Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft und zu Empfindungsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche führen kann. Es gibt viele verschiedene Ursachen für PNP, darunter Diabetes mellitus, Alkoholismus, genetische Faktoren, Vitaminmangel oder -überdosierungen, Toxine, immunologische Vorgänge und Medikamente. In diesem Artikel wird der mögliche Zusammenhang zwischen dem Medikament Jardiance (Empagliflozin) und dem Auftreten von Polyneuropathie untersucht.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mit einer Prävalenz von etwa 5-8 % bei Erwachsenen auftreten und mit zunehmendem Alter häufiger werden. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Taubheitsgefühlen und Kribbeln bis hin zu Schmerzen und Muskelschwäche.
Ursachen von Polyneuropathie
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für Polyneuropathie. Angeblich gibt es 333 verschiedene Krankheitsauslöser von PNP, wobei Diabetes und Alkoholismus etwa zwei Drittel aller Fälle ausmachen. Weitere Ursachen sind:
- Genetische Faktoren
- Vitaminmangel oder -überdosierungen
- Toxine
- Immunologische Vorgänge
- Medikamente
Wenn die Ursache der PNP unklar ist, wird oft zuerst an Diabetes gedacht, insbesondere wenn der Patient bereits an Diabetes erkrankt ist. Es ist jedoch wichtig, andere mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen, da die PNP auch andere Gründe haben kann.
Diabetes und Polyneuropathie
Diabetes mellitus ist eine der häufigsten Ursachen für Polyneuropathie, insbesondere in Europa und Nordamerika. Laut der nationalen Versorgungsleitlinie für Diabetes im Erwachsenenalter beträgt die Prävalenz der diabetischen Neuropathie 8-54 % bei Typ-1- und 13-46 % bei Typ-2-Diabetes.
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Symptome der diabetischen Polyneuropathie
Die diabetische Polyneuropathie betrifft oft die Nerven, die für die Bewegung der Muskeln und das Berührungsempfinden der Haut zuständig sind. Betroffene können Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Füßen oder Händen verspüren. Auch Verdauung oder Herzschlag können durch eine Neuropathie beeinträchtigt werden.
Vorbeugung und Behandlung der diabetischen Polyneuropathie
Ein gutes Blutzuckermanagement und ein gesunder Lebensstil beugen bei Typ-1-Diabetes der Neuropathie vor. Bei Typ-2-Diabetes kann eine Neuropathie nicht direkt verhindert werden, aber es gibt Risikofaktoren, die günstig beeinflusst werden können.
Jardiance (Empagliflozin): Anwendung und Wirkungsweise
Jardiance ist ein Medikament, das zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt wird. Es enthält den Wirkstoff Empagliflozin, der die Wirkung des Natrium-Glucose-Cotransporters 2 (SGLT2) in den Nieren blockiert. Dadurch wird mehr Glucose über den Urin ausgeschieden und der Blutzuckerspiegel gesenkt.
Anwendungsgebiete von Jardiance
Jardiance wird ergänzend zu Diät und körperlicher Aktivität eingesetzt, wenn diese Maßnahmen allein nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Es kann auch bei chronisch eingeschränkter Nierenfunktion und schwerer Herzschwäche eingesetzt werden.
Mögliche Nebenwirkungen von Jardiance
Zu den möglichen Nebenwirkungen von Jardiance gehören:
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- Unterzuckerung (Hypoglykämie)
- Verringerte Blutmenge durch Volumenverlust
- Hefepilzinfektionen im Genitalbereich
- Harnwegsinfektionen
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Vermehrte Urinausscheidung
- Erhöhte Nierenwerte im Blut
- Erhöhte Konzentration an Ketonkörpern im Blut (Ketoazidose)
Der mögliche Zusammenhang zwischen Jardiance und Polyneuropathie
Bisher gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Jardiance direkt Polyneuropathie verursacht. Allerdings gibt es einige Überlegungen, die einen indirekten Zusammenhang nahelegen könnten:
Vitamin-B12-Mangel
Einige Studien deuten darauf hin, dass Metformin, ein anderes häufig verwendetes Medikament zur Behandlung von Diabetes Typ 2, zu einem Vitamin-B12-Mangel führen kann. Ein Vitamin-B12-Mangel kann ähnliche Symptome wie eine Polyneuropathie verursachen, wie Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen. Es ist möglich, dass auch Jardiance indirekt zu einem Vitamin-B12-Mangel beitragen könnte, was wiederum das Risiko für Polyneuropathie erhöhen könnte.
Nierenerkrankungen
Jardiance beeinflusst die Nierenfunktion und kann in seltenen Fällen zu Nierenerkrankungen führen. Nierenerkrankungen können wiederum Polyneuropathie verursachen. Es ist daher denkbar, dass Jardiance in seltenen Fällen indirekt über eine Nierenschädigung zur Entstehung von Polyneuropathie beitragen könnte.
Stoffwechselentgleisungen
Eine schlechte Stoffwechseleinstellung bei Diabetes kann zu Veränderungen des Schilddrüsenhormonstoffwechsels führen, was wiederum das Risiko für Polyneuropathie erhöhen könnte. Da Jardiance den Blutzuckerspiegel beeinflusst, sind regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion wichtig, um Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden.
Andere Medikamente
Es ist wichtig zu beachten, dass viele andere Medikamente ebenfalls Polyneuropathie verursachen können. Bei Patienten, die Jardiance einnehmen und Symptome einer Polyneuropathie entwickeln, sollte daher auch geprüft werden, ob andere Medikamente, die sie einnehmen, als Ursache in Frage kommen.
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Was tun, wenn Symptome einer Polyneuropathie auftreten?
Wenn Sie Jardiance einnehmen und Symptome einer Polyneuropathie entwickeln, sollten Sie Ihren Arzt informieren. Er kann die Ursache der Symptome abklären und gegebenenfalls eine geeignete Behandlung einleiten. Folgende Maßnahmen können hilfreich sein:
- Überprüfung der Medikamente: Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, ob andere Medikamente, die Sie einnehmen, Polyneuropathie verursachen können.
- Vitamin-B12-Spiegel bestimmen: Lassen Sie Ihren Vitamin-B12-Spiegel bestimmen und gleichen Sie einen Mangel gegebenenfalls aus.
- Schilddrüsenfunktion überprüfen: Lassen Sie Ihre Schilddrüsenfunktion überprüfen, um Stoffwechselentgleisungen auszuschließen.
- Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Vermeidung von Alkohol und Nikotin.
- Symptomatische Behandlung: Bei Schmerzen und Missempfindungen können schmerzlindernde Medikamente und andere Therapien wie Physiotherapie oder Ergotherapie helfen.
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