Verlust kognitiver Funktionen gekennzeichnet sind. Diese kognitiven Beeinträchtigungen können Gedächtnis, Sprache, Denkvermögen und das Alltagsverhalten betreffen. Die Prävalenz von Demenz nimmt mit steigendem Alter zu, was gerade in einer alternden Gesellschaft von erheblicher Bedeutung ist. Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, und diese Zahl wird sich in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich verdoppeln.
Was ist Demenz?
Demenz ist eine komplexe Erkrankung, die verschiedene Formen annimmt und somit auch unterschiedliche sprachliche Beeinträchtigungen mit sich bringen kann. Die Auswirkungen auf die Kommunikation variieren je nach Basiserkrankung, wobei einige Formen der Demenz stärker die Sprache betreffen als andere. Jede Demenzform zeigt spezifische sprachliche und kognitive Veränderungen, die je nach Progression der Erkrankung unterschiedlich ausgeprägt sind.
Häufige Demenzformen
Folgende Arten von Demenz sind bekannt:
- Alzheimer
- Vaskuläre Demenz
- Gemischte Demenz
- Lewy-Body-oder Lewy-Körperchen-Demenz
- Frontotemporale Demenz
- Korsakow-Syndrom
- Creutzfeldt-Jakob Krankheit
- Andere Ursachen
Die häufigste Ursache einer Störung der geistigen (kognitiven) Funktionsfähigkeit, wie bei der frontotemporalen Demenz, ist die Alzheimer-Krankheit.
Symptome der Demenz
Die Symptome von Demenz treten oft schleichend auf und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Wortfindungsstörungen
- Ungrammatische Formulierungen
- Schwierigkeiten im Sprachverständnis
- Verminderte Sprechfreude
- Nächtliche Unruhe
- Zunehmende Vergesslichkeit
- Orientierungslosigkeit
- Verwirrtheit
- Abnehmende Konzentration
- Interessenlosigkeit
- Reizbarkeit
- Verhaltensänderungen
Im Verlauf einer Demenz können auch Verhaltensänderungen auftreten, die Ihre Kommunikationsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen. Ihr Angehöriger könnte das Lesen und Schreiben vermeiden, oft begleitet von Ausreden wie „Meine Augen machen nicht mehr mit“. Solche Verhaltensweisen sind oft Anzeichen einer wachsenden Unsicherheit und Frustration im Umgang mit Sprache und Schrift. Ein weiteres häufiges Verhaltensmerkmal ist das Versäumen von Terminen, da Ihr Angehöriger möglicherweise Schwierigkeiten hat, die Uhr zu lesen oder sich an die Absprachen zu erinnern.
Sprachverlust (Aphasie)
Sprachverlust, auch bekannt als Aphasie, ist ein Zustand, der die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Sprache zu verstehen und auszudrücken. Es kann aufgrund verschiedener Ursachen auftreten und betrifft Menschen unterschiedlichen Alters.
Was ist Aphasie?
Der Begriff „Aphasie“ bedeutet übersetzt soviel wie „Verlust der Sprache“. Aphasie ist eine Störung im Gehirn, die das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Sie entsteht meist durch Schäden im Sprachzentrum nach Kopfverletzungen, einem Schlaganfall oder bei Hirntumoren. Eine Aphasie kann unterschiedlich schwer sein und von leichter Sprachverwirrung bis zum völligen Verlust der sprachlichen Fähigkeiten reichen.
Der Begriff "Aphasie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Sprachlosigkeit". Aphasien entstehen, wenn die Sprachzentren in der dominanten, meist linken Hirnhälfte geschädigt sind. Die Betroffenen haben Probleme beim Sprechen und Verstehen, häufig auch beim Lesen und Schreiben.
Aphasien sind Sprachstörungen - keine Sprechstörungen. Das heißt: Nicht der Prozess der Wortbildung ist gestört wie beispielsweise beim Stottern, sondern die zugrunde liegenden Fähigkeiten, Sprache zu codieren und zu decodieren.
