Reiseimpfungen sind ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung auf Auslandsreisen. Die Notwendigkeit bestimmter Impfungen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Reiseziel, die Art der Reise und die geplanten Aktivitäten. Während einige Reisen, wie z.B. ein All-inclusive-Urlaub, nur einen minimalen Impfschutz erfordern, benötigen andere, wie z.B. Rucksackreisen oder humanitäre Einsätze, einen umfassenderen Schutz.
Wichtige Reiseimpfungen im Überblick
Zu den wichtigsten Reiseimpfungen gehören unter anderem Cholera, COVID-19, Dengue-Fieber, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Gelbfieber, Grippe (Influenza), Hepatitis A und B, Japanische Enzephalitis, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Meningokokken-Erkrankungen, Tollwut und Typhus.
Cholera
Cholera ist eine bakterielle Durchfallerkrankung, die durch verunreinigtes Trinkwasser, mangelnde Hygiene und engen Kontakt mit Infizierten übertragen wird. Obwohl das Ansteckungsrisiko für Reisende in Gebiete mit Choleraausbrüchen in der Regel gering ist, kann eine Impfung in bestimmten Fällen empfohlen werden, z. B. bei Hilfseinsätzen in Katastrophengebieten. Die Einhaltung allgemeiner Hygienevorschriften in Bezug auf Körperpflege, Trinkwasser und Lebensmittel ist meist ausreichend. Die Schluckimpfung (zwei Impfungen innerhalb von 1 - 4 Wochen) schützt auch vor einem häufigen Erreger des Reisedurchfalls (ETEC). Dieser kommt weltweit in den Tropen und Subtropen vor und wird durch Nahrungsmittel und Wasser übertragen. Meist ist diese Erkrankung nicht bedrohlich, aber im Rahmen einer Reise lästig. Eine Impfung kommt insbesondere Personen mit einer Neigung zu reisebedingten Durchfällen zugute, oder auch Personen, die Medikamente einnehmen, welche die Magensäureproduktion blocken (Protonenpumpen-Blocker), z.B. Es gilt jedoch zu bedenken, dass es eine Reihe anderer Erreger gibt, die ebenfalls durch Nahrungsmittel übertragen werden. Eine gründliche Hygiene ist daher grundsätzlich zu beachten.
Japanische Enzephalitis
Die Japanische Enzephalitis (JE) ist die häufigste Form der Virus-bedingten Gehirnentzündung im asiatisch-pazifischen Raum. Der Erreger wird durch Stechmücken übertragen. Die Impfung gegen JE besteht aus zwei Impfdosen (Grundimmunisierung) im Abstand von vier Wochen, wobei für Erwachsene ein Schnellimpfschema mit einem Abstand von sieben Tagen möglich ist. Die Impfung wird bei Aufenthalten in Risikogebieten (z. B. Südostasien, Nordaustralien) während der Übertragungszeit des Erregers empfohlen, insbesondere bei längeren Aufenthalten oder in der Nähe von Reisfeldern und Schweinezuchten.
Die Japanische Enzephalitis ist eine Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird. In seltenen Fällen kann das Virus jedoch auch eine Entzündung des Gehirns, eine so genannte Enzephalitis, auslösen.
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Das Virus ist mittlerweile auch in Gebieten wie dem äußersten Südosten Russlands, Teilen Australiens oder auf der Pazifikinsel Guam aktiv. Genauere Informationen zu JEV-Risikogebieten stellt unter anderem das Robert Koch-Institut bereit.
Schätzungen zufolge treten in den Risikogebieten jährlich rund 67.900 Fälle mit Krankheitssymptomen auf. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte die Dunkelziffer, also nicht gemeldete Fälle, aber um das Zehnfache höher sein.
Symptome einer Japanischen Enzephalitis: Die meisten Menschen, die sich mit dem JE-Virus angesteckt haben, bleiben symptomfrei oder haben nur leichte, grippeähnliche Beschwerden. In den meisten Fällen gelingt es dem Immunsystem, die Erreger so weit abzuwehren, dass sie nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Weniger als ein Prozent aller Infizierten entwickeln neurologische Symptome, die auf eine Gehirnbeteiligung hinweisen.
Die Symptome der Japanischen Enzephalitis zeigen sich nicht direkt nach der Infektion, sondern erst nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen. Die Erkrankung beginnt meist mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Nach einigen Tagen treten dann psychische Veränderungen und neurologische Beschwerden auf, unter anderem: Meningismus (Nackensteifigkeit), Verwirrtheit, Verhaltensauffälligkeiten, Bewusstseinsstörungen, Zittern und Muskelsteifigkeit, LähmungenKrampfanfälle.
