Jucken und Pieksen: Ursachen, Regeneration der Nerven und Behandlungsansätze

Nervenschmerzen und Missempfindungen wie Jucken und Pieksen können sehr belastend sein. Oft stecken gereizte oder geschädigte Nervenbahnen dahinter. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen, die Mechanismen der Nervenregeneration und die verschiedenen Behandlungsansätze bei solchen Beschwerden.

Das Nervensystem im Überblick

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das unseren Körper steuert und koordiniert. Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (ZNS), welches Gehirn und Rückenmark umfasst, und dem peripheren Nervensystem (PNS), das alle Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks beinhaltet. Die Nerven des PNS leiten Informationen aus der Umwelt (z.B. Gerüche, Geräusche) an das Gehirn weiter und übertragen Befehle des Gehirns an die Muskeln und Organe.

Schädigungen der Nerven können vielfältige Folgen haben, da die Nerven unzählige Aufgaben im Körper erfüllen. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, können unterschiedliche Symptome auftreten.

Ursachen von Jucken und Pieksen durch Nervenschädigung

Empfindungsstörungen wie Kribbeln, Jucken oder Brennen können vielfältige Ursachen haben. Mögliche Auslöser für Jucken oder Kribbeln am Rücken oder im Mund sind beispielsweise allergische Reaktionen, Insektenstiche oder Hautschädigungen durch Sonnenlicht oder Kälte. Treten diese Empfindungen jedoch ohne äußeren Reiz auf, kann eine Sensibilitätsstörung (Parästhesie) dahinterstecken.

Eine Parästhesie kann vorübergehend oder chronisch sein. Vorübergehende Parästhesien entstehen oft durch Druck auf Nerven oder eine starke Überdehnung, wodurch die Nervenbahnen in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Auch eine Störung des Blutflusses kann dazu führen, dass die Nervenzellen nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, was eine Parästhesie zur Folge haben kann. Viele Menschen kennen das Gefühl von "eingeschlafenen" Körperteilen, meist Händen, Füßen oder Beinen. Eine weitere Ursache für vorübergehende Nervenstörungen kann eine starke Unterversorgung mit Kalzium (Hypokalzämie) sein, wie sie beispielsweise beim Hyperventilieren auftritt. Chronische Parästhesien können durch Nervenschädigungen entstehen, die beispielsweise durch äußere Einwirkungen wie Quetschungen oder Knochenbrüche verursacht werden.

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Polyneuropathie als häufige Ursache

Eine häufige Ursache für Jucken und Pieksen in den Nerven ist die Polyneuropathie. Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die außerhalb des zentralen Nervensystems liegen. Sie betreffen die motorischen, sensiblen und autonomen Nerven sowie die sie versorgenden Blut- und Lymphgefäße. Die meisten Polyneuropathien sind keine eigenständige Erkrankung, sondern das Symptom einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung.

Folgende Grunderkrankungen sind häufig mit einer Polyneuropathie assoziiert:

  • Diabetes mellitus
  • Alkoholmissbrauch
  • Entzündungen (Borreliose, Lepra)
  • Leber-, Nieren- und Lungenerkrankungen
  • Hämatologische und rheumatologische Erkrankungen
  • Tumorerkrankungen
  • Bestimmte Medikamente
  • Langzeitbehandlung auf einer Intensivstation
  • Organtransplantationen
  • Erbliche Neuropathien
  • "Exotoxische" Polyneuropathie (verschiedene Chemotherapeutika, Antibiotika, Immun-Checkpoint-Inhibitoren)

Weitere Ursachen für Nervenschmerzen

Nervenschmerzen können sich vielfältig äußern. Weit verbreitet sind Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle, ziehende, ausstrahlende oder stechende Schmerzen sowie vegetative und psychische Symptome. Brennen, Kribbeln oder auch Taubheitsgefühle beschreiben drei sehr weit verbreitete Arten von Missempfindungen, die in vielen Fällen symptomatisch für Nervenschmerzen sind. Häufig steckt hinter den unangenehmen Empfindungen, die meist in den äußeren Extremitäten des menschlichen Körpers auftreten, eine Reizung oder Schädigung der Nerven.

