Es ist ein Gefühl, das viele kennen: Ob auf Konzerten, in Fußgängerzonen oder auf Weihnachtsmärkten - der Eindruck, dass die Menschen um einen herum zunehmend irritierend oder sogar aggressiv wirken. Auch im privaten Umfeld stellt man fest, dass es schwieriger geworden ist, sympathische Menschen zu treffen und Freundschaften zu schließen. Je älter man wird, desto genervter scheint man von anderen zu sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Phänomen und zeigt auf, warum es nicht nur normal, sondern auch ein Zeichen gesunder Selbstwahrnehmung sein kann.
Der Wandel von Freundschaften im Laufe des Lebens
Früher schien es einfacher, neue Leute kennenzulernen. In der Schule, auf Partys entstanden schnell Freundschaften. Heute begegnet man oft Menschen, die eher nerven als faszinieren. Anstatt neue Freunde zu finden, intensiviert sich das Verhältnis zur Familie.
Selbst langjährige Freundschaften werden komplizierter. Wenn Freunde Partner finden oder Kinder bekommen, verschieben sich Prioritäten. Oft engagiert man sich vergeblich, um den Kontakt aufrechtzuerhalten, während vom anderen wenig zurückkommt. Die Frage, ob man dem anderen noch wichtig ist, taucht immer häufiger auf. Es ist schmerzhaft zu akzeptieren, dass Freundschaften auseinandergehen. Diese Enttäuschung führt dazu, dass man sich schwerer auf neue Menschen einlässt und genervter von ihnen ist.
Ein Grund dafür, dass es schwerer wird, passende Freunde zu finden, ist, dass man weniger bereit ist, sich für andere zu verändern. Man erwartet von Freundschaften mehr als oberflächliches Abhängen. Wir verstellen uns nicht mehr, um anderen zu gefallen, da wir gelernt haben, uns selbst zu akzeptieren. Wir müssen nicht mehr um jeden Preis dazugehören und kommen gut alleine klar. Unsere freie Zeit wollen wir nicht mit Menschen verbringen, die uns nicht guttun, uns stressen oder unsere Freundschaft nicht wertschätzen. Natürlich gibt es Ausnahmen, und mit etwas Glück trifft man auch im Alter noch besondere Menschen, die einem sofort nah sind. Freundschaften bleiben wichtig.
Wesensveränderungen im Alter: Wenn alte Menschen schwierig werden
Manchmal scheinen ältere Menschen rätselhaft. Sie zeigen plötzlich Verhaltensweisen, die man von ihnen nicht kannte. Bisher harmonische Beziehungen werden durch Konflikte belastet. Wenn alte Menschen schwierig werden, fühlen sich Angehörige verletzt und überfordert. Es ist wichtig zu verstehen, was hinter diesem Verhalten steckt. Wenn die Gründe bekannt sind, können Irritation und Unverständnis durch Mitgefühl ersetzt werden. Krankheiten können frühzeitig erkannt und Probleme im Umgang miteinander gelöst werden.
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Die Lebenssituation älterer Menschen verstehen
Versuchen Sie, sich in die Lage einer älteren Person zu versetzen: Schlafstörungen, körperliche Schmerzen, Sehprobleme, eingeschränkte Mobilität, Verlust des Führerscheins, Einsamkeit, das Gefühl, anderen zur Last zu fallen. Das Älterwerden ist mit tiefgreifenden Veränderungen verbunden. Soziale Kontakte schrumpfen durch Tod und eingeschränkte Mobilität, die Selbstbestimmung leidet unter verminderten körperlichen und geistigen Kräften. Die Anpassung an diese neuen Gegebenheiten erfordert Akzeptanz. Im höheren Alter werden manche Menschen starrer in ihren Denk- und Verhaltensmustern und leisten Widerstand gegen Veränderungen.
Krankheiten als Ursache für Verhaltensänderungen
Wenn alte Menschen schwierig werden, können Krankheiten wie Altersdepression oder Demenz die Ursache sein.
- Altersdepression: Fachleute sprechen von einer Altersdepression bei Patienten ab dem 60. Lebensjahr mit depressiven Symptomen wie Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Reizbarkeit und Suizidgedanken.
- Demenz: Demenz ist eine Beeinträchtigung der Gedächtnis- und Hirnleistung, die sich unter anderem durch Stimmungsschwankungen, Vergesslichkeit, Aggression und Wut äußert.
