Die Taten des Serienmörders Jeffrey Dahmer, der zwischen 1978 und 1991 17 junge Männer in den USA ermordete und zerstückelte, haben die Welt schockiert und zu zahlreichen Untersuchungen über seine Psyche und die Ursachen seiner Verbrechen geführt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Jeffrey Dahmer Gehirn Untersuchung, einschließlich der psychologischen und neurologischen Faktoren, die zu seinem Verhalten beigetragen haben könnten.
Die Faszination des Bösen: Warum interessieren wir uns für Serienmörder?
Das Interesse an Serienmördern und ihren Taten ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. True-Crime-Geschichten, Podcasts und Filme über Serienmörder erfreuen sich großer Beliebtheit. Dies wirft die Frage auf, warum wir uns so für das Böse interessieren.
Psychologische Erklärungen
- Angstbewältigung: Die US-Soziologin Margee Kerr vermutet, dass schockierende Geschichten vielen Menschen als eine Art Übungsterrain dienen. In einem geschützten Raum setzen sie sich Stress und Angst aus und erleben, dass sie mit der Situation umgehen können. Daraus erwächst Kerr zufolge ein größeres Selbstbewusstsein.
- Bedrohungsmanagement: Amanda Vicary, Professorin für Psychologie an der Illinois Wesleyan University, vermutet hinter der Begeisterung für True Crime ein evolutionäres Verhalten, die morbide Neugier. Wir erhoffen uns einen Vorteil, wenn wir verstehen, warum der Täter getötet hat und welche Warnzeichen vorausgingen.
- Eskapismus: In Zeiten von Krisen und Unsicherheit suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, der Realität zu entfliehen. Die Beschäftigung mit den Taten von Serienmördern kann eine Möglichkeit sein, die daraus entstehenden Ängste abzubauen.
- Meta-Emotionen: Die Medienpsychologin Johanna Börsting von der Hochschule Ruhr West erklärt, dass die Rezeption negativer Inhalte auch positive Gefühle auslösen kann. Wenn wir Täter verurteilen, empfinden wir positive Gefühle, weil es moralisch "richtig" ist.
Gesellschaftliche Faktoren
- Verlust der Sicherheit: Psychiater Borwin Bandelow ist der Überzeugung, dass die aktuellen Krisen einen Einfluss auf unser subjektives Erleben haben: "Die vermeintliche Sicherheit ist uns genommen worden."
- Kontrollverlust: Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger sagt: "Unkontrollierbare Faktoren wie Krisen und Krieg führen derzeit zu einer großen Verunsicherung und zum Gefühl, völlig ausgeliefert zu sein." Die mediale Beschäftigung mit Serienmördern vermittelt uns das Gefühl, ein angsteinflößendes Thema sei beherrschbar.
Jeffrey Dahmer: Ein Leben im Schatten des Bösen
Jeffrey Dahmer wurde 1960 in Milwaukee geboren. Seine Kindheit war schwierig, geprägt von psychischen Problemen der Mutter und einem Vater, der sich auf seine Karriere konzentrierte. Bereits in jungen Jahren entwickelte Dahmer eine Faszination für den Tod und sezierte Tierkadaver. In der Jugend entdeckte er seine Homosexualität und gewaltbesessene Sexfantasien, die sich zur Nekrophilie steigerten.
Die Todesspirale
Ein psychologisches Modell, das an der California State University anhand der Untersuchung von 200 Serienkillern entwickelt wurde, beschreibt eine sprichwörtliche Todesspirale zwischen traumatischen Erlebnissen, Gewaltphantasien und Größenwahn, dem Missbrauch enthemmender und stimulierender Mittel, die schließlich zur Ausführung eines Mordes führen - der seinerseits das anfängliche Trauma wiederbelebt und den Wiederholungszwang auslöst.
Dahmers Motive
Dahmers Hauptargument war immer seine Einsamkeit und die Angst, verlassen zu werden. Er wollte seine Opfer zu willenlosen Zombies machen und aß sie am Ende auf. Anfangs waren solche Verbrechen vor allem Phantasien. Nach der ersten Tat entstand aber ein so großes Wohlgefühl, dass der Wunsch nach mehr aufkam.
