Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie manifestiert sich in erster Linie durch Bewegungsstörungen, kann aber auch eine Vielzahl anderer Symptome hervorrufen. Die Forschung zu Parkinson hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, insbesondere im Hinblick auf das Verständnis der genetischen Grundlagen und der Rolle des Immunsystems.
Was ist die Parkinson-Krankheit?
Die Parkinson-Krankheit äußert sich in Störungen des Bewegungsablaufes. Das heißt, die Patienten haben einen verlangsamten Bewegungsablauf, es fällt ihnen schwerer, feinmotorische Bewegungen durchzuführen. Das merken sie zum Beispiel beim Essen, beim Anziehen, beim Knöpfen. Die Muskulatur wird steifer, was sich auch zum Teil in Form von Schmerzen bemerkbar machen kann. Häufig haben wir bei der Parkinsonkrankheit ein Zittern und so wird es ja auch von den meisten Personen in der Bevölkerung gesehen. Aber es kann durchaus vorkommen, dass gar kein Zittern auftritt und trotzdem handelt es sich um die Parkinsonkrankheit.
Häufigkeit und Altersverteilung
Die Parkinsonkrankheit ist eine typische Erkrankung des Alters. Das heißt: je älter wir werden, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir an der Parkinsonkrankheit erkranken. Insgesamt, über alle Altersklassen hinweg, haben wir eine Erkrankungswahrscheinlichkeit, eine Häufigkeit von etwa 0,3 Prozent. Bei den über 60-Jährigen steigt die Wahrscheinlichkeit auf über 1 Prozent an, bei den über 80-Jährigen auf über 3 Prozent und je älter wir werden, umso häufiger wird die Parkinsonkrankheit. Es gibt allerdings auch wenige Fälle, die schon bei Personen unter 40 Jahren auftreten.
Diagnose und Behandlung von Parkinson
Klinische Diagnose und zusätzliche Maßnahmen
Die Diagnose der Parkinsonkrankheit ist ein klinische. Das heißt, durch den spezialisierten Facharzt, durch den Arzt für Neurologie, der die Symptome erfragt beim Patienten und der die neurologische Untersuchung durchführt. Dadurch entsteht die klare Verdachtsdiagnose Parkinson. Man kann zusätzlich diagnostische Maßnahmen durchführen: eine Kernspintomographie zum Beispiel des Kopfes, um andere Erkrankungen auszuschließen. Man sieht die Parkinsonkrankheit nicht direkt in der Kernspintomographie. Anders, als bei vielen anderen Erkrankungen, gibt es für die Parkinsonkrankheit keinen Blutwert oder Blutparameter, der spezifisch verändert wäre.
Therapieansätze: Medikamente, OP und Bewegung
Die Behandlung der Parkinsonkrankheit steht im Wesentlichen auf drei Füssen: Zum einen haben wir eine medikamentöse Behandlung, zum anderen eine operative Behandlung und zum dritten eine Behandlung mit Bewegungstherapie, Krankengymnastik und Physiotherapie. Die medikamentöse Behandlung zielt auf den Ersatz des fehlenden Stoffes Dopamin im Gehirn mit verschiedenen Medikamenten. Das können entweder Tabletten sein. Man kann es aber auch in Form einer Pumpentherapie in bestimmten Stadien der Erkrankung durchführen. Die operative Therapie in Form der so genannten Hirnschrittmachertherapie oder Tiefe Hirnstimulation zielt darauf, die Netzwerke im Gehirn, die bei der Parkinsonkrankheit gestört sind, die motorischen Netzwerke, durch gezielte Eingriffe wieder zu verbessern. Hier ist es wichtig, dass das in spezialisierten Zentren stattfindet, weil es zu einer interdisziplinären Zusammenarbeit von verschiedenen Spezialisten, Neurologen, Neurochirurgen, Neurophysiologen, Neuropsychologen usw. kommen muss und es gibt nur wenige Zentren, die das leisten können.
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Hoffnung auf krankheitsmodifizierende Therapien
Die Parkinsonkrankheit ist ja eine Erkrankung die langsam fortschreitet. Und insofern hat sich die Forschung in den letzten Jahren - und wird sich in den kommenden Jahren - sehr darauf konzentrieren Medikamente zu entwickeln, die zu einem Stoppen der Erkrankung führen. Leider steht eine solche Therapie bisher noch nicht zur Verfügung.
Autofahren mit Parkinson
Die Frage, ob man als Parkinsonpatient noch Auto fahren kann, hängt ganz vom Stadium der Erkrankung ab - das heißt wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Die sind am Anfang sehr leicht und nach vielen Jahren der Erkrankung nehmen die naturgemäß zu. In den ersten Jahren gibt es in der Regel keine Probleme mit dem Auto fahren. Wenn die Symptome zunehmen, muss durch Untersuchungen beim Neurologen festgestellt werden, ob die Fahrtüchtigkeit weiter erhalten ist oder ob das nicht mehr möglich ist.