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Ursachen von Aphasie
Eine Aphasie entsteht durch Schädigungen in bestimmten Gehirnbereichen. Die wichtigsten Ursachen sind:
- Schlaganfall (für ca. 80 Prozent aller Fälle von Aphasie verantwortlich)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Hirntumoren
- Entzündliche Erkrankungen des Gehirns
- Vergiftungen
Einer der häufigsten ist ein Schlaganfall, bei dem eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn auftritt. Darüber hinaus können neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder die Alzheimer-Krankheit Sprachverlust verursachen. Je nach Auslöser treten die Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben plötzlich oder schleichend auf.
Symptome von Aphasie
Bei dieser Sprachstörung kommt es zu Problemen beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Wörter zu finden oder Sätze zu formulieren. Auch gesprochene oder geschriebene Sprache verstehen sie manchmal nicht mehr richtig. Die Symptome sind unterschiedlich, je nach betroffenem Gehirnbereich und Schweregrad der Aphasie.
Die Symptome von Sprachverlust können je nach Schweregrad und Ursache variieren. In einigen Fällen kann auch die Fähigkeit, komplexe Sätze zu bilden oder grammatikalische Regeln anzuwenden, beeinträchtigt sein. Darüber hinaus kann es zu Schwierigkeiten bei der Aussprache, Betonung und Intonation kommen.
Formen von Aphasie
Aphasien werden unterteilt in flüssige Aphasie und nicht-flüssige Aphasie. Es gibt vereinfacht gesagt vier verschiedene Formen der Aphasie.
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- Broca-Aphasie: Ist das Gehinareal, das sich rund um die Ohren befindet, in Richtung Stirn geschädigt, spricht man von einer Broca-Aphasie. Genau diese Region ist für die Sprachproduktion verantwortlich. Kommt es hier zu Beeinträchtigungen, können Betroffene häufig nur die wichtigsten Wörter eines Satzes sagen. Die Broca-Aphasie wurde früher auch als motorische Aphasie bezeichnet. Die Broca-Aphasie zählt zu den nichtflüssigen Aphasien. Das heißt, die betroffene Person kann in der Regel nicht flüssig sprechen. Außerdem ist das Sprechen mit erheblichen Anstrengungen verbunden. Das heißt, es können keine vollständigen Sätze gebildet werden. Ausgesprochen werden nur einzelne Satzbestandteile oder Wörter. Dadurch ist die Möglichkeit, sich ausdrücken, für den Betroffenen stark eingeschränkt. Das Sprachverständnis ist gut erhalten.
- Wernicke-Aphasie: Ist die Verletzung weiter hinten, also Richtung Nacken, dann ist hauptsächlich das Verständnis von Sprache gestört. In dem Fall liegt eine sogenannte Wernicke-Aphasie vor. Betroffene hören das Gesagte zwar, können die Wörter aber nicht sinngemäß verstehen oder nutzen. Sie können auch ihre eigene Sprache schwer wahrnehmen und kontrollieren. Das Ergebnis sind oft lange verschachtelte Sätze mit vielen Wiederholungen darin. Die veraltete Bezeichnung der Wernicke-Aphasie lautet „sensorische Aphasie“. Sie gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Die Satzbauteile geraten beim Sprechen durcheinander und Wörter werden verwechselt. So lässt sich der Sinn des Gesagten für den Zuhörenden nur schwer erkennen. Das heißt, der Aphasiker versteht das Gesagte nicht oder nur eingeschränkt. Lesen und schreiben ist für die Betroffenen nicht möglich.
- Amnestische Aphasie: Bei einer weiteren Form, der amnestischen Aphasie, sind sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion betroffen, allerdings in einem geringeren Ausmaß. Die Amnestische Aphasie gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Das vorrangige Symptom ist die Wortfindungsstörung. Die Satzinhalte wiederholen sich oft und es werden Floskeln oder Umschreibungen verwendet, um die Wortfindungsstörung zu überspielen.
- Globale Aphasie: Die vierte und schwerste Form ist die Globale Aphasie, bei der sich Betroffene meist nur mit wenigen Worten äußern können.