  • Ischiasschmerzen: Fehlhaltungen oder Verspannungen sind oft die Ursache ziehender Schmerzen entlang des Ischiasnervs. Die verhärtete Muskulatur übt Druck auf den Ischias aus, kann diesen so quetschen oder reizen und die ziehenden Schmerzen auslösen, die oftmals jede Bewegung begleiten.
  • Nackenschmerzen und Schulterschmerzen: Ausstrahlende Schmerzen in Nacken oder Schultern gelten als weitverbreitete Arten von Schmerzempfindungen. Die Erklärung: Es sind die modernen Lebensumstände, wie langes Sitzen oder Stress, die häufig zu verspannten Muskeln führen. Diese drücken auf die Nerven und können diese reizen oder schädigen.
  • Rückenschmerzen: Rückenschmerzen, von vielen Betroffenen häufig im unteren Rücken lokalisiert, können ausstrahlen und sich hinauf bis zum Nacken oder in Richtung der unteren Extremitäten, abwärts über das Gesäß, verbreiten. Häufig treten auch plötzliche, scharf einschießende Schmerzen auf, die eine normale Bewegung nahezu unmöglich machen. Die Ursache hängt in vielen Fällen mit der Bandscheibe zusammen. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt ein Teil des gelartigen Kerns aus seiner elastischen Hülle hervor und kann auf diverse umliegende Nerven drücken.
  • Karpaltunnelsyndrom: Eingeschlafene Hände, Taubheitsgefühle abwärts des Handgelenks, kribbelnde Finger oder nadelstichartige Schmerzen bis in die Fingerkuppen können erste Anzeichen für einen speziellen Auslöser von Nervenschmerzen sein: das sogenannte Karpaltunnelsyndrom. Die Medizin versteht darunter eine Reizung des Medianusnervs durch Einklemmen oder Quetschen. Beides ist möglich, wenn der nur wenige Zentimeter lange Durchgang am Handgelenk - fachsprachlich Karpaltunnel genannt - verengt ist.
  • Fibromyalgie-Syndrom: Muskelkaterartige Schmerzen am ganzen Körper deuten häufig auf das sogenannten Fibromyalgie-Syndrom hin. Auch wenn die Ursache der häufig auftretende Schmerzerkrankung bis heute nicht bekannt ist: Vorwiegend diskutieren Mediziner und Spezialisten für Fibromyalgie eine gestörte Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem. Häufig treten die Missempfindungen am Rücken auf und breiten sich auf Beine und Arme aus. Schmerzen rund um die Gelenke, also um Schultern, Ellbogen, Hüfte oder Knie, sind bei Betroffenen Alltag.
  • Trigeminusneuralgie: Als blitzartig einschießend, stechen, elektrisierend, aber auch scharf und intensiv werden die schmerzenden Symptome im Gesicht beschrieben, die ohne eine Schädigung des Körpers oder Kopfes auftreten. In einigen Fällen genügt schon ein Luftzug und Betroffene empfinden ein starkes Schmerzgefühl in einer Gesichtshälfte. Die Medizin macht in den meisten Fällen eine Reizung des Trigeminusnervs als Auslöser für die Schmerzattacken aus.
  • Nervenverletzungen bei Operationen: Unbeabsichtigte Nervenverletzungen gehören zu den häufigsten Risiken bei chirurgischen Eingriffen - dies ist selbst bei vermeintlich einfachen Operationen nicht auszuschließen. Durch von außen einwirkendem Druck oder aufgrund des Durchtrennens von Gewebe kann es zu direkten Nervenverletzungen kommen, die zu Schmerzen führen. Verbreitet sind auch postoperative Entzündungsreaktionen, die Schwellungen verursache. Diese können benachbarte Nerven komprimieren und Nervenschmerzen auslösen.
  • Gürtelrose (Herpes Zoster) und Post-Zoster-Neuralgie: Wenn der Hautausschlag einer Gürtelrose schon abgeheilt ist, die Schmerzen aber noch längere Zeit anhalten, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie. Sie ist die häufigste Komplikation einer Gürtelrose und kann mit verschiedenen Wirkstoffen behandelt werden. Das Hauptsymptom einer Post-Zoster-Neuralgie sind die Nervenschmerzen (Neuralgie). Häufig ist auch die Haut überempfindlich und juckt.