Genetische Aspekte und Risikofaktoren
Erbliche Veranlagung
Der ganz große Teil der Parkinsonerkrankungen ist nicht erblich, sie ist wie wir sagen sporadischer Natur. Das heißt jeder von uns hat eine gewisse Wahrscheinlichkeit, mit zunehmendem Alter an der Parkinsonkrankheit zu erkranken. Aber es gibt einen geringeren Anteil von etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten, die an einer erblichen Form der Parkinsonkrankheit leiden. Hier hat sich in den letzten Jahren in der Forschung sehr viel getan: Man hat die Veränderungen in den Genen festgestellt. Mutationen im Parkin-Gen sind eine häufige Ursache für erbliche Formen der Parkinson-Erkrankung.
Das Parkin-Gen und seine Rolle
Das Parkin-Gen schützt Nervenzellen vor Funktionsverlust und Zelltod. Es sorgt insbesondere dafür, dass die Mitochondrien, die für die Energieerzeugung in den Zellen verantwortlich sind, unversehrt bleiben und beschädigte Mitochondrien beseitigt werden. In Nachbarschaft zum Parkin-Gen findet sich im Erbgut das Parkin-co-regulierte Gen (PACRG). Beide Gene teilen sich einen Promotor, der die Expression der Gene reguliert.
PACRG und seine Verbindung zum Immunsystem
Weitergehende Untersuchungen zum Wirkungsmechanismus zeigten, dass PACRG einen Signalweg reguliert, der durch den Tumornekrosefaktor (TNF) stimuliert wird. Als Folge davon kommt es zur Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB, der für die vermehrte Bildung von Proteinen sorgt, die Zelltod verhindern. Sowohl Parkin als auch PACRG wirken auf einen essenziellen Proteinkomplex dieses Signalweges, genannt Lubac (linear ubiquitin chain assembly complex). Der TNF-NF-κB-Signalweg reguliert nicht nur den Zelltod, sondern spielt auch eine bedeutende Rolle im angeborenen Immunsystem. Er verhindert die Ausbreitung von bestimmten Bakterien, die in Wirtszellen eindringen können, zum Beispiel von Salmonellen oder Mykobakterien, den Erregern von Tuberkulose und Lepra. Interessanterweise sind Sequenzvarianten im Parkin- und PACRG-Gen beschrieben, die zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber diesen bakteriellen Infektionen führen und mit schweren Verläufen einer Salmonellen- oder Mykobakterien-Infektion einhergehen. Die aktuellen Erkenntnisse liefern dafür eine plausible Erklärung und bestätigen, dass es Schnittstellen zwischen dem Nervensystem und Immunsystem gibt.
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Beteiligung von Cytochrom-P450-Proteinen
Wissenschaftler der Universität des Saarlandes arbeiten seit 2020 daran, die Entstehung von Parkinson besser zu erforschen und daraus Ansätze für ursächliche Therapien abzuleiten. Der Ansatz der Wissenschaftler unterscheidet sich von den Forschungen anderer Labore und Kliniken dadurch, dass erstmals die Rolle einer großen Eiweißgruppe - der Cytochrom-P450-Proteine - betrachtet wird, die sehr verschiedene Reaktionen im Stoffwechsel reguliert. Patienten mit genetischer Vorbelastung haben Änderungen in einem oder in mehreren von etwa 20 sogenannten Parkinson- Genen. Es zeigte sich, dass in den erkrankten Personen neben der genetischen Vorbelastung zusätzliche Änderungen in verschiedenen P450-Genen bis zu zehnfach überrepräsentiert waren. Das bedeutet, dass Menschen mit genetischer Vorbelastung krank werden, wenn sie eine zusätzliche Änderung in einem der P450-Gene aufweisen. In ihrer aktuellen Arbeit analysierten die Wissenschaftler die oben erwähnten 57 Cytochrom-P450-Gene von genetisch vorbelasteten Personen mit und ohne Symptome der Parkinson-Erkrankung.
Die Familie der P450-Gene spielt bei zahlreichen Stoffwechselwegen im menschlichen Organismus eine herausragende Rolle, unter anderem sind sie in die Biosynthese von Eicosanoiden involviert. Diese wirken als Immunmodulatoren und regulieren damit Entzündungsprozesse im Körper. Weiter identifizierten die Forscher die besondere Bedeutung von P450-Genen, die am Vitamin A- und Vitamin D-Stoffwechsel sowie am Cholesterinabbau im Gehirn beteiligt sind. Da die Studie die Ursachen der Parkinson-Erkrankung mit definierten Änderungen in ganz bestimmten P450-Genen in Zusammenhang gebracht hat, können nun weitere Forschungen erfolgen, die die genauen Auswirkungen dieser genetischen Veränderungen analysieren. Experimentell arbeitende Gruppen können auf dieser Basis herausfinden, welchen Einfluss die jeweiligen Änderungen in den untersuchten Genen auf deren Funktion hat. Daraus lassen sich dann Ansatzpunkte für hoffentlich ursächliche Therapien erarbeiten.
