Bangkok, die pulsierende Hauptstadt Thailands, zieht jährlich Millionen von Touristen an. Neben kulturellen Highlights und kulinarischen Genüssen sollten Reisende sich jedoch auch über mögliche Gesundheitsrisiken informieren, darunter die Japanische Enzephalitis (JE). Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über das JE-Risiko in Bangkok, empfohlene Impfungen, allgemeine Gesundheitsvorkehrungen und die medizinische Versorgung in Thailand.
Was ist Japanische Enzephalitis?
Die Japanische Enzephalitis ist eine durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung. Das Virus wird hauptsächlich von dämmerungs- und nachtaktiven Stechmücken der Gattung Culex verbreitet, die es von infizierten Schweinen und Wildvögeln auf den Menschen übertragen. Die Krankheit ist in weiten Teilen Asiens verbreitet.
Symptome und Verlauf
Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 15 Tage. Die meisten Infizierten zeigen keine oder nur sehr leichte Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einer schweren Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) kommen. Weniger als ein Prozent aller Infizierten entwickeln neurologische Symptome, die auf eine Gehirnbeteiligung hinweisen.
Die Symptome einer Japanischen Enzephalitis zeigen sich nicht direkt nach der Infektion, sondern erst nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen. Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Nach einigen Tagen treten dann psychische Veränderungen und neurologische Beschwerden auf, unter anderem:
- Meningismus (Nackensteifigkeit)
- Verwirrtheit
- Verhaltensauffälligkeiten
- Bewusstseinsstörungen
- Zittern und Muskelsteifigkeit
- Lähmungen
- Krampfanfälle
Etwa ein Viertel der von der Enzephalitis betroffenen Menschen stirbt an der Erkrankung. Von den Überlebenden leiden 30 bis 50 Prozent auch nach überstandener akuter Erkrankung noch an langfristigen neurologischen oder psychischen Folgen wie:
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- motorischen Defiziten
- kognitiven und sprachlichen Defiziten
- wiederkehrenden Krampfanfällen
Diagnose und Behandlung
Besteht der Verdacht auf eine Japanische Enzephalitis, kann die Diagnose durch den Nachweis von Antikörpern im Liquor (Hirnwasser) oder Blut erfolgen. Spezifische Antikörper deuten auf eine JEV-Infektion oder auf eine bereits erfolgte Impfung hin. Finden sich Antikörper im Liquor, spricht das für eine kürzliche Infektion des zentralen Nervensystems.
Auch eine Virus-Isolierung oder der Nachweis von Virus-RNA aus Liquor oder Blut eignen sich als Diagnosemöglichkeiten. Diese Tests liefern aber trotz bestehender Infektion nicht immer positive Befunde. Grund hierfür ist, dass charakteristische Symptome in der Regel erst nach mehreren Tagen auftreten. Dann liegt meist bereits eine hohe Konzentration neutralisierender Antikörper vor, die in Kombination mit der mittlerweile rückläufigen Viruslast den Nachweis erschwert.
Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es keine spezifischen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich daher auf folgende Aspekte:
- Überwachung des Hirndrucks
- Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer zerebralen Durchblutung
- frühzeitiges Eingreifen bei drohenden Krampfanfällen
- Vorbeugung von Komplikationen
- Linderung der Symptome durch Schmerzmittel
Zudem sind Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig.
Japanische Enzephalitis in Bangkok: Risikobewertung
Obwohl Bangkok als Stadtgebiet gilt, das grundsätzlich malariafrei ist, besteht dennoch ein gewisses Risiko für Japanische Enzephalitis. Das Virus ist in ganz Asien verbreitet. Das Risiko einer Infektion ist jedoch geringer als in ländlichen Gebieten, wo Schweine gehalten werden und Wildvögel leben, die als natürliche Wirte des Virus dienen. Reisende, die sich hauptsächlich in städtischen Gebieten aufhalten und nur kurzzeitig exponiert sind, haben ein geringeres Risiko als Langzeitreisende oder Personen, die sich in ländlichen Regionen aufhalten.
