Japanische Enzephalitis: Verlauf, Symptome, Risiken und Prävention in Vietnam und weltweit

Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Viren verursachte Krankheit, die vor allem in Asien vorkommt und durch Mückenstiche übertragen wird. Obwohl die Krankheit ihren Namen von Japan hat, ist sie in vielen Ländern Asiens verbreitet. In Japan selbst sind die Fallzahlen aufgrund von Impfprogrammen bei Haustieren stark zurückgegangen. Die Krankheit kann schwerwiegende Folgen haben, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Japanische Enzephalitis, einschließlich des Verlaufs, der Symptome, der Risikofaktoren und der Präventionsmaßnahmen, insbesondere im Kontext von Vietnam.

Was ist Japanische Enzephalitis?

Die Japanische Enzephalitis ist eine Viruserkrankung, die durch den Stich infizierter blutsaugender Moskitos (Mücken) auf den Menschen übertragen wird. Oftmals erfolgt die Übertragung von Tieren wie Hausschweinen oder Wasservögeln. Das Japanische-Enzephalitis-Virus (JEV) gehört zur Familie der Flaviviren, zu der auch das Gelbfieber-Virus und das Dengue-Virus gehören.

Verbreitung und Risikogebiete

JEV-Infektionen sind aus gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen Asiens sowie den nördlichen Regionen Australiens bekannt. Aktuelle Verbreitungsgebiete erstrecken sich von China und Japan im Norden und Osten bis nach Indien und Pakistan im Westen bzw. bis zur Nordspitze Australiens im Süden. In den betroffenen Ländern gelten die tropischen Regionen als endemisch, während in Regionen mit subtropischem und gemäßigtem Klima ein epidemisches Auftreten beobachtet wird.

Entscheidend für eine Übertragung ist das Vorhandensein von Reservoirwirten (Schweine) und Brutstätten von Moskitos (Reisfelder). In den vergangenen Jahren wurde in vielen asiatischen Ländern aufgrund der Zunahme von Schweinezuchten auch außerhalb des ländlichen Gebiets ein erhöhtes Infektionsrisiko in vorstädtischen Gebieten festgestellt.

Die Hauptsaison der Übertragung ist von Region zu Region unterschiedlich:

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  • In Japan dauert die JE-Saison von Juni/Juli bis Oktober/November.
  • In Südkorea von Mai bis November.
  • In Thailand und Vietnam von April bis Oktober.

Übertragung der Japanischen Enzephalitis

Das Japanische-Enzephalitis-Virus wird über dämmerungs- und nachtaktive Stechmücken (vor allem der Gattung Culex) von Schweinen und Wildvögeln auf den Menschen übertragen. Die Mücken sind vor allem nachts aktiv, hauptsächlich kurz nach Sonnenuntergang und erneut nach Mitternacht. Übertragungen sind aber auch am Tag möglich.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für eine JEV-Infektion gehören:

  • Reisen während der Übertragungszeit
  • Aufenthalt in ländlichen Gebieten
  • Höheres Alter
  • Schwangerschaft
  • Fehlende Immunität, auch gegen andere Flaviviren

Symptome der Japanischen Enzephalitis

Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 5 bis 15 Tage. In den meisten Fällen (ca. 99 Prozent) verläuft die Infektion asymptomatisch oder mit milden grippeähnlichen Symptomen. Bei etwa einem Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit jedoch schwer unter dem Krankheitsbild einer Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Mögliche neurologische Symptome sind:

  • Enzephalitis
  • Meningismus (Auftreten mehrerer Symptome wie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Photophobie, Phonophobie, Übelkeit und Erbrechen)
  • Verwirrtheit
  • Verhaltensänderungen
  • Schlaffe Paresen (Lähmungen)
  • Parkinsonoide Bewegungsmuster
  • Krampfanfälle
  • Koma
  • Guillain-Barré-Syndrom

Verlauf und Prognose

Die Prognose der symptomatischen Fälle ist unterschiedlich:

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  • Bei 30 Prozent folgt eine folgenlose Ausheilung.
  • Bei 30 bis 50 Prozent bleiben bleibende neurologische Folgeschäden wie z. B. motorische, kognitive und/oder sprachliche Defizite zurück.
  • Bei etwa 30 Prozent der Fälle tritt der Tod ein.

