Die Alzheimer-Krankheit stellt eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Angesichts fehlender Heilungschancen rücken präventive Maßnahmen und ernährungsbezogene Interventionen immer stärker in den Fokus der Forschung. In diesem Artikel werden aktuelle Studien und Erkenntnisse zum Thema Joghurt und Alzheimer beleuchtet, wobei sowohl vielversprechende Ergebnisse als auch kritische Einwände berücksichtigt werden.
Die LipiDiDiet-Studie: Nährstoffangereicherter Joghurt im Fokus
Ein vielbeachteter Ansatz zur Verzögerung des Krankheitsverlaufs bei Alzheimer ist die Zufuhr von Mikronährstoffen. Die LipiDiDiet-Studie, eine randomisierte, kontrollierte, doppelblinde, multizentrische Langzeitstudie, untersuchte die Wirkung eines mit Nährstoffen angereicherten Joghurts auf Patienten im Prodromalstadium der Alzheimer-Krankheit. An der Studie nahmen 311 Patienten über einen Zeitraum von 24 Monaten teil, wobei das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei rund 71 Jahren lag.
Studiendesign und Nährstoffkombination
Unter der Leitung von Professor Dr. Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes untersuchte das europäische Forscherkonsortium LipiDiDiet die Wirkung von „Fortasyn Connect“ auf Alzheimer-Patienten im Prodromalstadium. Die leichte kognitive Beeinträchtigung wurde zu Studienbeginn mittels Biomarker nachgewiesen. Das spezielle Nährstoffgemisch enthielt eine Kombination aus essenziellen Fettsäuren (Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA)), Vitaminen (B12, B6, C, E und Folsäure) und anderen Nährstoffen wie Cholin, Uridinmonophosphat sowie Selen. Die Hälfte der Patienten nahm die Nährstoffkombination einmal täglich in Form eines Trinkjoghurts à 125 ml zu sich, die Kontrollgruppe erhielt ein Getränk, das im Geschmack sowie in der Konsistenz und Farbe identisch war, aber keine Wirkstoffe enthielt.
Ergebnisse der Studie
Beide Patientengruppen wurden neuropsychologischen Einzeltests unterworfen, die unter anderem das Lernen, Erinnern und Erkennen von zehn Wörtern beinhalteten. Sie sollten weiterhin möglichst viele Wörter der Kategorie „Tier“ innerhalb einer vorgegebenen Zeit aufsagen sowie Buchstaben und Zahlen vertauschen. Die Patienten mit Nährstoffbehandlung zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zu der Kontrollgruppe. Die Forscher beobachteten allerdings, dass Fortasyn Connect deutlich positive Wirkungen im Hinblick auf die alltäglichen Herausforderungen der Patienten hatte. Beispiele hierfür waren die Fähigkeit, mit Notfällen im Haushalt umzugehen, finanzielle oder geschäftliche Vorgänge zu bewältigen oder wichtige Ereignisse nicht zu vergessen. Die klinische Einschätzung des Schweregrades der Demenz ging mit einer 44 Prozent geringeren Verschlechterung einher. Die Wissenschaftler stufen diese Untersuchung als besonders bedeutend ein, weil sie den Krankheitsverlauf des Patienten anhand seiner Leistungen im alltäglichen Leben bewertet. Sie stellten außerdem fest, dass der Hippocampus um 26 Prozent bei den Patienten, die den Trinkjoghurt zu sich nahmen, weniger schrumpfte. Unterschiede in den Nebenwirkungen gab es in beiden Gruppen keine.