Symptome im Detail

Nervenschmerzen äußern sich in einer Vielzahl von Symptomen:

  • Ameisenlaufen (Parästhesie): Ein kribbelndes, prickelndes Gefühl, das oft mit einer Störung oder Schädigung der Nervenfasern einhergeht.
  • Brennen: Ein oft anhaltendes, unangenehmes Gefühl, das als heißes oder scharfes Empfinden, meist in Händen und Füßen wahrgenommen wird.
  • Druckgefühl: Eine unangenehme Empfindung, die oft als ständiger, schwer definierbarer Schmerz in bestimmten Körperregionen wahrgenommen wird.
  • Hitzegefühl: Eine Wahrnehmung von intensiver Wärme in bestimmten Körperregionen, die nicht durch eine externe Wärmequelle verursacht wird.
  • Juckreiz: Ein häufiges Symptom bei Nervenschäden oder -erkrankungen.
  • Kältegefühl: Eine unnatürliche Wahrnehmung von Kälte, die in bestimmten Körperregionen auftritt, ohne dass eine tatsächliche äußere Kältequelle vorhanden ist.
  • Kitzeln: Als neurologisches Symptom tritt Kitzeln meist ohne nachvollziehbaren Auslöser auf und wird von Betroffenen als unangenehm intensiv empfunden.
  • Kribbeln: Ein häufiges Symptom bei Nervenschäden, das als Gefühl von Ameisenlaufen, Prickeln oder elektrischen Impulsen beschrieben wird.
  • Schweregefühl: Eine Empfindung, bei der Körperteile ungewöhnlich schwer und schwierig zu bewegen erscheinen.
  • Taubheit: Der Verlust von Empfindungen, der häufig durch Schäden oder Dysfunktionen in den Nerven verursacht wird.
  • Elektrische Schläge: Viele von Nervenschmerzen Betroffene vergleichen ihre Schmerzen mit dem Gefühl eines elektrischen Schlags. Damit ist eine plötzliche, scharfe Schmerzattacke gemeint, die als blitzartiges Zucken oder Stechen wahrgenommen wird.
  • Hyperalgesie: Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, bei der normale Berührungen oder leichte Schmerzreize ungewöhnlich starke Schmerzempfindungen auslösen.
  • Krampf: Eine plötzliche, unwillkürliche Muskelkontraktion, die oft schmerzhaft ist und in verschiedenen Körperteilen auftreten kann.
  • Pochen: Kann als regelmäßiges Klopfen, Schwellen oder Pulsieren beschrieben werden und tritt typischerweise auf, wenn betroffene Nervenfasern überreizt oder durch umliegendes Gewebe eingeklemmt sind.
  • Stechen: Eine scharfe, plötzlich auftretende Schmerzempfindung, die in Verbindung mit Nervenschäden steht.
  • Überempfindlichkeit (Allodynie): Ein Schmerzzustand, bei dem alltägliche, normalerweise nicht schmerzhafte Reize wie leichte Berührungen, Wärme oder sogar Wind als schmerzhaft empfunden werden.

Weitere mögliche Symptome sind Atemnot, Benommenheit, Durchfall, Erbrechen, Herzrasen, Hörminderung, Schwindel und Schwitzen.

