Johanniskrautöl bei Polyneuropathie: Natürliche Linderung von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen, oft als Neuralgien bezeichnet, können das tägliche Leben stark beeinträchtigen und die Lebensqualität erheblich einschränken. Sie rauben uns Energie, beeinträchtigen den Schlaf und machen den Alltag zur Herausforderung. Rund fünf bis acht Prozent der erwachsenen Menschen leiden an einer so genannten Polyneuropathie. Viele Betroffene suchen deshalb nach Alternativen oder Ergänzungen zur medikamentösen Behandlung, um auf sanfte Weise Linderung zu finden. Hier kommt Johanniskrautöl ins Spiel, dessen goldgelbe Blüten seit Jahrhunderten als wahrer Lichtblick und Helfer für das Nervensystem gelten.

Was ist Polyneuropathie?

Bei einer Polyneuropathie handelt es sich um eine noch nicht in allen Einzelheiten geklärte Erkrankung des peripheren Nervensystems. Gehirn und Rückenmark sind also nicht betroffen. Typischerweise kommt es bei einem Befall der sensiblen Nerven zu symmetrischen Empfindungsstörungen an Füßen und Unterschenkeln. Außer den sensiblen Störungen können auch Schäden an den motorischen Nerven auftreten, die sich durch Reflexausfälle und Schwäche oder Lähmungen der betroffenen Muskulatur bemerkbar machen. Das autonome Nervensystem kann ebenfalls erkrankt sein und Funktionsstörungen an den inneren Organen verursachen.

Ursachen von Polyneuropathie

In vielen Fällen ist die Polyneuropathie Folge einer Grunderkrankung, am häufigsten von Diabetes mellitus. Die Suche nach einer möglichen Ursache sollte also vor Beginn einer Therapie stehen. Die konventionelle Therapie ist langfristig angelegt und verursacht oft Nebenwirkungen, so dass die Suche nach naturheilkundlichen Alternativen gut nachzuvollziehen ist.

Ein schlecht eingestellter Diabetes ist in Deutschland die häufigste Ursache einer Polyneuropathie und nimmt in der westlichen Welt stark zu. Die Nervenschädigung kann durch eine Beeinträchtigung der Nervenfasern selbst oder indirekt durch eine Schädigung der die Nerven versorgenden kleinen Blutgefäße zustande kommen. Nach Ergebnissen einer neueren PROTECT-Studie entwickelt sich im Lauf der Zeit bei jedem 2. Diabetiker eine schmerzhafte oder schmerzlose Form der Nervenerkrankung. Bei 70 % der Erkrankten war aber die Diagnose nicht gestellt, das heißt die Betroffenen wussten nichts von der Erkrankung. Daher gibt es eine hohe Dunkelziffer, denn eine Neuropathie kann auch als frühes Symptom bei „Prädiabetes“ auftreten.

Weitere Ursachen können sein:

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  • Stoffwechselstörungen und Vitaminmangel
  • Schwere Organ- oder Allgemeinerkrankungen mit „Selbstvergiftung“, z. B. Nieren- oder Leberinsuffizienz
  • Malabsorption bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen
  • Polyneuropathien bei Krebserkrankungen
  • Arterielle Durchblutungsstörungen
  • Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, z. B. Borreliose
  • Andere seltene neurologische Erkrankungen
  • Thalassämie (besonders in den Mittelmeerländern)
  • Toxisch bedingte Polyneuropathien
  • Chronischer Alkoholismus
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, insbesondere bei Chemotherapien, häufig auch bei älteren AIDS-Medikamenten, seltener nach Antibiotika
  • Chronischer Heroinkonsum
  • Früher bei Tankwarten durch häufigen Kontakt mit verbleitem Benzin
  • Umwelt- oder Alltagsgifte, wie Blei, Kupfer, Amalgam oder Cadmium

Ist keine Grunderkrankung feststellbar, spricht man von einer „idiopathischen Polyneuropathie“.