Professor Dr. Hilkka Soininen, Neurologin und Leiterin des klinischen Teils der Studie (Universität Ostfinnland), betont die Bedeutung der Studie: „Die diagnostische Möglichkeiten bei Alzheimer-Patienten haben sich in den letzten Jahren wesentlich verbessert, leider befinden sich aber die zur Verfügung stehenden pharmakologischen Therapieoptionen für die prodomale Alzheimer-Krankheit noch im Entwicklungsstadium. Vor diesem Hintergrund ist das mit dieser Studie verbesserte Verständnis um die Bedeutung ernährungsbezogener Interventionen sehr wichtig. Die LipiDiDiet Studie zeigt, dass die Nährstoffbehandlung helfen kann, sowohl die Gehirnsubstanz und das Gedächtnis zu bewahren als auch den Anforderungen des täglichen Lebens gerecht zu werden - wohl der bedrückendste Aspekt der Alzheimer-Krankheit.“
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Professor Dr. Tobias Hartmann, Leiter der Gesamtstudie, ergänzt: „Eine Heilung wird durch diese Behandlung noch nicht erreicht, aber es zeigt sich, dass je früher diese Intervention eingesetzt wird, desto größer ist der Nutzen für den Patienten.“ Ein weiterer bemerkenswerter Meilenstein sei, dass zusammen mit dem kognitiv-funktionellen Gewinn eine verringerte Hirnschrumpfung festgestellt wurde, also ein Ergebnis, das über eine symptomatische Wirkung hinausging. In Vorabuntersuchungen wurden bereits Effekte auf das Gedächtnis bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz beobachtet.
Kritische Einwände und Einschränkungen
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse der LipiDiDiet-Studie ist es wichtig, kritische Einwände und Einschränkungen zu berücksichtigen. Einige Experten weisen darauf hin, dass die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bis heute nicht vollständig geklärt sind und jede Art von Vorbeugung naturgemäß spekulativ ist. Zudem wird die Vorstellung, man könne durch den Verzehr teurer Nahrungsmittel Alterserscheinungen im Hirn vermeiden, als gewagt kritisiert. Schließlich wird das Gehirn durch die sogenannte Bluthirnschranke aufwendig vor den meisten Inhaltsstoffen aus der Nahrung geschützt, damit nicht irgendetwas durchrutscht, was im Kopf nix verloren hat. So wundert es überhaupt nicht, dass die Gabe der üblichen Vitamine an Patienten mit Demenz keinerlei positive Wirkung hatte.
Auch die Aussagekraft von Studien, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Alzheimer untersuchen, wird in Frage gestellt. Bei einer Erkrankung, die im höheren Alter auftritt, können schwerlich aussagekräftige Studien existieren, die zeigen, dass der Verzehr von Joghurt oder Johannisbeeren in der Jugend später im hohen Alter vor Alzheimer schützt. Denn bis wirklich zuverlässige Daten vorliegen, vergehen ein paar Jahrzehnte.
Fettreiche Milchprodukte und Demenzrisiko: Eine schwedische Studie
Neben der Forschung zu speziellen Nährstoffkombinationen gibt es auch Studien, die den Zusammenhang zwischen dem Konsum bestimmter Lebensmittelgruppen und dem Demenzrisiko untersuchen. Eine schwedische Langzeitstudie hat beispielsweise einen überraschenden Zusammenhang zwischen dem Konsum fettreicher Milchprodukte und einem geringeren Demenzrisiko gefunden.
Studiendesign und Ergebnisse
Die Auswertung stammt aus Schweden und basiert auf Daten von fast 27.700 Erwachsenen. Die Teilnehmer waren im Schnitt 58 Jahre alt, als die Beobachtung begann. Die Forscher begleiteten sie über rund 25 Jahre. In dieser Zeit erkrankten 3.208 Personen an einer Form von Demenz. Die Ergebnisse wurden von der American Academy of Neurology veröffentlicht.
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Zu Beginn dokumentierten die Teilnehmer ihre Ernährung sehr genau. Sie führten Ernährungsprotokolle und beantworteten Fragen zu ihren Essgewohnheiten. Dabei ging es um Mengen, Häufigkeit und Zubereitung. Besonders im Fokus standen Milchprodukte mit hohem Fettgehalt. Dazu zählen Käsesorten mit mehr als 20 Prozent Fett wie Cheddar, Brie oder Gouda. Auch Sahne mit 30 bis 40 Prozent Fett floss in die Analyse ein.