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Impfempfehlungen für Thailand und Bangkok
Für die Einreise aus Deutschland sind keine spezifischen Impfungen vorgeschrieben. Es wird jedoch empfohlen, die Standardimpfungen zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Dazu gehören:
- Tetanus (Wundstarrkrampf)
- Diphtherie
- Pertussis (Keuchhusten)
- Masern
- Poliomyelitis (Kinderlähmung)
- Pneumokokken (für Personen über 60 Jahren)
Speziell für Thailand raten Experten zur Impfung gegen Hepatitis A. Je nach Saison in Thailand sollten sich vor allem Personen über 60 Jahre auch gegen Grippe impfen lassen.
Empfohlene Impfungen bei längeren Aufenthalten oder Reisen unter einfachen Bedingungen
Bei längeren Aufenthalten im Land oder Reisen unter einfachen Bedingungen (z.B. mit Zelt und Rucksack) sollten Sie zusätzlich folgende Impfungen in Betracht ziehen:
- Hepatitis B
- Tollwut
- Japanische Enzephalitis
- Typhus
Impfung gegen Japanische Enzephalitis
Der beste Schutz gegen Japanische Enzephalitis ist die Impfung. Sie ist ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat möglich und somit auch für Säuglinge und Kleinkinder zugelassen. In Deutschland ist derzeit nur der Impfstoff Ixiaro® zugelassen. Dieser ist in den Verbreitungsgebieten der Japanischen Enzephalitis in Asien i.d.R. nicht verfügbar.
Insgesamt müssen zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen erfolgen. Diese bauen eine Grundimmunisierung gegen die Japanische Enzephalitis auf. Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren können sich auch kurzfristig impfen lassen - nach dem sogenannten Schnellimpfschema. Dabei werden die ersten zwei Impfdosen mit einem Abstand von einer Woche verabreicht. Sowohl beim Standard- als auch beim Schnellimpfschema sollte die Grundimmunisierung mindestens eine Woche vor Reiseantritt abgeschlossen sein.
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Menschen, die wiederholt in Endemiegebiete reisen, wird ein bis zwei Jahre nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten.
Es ist ratsam, die Notwendigkeit einer Reiseimpfung mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin zu besprechen. Informationen darüber, ob Ihr Reiseziel ein aktuelles Endemiegebiet ist, finden Sie unter anderem beim Robert Koch-Institut oder den Centers for Disease Control and Prevention.
Weitere Gesundheitsrisiken in Thailand und Präventionsmaßnahmen
Neben der Japanischen Enzephalitis gibt es in Thailand weitere Gesundheitsrisiken, die Reisende beachten sollten:
Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber und Zika-Virus
Im gesamten Land, auch in den großen Städten, kommt es zur Übertragung von Dengue-Fieber, einer von Stechmücken übertragenen Viruskrankheit. Landesweit tritt auch Chikungunya-Fieber auf, ebenfalls übertragen von Stechmücken und gekennzeichnet durch hohes Fieber und unter Umständen länger anhaltenden Gelenk- und Muskelschmerzen. Außerdem gibt es Infektionen mit dem Zika-Virus, die sich unter anderem durch Fieber und Hautausschlag zeigen. Auch wenn Zika-Virus-Infektionen meist harmlos verlaufen, kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen - gefährlich vor allem für ungeborene Kinder, wenn sich Schwangere in den ersten Monaten infizieren. Auch das Zika-Virus wird vor allem durch Mückenstiche übertragen.
Wichtig als Schutzmaßnahme ist die Vermeidung von Mückenstichen - auch tagsüber. Außerdem gibt es jetzt auch einen neuen Impfstoff gegen Dengue, der für Personen ab vier Jahren in Europa zugelassen ist.
Malaria
Die Krankheit tritt vor allem in den ländlichen Gebieten entlang der Grenze zu Myanmar bis hinunter nach Kanchanaburi auf. Auch auf den Inseln Ko Chang und Ko Mak besteht zwar theoretisch ein Malariarisiko, es ist aber allenfalls sehr gering. Malariafrei sind zentrale Gebiete in der Nordhälfte des Landes sowie die Städte Bangkok, Chanthaburi, Chiang Mai, Chiang Rai, Pattaya, die Halbinsel Phuket und die Insel Ko Samui.