Typische Symptome

Am Anfang stehen gerade bei der diabetischen Polyneuropathie oft symmetrische Empfindungsstörungen, besonders an den Füßen. Taubheit, Kribbeln, Brennen, aber auch Schmerzen oder eine nachlassende Empfindlichkeit sollten Anlass zu einer genaueren Untersuchung sein. Häufig ist auch das Gefühl von zu engen Socken. Das geringer werdende Empfinden kann z. B. dazu führen, dass die Betroffenen ein drückendes Steinchen im Schuh nicht bemerken, was dann Ausgangspunkt für ein Geschwür an der Fußsohle sein kann. Frühzeitiges Handeln könnte einen Teil der jährlich bis zu 50 000 Amputationen wegen eines diabetischen Fußsyndroms verhindern.

Grundsätzlich kann sich außer der „sensiblen“ Polyneuropathie auch eine „motorische“ Polyneuropathie entwickeln - mitunter kommt es dann zu symmetrischen Lähmungen. Auch eine sog. „autonome“ Polyneuropathie mit Befall der die inneren Organe versorgenden vegetativen Nerven und nachfolgenden Funktionsstörungen ist möglich. Dazu gehören trophische Hautstörungen mit Begünstigung von Geschwürbildungen, vermindertem Schwitzen, Potenz- und Blasenentleerungsstörungen, Tachykardie in Ruhe oder Störungen der Pupillomotorik.

Bei der fatalen sog. „stummen Ischämie“ ist das Herz von den Folgen einer Polyneuropathie betroffen. Dabei können die sonst typischen Brustschmerzen bei einem Herzinfarkt oder einer Angina pectoris durch die Nervenschädigung teilweise oder ganz fehlen, wodurch eine adäquate Reaktion des Betroffenen ausbleibt. Das kann z. B. der Fall sein bei Diabetikern mit Polyneuropathie und gleichzeitig bestehender koronarer Herzkrankheit - einer nicht seltenen Kombination.

Die Heilkraft des Johanniskrauts

Die Heilkraft des Johanniskrauts (Hypericum perforatum) steckt vor allem in seinen komplexen Inhaltsstoffen. Eine beeindruckende Mischung aus Hypericin, Hyperforin, Flavonoiden und Gerbstoffen arbeitet synergetisch zusammen, um dem Körper Linderung zu verschaffen.

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  • Entzündungshemmende Wirkung: Entzündungen an den Nervenbahnen sind eine häufige Ursache für Nervenschmerzen. Die im Johanniskraut enthaltenen Substanzen, insbesondere die Flavonoide, können dazu beitragen, entzündliche Prozesse zu mildern.
  • Positive Beeinflussung von Neurotransmittern: Johanniskraut ist bekannt für seine Fähigkeit, den Stoffwechsel bestimmter Botenstoffe im Gehirn zu beeinflussen. Es kann die Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin hemmen. Diese Botenstoffe spielen eine zentrale Rolle bei der Schmerzverarbeitung und der Regulierung der Stimmung. Eine verbesserte Verfügbarkeit dieser Botenstoffe kann nicht nur Schmerzempfindungen modulieren, sondern auch begleitende depressive Verstimmungen, Ängste und innere Unruhe lindern.
  • Beruhigende und entspannende Eigenschaften: Johanniskraut wird seit jeher zur Beruhigung des gesamten Nervensystems eingesetzt. Es kann helfen, Anspannung abzubauen und zu einer inneren Balance zu finden.
  • Antioxidative Wirkung: Einige Bestandteile des Johanniskrauts wirken als Antioxidantien, die freie Radikale im Körper neutralisieren können. Diese freien Radikale können Zellschäden verursachen, die auch Nerven betreffen könnten.

Johanniskrautöl (Rotöl) bei Polyneuropathie

Das berühmte Rotöl wird aus den frischen Blüten des Johanniskrauts hergestellt, die in Öl ausgezogen werden. Es nimmt dabei eine charakteristische rote Farbe an. Johanniskrautöl wird traditionell bei lokalen Schmerzen, Prellungen, Muskelverspannungen, aber auch bei lokalen Nervenreizungen oder entzündeten Hautstellen eingesetzt.

In unserer Klinik haben wir gute Erfahrungen gemacht, Johanniskrautöl bei Polyneuropathie einzusetzen. Je nach Befindlichkeit des Patienten gibt es wärmende oder kühlende Ölmischungen. Bei der Anwendung wird das Öl rhythmisch eingerieben. Dazu an der Innenseite der Beine an den Füßen beginnend bis hin zu den Knien aufwärts streichen. Dann auf die Außenseite wechselnd von den Knien wieder abwärts zu den Füßen streichen. Mehrmals wiederholen.