Etwa ein Viertel der von der Enzephalitis betroffenen Menschen stirbt an der Erkrankung. Von den Überlebenden leiden 30 bis 50 Prozent auch nach überstandener akuter Erkrankung noch an langfristigen neurologischen oder psychischen Folgen wie: motorischen Defiziten, kognitiven und sprachlichen Defiziten, wiederkehrenden Krampfanfällen.
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Besteht der Verdacht auf eine Japanische Enzephalitis, kann die Diagnose durch den Nachweis von Antikörpern im Liquor (Hirnwasser) oder Blut erfolgen. Spezifische Antikörper deuten auf eine JEV-Infektion oder auf eine bereits erfolgte Impfung hin. Finden sich Antikörper im Liquor, spricht das für eine kürzliche Infektion des zentralen Nervensystems.
Auch eine Virus-Isolierung oder der Nachweis von Virus-RNA aus Liquor oder Blut eignen sich als Diagnosemöglichkeiten. Diese Tests liefern aber trotz bestehender Infektion nicht immer positive Befunde. Grund hierfür ist, dass charakteristische Symptome in der Regel erst nach mehreren Tagen auftreten. Dann liegt meist bereits eine hohe Konzentration neutralisierender Antikörper vor, die in Kombination mit der mittlerweile rückläufigen Viruslast den Nachweis erschwert.
Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es keine spezifischen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich daher auf folgende Aspekte: Überwachung des Hirndrucks, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer zerebralen Durchblutung, frühzeitiges Eingreifen bei drohenden Krampfanfällen, Vorbeugung von Komplikationen, Linderung der Symptome durch Schmerzmittel.
Zudem sind Ruhe und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Der beste Schutz ist eine Impfung. Mit folgenden Maßnahmen lassen sich zudem Insektenstiche vermeiden: Moskitonetze an den Fenstern und über dem Bett, Mückenschutzmittel, geschlossene Kleidung wie lange Hosen und Hemden. Die Kleidung sollte hell sein, weil dunkle Farben Mücken anziehen. Wenn Sie in ein Gebiet reisen, in dem die Japanische Enzephalitis verbreitet ist, sollten Sie einige Wochen im Voraus die Notwendigkeit einer Reiseimpfung mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin besprechen. Informationen darüber, ob Ihr Reiseziel ein aktuelles Endemiegebiet ist. Wichtig für die Entscheidung ist außerdem das Alter der reisenden Person, wie lange sie sich im Endemiegebiet aufhalten möchte, in welcher Jahreszeit die Reise stattfindet und um welche Reiseroute es sich handelt. Bei einer kurzen Städtetour ist die Gefahr einer Infektion beispielsweise geringer als bei einem mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Land. Auf dem Land ist die Infektionsgefahr höher, weil dort Schweine gehalten werden und Wildvögel leben. Sie sind Wirte beziehungsweise das natürliche Reservoir des Virus. Eine Impfung schützt Sie davor.
Die Impfung gegen Japanische Enzephalitis ist ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat möglich und somit auch für Säuglinge und Kleinkinder zugelassen. Anders als in Asien, wo ein Lebendimpfstoff verabreicht wird, gibt es in Deutschland einen adsorbierten Impfstoff, der inaktivierte, an Aluminium-Partikel gebundene Viren enthält.
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Insgesamt müssen zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen erfolgen. Diese bauen eine Grundimmunisierung gegen die Japanische Enzephalitis auf. Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren können sich auch kurzfristig impfen lassen - nach dem sogenannten Schnellimpfschema. Dabei werden die ersten zwei Impfdosen mit einem Abstand von einer Woche verabreicht. Sowohl beim Standard- als auch beim Schnellimpfschema sollte die Grundimmunisierung mindestens eine Woche vor Reiseantritt abgeschlossen sein. Menschen, die wiederholt in Endemiegebiete reisen, wird ein bis zwei Jahre nach der Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Wer langjährig oder nach vielen Jahren erneut in Endemiegebiete reist, sollte zehn Jahre nach der ersten Auffrischung eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten. Reiseschutzimpfungen wie die gegen die Japanische Enzephalitis sind bei touristischen Reisen keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten aber, wenn der Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist und die Kriterien der Schutzimpfungsrichtlinie erfüllt sind.
Simultanimpfungen: Mehrere Impfungen gleichzeitig
Simultanimpfungen, bei denen mehrere Impfungen gleichzeitig verabreicht werden, sind ein gängige Praxis, um den Impfschutz schnell und effizient aufzubauen. Generell können alle Impfungen auf einmal gegeben werden. Hat man mal eine vergessen, muss gegebenenfalls gewartet werden. Welche Abstände Sie zwischen zwei Impfungen einhalten müssen, ist in erster Linie von der Art des Impfstoffes abhängig: Verschiedene Totimpfstoffe benötigen keinen zeitlichen Abstand voneinander. Nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff muss kein Mindestabstand zu einer anderen Totimpfstoff-Impfung eingehalten werden. Bei Lebendimpfstoffen müssen Sie vier Wochen zwischen zwei Injektionen pausieren. Folgende Lebendimpfstoffe kommen in der ärztlichen Praxis vor: Gelbfieber als Reiseschutzimpfung, Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster), Masern, Mumps und Röteln.