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Diagnose von Nervenproblemen

Die klinische Diagnose einer Polyneuropathie wird anhand von Anamnese und dem klinisch-neurologischen Befund gestellt. In der Krankengeschichte wird nach typischen Symptomen, dem Erkrankungsverlauf, nach Vorerkrankungen und Begleiterkrankungen sowie nach der Familienanamnese gefragt. In einer neurologischen Untersuchung werden Muskelkraft, Sensibilität und Muskeleigenreflexe geprüft. Am häufigsten beginnen die Symptome und Ausfälle an den unteren Extremitäten, meist an den Füßen oder Fußspitzen. In einer klinischen Untersuchung stellt man häufig abgeschwächte oder ausgefallene Muskelreflexe (insbesondere Achillessehnenreflex) und schlaffe Lähmungen fest. An den Extremitäten können sich Sensibilitätsstörungen socken-, strumpf- oder handschuhförmig ausbreiten. Zu den weiteren Symptomen gehört einerseits eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, z. B. auf Berührung, Wärme oder Kälte. Je nach Schädigung der Nerven kann aber auch das Berührungs- und Schmerzempfinden abgeschwächt sein.

Bei der neurophysiologischen Untersuchung mit Elektroneurographie (ENG) werden mit Stromimpulsen periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen. Die Elektromyographie (EMG) untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.

Die Diagnose der Ursache von Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, gelingt durch mehrere wichtige Schritte. Zunächst ist eine ausführliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durch einen Arzt entscheidend. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt auch Reflexe und Muskelkraft beurteilt. Zu den diagnostischen Verfahren können bildgebende Untersuchungen wie MRT- oder CT-Scans gehören, um nach etwaigen Bandscheibenvorfällen oder Tumoren zu suchen, die möglicherweise auf Nerven drücken. Diese Tests helfen dabei festzustellen, auf welcher Höhe sich der Schaden befindet. Eine bildgebende Diagnostik ist dann erforderlich, wenn Nervenschmerzen spezifische Anzeichen oder Symptome aufweisen, die auf tieferliegende Probleme hinweisen. Dies können Bandscheibenvorfälle, eine Wirbelsäulenstenose (Verengung) oder Tumore (Raumforderungen) sein. Die Bildgebung ist vor allem dann angezeigt, wenn zu den Symptomen erhebliche Schwäche oder Funktionsverlust gehören oder vergangene Traumata oder Verletzungen vorliegen. Mit detaillierten Bildern helfen MRT- und CT-Verfahren dabei, den genauen Ort und die Art der Nervenkompression oder -schädigung zu bestimmen.

Auch Muskelfunktionstests können die Behandlung und Linderung von Nervenschmerzen erheblich erleichtern. Ein gängiger Test hierfür ist die Elektromyografie (EMG). Beim EMG wird die elektrische Aktivität in den Muskeln untersucht. Wenn man zum Beispiel Schmerzen aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms hat, kann das EMG zeigen, ob der sogenannte Medianusnerv im Handgelenk das Problem verursacht.

Eine statische Analyse mit einer Vermessung der Wirbelsäule kann helfen, herauszufinden, was die Ursache für Nervenschmerzen sind, die sich wie ein Stromschlag anfühlen. Sie zeigt, wo Nerven durch Wirbelsäulenfehlstellungen oder -verkrümmungen eingeklemmt oder gereizt sein können.

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Nervenregeneration: Möglichkeiten und Grenzen

Nerven besitzen die Fähigkeit, sich bis zu einem gewissen Grad selbst zu regenerieren. Ist ein Nerv nur oberflächlich geschädigt oder überdehnt, aber nicht gerissen, bessern sich die Beschwerden im Normalfall von selbst. Anders sieht es aus, wenn ein Nerv gerissen ist oder durchtrennt wurde (zum Beispiel bei einer OP oder einem Unfall). Zwar versucht der Körper, die Nerven durch Wachstum wieder zu regenerieren, das heißt, die beiden Nervenenden wieder miteinander zu verbinden. Erschwert wird dies aber dadurch, dass sich Nervenenden nach Schädigung voneinander zurückziehen. So entstehen in der Regel nur Wucherungen und Narbengewebe, was wiederum zu Beschwerden führen kann.

Meist bleibt deshalb bei einem dauerhaft geschädigten Nerv nur eine Operation. Dabei wird versucht, die Nervenenden wieder miteinander zu vernähen oder durch Rekonstruktionen von Nervenfasern beide Endstücke zu verbinden.