Durch sanftes Einmassieren auf die betroffenen Bereiche kann es seine entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften direkt entfalten. Es ist eine wunderbare Ergänzung zur innerlichen Anwendung, besonders wenn die Nervenschmerzen an bestimmten Körperstellen spürbar sind.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten von Johanniskraut

Wenn du die heilende Kraft des Johanniskrauts bei Nervenschmerzen nutzen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Standardisierte Extrakte (Kapseln/Tabletten): Für eine gezielte und zuverlässige Wirkung bei Nervenschmerzen werden in der Regel hochdosierte, standardisierte Extrakte empfohlen. Diese Präparate gewährleisten eine gleichbleibende Wirkstoffmenge (insbesondere Hypericin und Hyperforin), was für eine therapeutische Wirkung entscheidend ist. Sie sind die am besten erforschten Formen für die Behandlung von nervösen Beschwerden und leichten bis mittelschweren Depressionen, die oft mit Nervenschmerzen einhergehen.
  • Tinkturen: Auch alkoholische Auszüge des Johanniskrauts können innerlich angewendet werden.
  • Tees: Johanniskraut-Tee ist eher für leichte nervöse Unruhe geeignet und weniger für ausgeprägte Nervenschmerzen, da die Wirkstoffkonzentration hier deutlich geringer und nicht standardisiert ist.

Wichtig für die Anwendung: Konsistenz ist der Schlüssel!

Wie bei vielen pflanzlichen Heilmitteln setzt die volle Wirkung des Johanniskrauts nicht sofort ein. Oft dauert es zwei bis vier Wochen, bis sich erste spürbare Verbesserungen einstellen. Sei geduldig und bleib bei der Anwendung.

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Das Johanniskraut erkennen

Das Johanniskraut ist eine wahre „Wunderpflanze„, deren Entdeckung im Feld oder am Wegesrand ein kleines Naturerlebnis für sich ist. Du erkennst es an seinen leuchtend goldgelben Blüten, die typischerweise um die Sommersonnenwende (Johanni, der 24. Juni) in voller Pracht stehen - daher auch der treffende Name Sonnwendkraut. Ein besonderes Erkennungsmerkmal und ein kleines Geheimnis der Pflanze offenbart sich, wenn du die kleinen, ovalen Blätter gegen das Licht hältst: Du siehst unzählige winzige, durchscheinende Punkte, die wie kleine Löcher wirken. Das sind die sogenannten „Öldrüsen“, die das wertvolle, rot färbende Hypericin enthalten.

Schon unsere Vorfahren wussten um die heilsamen Kräfte dieser widerstandsfähigen Pflanze. Sie nutzten sie nicht nur gegen Melancholie und „schwarze Gedanken“, sondern auch bei Wunden, Verbrennungen und verschiedenen Nervenleiden. In vielen Kulturen galt Johanniskraut als schützende Pflanze, die Haus und Hof vor Unheil bewahren sollte. Es wurde in Büschel gebunden und über Türen gehängt, um böse Geister abzuwehren - ein wahrhaftiges Schutzkraut, das uns nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zu stärken vermag.

Vorsichtsmaßnahmen und Nebenwirkungen

So kraftvoll und wohltuend das Johanniskraut auch sein mag, so wichtig ist es, verantwortungsvoll und gut informiert damit umzugehen.