Die Zahlen fallen deutlich aus. Personen mit einem täglichen Verzehr von mindestens 50 Gramm fettreichem Käse erkrankten seltener an Demenz. Ihr Risiko lag um 13 Prozent niedriger als bei Menschen, die weniger als 15 Gramm pro Tag aßen. Umgerechnet entsprechen 50 Gramm etwa zwei Scheiben Schnittkäse. Auch bei Sahne zeigte sich ein ähnlicher Zusammenhang. Wer täglich mindestens 20 Gramm verzehrte, hatte ein um 16 Prozent geringeres Demenzrisiko.
Differenzierung und Interpretation
Entscheidend ist die Differenzierung. Fettarme Milchprodukte zeigten keinen vergleichbaren Effekt. Gleiches gilt für Milch, Joghurt, Kefir oder Butter. Der mögliche Vorteil beschränkt sich auf bestimmte fettreiche Produkte. Die Studienautorin Emily Sonestedt von der Universität Lund ordnet das Ergebnis ein: „Unsere Studie ergab, dass einige fettreiche Milchprodukte das Demenzrisiko senken könnten und damit langjährige Annahmen über Fett und Gehirngesundheit infrage stellen.“
Die Forscher berücksichtigten dabei wichtige Einflussfaktoren. Dazu zählen Alter, Geschlecht, Bildungsstand und die allgemeine Ernährungsqualität. Auch nach diesen Anpassungen blieb der Zusammenhang bestehen. Besonders auffällig zeigt sich der Effekt bei der vaskulären Demenz. Diese Form hängt eng mit Durchblutungsstörungen im Gehirn zusammen. Hier lag das Risiko bei hohem Käsekonsum sogar um 29 Prozent niedriger.
Sonestedt mahnt daher zur Zurückhaltung bei der Interpretation. „Diese Studie beweist nicht, dass fettreicher Käse oder Sahne vor Demenz schützen. Sie zeigt lediglich einen Zusammenhang“, erklärt sie.
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Fazit der Studie
Über Jahrzehnte galt fettarme Ernährung als Goldstandard. Viele Leitlinien empfahlen, besonders gesättigte Fette zu reduzieren. Die neue Analyse widerspricht dieser pauschalen Sicht. Sie legt nahe, dass Fett nicht automatisch schädlich für das Gehirn ist. Offen bleibt jedoch, welche Bestandteile im Käse den Effekt erklären. Denkbar sind bestimmte Fettsäuren oder bioaktive Stoffe, die bei fettreichen Sorten stärker vertreten sind.
Auch kulturelle Unterschiede spielen eine Rolle. In Schweden wird Käse häufig kalt gegessen. In anderen Ländern landet er oft stark erhitzt oder in Kombination mit Fleisch auf dem Teller.
Weitere Faktoren für die Gehirngesundheit
Es gibt nicht das eine Lebensmittel, das unser Gehirn fit macht und fit hält. Allerdings beweisen Studien, dass eine Ernährungsweise mit bestimmten Lebensmitteln tatsächlich hilft, dass wir lange klar denken können und geistig leistungsfähig bleiben. Bei diesen Lebensmitteln gehen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von einem positiven Effekt auf unser Gehirn aus.
Mediterrane Ernährung und grünes Blattgemüse
Eine Studie hat die Auswirkungen einer mediterranen Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und regelmäßig fettem Seefisch untersucht. Für diese Studie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) wurden 512 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Danach wurden sowohl ihre kognitiven Fähigkeiten wie zum Beispiel Gedächtnisleitungen untersucht als auch das Vorhandensein bestimmter Proteine im Nervenwasser des Rückenmarks.
Eine weitere Studie hat 2018 nachgewiesen, dass täglich eine Portion grünes Blattgemüse wie zum Beispiel Spinat, Grünkohl, Mangold den Alterungsprozess des Gehirns messbar verlangsamt.
