Jonglieren, oft als Zirkuskunst abgetan, entpuppt sich zunehmend als ein wirkungsvolles Werkzeug für das Gehirntraining. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben die positiven Auswirkungen des Jonglierens auf das Gehirn und die kognitiven Fähigkeiten belegt. Diese Aktivität, die einst als bloßer Zeitvertreib galt, wird nun als eine Möglichkeit anerkannt, die Gehirnleistung zu steigern, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
Die Wissenschaft hinter dem Jonglieren und seinen Auswirkungen auf das Gehirn
Die Forschung hat gezeigt, dass Jonglieren die Gehirnstruktur und -funktion verändern kann. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, sich im Laufe des Lebens anzupassen und zu verändern. Studien haben gezeigt, dass bereits wenige Wochen Jongliertraining messbare Veränderungen in der Hirnstruktur hervorrufen können.
Wachstum der grauen Substanz
Eine im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie der Universitäten Regensburg und Jena untersuchte die Auswirkungen eines dreimonatigen Jongliertrainings auf die Gehirne von Probanden. Mittels MRT-Scans stellten die Wissenschaftler eine signifikante Zunahme der grauen Substanz in zwei Hirnarealen fest, die für die Verarbeitung dreidimensionaler Bewegungen im Raum zuständig sind. Diese Ergebnisse widerlegten die Annahme, dass das menschliche Gehirn im Erwachsenenalter nicht mehr wachsen kann. Die Untersuchungen zeigten, dass die graue Masse im Gehirn während eines Lernprozesses tatsächlich wächst.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sich ein Teil der neu gewonnenen Hirnmasse nach einer Trainingspause wieder zurückbilden kann. Regelmäßiges Üben ist daher entscheidend, um die positiven Auswirkungen des Jonglierens aufrechtzuerhalten.
Stärkung der weißen Substanz
Eine Studie der Universität Oxford zeigte erstmals, dass auch die weiße Substanz - die Verbindungskabel zwischen Hirnregionen - durch Jonglieren optimiert wird. Nach nur sechs Wochen Training beobachteten die Forscher Veränderungen in der Mikrostruktur dieser „neuronalen Autobahnen“. Das Gehirn verdrahtet sich neu, um effizienter zu arbeiten. Die Myelinisierung der Nervenfasern nimmt zu, Signale werden schneller übertragen. Die Studie aus dem Jahr 2009 bestätigte, dass regelmäßiges Jonglieren Veränderungen in der Verdrahtung von Nervenzellen bewirkt und Synapsen wachsen lässt.
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Verbesserte Zusammenarbeit der Gehirnhälften
Das Jonglieren aktiviert die Region im Gehirn, die die beiden Gehirnhälften miteinander verbindet. Diese Region besteht aus etwa 300 Millionen Nervenleitungen. Durch die Aktivierung dieser Region wird die Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften verbessert. Die Gehirnhälften sind über einen Balken verbunden, der aus 300 Millionen Nervenleitungen besteht. Das Jonglieren aktiviert diese Region besonders, sie wird besser durchblutet.
Weitere Vorteile des Jonglierens für das Gehirn
Neben den strukturellen Veränderungen im Gehirn bietet Jonglieren eine Reihe weiterer Vorteile für die kognitive Funktion und das Wohlbefinden.
Verbesserte Konzentration und Aufmerksamkeit
Jonglieren erfordert ständige Aufmerksamkeit und Konzentration. Die Augen beobachten die Bälle und melden dem Gehirn, wo sich diese gerade befinden. Der Verstand sendet Befehle an die Muskeln, damit Ihre Finger zugreifen. Körper und Kopf müssen sich also abstimmen. Durch regelmäßiges Üben können Sie Ihre Fähigkeit verbessern, sich zu konzentrieren und Ablenkungen auszublenden. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die Jonglieren lernen, ihre Konzentration im Unterricht steigern können.
Stressabbau und Entspannung
Die rhythmischen Bewegungen beim Jonglieren wirken beruhigend auf Körper und Geist. Durch die Bewegung werden Stresshormone abgebaut. Jonglieren zwingt Sie, sich auf den Moment zu konzentrieren, was fast wie eine Form von Meditation in Bewegung ist.