  • Unerwünschte Wechselwirkungen mit Medikamenten: Dies ist der wichtigste und kritischste Punkt! Johanniskraut kann die Wirkung vieler verschreibungspflichtiger Medikamente erheblich beeinflussen, indem es deren Abbau im Körper beschleunigt. Dies kann dazu führen, dass andere Medikamente weniger oder gar nicht wirken. Chemotherapeutika. Die goldene Regel lautet: Sprich unbedingt mit deinem Arzt oder Apotheker, bevor du Johanniskrautpräparate einnimmst, wenn du bereits andere Medikamente verwendest oder planst, welche einzunehmen.
  • Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung): Bei höherer Dosierung von Johanniskraut, sowohl innerlich als auch äußerlich (insbesondere bei sehr hellhäutigen Personen) kann die Haut lichtempfindlicher werden. Dies äußert sich durch sonnenbrandähnliche Reaktionen, Bläschen oder Hautausschläge bei Sonneneinstrahlung.
  • Wirkbeginn und Anwendungsdauer: Die volle Wirkung von Johanniskraut setzt nicht sofort ein, sondern baut sich allmählich auf. Erste spürbare Effekte sind oft erst nach zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme zu erwarten.
  • Diagnose ist wichtig: Nervenschmerzen können vielfältige, manchmal auch ernsthafte Ursachen haben. Lass sie immer ärztlich abklären, bevor du auf Selbstmedikation setzt.

Wann sollte man Johanniskraut nicht anwenden?

  • Gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die bekanntermaßen mit Johanniskraut wechselwirken (siehe oben).
  • Bekannter Überempfindlichkeit gegen Johanniskraut.
  • Schweren depressiven Episoden.
  • Vor geplanten Operationen, da es die Wirkung von Narkosemitteln beeinflussen kann.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit, da die Datenlage hierzu oft unzureichend ist und potenzielle Risiken nicht ausgeschlossen werden können.

Zusätzliche Hausmittel und Tipps zur Selbsthilfe bei Polyneuropathie

Neben Johanniskrautöl gibt es eine Reihe weiterer Hausmittel und Tipps zur Selbsthilfe, die bei Polyneuropathie Linderung verschaffen können:

  • Wärme- und Kälteanwendungen: Wärmeanwendungen können eine wirkungsvolle Methode sein, um Nervenschmerzen zu lindern, da diese durchblutungsfördernd wirkt und die Muskulatur entspannt. Kälteanwendungen können bei akuten Schmerzattacken sehr hilfreich sein, da Kälte hilft, die Nervenleitgeschwindigkeit zu verringern und zudem entzündungshemmend wirkt.
  • Kräuterwickel: Kräuterwickel sind eine traditionelle Methode, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Ein Quarkwickel beispielsweise wirkt kühlend und entzündungshemmend. Heublumenwickel enthalten entzündungshemmende Stoffe und sind ideal für warme Wickel.
  • Kräutertees: Kräutertees sind eine wohltuende Möglichkeit, das Nervensystem zu unterstützen und den Stress zu reduzieren. Auch Johanniskraut kann sehr hilfreich sein, da es stimmungsaufhellend und nervenstärkend wirkt. Ingwer hat ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften und kann Schmerzen lindern.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung verbessern und somit auch die Nervenfunktion stärken. Besonders sanfte Dehnungsübungen wie Fußkreisen und Wadenmuskeldehnungen sind hilfreich, um Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern. Auch Spaziergänge sind eine einfache und effektive Methode, um die Durchblutung zu fördern und die Muskeln zu aktivieren.
  • Ernährung: Die richtige Ernährung spielt eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung der Nervenfunktion und der Linderung von Nervenschmerzen. Magnesium hat eine entspannende Wirkung auf die Muskeln und die Nerven und ist in Nüssen, Samen und grünem Gemüse enthalten. Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinöl und Walnüssen vorkommen, haben eine entzündungshemmende Wirkung und können dabei helfen, die Nervengesundheit zu unterstützen.
  • Kneipp-Anwendungen: Auch Polyneuropathie-Patienten profitieren von den heilsamen Therapien mit Wasser. Bei den Kneipp’schen Anwendungen geht man davon aus, dass der Druck des Wassers sowie die unterschiedlichen Temperaturen die Durchblutung der tieferliegenden Gewebeschichten anregt. Dieses führt auch zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Mobilisierung des vegetativen Nervensystems.
  • Linsenfußbad: Linsen üben aufgrund ihrer Größe einen besonders guten Berührungsreiz auf die erkrankten Füße aus, so dass Betroffene sie als besonders wohltuend empfinden. Die Nerven werden dadurch „gelockert“.
  • Ätherische Öle: Zur äußeren Anwendung können ätherische Öle kommen, die auch zur Langzeittherapie geeignet sind. In Frage kommen dabei ganz verschiedene Öle, wie z.B. Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz-, oder Rosmarinöl.

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