Hodenschwellung: Ursachen, Diagnose und Behandlung von Krampfadern und Entzündungen

Eine Hodenschwellung kann verschiedene Ursachen haben, von denen einige harmlos, andere jedoch behandlungsbedürftig sind. Zu den häufigsten Ursachen gehören Entzündungen, Krampfadern (Varikozele) und Hodentorsion. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Hodenschwellungen, um Betroffenen ein besseres Verständnis der Erkrankung zu ermöglichen.

Einführung

Hodenschwellungen können Männer jeden Alters betreffen und sind oft mit Schmerzen oder Unbehagen verbunden. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache der Schwellung zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung einzuleiten und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Hodenschwellungen kann dazu beitragen, die Fruchtbarkeit zu erhalten und langfristige gesundheitliche Probleme zu verhindern.

Ursachen von Hodenschwellungen

Hodenschwellungen können verschiedene Ursachen haben, die von Entzündungen über Krampfadern bis hin zu Hodentorsion reichen. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen detailliert beschrieben:

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) ist eine Entzündung des Nebenhodens, der für die Speicherung und den Transport von Spermien verantwortlich ist. Sie ist meist durch schleichend auftretende Symptome wie Schwellungen und Schmerzen des Hodens gekennzeichnet. Weitere Kennzeichen sind eine erhöhte Temperatur des Hodens sowie Müdigkeit, Schüttelfrost und Fieber. Als Auslöser kommen in der Regel Viren, Bakterien oder, in seltenen Fällen, Pilze vor.

Ursachen:

  • Entzündung der Blase, der Harnröhre oder der Prostata
  • Sexuell übertragbare Krankheiten (Chlamydien, Gonokokken, Syphilis)
  • Bakterien und Viren

Symptome:

  • Schwellungen und Schmerzen des Hodens
  • Erhöhte Temperatur des Hodens
  • Müdigkeit
  • Schüttelfrost
  • Fieber

Hodenentzündung (Orchitis)

Eine Entzündung der Hoden - in der Fachsprache Orchitis genannt - ist deutlich seltener als die der Nebenhoden. Sind sowohl die Nebenhoden als auch die benachbarten Hoden von der Entzündung betroffen, spricht man von einer Epididymoorchitis.

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Ursachen:

  • Viren, Bakterien, Pilze beziehungsweise Hefen
  • Starke äußerliche Gewalteinwirkungen
  • Hodentorsion
  • Auswirkungen von Rheuma
  • Gestörte Blasenentleerung (bei älteren Männern)

Varikozele (Krampfaderbruch)

Krampfadern im Hodensack bezeichnen Ärzte als Varikozelen. Sie sind häufig, verursachen aber meist keine Symptome. Eine Varikozele bildet sich im Venengeflecht entlang eines Samenstrangs. Durch dieses fließt das Blut aus dem Hoden zurück in den Körper. Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass sich die Venen im Hodensack weiten. Bei manchen Männern mündet die Hodenvene im Becken fast im rechten Winkel in die Nierenvene. Dadurch fließt das Blut langsamer und kann sich in den Hodensack zurückstauen, sodass eine Krampfader entsteht. Einen ungünstigen Einmündungswinkel gibt es häufiger auf der linken Seite - deshalb sind dort auch Varikozelen öfter zu finden. Auch eine angeborene Schwäche der Gefäßwand kann unter Umständen eine Varikozele verursachen. Das Gleiche gilt - ähnlich wie bei anderen Krampfadern - für geschwächte Venenklappen. Drückt ein Tumor auf die Venen und stört den Blutabfluss, kann dies ebenfalls eine Krampfader im Hodensack verursachen. Das ist aber nur selten der Fall.

Ursachen:

  • Ungünstiger Einmündungswinkel der Hodenvene in die Nierenvene
  • Angeborene Schwäche der Gefäßwand
  • Geschwächte Venenklappen
  • Tumor, der auf die Venen drückt

Symptome:

  • Meist keine direkten Beschwerden
  • Mögliche Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit
  • Schwellung, Druck- oder Schwere-Gefühl des Hodens
  • Schmerzen

Hodentorsion (Hodendrehung)

Eine Hodentorsion, auch Hodendrehung genannt, ist ein medizinischer Notfall. Dabei dreht sich der Hoden um seine eigene Achse, wodurch sich auch der Samenstrang verdreht, in dem sich Blutgefäße und Nerven befinden. Häufig tritt eine Hodentorsion bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen auf. Sie kann aber in jedem Alter vorkommen. Die Ursache einer Hodentorsion liegt meist in der anatomischen Beschaffenheit des Hodensacks und der darin enthaltenen Strukturen. Ein Schlüsselfaktor ist eine erhöhte Beweglichkeit des Hodens innerhalb seiner Hülle, die zu einer unerwarteten und plötzlichen Verdrehung führen kann. Dieses Phänomen wird medizinisch als Bell-Clapper-Anomalie bezeichnet. Eine Hodentorsion kann auch durch äußere Faktoren ausgelöst werden. Dazu gehören körperliche Aktivitäten und Sport - insbesondere Radfahrer sind häufiger von einer Hodendrehung betroffen. Aber auch Verletzungen oder sogar weniger offensichtliche Auslöser wie eine schnelle Bewegung im Schlaf kommen als Auslöser in Frage.