Aphasie und Demenz
Nein, Aphasie ist keine Demenzerkrankung. Es handelt sich um eine Sprachstörung, die durch Schäden in Hirnregionen verursacht wird, die für Sprache zuständig sind. Sie tritt oft nach einem Schlaganfall auf. Die Aphasie kann aber ein Symptom von Demenz sein. Demenzerkrankungen wie Morbus Alzheimer oder die Frontotemporale Demenz beeinträchtigen zusätzlich das Gedächtnis, das Denken und die sozialen Fähigkeiten stark.
Diagnose von Aphasie
Die Diagnose von Sprachverlust /Aphasie erfolgt in der Regel durch eine umfassende Bewertung der sprachlichen Fähigkeiten und eine gründliche Untersuchung der zugrunde liegenden Ursachen. Die Diagnose umfasst in der Regel Tests zur Bewertung des Sprachverständnisses, der Wortfindungsfähigkeiten, des Lesens, Schreibens und der allgemeinen Kommunikationsfähigkeiten.
Die Diagnose stellt ein Logopäde (Sprachtherapeut) mithilfe spezieller Tests (wie der Aachener Aphasie-Test, AAT). Diese beinhalten Fragen zu den Symptomen, zu Beruf, Familie und Freizeitaktivitäten. Zudem wird die Sprache des Patienten analysiert, um etwaige Auffälligkeiten feststellen zu können:
- Wort- und Lautverdrehungen
- Wortfindungsstörungen
- Wortwiederholungen
Darüber hinaus werden folgende Aspekte beurteilt:
- Die Fähigkeit des Patienten, Silben, Worte und Sätze nachzusprechen
- Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
- Sprachverständnis
- Die Fähigkeit, Dinge zu benennen
- Die Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben
Sprachstörungen sind immer ein Alarmsignal. Treten sie zudem plötzlich auf, sollten Sie sofort einen Notarzt rufen.
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz ist nach der Alzheimer-Krankheit die häufigste Demenzerkrankung.
Ursachen der vaskulären Demenz
Die vaskuläre Demenz wird durch eine Schädigung der Blutgefäße im Gehirn verursacht. Die Gefäße können das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, wodurch wichtige kognitive Funktionen eingeschränkt werden.
Zu den typischen Ursachen einer vaskulären Demenz gehören:
- Schlaganfälle, die eine Hirnarterie verschließen, können eine ganze Reihe von Symptomen verursachen, zu denen auch eine vaskuläre Demenz gehören kann.
- Stille Schlaganfälle, die ohne spürbare Symptome verlaufen, erhöhen ebenfalls das Demenzrisiko.
- Sind Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Bluthochdruck die Ursache, machen sich die Beschwerden meist eher schleichend bemerkbar.
Symptome der vaskulären Demenz
Bei der vaskulären Demenz ist es sehr unterschiedlich, welche Symptome im Vordergrund stehen oder auftreten. Dies hängt von der Art der Schädigung im Gehirn ab und davon, wo sie entstanden ist. Je nach Ursache können die Symptome plötzlich, schleichend oder schrittweise auftreten. Auch im weiteren Verlauf können sich die Symptome entweder schleichend oder plötzlich verschlechtern. Dazwischen kann es auch längere stabile Phasen geben.
Vorbeugung und Diagnose der vaskulären Demenz
Einer vaskulären Demenz beugt man vor, indem man einem Schlaganfall vorbeugt. Wer sich regelmäßig bewegt, kann (weiteren) Schlaganfällen vorbeugen. Eine Demenzerkrankung kann nur durch eine Ärztin oder einen Arzt diagnostiziert werden. Für eine Diagnose werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Am Anfang der Diagnostik steht das ärztliche Gespräch über die persönliche Krankengeschichte. Besonders wichtig sind dabei frühere oder aktuelle Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefäße, Bluthochdruck und Diabetes.
Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich nach Beschwerden und Problemen im Alltag, nach Stimmungsschwankungen sowie nach den Lebensumständen. Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung, um festzustellen, ob Durchblutungsstörungen vorliegen. Mit bildgebenden Verfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) können Veränderungen im Gehirn festgestellt werden. Bei einem Verdacht auf eine vaskuläre Demenz wird vor allem das Herz-Kreislauf-System untersucht, also Blutdruck, Herzgeräusche und Herzgröße. Ebenso wichtig ist der neurologische Status, der die Koordination, Motorik, den Tastsinn und den Gleichgewichtssinn umfasst.
Medizinische Demenztests dienen der Beurteilung der geistigen Leistungsfähigkeit. Dabei werden bestimmte geistige Leistungsbereiche, wie Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit getestet. Gedächtnisambulanzen oder Gedächtnissprechstunden sind Abteilungen in Krankenhäusern, die auf kognitive Störungen spezialisiert sind. Dort klären ärztliche Teams die Ursache für Gedächtnis- oder Sprachprobleme ab.
Therapie der vaskulären Demenz
Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar. Die im Gehirn entstandenen Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Ziel der Therapie ist es, weiteren Schäden vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Beschwerden aufzuhalten, beziehungsweise zu verlangsamen. Bei der vaskulären Demenz werden Durchblutungsstörungen im Gehirn mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt. So kann weiteren Schlaganfällen vorgebeugt werden. Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel und erhöhter Blutzucker können ebenfalls medikamentös behandelt werden.
Da die Symptome einer vaskulären Demenz sehr unterschiedlich sein können, ist die Behandlung sehr individuell. Es gibt verschiedene Ansätze, eine vaskuläre Demenz ohne Medikamente zu behandeln. Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie können helfen, die kognitiven Fähigkeiten und somit die Lebensqualität der Patientin oder des Patienten zu verbessern. Auch Musiktherapie, Erinnerungsarbeit und Krankengymnastik können Betroffenen helfen.
Vaskuläre Demenz kann mit Gesprächen (kognitive Stimulation) oder Erinnerungsarbeit (autobiographische Arbeit) behandelt werden. Körperliche Betätigung oder Kunsttherapie können geeignete Behandlungsmethoden darstellen.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Bei den frontotemporalen Demenzen (FTD) ist zuerst die Sprache betroffen, später erst das Gedächtnis. Typische Anzeichen der FTD sind Teilnahmslosigkeit, enthemmtes Verhalten oder Sprachprobleme. Die Krankheit ist nicht heilbar. Mit gezielten Therapien, strukturierter Begleitung und Verständnis im Umfeld lässt sich der Alltag aber besser bewältigen.
Die frontotemporale Demenz ist eine schwere, nicht heilbare und fortschreitende neurologische Erkrankung. Im Verlauf der Erkrankung sind geistige Leistungsfähigkeit, Gedächtnis und Sprachfunktionen immer mehr beeinträchtigt. Bei der zweiten Hauptform, der Primär Progredienten Aphasie (PPA), können die Sprache und das Sprechen früh gestört sein. Erkrankte haben Wortfindungs- und Verständnisstörungen. Das führt im Verlauf zu einem angestrengt wirkenden Sprachstil.
Die frontotemporale Demenz ist eine sogenannte neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. Er beginnt im Stirn- und Schläfenbereich. Der Frontal-Lappen ist für die Kontrolle der Gefühle, des Sozialverhaltens und für die Handlungskoordination sowie die Einsicht zuständig. Der Temporal-Lappen liegt im Schläfenbereich und ist Sitz unserer Sprache.
Diagnose und Behandlung der FTD
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Bei Verdacht auf eine frontotemporale Demenz wenden Sie sich am besten zunächst an Ihren behandelnden Arzt. Das gilt insbesondere bei langsam zunehmenden Verhaltensstörungen ungeklärter Ursache oder bei Sprachstörungen. Liegt vorrangig eine Sprachstörung vor, kann eine genaue Sprachtestung erfolgen. Für die Diagnose wird zudem ein Bild des Gehirns mit einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) erstellt.
Bislang ist keine Heilung der frontotemporalen Demenz möglich. Es gibt zurzeit keine speziellen Medikamente, um die Kognition oder Sprache bei frontotemporaler Demenz zu verbessern. Hilfestellungen zur Realitätsorientierung mit dem Ziel der Verbesserung von Orientierung (z.B. Insbesondere Betroffene mit einer primären Sprachstörung sollten Logopädie erhalten. Für kognitive und sprachliche Trainings gibt es auch erste digitale Anwendungen.