Fehlerhafte Nervenregeneration als Ursache chronischer Schmerzen

Selbst ausgeheilte Nervenverletzungen hinterlassen häufig chronischen Schmerz und Überempfindlichkeit gegenüber sanften Berührungen. Wissenschaftler haben gezeigt, dass fehlerhafte „Verschaltungen“ der Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) zu einer bisher noch nicht untersuchten Form sogenannter neuropathischer Schmerzen führen. Sie treten erst im Zuge der Regeneration von Nervenverbindungen beim Ausheilen der Verletzung auf.

Bei chronischen Schmerzen wird zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen unterschieden. Nozizeptive Schmerzen haben ihren Ursprung in Gewebeverletzungen, neuropathische Schmerzen in der Schädigung der Nervenfasern selbst. Nerventraumata oder Quetschungen, bei welchen verletzte und intakte Nervenfasern in direktem Kontakt stehen, sind besonders anfällig für die Entwicklung chronischer neuropathischer Schmerzen. Die neuen Ergebnisse zeigen nun, dass die chronischen Schmerzen nicht etwa durch die eigentliche Verletzung entstehen, sondern auf einer fehlerhaften Nervenregeneration sowie auf einer fehlerhaften Wiederherstellung der nervalen Versorgung, der sogenannten Reinnervation, beruhen.

Während sich die taktilen Nervenfasern, die Berührungsreize an Rückenmark und Gehirn weiterleiten, nach der Verletzung nicht oder nur langsam regenerieren - daher das anfängliche Taubheitsgefühl -, sind die schmerzleitenden Fasern dazu schneller in der Lage. Sie nehmen statt der sensorischen Fasern den Platz der gekappten Berührungssensoren in der Haut ein. Die Folge: Jeder taktile Reiz wirkt nun wie ein Schmerzreiz - selbst ein sanftes Streicheln oder das Gefühl von Kleidung auf der Haut kann dann Schmerzen verursachen.

Behandlungsansätze bei Jucken und Pieksen durch Nervenschädigung

Die Behandlung von Jucken und Pieksen durch Nervenschädigung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden.

Behandlung der Grunderkrankung

Entscheidend ist stets die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. bei Diabetes mellitus eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung, das strikte Vermeiden von Alkohol oder die Behandlung einer Tumorerkrankung. Bei autoimmunvermittelten, entzündlichen Polyneuropathien gibt es verschiedene gegen die Entzündung wirkende Medikamente (Immunglobuline, Kortikoide, Immunsuppressiva). Bei schweren Verläufen kann auch eine Blutwäsche durchgeführt werden. Bei erblichen Neuropathien gibt es bisher keine Therapie.

  • Diabetische Polyneuropathie: Bei einer Nervenschädigung infolge eines Diabetes mellitus ist vor allem eine gute Blutzuckereinstellung entscheidend für die Therapie. Diese verhindert ein rasches Fortschreiten der Erkrankung. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung tragen ebenfalls zu guten Blutzuckerwerten bei. In speziellen Diabetes-Schulungen können Betroffene lernen, ihre Werte langfristig zu stabilisieren.Darüber hinaus kann Alpha-Liponsäure Schmerzen und Sensibilitätsstörungen bei Menschen mit Diabetes lindern. Alpha-Liponsäure kommt auch natürlicherweise im Körper vor und ist am Zuckerstoffwechsel beteiligt. Betroffene haben möglicherweise einen erhöhten Bedarf an dieser Substanz.Hilfreich kann bei diabetischer Polyneuropathie zudem die sogenannte Hochtontherapie sein. Dabei werden über Elektroden an Füßen und Oberkörper sehr hohe Tonfrequenzen durch den gesamten Körper geleitet.
  • Alkoholische Polyneuropathie: Ist die Polyneuropathie durch hohen Alkoholkonsum entstanden, ist ein völliger Verzicht auf Alkohol beziehungsweise ein Entzug die dringlichste Maßnahme.Personen, die schon lange alkoholabhängig sind, vernachlässigen zudem oft ihre Ernährung. So entsteht ein Vitaminmangel, der die Nerven zusätzlich schädigen kann. Eine bessere Ernährung und B-Vitamine können die Regeneration der geschädigten Nerven bei Alkoholkranken fördern und Schmerzen verringern.
  • Weitere Ursachen: Je nachdem, welche Ursache die Polyneuropathie auslöst, kommen weitere Maßnahmen zur Behandlung infrage: Gifte wie Blei oder Arsen: Im Fall einer Blei- oder Arsenvergiftung können Bindemittel wie Penicillamin helfen. Gefahrenstoffe im beruflichen und privaten Umfeld, die für die Nervenkrankheit verantwortlich sein könnten, sollten Betroffene meiden.Nebenwirkung von Medikamenten: Kommt es zu einer Polyneuropathie durch die Einnahme von Arzneimitteln, sollten Betroffene mit demder ArztÄrztin besprechen, ob das Medikament abgesetzt oder auf ein anderes Präparat gewechselt werden kann. Nach Absetzen des Medikaments können sich die Beschwerden nach einiger Zeit zurückbilden.Infektionskrankheit: Eine bakterielle Infektionskrankheit wie zum Beispiel Borreliose oder Diphtherie lässt sich mit Antibiotika behandeln.Nährstoffmangel: Bei einem nachweislichen Nährstoffmangel (wie z. B. Vitamin B12, Vitamin B1 oder Folsäure) sollte der Mangel ausgeglichen werden. Das kann über Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen erfolgen.