T-Zellen und ihre Rolle bei Parkinson
Auch beim Morbus Parkinson scheinen T-Zellen am Absterben von Nervenzellen beteiligt zu sein. Im Mittelhirn von Parkinsonpatienten fanden die Wissenschaftler ungewöhnlich viele T-Zellen. Diese Ergebnisse nahmen die Forscher zum Anlass für die Entwicklung einer ungewöhnlichen Zellkultur aus menschlichen Zellen. Dazu wurde betroffenen Patienten sowie gesunden Testpersonen eine kleine Hautprobe entnommen. Diese Hautzellen wurden dann in pluripotente Stammzellen umgewandelt, die das Forschungsteam weiter zu patienteneigenen Mittelhirnnervenzellen ausdifferenzierte. Diese Zellen wurden dann mit frischen T-Zellen desselben Patienten in Kontakt gebracht. Das Ergebnis: Die Abwehrzellen von Parkinsonpatienten töteten eine große Anzahl ihrer Nervenzellen, dies war jedoch nicht bei den gesunden Testpersonen nachweisbar. Mit unseren Untersuchungen ist es uns gelungen, klar nachzuweisen, dass und auch wie T-Zellen an der Entstehung des Parkinsonsyndroms beteiligt sind.
Frühe Anzeichen und Symptome
Warnzeichen vor den typischen Symptomen
Bevor die eigentlichen Parkinsonsymptome, nämlich die Bewegungsverlangsamung, die Muskelsteifigkeit und das Zittern auftreten, können andere, so genannte Warnzeichen auftreten. Dazu gehören unter anderem Geruchsminderungen. Das heißt die Patienten riechen nicht mehr so gut wie vorher Parfum oder Kaffee. Dazu können depressive Symptome gehören, die sich über Monate, zum Teil auch Jahre zuvor schon entwickelt haben. Dazu gehören spezielle Schlafstörungen, die sich dadurch äußern, dass der Patient motorisch sehr unruhig ist - nachts während er träumt, ohne das er das merkt. Aber der Partner kann es zum Teil sehr schmerzlich merken.
Schmerzen als Frühzeichen
Die Parkinsonkrankheit kann häufig mit Schmerzen verbunden sein. Nicht selten sind Schmerzen sogar Frühzeichen der Erkrankung. Zum Beispiel einseitige Schulter-Arm-Schmerzen führen den Patienten oft zum Hausarzt und zum Orthopäden und es dauert dann oft ein bis zwei Jahre, ehe er zum Neurologen kommt, wo dann die Parkinsonkrankheit diagnostiziert wird.
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Tiefe Hirnstimulation als Therapieoption
Die Parkinsonkrankheit kann durch einen operativen Eingriff therapiert werden und zwar mit der Hilfe der so genannten Tiefen Hirnstimulation oder Hirnschrittmachertherapie. Diese Behandlung muss in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Hier bedarf es der interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Experten, insbesondere der funktionellen Neurochirurgen und der spezialisierten Neurologen, Neurophysiologen, Neuropsychologen, damit es zu einer guten Behandlung mit der Hirnschrittmachertherapie kommt. Die Hirnschrittmachertherapie wurde in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt und ist eigentlich als therapeutische Revolution anzusehen. Sie gewährt den Patienten auch in fortgeschrittenen Stadien noch einmal einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität.
Aktuelle Forschungsprojekte und Erkenntnisse
Handlungsselektion und die Rolle der Basalganglien
Morbus Parkinson entsteht durch das Absterben dopaminerger Neurone in der Substantia nigra, einer Struktur im Mittelhirn, die den Basalganglien angehört. Ziel dieses Projektes ist es, herauszufinden, ob und wann die Basalganglien aktiv werden, wenn Parkinsonpatienten und gesunde Probanden frei zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten wählen. Ferner soll das Zusammenspiel zwischen Basalganglien und kortikalen Arealen im Selektionsprozess näher beleuchtet werden. Dazu wird mittels einer Kombination von funktioneller Magnetresonanztomographie und Magnetenzephalographie eine neuartige Beschreibung von Hirnaktivität angefertigt, welche sowohl eine hohe räumliche als auch eine hohe zeitliche Auflösung aufweist und das ganze Gehirn umfasst. Das Projekt wird am Forschungszentrum Jülich durchgeführt, in Kooperation mit INM-7 und INM-4.
Zellulärer Recyclingprozess der Autophagie
Wissenschaftler der Universität zu Köln haben an Mäusen einen neuartigen Mechanismus entdeckt, durch den der zelluläre Recyclingprozess der Autophagie die Gehirnzellen schützt.
Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation in Düsseldorf
Das Zentrum für Bewegungsstörungen und Neuromodulation am Universitätsklinikum Düsseldorf hat sich ganz auf die Therapie-Diagnostik und Therapie der Parkinson-Erkrankung und anderer neurologischer Bewegungsstörungen spezialisiert. Hier arbeitet ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Spezialisten eng zusammen, um die Diagnose und Behandlung nach den modernsten Standards durchzuführen.