Da Malaria von Mücken übertragen wird, ist die entscheidende Vorbeugungsmaßnahme, sich konsequent gegen Mückenstiche zu schützen. Die WHO und andere Gremien empfehlen zudem, ein geeignetes Medikament für den Notfall mitzunehmen, falls Sie in Risikogebiete reisen. Besprechen Sie die genaue Vorgehensweise unbedingt rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quallen
In den Gewässern der Andamanensee sowie des Golfs von Thailand finden sich unterschiedliche Quallenarten. Die meisten davon sind für den Menschen ungefährlich. In den vergangenen Jahren wurden allerdings wiederholt auch giftige Arten gesichtet, insbesondere in der Regenzeit zwischen Mai und Oktober. Dazu zählen die Portugiesische Galeere (auf Englisch: Portuguese Man-of-War) sowie die Würfelqualle (auf Englisch: Box Jellyfish). Der Kontakt mit einer Würfelqualle kann zu einem tödlichen Herz-Kreislauf-Versagen führen. Badende und Wassersportler sollten sich vor Ort über aktuelle Beobachtungen informieren und die Warnhinweise an den Stränden beachten.
Allgemeine Hygienemaßnahmen und Gesundheitsvorkehrungen
- Mückenschutz: Konsequent vor Mückenstichen schützen, zu jeder Tageszeit. Mit Schuhen und Kleidung möglichst viel Haut bedecken. Insektenschutzmittel streng nach Vorschrift anwenden. Moskitonetze an den Fenstern und über dem Bett verwenden. Die Kleidung sollte hell sein, weil dunkle Farben Mücken anziehen.
- Wundversorgung: Das Wundinfektionsrisiko ist in Ländern wie Thailand hoch. Deshalb sollten auch kleinste Verletzungen sorgfältig desinfiziert und versorgt werden.
- Ernährung: Landestypisches essen, aber auf Dinge wie Salat, Speiseeis, Mayonnaise verzichten. Dampfend heiße Mahlzeiten bevorzugen, an Straßenständen frisch aus dem Öl oder Sud. Teller nicht leer kratzen. Früchte (lieber nicht von Straßenständen) mit eigenen sauberen Händen schälen. Nur aus industriell verschlossenen Flaschen mit intakten Sicherungsringen trinken.
- Trinken: Nur aus industriell verschlossenen Flaschen mit intakten Sicherungsringen trinken.
- Tierkontakt: Von (Haus-)Tieren fernhalten.
- Baden: Baden nur im Meer und im gechlorten Pool.
- Sonnenschutz: Sonnenbrand vermeiden.
- Verkehr: Nicht selbst fahren, wenn man mit dem Verkehr in einem Land nicht vertraut ist.
- Sexuelle Gesundheit: Keine ungeschützten Intimkontakte, europäische Kondome mitbringen.
- Reiseapotheke: Wichtige Medikamente gehören in die Reiseapotheke.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Bei Fieber, Grippegefühl, Durchfall länger als drei Tage (oder blutig) zum Arzt gehen. Auch kleine Wunden sehr sorgfältig versorgen.
Medizinische Versorgung in Thailand
Die medizinische Versorgung in den Privatkliniken der Großstädte und touristisch erschlossenen Gebieten entspricht dem Niveau in Westeuropa. Im übrigen Land ist die Versorgung gewährleistet, aber nicht immer auf westeuropäischem Niveau.
Es ist ratsam, vor der Reise eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen, da Ausländer zumeist in Privatkliniken behandelt werden und die Kosten deutlich über denen in Deutschland liegen können. Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland dürfen im Ausland entstandene Kosten jedoch nur nach der deutschen Gebührenordnung erstatten. Kosten für einen Krankenrücktransport werden nicht übernommen.
Im Notfall kontaktieren Sie immer zuerst den Reisemedizinischen Informationsservice des ADAC, wenn Sie medizinische Behandlung benötigen.
Reiseapotheke
Eine gut ausgestattete Reiseapotheke sollte folgende Dinge enthalten:
- Wunddesinfektionsspray
- Pflaster und Verbandsmaterial
- Mittel gegen Schmerzen
- Fieber
- Insektenstiche
- Reisekrankheit
- Durchfall
- Erbrechen
- Verstopfung
- Erkältungskrankheiten
Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, sollten Sie sicherheitshalber in doppelter Menge dabeihaben und auf Hand- und Check-in-Gepäck verteilen.
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