Medikamentöse Therapie

Schmerzen im Rahmen einer Polyneuropathie lassen sich durch bestimmte Medikamente lindern, die jedoch täglich eingenommen werden müssen. Als wirksam haben sich vor allem Wirkstoffe aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva erwiesen (z. B. Amitriptylin, Duloxetin). Aber auch Wirkstoffe, die normalerweise zur Behandlung von Krampfanfällen genutzt werden (Antiepileptika), können helfen (etwa Pregabalin, Gabapentin, ggf. Carbamazepin).Die schmerzlindernde Wirkung dieser Medikamente tritt allerdings nicht sofort ein, sondern meist erst nach etwa 2 bis 4 Wochen regelmäßiger Einnahme.Gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen dagegen oft kaum gegen die Nervenschmerzen und sind zudem nicht für eine dauerhafte Einnahme zu empfehlen. Opiodhaltige Schmerzmittel (wie Tramadol) kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.

Bei anhaltenden Nervenschmerzen werden oft Antiepileptika wie Pregabalin oder Gabapentin eingesetzt. Sie werden anfangs mit Schmerzmitteln kombiniert, da es etwas dauert, bis sie wirken. Dann können die Schmerzmittel wieder abgesetzt werden.Reichen Antiepileptika nicht aus, ist es möglich, zusätzlich Antidepressiva einzunehmen. Beide hemmen die Schmerzweiterleitung zum Gehirn und dämpfen die Erregbarkeit der betroffenen Nerven.Sind die Schmerzen auf eine Körperstelle begrenzt, helfen möglicherweise Pflaster mit schmerzbetäubenden Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin. Studien deuten darauf hin, dass Pflaster mit hochdosiertem Capsaicin (8-prozentig) die Nervenschmerzen verringern können.Welcher Wirkstoff und welche Kombination geeignet ist, hängt von der Stärke der Schmerzen ab und davon, wie man die Medikamente verträgt. Deshalb ist es sehr wichtig, der Ärztin oder dem Arzt möglichst genau zu beschreiben, wie stark die Schmerzen sind, wie die Mittel wirken und ob es Nebenwirkungen gibt.

Physikalische Therapie

In der physikalischen Therapie können vor allem sensible und motorische Symptome gelindert werden. Dazu nutzt man Bäder, Elektrotherapie und Wärmeanwendungen. In der Krankengymnastik, der Sporttherapie und der medizinischen Trainingstherapie (spezielles Krafttraining) lernen Patienten spezielle Übungen und stärken ihre geschwächte Muskulatur.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Hilfsmittel: Zur Verbesserung der Alltagsaktivitäten wird in Abhängigkeit vom Schweregrad die Versorgung mit Hilfsmitteln empfohlen.
  • Fußpflege: Für alle Polyneuropathien gilt: regelmäßige Kontrolle der Füße auf Druckstellen, Tragen von bequemem Schuhwerk, Meidung von Druck, Nutzung professioneller Fußpflege.
  • Lebensstil: Verbesserung des Lebensstils mit regelmäßiger körperlicher Betätigung (150 min Ausdauersport/Woche z. B.