Ursachen:

  • Erhöhte Beweglichkeit des Hodens innerhalb seiner Hülle (Bell-Clapper-Anomalie)
  • Körperliche Aktivitäten und Sport
  • Verletzungen
  • Schnelle Bewegung im Schlaf

Symptome:

  • Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im Hodensack
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwellung und Rötung des Hodensacks
  • Höher stehender Hoden / veränderte Position

Hydrozele (Wasserbruch)

Bei einer Hydrozele handelt es sich um eine Wasseransammlung in der Tunica vaginalis testis. Infolge eines Traumas oder einer Entzündung kann es zu vermehrter Flüssigkeitsproduktion in der Tunica vaginalis testis kommen, so dass daraus eine Hydrozele resultiert. Klinisch ist eine Hydrozele durch eine langsam zunehmende Vergrößerung des Skrotalinhaltes gekennzeichnet. Bei der Untersuchung tastet sich die Hydrozele als prall-elastische, nicht schmerzhafte Resistenz.

Ursachen:

  • Trauma
  • Entzündung

Symptome:

  • Langsam zunehmende Vergrößerung des Skrotalinhaltes
  • Prall-elastische, nicht schmerzhafte Resistenz

Hodenkrebs

Hodenkrebs zählt speziell in der Altersgruppe der 25- bis 45-jährigen Männer zu den am häufigsten auftretenden Krebsarten. Das Tückische am Hodenkrebs ist, dass er sich kaum bemerkbar macht und somit oft erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Hodenkrebs bereitet nämlich fast keine Hodenschmerzen. Er lässt sich allerdings gut ertasten.

Symptome:

  • Tastbare Verhärtung - Knubbel oder Knoten am Hoden
  • Vergrößerung des Hodens oder Schwellungen
  • Druckschmerzen und Ziehen am Hoden
  • Abnahme der Libido
  • Brustwachstum

Weitere Ursachen

Neben den oben genannten Ursachen können Hodenschwellungen auch durch folgende Faktoren verursacht werden:

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  • Hämatom: Ein intraskrotales oder intratestikuläres Hämatom geht praktisch immer mit einem Trauma einher, welches anamnestisch zu erfragen ist.
  • Lymphom: Das primäre maligne Lymphom des Hodens ist selten und macht ungefähr 5 Prozent aller Hodentumore aus.
  • Sertolizelltumor: Ein Sertolizelltumor zählt als Stromatumor des Samenstrangs und ist eine Rarität.
  • Hodenhochstand: Wenn ein Hodenhochstand auch noch im sechsten Lebensmonat vorliegt, sollte er dringend behandelt werden. Andernfalls besteht die Gefahr einer späteren Unfruchtbarkeit oder sogar von Hodenkrebs.

Diagnose von Hodenschwellungen

Die Diagnose von Hodenschwellungen umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Anamnese und bildgebende Verfahren.

Anamnese

In der Anamnese bespricht der Arzt mit dem Patienten, welche Symptome er bemerkt hat und seit wann diese vorhanden sind. Mögliche Fragen sind:

  • Fühlt sich Ihr Hoden schwer oder geschwollen an?
  • Sind die Symptome im Stehen schlimmer?
  • Haben Sie Schmerzen?

Körperliche Untersuchung

Nach der Anamnese untersucht das ärztliche Fachpersonal den Hodensack und die Leistenregion durch Abtasten sowie Anheben. Dabei wird auf Anzeichen wie Schwellung, Rötung, Hochstand eines Hodens und Berührungsempfindlichkeit geachtet. Spezielle Tests, wie das Prüfen des Prehn-Zeichens (Schmerzlinderung beim Anheben des Hodensacks) und des Kremasterreflexes (Hochziehen des Hodens bei Berührung der Oberschenkelinnenseite), können ebenfalls durchgeführt werden.

Urinuntersuchung

In der Urinuntersuchung zeigt sich, welche Erreger für die Nebenhodenentzündung verantwortlich sind. Zudem kann eine Blutuntersuchung Aufschluss über die Stärke der Entzündung geben. Allerdings kann man in Urinproben keine Anzeichen von Hodenkrebs erkennen. Die Probe dient dazu, Infekte der Blase, der Prostata oder der Niere abzuchecken.