Therapieansätze bei Sprachverlust und Demenz
Wenn bei Ihnen oder einem Angehörigen erste Anzeichen von sprachlichen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Demenz auftreten, ist es von entscheidender Bedeutung, frühzeitig therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Eine frühzeitige logopädische Therapie kann helfen, den aktuellen Stand der Sprachfähigkeiten zu stabilisieren und die Kommunikationsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Die kontinuierliche Begleitung durch Fachkräfte ermöglicht es Ihnen, wichtige Kommunikationsstrategien zu erlernen und anzuwenden, wodurch die eventuell auftretenden Schwierigkeiten in der Alltagskommunikation besser bewältigt werden können.
Logopädie
Aphasiker sollten sich so früh wie möglich sprachtherapeutisch behandeln lassen. Doch auch Jahre nach Krankheitsbeginn lassen sich mit einer entsprechenden Therapie noch Erfolge erzielen.
Eine Aphasie-Therapie hat folgende Ziele:
- Die erkrankten Hirnareale zu reaktivieren (Reorganisation).
- Andere Hirnbereiche anzuregen, die Aufgaben der gestörten Areale zu übernehmen (Kompensation).
- Den Patienten zum Sprechen zu animieren.
- Die Angst, nicht verstanden zu werden und Fehler zu machen, abzubauen.
- Den Patienten aus seiner Isolation zu befreien.
Eine umfassende Aphasie-Therapie beinhaltet meist Sprech-, Konzentrations- und Verständnisübungen, aber auch Rollenspiele, in denen Alltagssituationen trainiert werden. Letztere finden häufig im Rahmen von Gruppensitzungen statt. Patienten, die unter einer sehr schweren Form der Aphasie leiden, lernen, über Gesten mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren.
Die Therapie beinhaltet drei Stufen:
- Aktivierungsphase: Zunächst geht es darum, den Patienten so früh wie möglich zum Sprechen anzuregen. Diese Phase sollte möglichst kurz nach der Hirnschädigung beginnen, auch wenn noch nicht klar ist, welche Aphasie-Form vorliegt.
- Übungsphase: Die Übungsphase sollte mehrere einstündige Sitzungen wöchentlich beinhalten. Anfangs wird meist in Einzeltherapie, später auch oft in Gruppensitzungen geübt. Die Übungsphase dauert mindestens ein Jahr, oft auch länger. Da sich jede Hirnschädigung anders auswirkt, gibt es kein therapeutisches Standardverfahren. Der Trainingsplan wird vielmehr individuell auf die Fähigkeiten, Beschwerden und die Persönlichkeit des Patienten zugeschnitten.
- Konsolidierungsphase: In der letzten Phase der Aphasie-Therapie lernt der Patient, seine Fähigkeiten optimal einzusetzen und weiter auszubauen.
Individuelle Therapieplanung
Eine erfolgreiche logopädische Intervention erfordert eine individuelle Therapieplanung, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt ist. Bei der Erarbeitung dieser Planung sollten Sie potenziell alle relevanten Faktoren berücksichtigen, darunter den Gesundheitszustand des Klienten, seine Lebensumstände sowie die Art und Schwere der sprachlichen Beeinträchtigung. Die spezifische Therapie wird aus den Ergebnissen dieser Diagnostik abgeleitet. Sie ist darauf ausgelegt, den Kommunikationsstatus zu stabilisieren und die vorhandenen Fähigkeiten bestmöglich zu bewahren.
Evidenzbasierte Praktiken
Die Anwendung evidenzbasierter Praktiken in der Sprachtherapie ist entscheidend, um erfolgreiche Therapieergebnisse zu erzielen. Dies bedeutet, dass die Therapiemethoden auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und in der Praxis erprobt sind. Durch die Nutzung evidenzbasierter Ansätze können Sie sicherstellen, dass die ausgewählten Übungen und Interventionen der aktuellen Forschung entsprechen und individuell auf die Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten sind.