Lesen Sie auch: Jeffrey Dahmer: Gehirn und Verbrechen
Die Untersuchung des Gehirns von Jeffrey Dahmer
Nach Dahmers Tod wurde sein Gehirn einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Es wurden keine Abnormitäten festgestellt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Dahmer keine psychischen Probleme hatte.
Psychopathie und antisoziale Persönlichkeitsstörung
Laut Lydia Benecke, Kriminalpsychologin, sind die Grundpfeiler der Psychopathie eine Mischung aus verschiedenen Persönlichkeitsstörungen, darunter die antisoziale Persönlichkeitsstörung, Narzissmus, extreme Risikobereitschaft sowie emotionale Instabilität wie eine verminderte Gefühlswelt.
Menschen mit einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zeigen Missachtung von Regeln und Pflichten, Verantwortungslosigkeit, fehlendes Schuldbewusstsein sowie geringes Einfühlungsvermögen. Gefühle wie Angst, Furcht oder Liebe nehmen Psychopathen gedämpfter wahr als andere Menschen. Deshalb haben sie auch einen höhere Risikobereitschaft und suchen ständig „Kicks“, um sich mehr zu spüren. Die emotionale Instabilität äußert sich in Wutausbrüchen.
Neurologische Unterschiede
MRT-Scans von unabhängigen Studien zeigten ein reduziertes Volumen des präfrontalen Cortexes sowie reduziertes Volumen und abnormale Form des Hippocampus und der Amygdala bei Psychopathen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht jeder Mensch mit psychopathischen Zügen zum Straftäter wird.
Genetische und Umweltfaktoren
Für Psychopathie gibt es, wie bei fast allen psychischen Störungen eine genetische- und eine Umweltkomponente die sich gegenseitig beeinflussen. In traumatischen Situationen kann eine Abstumpfung der Gefühle oder Verminderung Empathie ein Schutzmechanismus sein. Ein Gehirn, das genetisch und architektonisch psychopathisch ist, hat durch ein gutes Umfeld und gute Erfahrungen die Chance sich positiv zu entwickeln.
Lesen Sie auch: Wurde Dahmers Gehirn untersucht?
Die Rolle der Gesellschaft
Dahmers Taten wurden durch eine Reihe von Faktoren ermöglicht, darunter soziale Isolation, Armut und Versagen der Polizei. Dahmers "private Schlachtbank" lag in dem verslumten Stadtteil Midtown, einer "high crime area" der 650.000-Einwohner-Stadt Milwaukee. Schwarze, Hispanos und asiatische Einwanderer bevölkern das Armenviertel, Fabriken und vergammelte Häuser säumen die Straßen. Nachts verwandelt sich die Gegend in ein Eldorado für Junkies, Prostituierte und Jugendbanden.
Versäumnisse der Polizei
Bereits am 27. Mai hätte Dahmer auffliegen müssen. Mitbewohner hatten beobachtet, wie ein asiatischer Junge nackt und »am Hintern blutend« aus Dahmers 300-Dollar-Appartment gestürzt war. Als die Cops den radebrechend um Hilfe flehenden Laoten auf der Straße aufgabelten, tat der herbeigeeilte Triebmörder den Vorfall, wie das Protokoll ausweist, als »Erziehungsproblem mit seinem homosexuellen Gespielen« ab. Die Streife brauste davon. Dahmer zerrte den Jungen wieder in die Wohnung.
Das Erbe von Jeffrey Dahmer
Der Fall Jeffrey Dahmer hat die Welt schockiert und zu einem besseren Verständnis der Psyche von Serienmördern beigetragen. Es ist jedoch wichtig zu bedenken, dass Dahmer ein Einzelfall war und seine Taten nicht als Entschuldigung für andere Verbrechen dienen dürfen.
Medien und Popkultur
Die Netflix-Serie "Dahmer" hat den Fall erneut ins Rampenlicht gerückt und zu einer kontroversen Diskussion über die Darstellung von Serienmördern in den Medien geführt. Es ist wichtig, die Opfer und ihre Familien zu respektieren und die Taten von Serienmördern nicht zu glorifizieren.
Prävention
Die Untersuchung des Gehirns von Jeffrey Dahmer und anderer Serienmörder kann dazu beitragen, Risikofaktoren zu identifizieren und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Es ist wichtig, psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln und soziale Isolation zu bekämpfen.
Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben
tags: #jeffrey #dahmer #gehirn #wissenschaft