Alternative Behandlungen

Zuletzt kann man noch auf alternativmedizinische Verfahren wie Osteopathie, Akupunktur, traditionell chinesische Medizin und Heilpraktikerverfahren verweisen.

Hausmittel bei vorübergehendem Kribbeln

Kommt es vorübergehend zu Gefühlen wie Kribbeln und Taubheit, können ein paar einfache Tipps häufig helfen, die Symptome zu lindern:

  • Bewegung: Oftmals führt Druck auf Nerven oder Blutbahnen zum Kribbeln in Beinen, Füßen & Co. Verändern Sie deshalb Ihre Position oder stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte. So regen Sie auch den Kreislauf an und fördern die Durchblutung.
  • Wechselduschen: Auch ein Wechsel aus warmem und kaltem Wasser, das man beispielsweise über eingeschlafene Arme oder Hände laufen lässt, kann dazu beitragen, die Durchblutung anzuregen und Gefühlsstörungen zu beheben.
  • Massagen: Massieren Sie sanft die betroffenen Körperstellen, gegebenenfalls mit ein paar Tropfen von ätherischem Rosmarin- oder Ingweröl.

Übungen bei Nervenschmerzen

Nervenschmerzen, die sich wie Stromschläge anfühlen, können oft durch gezielte Übungen gelindert werden. Welche Übungen die jeweils zugrundeliegende Krankheit die richtigen sind, muss durch den behandelnden Arzt festgelegt werden. In der Regel entwickeln Physiotherapeuten diese Übungen, nachdem sie die spezifischen Bedürfnisse und Einschränkungen des Patienten ermittelt haben.

Man unterscheidet generell zwischen Kräftigungs- und Dehnungsübungen. Kräftigungsübungen sind insbesondere für die Stützmuskeln von Vorteil, sofern diese zu schwach sind und die Reizung des Nervs begünstigen. Für Menschen mit stromschlagartigen Schmerzen des Ischiasnerv kann beispielsweise die Stärkung der Rumpfmuskulatur entscheidend sein. Dehnungsübungen sind genauso wichtig. Ein Dehnen der hinteren Oberschenkelmuskulatur kann den unteren Rücken und den Ischiasnerv entlasten, während Dehnungsübungen für den Nacken bei Nervenschmerzen im Oberkörper helfen können. Zusätzlich fördern sowohl Dehnungs- als auch Kräftigungsübungen die Durchblutung.

Wenn Muskeln und Faszien (die bindegewebigen Muskelhäute) angespannt sind, können sie auf die umliegenden Nerven drücken und so Schmerzen verursachen. Daher können Dehnungsübungen und Faszientraining diese Beschwerden ebenfalls lindern. Regelmäßiges Dehnen verlängert die Muskeln, verbessert die Blutzirkulation und verringert die Nervenkompression. Faszientraining ist eine relativ neue Ergänzung zum herkömmlichen Dehnen und praktiziert einen ganzheitlichen Ansatz. Während sich das allgemeine Dehnen in erster Linie auf die Dehnung und Lockerung der Muskeln konzentriert, zielt das Faszientraining darauf ab, die umgebenden Faszien flexibel und elastisch zu halten und sie vom Muskel zu “lösen”. Dies gelingt entweder mit Übungen für bestimmte einzelne Muskeln oder Muskelgruppen, sowie mit harten Schaumstoffrollen oder -bällen. Zu Beginn ist Faszientraining oft sehr schmerzhaft. Sobald die Faszien gelockert und nicht mehr stark verklebt sind, verringert sich dieses unangenehme Gefühl und es hat erstaunliche Effekte.

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