Selbst bei lebenslang nachweisbaren Antikörpern ist ein lebenslanger Schutz nicht gesichert!

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose kann bereits aus dem klinischen Bild gestellt werden. Die weiterführende Diagnostik umfasst Testungen von Blut und Hirnwasser sowie eine bildgebende Diagnostik mit CT oder MRT. Labormedizinische Untersuchungen können die Verdachtsdiagnose Japanische Enzephalitis bestätigen. Die JE-Viren sind allerdings nur in der ersten Woche nachweisbar. Ab der 2. Woche sichert ein Antikörper-Nachweis die Diagnose. Im Blutbild präsentiert sich eine Leukozytose. Der Nachweis einer Meningoenzephalitis ist mittels Kernspintomographie möglich. In der Liquoruntersuchung tritt eine lymphozytäre Pleozytose bei normalem Glukosespiegel auf.

Behandlung

Bislang gibt es noch keine ursächliche (kausale) Therapie gegen Japanische Enzephalitis. Die Behandlung bleibt darauf beschränkt, Symptome wie Schmerzen zu lindern und das Fieber zu senken. Bei schweren Verläufen wird es nicht selten unumgänglich, Herz- und Kreislauf medikamentös zu stärken oder die Atmung zu unterstützen. Manchmal muss der Hirndruck gesenkt werden. Das geschieht medikamentös, mittels Lumbalpunktion (Absaugen von Liquor aus dem Rückenmarkskanal) oder über eine spezielle Drainage. Im schlimmsten Fall werden Teile des Schädeldachs entfernt (Dekompressionskraniektomie), um das Gehirn von erhöhtem Druck zu entlasten. Der Knochendeckel wird aufbewahrt und später wieder eingesetzt.

Prävention

Mückenschutz

Allgemeine Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen, wie sie auch in Malaria-Gebieten empfohlen werden, senken das Infektionsrisiko. Dazu gehören:

  • Schlafen unter Mückennetzen
  • Tragen langer Kleidung
  • Verwendung von Insektenschutzmitteln (Repellenzien) auf Haut und ggfs. Kleidung

Impfung

In Deutschland steht ein Impfstoff zu Verfügung, der inaktivierte (abgetötete) Japanische-Enzephalitis-Viren enthält. Die Impfviren werden aus Zellkulturen gewonnen. Der JE-Impfstoff wird in der Regel in den Oberarmmuskel gespritzt. Der Impfstoff ist für Erwachsene, Jugendliche und auch für Kinder ab 2 Lebensmonaten zugelassen. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Injektionen in einem Mindestabstand von 4 Wochen, sie sollte mindestens 1 Woche vor einem möglichen Kontakt zu JE-Viren abgeschlossen sein.

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Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt eine Impfung für Menschen mit geplantem Aufenthalt in Verbreitungsgebieten (Endemiegebieten). Die Entscheidung über die Impfnotwendigkeit treffen Arzt und Reisende auf Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Von der STIKO empfohlen wird die Impfung bei Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete und dort insbesondere bei:

  • Aufenthalten von mehr als vier Wochen oder bei wiederholten Kurzzeitreisen
  • Aufenthalten in der Nähe von Reisfeldern oder Schweinezuchtbetrieben (auch unabhängig vom Aufenthalt auf dem Land)

Außerdem empfiehlt die STIKO die Impfung für Personen, die beruflich mit vermehrungsfähigen Wildtypviren des JEV (Japanisches Enzephalitis-Virus) arbeiten, zum Beispiel im Labor.

In Deutschland ist derzeit nur der Impfstoff Ixiaro® zugelassen. Dieser ist in den Verbreitungsgebieten der Japanischen Enzephalitis in Asien i.d.R. nicht verfügbar.

Japanische Enzephalitis in Vietnam

Vietnam gehört zu den Ländern, in denen die Japanische Enzephalitis vorkommt. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich während der Regenzeit von April bis Oktober. Aus Hanoi werden regelmäßig Fälle von Enzephalitis gemeldet. Für Reisende nach Vietnam, insbesondere bei längeren Aufenthalten in ländlichen Gebieten oder in der Nähe von Reisfeldern, ist eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis empfehlenswert. Es ist ratsam, sich vor der Reise von einem reisemedizinischen Zentrum beraten zu lassen.

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