Juckreiz ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Ursachen haben kann. Äußere Faktoren wie trockene Heizungsluft oder intensive Sonnenstrahlung können die Haut austrocknen und Juckreiz begünstigen. Auch Allergien, falsche Ernährung, genetische Veranlagung, Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte sowie Nieren- oder Lebererkrankungen können mit Juckreiz einhergehen. Doch auch psychische Faktoren, insbesondere Stress, können eine wichtige Rolle spielen.
Psychische Ursachen für Juckreiz: Stress als Hauptauslöser?
Der Zusammenhang zwischen seelischem und körperlichem Wohlbefinden und der Haut ist gut erforscht. Juckreiz kann sogar mental getriggert werden - manchmal reicht der Gedanke an Läuse oder Flöhe aus. Vor allem akuter und dauerhafter Stress kann psychisch bedingt chronischen Pruritus verursachen.
Jeder hat im Leben schon einmal eine stressige Phase durchlebt - ob bei der Arbeit, in der Freizeit oder durch emotionale Schieflagen wie Todesfälle im Familien- und Bekanntenkreis. Eine chronische Stressbelastung ist auf Dauer Gift für den Körper, denn er gewöhnt sich an den dauerhaften Alarmzustand - mit fatalen Folgen.
Kurzer Stress mag uns zwar aufmerksamer, fokussierter und mitunter leistungsfähiger machen, aber auf lange Sicht schwächt Stress das Immunsystem und die Abwehrkräfte des Körpers - und letztendlich der Haut. Dafür sorgen die bei Stress ausgeschütteten Stoffe Histamin sowie das Stresshormon Cortisol: Sie verengen die Blutgefäße, wodurch die Haut schlechter versorgt wird und an Widerstandskraft einbüßt. Das öffnet die Tore für Bakterien, Pilze oder Viren. Cortisol fördert auch Entzündungen, sodass in schlimmeren Fällen sogar Hautausschläge durch psychischen Stress verursacht werden können! Auch die akuten Krankheitsschübe von Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Nesselsucht werden durch eine hohe Stressbelastung verstärkt. Die entstandenen äußerlichen Makel sind eine zusätzliche körperliche und seelische Belastung für Betroffene - die mitunter in einen Teufelskreis rutschen und sich bei schlimmen Verläufen dadurch zeitweise aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
Wenn Sie unter chronischem Juckreiz leiden und psychische Ursachen vermuten, heißt das nicht automatisch, dass Sie zum Psychiater anstatt zum Hautarzt gehen müssen. Dauerhafter Juckreiz kann unerträglich sein. Heftiges Kratzen schafft aber nur kurzfristig Linderung und führt wiederum zu juckenden Hautveränderungen.
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Was ist chronischer Juckreiz?
Juckreiz, medizinisch Pruritus genannt, löst das Bedürfnis aus, sich zu kratzen. Oft steckt eine Reizung oder Erkrankung der Haut dahinter. Es gibt allerdings zahlreiche andere Krankheiten, die mit Juckreiz einhergehen können. Hält der Juckreiz länger als 6 Wochen an, spricht man von chronischem Pruritus. Er kann sowohl an einzelnen Stellen auftreten als auch am ganzen Körper. Das kann sehr belastend sein und die Lebensqualität stark beeinflussen. Findet man die auslösende Grunderkrankung, verschwindet der Juckreiz durch eine entsprechende Behandlung oft wieder. Manchmal bleibt er trotzdem weiter bestehen. Er wird dann zu einer eigenständigen Erkrankung. Auch wenn verschiedene Grunderkrankungen das Jucken auslösen können, wird der Juckreiz an sich ähnlich behandelt. Medikamente werden sowohl lokal an den juckenden Hautstellen als auch in Form von Tabletten angewendet.