Förderung der Achtsamkeit
Beim Jonglieren sind Sie gezwungen, sich auf den Moment zu konzentrieren. Es geht darum, das Gleichgewicht zu finden - nicht nur bei den Bällen in der Luft, sondern auch in Ihrem Leben. Jonglieren ist eine kreative Möglichkeit, Ihre Gedanken zu ordnen und den Kopf frei zu bekommen.
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Steigerung des Selbstvertrauens
Jonglage ist erstaunlich schnell und einfach erlernbar, in jedem Alter. Die allermeisten Menschen erzielen beim Spiel mit zwei bis drei Bällen schon nach wenigen Minuten erste Erfolge. Die Erfahrung gibt Selbstvertrauen, der Jongleur wird innerhalb weniger Minuten sicherer. Mit dem Selbstbewusstsein wächst auch der Spaß an der Jonglage.
Vielseitigkeit und Zugänglichkeit
Jonglieren ist eine Aktivität, die so gut wie überall möglich ist und bis auf die Anschaffung von drei Bällen nichts kostet. Sie können es im Wohnzimmer, im Park oder im Büro ausüben. Alles, was Sie brauchen, sind Bälle, Jongliertücher oder Jonglierkeulen.
Jonglieren lernen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Jonglieren zu lernen ist einfacher als Sie vielleicht denken. Hier ist eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung, um Ihnen den Einstieg zu erleichtern:
- Beginnen Sie mit drei weichen Bällen: Wählen Sie Bälle, die nicht zu schwer sind und gut in der Hand liegen. Bean Bags mit 50 bis 70 Millimeter Durchmesser sind ideal.
- Üben Sie mit einem Ball: Werfen Sie den Ball von einer Hand zur anderen und achten Sie darauf, dass er auf Augenhöhe landet. Konzentrieren Sie sich auf die Wurfhöhe und die Flugbahn des Balls.
- Fügen Sie einen zweiten Ball hinzu: Nehmen Sie in jede Hand einen Ball. Werfen Sie den ersten Ball und werfen Sie den zweiten Ball in die entgegengesetzte Richtung, sobald sich der erste Ball am höchsten Punkt befindet. Fangen Sie beide Bälle nacheinander auf.
- Jonglieren mit drei Bällen: Nehmen Sie in die linke Hand zwei Bälle und in die rechte Hand einen Ball. Werfen Sie einen der Bälle von links nach rechts. Sobald sich dieser Ball am höchsten Punkt befindet, werfen Sie den Ball aus der rechten Hand nach links. Fangen Sie den ersten Ball mit der rechten Hand. Werfen Sie den letzten Ball aus der linken Hand und fangen Sie den zweiten Ball mit Ihrer linken Hand. Greifen Sie den dritten Ball mit der rechten Hand, in der sich bereits der erste Ball befindet.
- Üben Sie regelmäßig: Ideal sind jeden Tag fünf bis zehn Minuten, entweder am Stück oder in zwei Etappen.
Tipps für Anfänger:
- Konzentrieren Sie sich zunächst aufs Werfen und nicht aufs Fangen.
- Es ist normal, dass am Anfang viele Bälle auf den Boden fallen.
- Lassen Sie sich Zeit und fangen Sie erst einmal klein an.
- Üben Sie in Etappen und steigern Sie die Schwierigkeit allmählich.
Jonglieren im Büro: Eine spielerische Möglichkeit, die Gehirnleistung zu steigern
Jonglieren im Büro? Es gibt eine Reihe guter Gründe dafür. Durch die sanften Bewegungen beim Werfen und Fangen werden Körper und Hirn gut durchblutet. Die Gehirnhälften sind über einen Balken mit etwa 300 Millionen Nervenleitungen miteinander verbunden. Beim Jonglieren wird diese Region ganz besonders aktiviert. Gleichzeitig wird das Protein BDNF gebildet, das für das Wachstum neuer Gehirnzellen sorgt. Zugleich entspannt Jonglieren. Durch die Bewegung werden Stresshormone abgebaut.
Jonglieren in der Therapie
Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2012 zeigte, dass Jonglieren erfolgreich in der Therapie von Kindern eingesetzt werden kann, die an der Wirbelsäulenkrankheit Spina bifida leiden.
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