Einbeziehung der Familie
Die Einbeziehung der Familie in den Therapieprozess ist von großer Bedeutung, um eine effektive Unterstützung für den Betroffenen zu gewährleisten. Indem Sie die Angehörigen schulen und in die Therapie einbeziehen, können sie lernen, wie sie unterstützend eingreifen und die kommunikative Umgebung verbessern können. Darüber hinaus können gemeinschaftliche Übungen und Strategien im Alltag eingeübt werden, was die Ergebnisse der logopädischen Therapie nachhaltig verstärkt.
Strategien zur Erhaltung der Kommunikationsfähigkeiten
Um die kommunikativen Fähigkeiten von Menschen mit Demenz zu erhalten, ist es wichtig, gezielte Strategien anzuwenden. Dazu gehören Übungen zur Wortfindung, das Nutzen einfacher Sprache sowie das Einbeziehen von Unterstützungsmedien, die eine verstärkte Kommunikation ermöglichen. Sie sollten auch darauf achten, die Umgebung so zu gestalten, dass sie die Kommunikation unterstützt.
Tipps für Angehörige
Das Sprachvermögen zu verlieren, verstört und frustriert die Betroffenen. Viele reagieren verzweifelt oder aggressiv, manche entwickeln sogar eine Depression. Aphasie-Patienten müssen sich zudem sehr anstrengen, um sich auszudrücken und andere zu verstehen. Sie sind deshalb häufig schnell erschöpft und brauchen viel Ruhe.
Besonders schwierig ist es für die Betroffenen, wenn ihre Umwelt sie als geistig behindert betrachtet und bevormundet. Deshalb ist es wichtig, Aphasiker respektvoll zu behandeln, so dass sie ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensfreude nicht ganz verlieren.
Folgende Tipps können Ihnen den Umgang mit Aphasikern erleichtern:
- Bleiben Sie geduldig: Menschen mit einer Aphasie brauchen Zeit, um Gesprächsinhalte zu erfassen. Sprechen Sie langsam, benutzen Sie einfache Sätze und legen Sie Pausen ein.
- Nehmen Sie dem Aphasiker nicht das Wort aus dem Mund: Menschen mit einer Aphasie sprechen häufig stockend und suchen lange nach Worten. Warten Sie ab, ob der Aphasiker den gesuchten Begriff nicht doch noch findet, denn für ihn ist jedes sprachliche Erfolgserlebnis wichtig. Oft gelingt es ihm, sich auszudrücken, wenn man ihm genügend Zeit lässt. Wird der Aphasiker von einem Dritten angesprochen, sollten Sie der Versuchung widerstehen, für ihn zu antworten.
- Erleichtern Sie die Kommunikation: Sprechen Sie langsam und deutlich und unterstreichen Sie das Gesagte durch Mimik und Gesten.
- Sichern Sie das Verständnis: Wenn Sie nicht ganz sicher sind, ob Sie einen Menschen mit einer Aphasie richtig verstanden haben, stellen Sie einfache Ja/Nein-Fragen: "Du sprichst von Frau Schulze?". Scheint der Betroffene verwirrt zu sein, fragen Sie aktiv nach, ob er alles verstanden hat.
- Korrigieren Sie nicht zu viel: Menschen, die an einer Aphasie leiden, haben oft Angst vor sprachlichen Fehlern und trauen sich deshalb nicht, zu sprechen. Andauerndes Korrigieren verstärkt diese Angst.
- Beseitigen Sie Störquellen: Menschen mit Aphasie können sich nur schwer auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren. Sind mehrere Personen an dem Gespräch beteiligt, sollten nicht alle durcheinander sprechen. Auch ablenkende Geräuschquellen wie Radio oder Fernseher sollten während eines Gesprächs abgestellt werden.
- Erleichtern Sie den Kontakt mit anderen: Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit einem Aphasiker umgehen sollen. Ermutigen Sie sie, mit dem Betroffenen zu sprechen und geben Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung in punkto Aphasie weiter.