Kohlenhydrate und Flüssigkeit
Unser Gehirn braucht aber auch Energie und die holt es sich aus Kohlenhydraten. Optimal sind komplexe Kohlenhydrate. "Ausreichend Energie bekommt das Gehirn nur über Kohlenhydrate, es kann keine Energie aus Fett oder Eiweiß ziehen. Unser Gehirn braucht ausreichend Flüssigkeit, bekommt es davon zu wenig, streikt es. Daniela Krehl warnt: "Für die geistige Fitness ist es ganz wichtig, dass man genügend trinkt. Schon allein zwei Prozent Flüssigkeitsverlust kann dazu führen, dass wir uns nicht mehr richtig konzentrieren können, dass wir Kopfschmerzen bekommen.
Bewegung, Schlaf und soziale Kontakte
Unser Gehirn profitiert außerdem von regelmäßiger Bewegung, ausreichend gesundem Schlaf und sozialen Kontakten.
Alternative Theorien und Forschungsansätze
Abseits der Ernährung gibt es auch alternative Theorien und Forschungsansätze, die sich mit den Ursachen und der Prävention von Alzheimer beschäftigen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass nicht ein Mangel an bestimmten Nährstoffen, sondern die Anwesenheit von schädlichen Substanzen eine Rolle spielt.
Algentoxine, Infektionserreger und Aluminium
Die interessantesten Theorien, die ich in den vergangenen Jahrzehnten zu Gesicht bekam, legen einen Zusammenhang nahe mit der Aufnahme von Algentoxinen und verwandten Verbindungen sowie mit ausgewählten Infektionserregern und - mit Aluminium. Dabei müssen die fraglichen Objekte mitnichten über die Nahrung aufgenommen werden.
Auffällig ist ja, dass bei den Demenzerkrankungen meistenteils das Riechhirn des Menschen schwer geschädigt ist, sodass Probleme bei der Wahrnehmung von Gerüchen von erheblichem diagnostischem Wert sind. Denn das Gehirn hat neben dem Blut noch einen zweiten Zugang: Es gibt da eine Art Transportband, das Fremdstoffe aller Art ungefiltert ins Gehirn geraten lässt: Es ist der Bulbus olfactorius, der Riechkolben, also der Riechnerv in der Nase. Über ihn geraten Aluminumstaub, Quecksilber, PCB, Nanoteilchen, Viren oder auch Prionen ungehindert bis ins Riechhirn. Insofern wär's mal interessant, den Inhalt von Parfüms oder von Deosprays zu untersuchen. Oder von Aromen. Vielleicht haben sie sogar eine Schutzwirkung? Wer weiß. Welche Rolle spielen Stäube am Arbeitsplatz? Was bewirken Nanopartikel? Vielleicht wäre da und dort ein Filter wichtiger als ein Napf voller Joghurt.
Künstliche Farbstoffe
Bei der Entwicklung von Medikamenten gegen die Demenz setzt man große Hoffnungen auf eine Stoffgruppe, von der man es am wenigsten erwarten würde: Es sind die künstlichen Farbstoffe. Nicht umsonst war es ein künstlicher Farbstoff, der die moderne Neurologie begründete. Vor gut 100 Jahren war es dem Arzt Paul Ehrlich gelungen, mit Methylenblau die Nervenfasern anzufärben und sie dadurch sichtbar zu machen. Und natürlich wurden synthetische Farbstoffe auch gegen eine Reihe neurologischen Krankheiten oder Sepsis eingesetzt. Heute werden erneut künstliche Farbstoffe, die unseren Lebensmittelfarbstoffen verblüffend ähneln, als Nervenschutzstoffe am Patienten erprobt. Wer also keine teuren Anti-Alzheimer-Drinks kaufen mag, kann es ja auch mit den vielen bunten Schokopillen probieren. Das wäre zumindest ein plausibler Ansatz.