Ultraschalluntersuchung

In der Ultraschalluntersuchung kann das ärztliche Fachpersonal herausfinden, welche Organe entzündet sind und worin die Ursache besteht. So kann zum Beispiel eine Hodentorsion ausgeschlossen werden. Mit dem bildgebenden Verfahren kann außerdem festgestellt werden, ob eine Ansammlung von Eiter (Abszess) vorliegt. Die Ultraschalluntersuchung ist heute in der Diagnostik nicht mehr wegzudenken. In Abhängigkeit der zugrundeliegenden Tumorentität ist das sonographische Bild sehr facettenreich. Allen gemeinsam ist, dass sich eine intratestikuläre Raumforderung vom nicht betroffenen Hodenparenchym abgrenzen lässt. Ist der Tumor bereits sehr groß, kann es durchaus sein, dass kein intaktes Hodenparenchym darstellbar ist.

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Tumormarker

Besteht der Verdacht auf einen Hodentumor, ist prä-operativ die Bestimmung der Tumormarker obligat. Zu den "klassischen Hodentumormarkern" zählen das Alpha-Fetoprotein (AFP), das humane Chorion-Gonadotropin (Beta-HCG), die plazentare alkalische Phosphatase (PLAP) sowie die unspezifische Laktat-Dehydrogenase (LDH). Wenngleich die genannten Marker nicht zu Screening-Zwecken eingesetzt werden können, dienen sie im Falle einer pathologischen Erhöhung als Verlaufsparameter während und nach der Therapie.

Weitere diagnostische Verfahren

Je nach Verdacht können weitere diagnostische Verfahren eingesetzt werden, wie zum Beispiel:

  • Doppler-Sonografie: Um die Durchblutung des Hodens zu bewerten.
  • Computertomographie (CT): Zur Ausbreitungsdiagnostik bei Verdacht auf Hodentumor.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bleibt speziellen Indikationen vorbehalten.
  • Phlebografie: Bei Verdacht auf eine Gefäß-Missbildung.

Behandlung von Hodenschwellungen

Die Behandlung von Hodenschwellungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Nebenhodenentzündung und Hodenentzündung

Bakteriell bedingte Hodenentzündungen werden mit Antibiotika behandelt. Wer sich - mit einer Impfung - vor Mumps schützt, kann damit auch das Risiko einer Hodenentzündung senken. Mumpf-Impfungen sind allerdings nur im Kindesalter möglich. Eine körperliche Schonung, das Hochlagern des Hodensacks durch ein Hodenbänkchen oder ein Suspensorium und die lokale Kühlung sind ergänzende konservative Maßnahmen zur obligaten antibiotischen Therapie. Im Falle einer akuten, einschmelzenden Epididymitis zum Zeitpunkt der Erstdiagnose oder unter laufender antibiotischer Therapie bedarf es der operativen Sanierung im Sinne einer Abszessspaltung.

Varikozele

In den meisten Fällen kann eine Varikozele unbehandelt bleiben. Beeinträchtigt sie jedoch möglicherweise die Zeugungsfähigkeit bei einem Mann mit unerfülltem Kinderwunsch, kann die Ärztin oder der Arzt eine Behandlung vorschlagen. Dabei wird die betroffene Vene stillgelegt, damit das Blut über benachbarte, gesunde Venen abfließen kann. Hierfür kommen drei Methoden infrage:

  • Ein Verschluss der Vene wird mit Medikamenten oder speziellen kleinen Metallspiralen herbeigeführt. Sie werden über einen Katheter in die Vene gegeben und sorgen dafür, dass sich in der Krampfader ein Blutgerinnsel bildet und die Vene verschließt.
  • Ähnlich funktioniert auch das Veröden: Dabei greift ein Medikament die Blutgefäßwand an, sodass die Vene verklebt. Dieser Prozess wird auch Sklerosierung genannt.
  • Wird die Krampfader operiert, trennt die Ärztin oder der Arzt die angeschwollene Vene und die benachbarten kleineren Venen ab - oder bindet sie ab. Als „offene“ Operation wird der Eingriff über einen größeren Schnitt beispielsweise in den Hodensack oder in der Leiste durchgeführt.

Hodentorsion

Auf Grund der kurzen Ischämietoleranzzeit des Hodens von maximal sechs Stunden nach der Torsion gilt im Zweifelsfalle immer der Grundsatz, dass zur endgültigen Klärung der Hoden freigelegt werden muss. Kommt es nach Re-Torquierung des verdrehten Hodens nicht zu einer spontanen Verbesserung der Hodenperfusion, bleibt nur noch die Orchiektomie.

Hydrozele

Eine symptomatische Hydrozele wird operativ saniert.

Hodenkrebs

Für eine Hodenkrebs-Behandlung gibt es 3 Therapieformen:

  • Die Hodenentfernung, auch Orchiektomie genannt: Diese Form wird eigentlich immer angewendet. Wenn der Tumor noch sehr klein ist und den Hodensack nicht verlassen hat, kann die Entfernung sogar ausreichen.
  • Die Bestrahlung: Bei gewissen Unterformen des Hodentumors kann eine Bestrahlung helfen. Sie wird jedoch immer seltener angewendet
  • Die PEB-Chemotherapie: Wenn die Hodenentfernung nicht reicht und noch Krebszellen vorhanden sind, wird eine Chemotherapie in 1-4 Zyklen verabreicht.

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