Vier Wochen Abstand zwischen Lebendimpfstoffen Für Lebendimpfstoffe gilt die dringende Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) - beispielsweise bei einer kurzfristigen Reise ins tropische Afrika, dass die Impfungen gleichzeitig appliziert werden. Ansonsten müssen bis zur nächsten Injektion mit einem Lebendimpfstoff vier Wochen vergehen. Die Spanne von einem Monat sollte dem RKI zufolge nicht unterschritten werden, da die Impfungen sonst möglicherweise nicht ausreichend schützen. Eine Ausnahme stellt die Schluckimpfung gegen Typhus dar: Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen Lebendimpfstoff. Es ist aber kein Mindestabstand zu anderen Lebendimpfungen erforderlich, da die Immunisierung lokal im Darm erfolgt.
Gelegentlich stärkere Impfreaktion Bei zwei Impfungen gleichzeitig können Ärzte den Impfstoff in jeweils einen Oberarm verabreichen. Bei mehr als zwei Impfungen lassen sich auch zwei Impfungen in den gleichen Muskel injizieren. Das RKI weist darauf hin, dass bei Mehrfachimpfungen die lokale Impfreaktion an der Einstichstelle etwas stärker ausfallen kann. Dazu gehören Schmerzen, Rötungen und Schwellungen, bekannt auch von Kombinationsimpfstoffen wie gegen Masern-Mumps-Röteln. Impfreaktionen einer vorherigen Impfung sollten bis zur nächsten Impfung abgeklungen sein.
Sechs auf einen Streich Untersuchungen zufolge stimulieren Einzelkomponenten in Kombinationsimpfstoffen das Immunsystem weniger, als wenn sie einzeln gegeben würden. So können beispielsweise drei statt zwei oder vier statt drei Impfungen notwendig werden. Insgesamt lässt sich durch Mehrfachimpfungen die Anzahl der Spritzen dennoch deutlich verringern. Aktuell werden bis zu sechs Impfstoffe in einem einzigen Impfstoff kombiniert: gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus influenzae, Polio und Hepatitis B.
Argumente, dass mehrere Impfungen oder Mehrfachimpfstoffe das Immunsystem von Kindern überlasten könnten, sind nicht bewiesen. Die körperliche Abwehr ist durch den ständigen Kontakt mit Erregern aus der Umwelt mehr gefordert als durch die geschwächten oder abgetöteten Erreger und Erregerpartikel aus Impfstoffen. Zudem ist die Zahl der Antigene - der Erregerbestandteile in den Impfungen, welche die Immunantwort auslösen - in modernen Impfstoffen immer weiter gesunken.
Eine Studie untersuchte die Verträglichkeit von Simultanimpfungen bei Reisenden. Dabei wurden 781 Personen befragt, die Einzel- oder Simultanimpfungen mit bis zu sieben Vakzinen erhalten hatten. Die häufigsten Impfungen waren gegen Tollwut, Gelbfieber, Typhus, Meningokokken-Meningitis und Japanische Enzephalitis. Die Ergebnisse zeigten, dass eine höhere Anzahl von Simultanimpfungen zwar zu einer schrittweisen Zunahme von Nebenwirkungen führte, diese jedoch meist von leichter Ausprägung waren. Schwere Nebenwirkungen standen in keinem eindeutigen Zusammenhang mit der Anzahl der Simultanimpfungen.
Gleichzeitige Impfung gegen Japanische Enzephalitis und Cholera
Die gleichzeitige Verabreichung von Impfstoffen gegen Japanische Enzephalitis und Cholera ist grundsätzlich möglich, da es sich um Totimpfstoffe handelt. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Impfstoffe an unterschiedlichen Körperstellen verabreicht werden sollten, um lokale Reaktionen besser zuordnen zu können.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei allen Impfungen können auch bei der gleichzeitigen Impfung gegen Japanische Enzephalitis und Cholera Nebenwirkungen auftreten. Diese sind in der Regel mild und vorübergehend und können lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle sowie systemische Reaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und leichtes Fieber umfassen. In seltenen Fällen können schwerere Nebenwirkungen auftreten.
Empfehlungen
Ob eine gleichzeitige Impfung gegen Japanische Enzephalitis und Cholera sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Reiseziel, die Reisedauer, die geplanten Aktivitäten und der individuelle Gesundheitszustand. Es ist ratsam, sich vor der Reise von einem Arzt oder Apotheker beraten zu lassen, um die Notwendigkeit und den Zeitpunkt der Impfungen zu besprechen.
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