Es ist wichtig, diese Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Symptome von Demenz
Im Rahmen einer Demenz kann es im Alter zu Wesensveränderungen kommen. Viele Menschen mit einer Demenzerkrankung zeigen schwere Verhaltensauffälligkeiten, wie zum Beispiel Aggressionen in Worten und Taten, plötzliche Stimmungswechsel, Misstrauen gegenüber den Familienangehörigen oder unruhiges Umherlaufen in der Nacht. Solche Änderungen im Sozialverhalten sind oft Zeichen einer beginnenden Demenz. Demenz wird häufig nur mit Vergesslichkeit verknüpft, doch der allmähliche fortschreitende Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Denkvermögens ist nur die eine Seite einer Demenzerkrankung, deren bekannteste Form der Morbus Alzheimer ist. Die Erkrankung führt häufig auch zu Verhaltensauffälligkeiten. Oft wird das "grantige" Verhalten der alten Menschen mit dem zunehmenden Alter der Patient*innen begründet und als "normaler" Altersstarrsinn abgetan. Doch plötzliche Wesensveränderungen im Alter, wie Aggressivität, Unruhe, Misstrauen, Schimpfen und Schreien, sind ebenso Teil der Erkrankung.
Teils sind diese durch die Veränderungen im Gehirn bedingt, etwa die Beeinträchtigung des logischen Denkvermögens oder der Impulskontrolle. Teils sind sie auch eine Reaktion der Betroffenen auf ihre Situation und gehen auf Gefühle zurück wie:
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- Verunsicherung
- Überforderung
- Angst
- Hilflosigkeit
- Enttäuschung
- Frustration
- Schuldgefühle
- Selbstzweifel
Häufige Verhaltensweisen bei Demenz
- Rastlosigkeit, Herumwandern und Unruhe: Veränderungen im Antrieb sind oft ein erstes Zeichen für Störungen im Gehirn. Die Betroffenen werden von einer inneren Unruhe getrieben, sie wollen ununterbrochen etwas tun, ohne jedoch zu wissen, was sie eigentlich tun wollten.
- Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus: Viele Demenzkranke leiden an Schlafstörungen und wandern in der Nacht umher.
- Aggressionen und Wut: Demente verhalten sich oftmals aggressiv, ausgelöst durch Angst oder Wut darüber, um Hilfe bitten zu müssen.
- Misstrauen und Feindseligkeit: Demenzkranke misstrauen plötzlich Vertrauten und reagieren feindselig.
- Niedergeschlagenheit und Depression: Depressive Verstimmungen kommen häufig vor, da die Betroffenen merken, dass etwas mit ihnen nicht mehr stimmt.
- Teilnahmslosigkeit und Antriebslosigkeit: Oft steckt Schamgefühl dahinter, wenn Betroffene sich zurückziehen und soziale Kontakte meiden.
Die Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich meist schon zwei bis drei Jahre vor der Diagnose. Angehörige sollten frühzeitig einen Arzt aufsuchen, auch wenn die Betroffenen die Krankheitseinsicht fehlt. Auch wenn Demenz nicht heilbar ist, können Symptome wie Aggressivität, Misstrauen oder ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus gemindert werden.
Tipps für den Umgang mit Demenzkranken
Für Angehörige ist der Umgang mit Demenzkranken oft schwer. Die erkrankten Personen werden als schwierig, boshaft, streitsüchtig, starrsinnig oder aggressiv empfunden. Fehlendes Verständnis der Angehörigen verschlimmert die Situation oft.
- Weisen Sie Betroffene möglichst nicht auf Fehler hin oder kritisieren Sie sie nicht.
- Vermeiden Sie Diskussionen oder Streitereien. Lenken Sie ab oder geben Sie der Person recht.
- Sorgen Sie für eine gleichbleibende Struktur im Tagesablauf und eine vertraute Umgebung.
- Versuchen Sie, die Ursache für Beunruhigungen zu beseitigen oder auf emotionaler Ebene zu trösten und zu beruhigen. Körperkontakt wirkt oft positiv.
- Entziehen Sie sich gewaltsamen Konfrontationen und versuchen Sie nicht, die Person festzuhalten oder zu bedrängen.
- Helfen Sie beim Suchen nach versteckten Gegenständen und beruhigen Sie die Person.
- Versuchen Sie, das Verhalten der erkrankten Person nicht persönlich zu nehmen.
Kommunikation mit älteren Menschen
Ältere Menschen wollen nicht bevormundet werden. Berücksichtigen Sie ihre Lebenserfahrung. Verzichten Sie auf leere Phrasen. Wählen Sie eine gelöste Atmosphäre, um Probleme anzusprechen. Legen Sie eine Pause ein, wenn Emotionen hochkochen. Sprechen Sie wichtige Angelegenheiten frühzeitig an, damit alternde Menschen ihre letzte Lebensphase aktiv planen können.
Hilfe von außen
Wenn alte Menschen schwierig werden, holen Sie sich Hilfe von außen! Das kann eine dritte Partei sein, die in einem Gespräch als Vermittler wirkt. Es gibt Betreuungskräfte für die häusliche Seniorenbetreuung, die pflegende Angehörige entlasten.
Aggressives Verhalten bei Demenz
Aggressives und scheinbar bösartiges Verhalten bei Demenz ist ein komplexes und oft missverstandenes Verhaltensmuster, das bei etwa 50 Prozent der Menschen mit Demenz auftreten kann. Hier spielt besonders die Frustration über den kognitiven Abbau sowie äußere Faktoren eine große Rolle.
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Ursachen für aggressives Verhalten bei Demenz
- Schmerzen: Körperliche Schmerzen oder Unwohlsein können eine Ursache sein.
- Zu viele Reize: Umweltfaktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
- Allgemeiner Stress: Im Alltag von Menschen mit Demenz kommt es immer wieder zu Überforderungssituationen, die Frustration oder Angst auslösen können.
Tipps für den Umgang mit aggressivem Verhalten bei Demenz
- Schmerzmanagement: Sorgen Sie für regelmäßige Untersuchungen auf körperliche Beschwerden und verabreichen Sie bei Bedarf angemessene Schmerzmedikation.
- Einfühlungsvermögen und Kommunikation: Erklären Sie eine bevorstehende Aktivität behutsam und vergewissern Sie sich, dass die betroffene Person verstanden hat, was geschieht.
- Sexuelle Enthemmung: Bei aggressivem Verhalten aufgrund sexueller Enthemmung kann ein spezialisierter Therapeut hinzugezogen werden, der eine spezifische Strategie zur Behandlung des Verhaltens entwickelt.
Beratung und Hilfe für Angehörige
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (DAlzG) bietet eine kostenlose Beratungshotline unter der Rufnummer 030 - 259 37 95 14 an.
- Gefühle ernst nehmen: Wird ein Mensch mit Demenz „boshaft“ oder handgreiflich, will er mit seinem Verhalten vielleicht auf sich aufmerksam machen und Hilfe erhalten.
- Betroffene aktivieren: Studien deuten darauf stark hin, dass Aktivitäten im Freien und körperzentrierte Therapien wie Massagen weitaus effektiver sind als Medikamente, um körperliche und verbale Aggressionen zu mindern.
Medikamentöse Behandlung von Aggressionen bei Demenz
Medikamente zur Beruhigung sollten nur unter strenger fachärztlicher Aufsicht eingesetzt werden, da sie Nebenwirkungen haben können. Auch die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten bedarf der genauen ärztlichen Überprüfung. Medikamente bei Demenz sollten nur eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen ohne Medikamente nicht geholfen haben und wenn die Gefahr besteht, dass die Person mit Demenz sich selbst oder andere gefährdet.
Altersstarrsinn: Wenn ältere Menschen stur werden
Manche Menschen werden im Alter schwierig, verhalten sich stur oder gar aggressiv und lehnen sämtliche Hilfsangebote oder Ratschläge ab. Im Umgangssprachlichen wird ein solches Verhalten als Altersstarrsinn bezeichnet. Es ist aber keine medizinische Diagnose oder Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion oder Eigenschaft auf altersbedingte Veränderungen.
Ursachen von Altersstarrsinn
Die Ursachen sind vielfältig. Viele ältere Menschen haben Kriegs- oder Nachkriegsjahre erlebt und gelernt, sich durchzubeißen. Schwächen einzugestehen oder Hilfe anzunehmen, fällt ihnen schwer. Körperliche und geistige Einschränkungen können ebenfalls zu Frustration führen. Manche fühlen sich als weniger wertvoll, wenn sie die Anforderungen der Leistungsgesellschaft nicht mehr erfüllen.
Umgang mit Altersstarrsinn
Es ist wichtig, gegenüber Seniorinnen und Senioren geduldig und einfühlsam aufzutreten. Nehmen Sie aggressives und misstrauisches Verhalten nicht persönlich. Manchmal hilft es, die Person abzulenken, um herausforderndes Verhalten zu beenden. Stärken Sie das Selbstvertrauen der älteren Person, indem Sie sie so viel wie möglich selbstständig tun lassen, ohne sie zu überfordern. Hilfreich sind feste Gewohnheiten und ein strukturierter Tagesablauf mit Orientierungspunkten wie Essens- und Ruhezeiten. Schaffen Sie eine vertraute, übersichtliche und gut ausgeleuchtete Wohnumgebung, die sich möglichst wenig ändert.
Burnout bei Angehörigen von Demenzkranken
Für pflegende Angehörige von Demenzkranken ist das so erlebte „aggressive“ Verhalten eine der größten Herausforderungen im täglichen Umgang mit Demenz. Sie sollten sich nicht noch mehr Stress machen, wenn es Ihnen nicht (immer) gelingt, mit der Situation umzugehen. Auch Sie müssen sich umgewöhnen und das braucht Zeit.
Während der klassische Burnout sich häufig durch eindrückliche Symptome mit schneller Entwicklung zeigt, ist ein „stiller Burnout“ die tückische, schleichende Variante. Betroffene verdrängen Warnsignale und suchen keine alternativen Möglichkeiten, um den Druck des Alltags abzulassen. So entsteht immer mehr Druck, der sich irgendwann bei jedem Menschen in einem mentalen Zusammenbruch entlädt. Bleibt der Burnout auch nach dem Nervenzusammenbruch unbehandelt, drohen starke körperliche Symptome, langfristige Arbeitsunfähigkeit und Depression.