Symptome von chronischem Juckreiz
Wenn es juckt, hat man das Gefühl, sich kratzen zu müssen. Durch das Kratzen verschwindet der Juckreiz für kurze Zeit und bringt Erleichterung. Deshalb gibt das Gehirn beim nächsten Jucken automatisch das Signal, wieder zu kratzen. Starkes Kratzen führt aber zu Kratzspuren und Hautreizungen, die wiederum Juckreiz auslösen. Je nachdem, wie lange und wie intensiv man kratzt, können Hautveränderungen auftreten wie:
- Rötungen, Aufschürfungen und Blutungen
- Krusten, Verdickungen, Knoten und Narben
- helle oder dunkle Verfärbungen und Flecken
Es ist jedoch schwer bis unmöglich das Kratzen zu unterdrücken. Moderne Therapien können helfen, das Jucken zu lindern und so das Kratzen zu stoppen. Menschen mit chronischem Juckreiz können sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt fühlen. Neben Schlafstörungen können Stimmungstiefs, Ängste und Depressionen auftreten.
Wie entsteht chronischer Juckreiz?
Früher dachte man, Juckreiz sei eine milde Form von Schmerz. Inzwischen weiß man, dass es eigene Nervenfasern gibt, die dafür da sind, Juckreiz zu empfinden und dieses Reizsignal ans Gehirn weiterzuleiten. Dabei können sowohl Haut- als auch Nerven- und Blutzellen Botenstoffe ausschütten, die einen Juckreiz auslösen. Werden die „Juckreiz-Nerven“ durch eine Erkrankung besonders empfindlich, reicht bereits ein geringer Juckreiz aus, um ein starkes Signal an das Gehirn zu senden. Starkes Kratzen verursacht Schmerz, sodass man den Juckreiz für eine Weile nicht mehr wahrnimmt. Dieses Gefühl wird vom Gehirn als angenehme Empfindung wahrgenommen. Deshalb sendet es beim nächsten Jucken wieder den Impuls zum Kratzen. So kann ein Kreislauf entstehen mit ständigem Kratzen, der nicht einfach zu beenden ist.
Es gibt zahlreiche Ursachen und Erkrankungen, die einen chronischen Juckreiz hervorrufen können:
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- Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte (Psoriasis), Nesselsucht (Urtikaria)
- trockene Haut bei älteren Menschen: die häufigste Ursache für Jucken im Alter
- Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes mellitus oder der Hormone, beispielsweise eine Überfunktion der Schilddrüse
- Infektionskrankheiten durch Viren oder Parasiten, zum Beispiel Gürtelrose, HIV, Krätze oder Kopfläuse
- Selten steckt eine Tumorerkrankung hinter dem Juckreiz. Das kommt insbesondere bei Blutkrebs oder Lebertumoren vor.
- chronische Nieren- und Lebererkrankungen
- Erkrankungen der Nerven oder des Gehirns wie Polyneuropathie
- psychische Erkrankungen, beispielsweise eine Zwangsstörung
- Nebenwirkungen von Medikamenten wie Antidepressiva, Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide oder Antibiotika
- Schwangerschaftsdermatosen: Erkrankungen der Haut, die speziell in der Schwangerschaft auftreten können
Manchmal kommen mehrere Ursachen zusammen vor.
Wie häufig ist chronischer Juckreiz?
In der Hautarztpraxis klagen ungefähr ein Drittel der Patientinnen und Patienten über Juckreiz. Bei älteren Menschen steigt die Häufigkeit deutlich an. Bis zu zwei Drittel von ihnen haben einen chronischen Juckreiz. Frauen scheinen häufiger betroffen zu sein. In Deutschland leiden rund 14 Prozent aller Menschen unter chronischem Juckreiz.
Diagnose von chronischem Juckreiz
Zunächst stellen Ärztinnen und Ärzte genaue Fragen zum Auftreten des Juckreizes. Dazu werden häufig vorgefertigte Fragebogen verwendet. Folgende Angaben sind wichtig:
- Wann ist der Juckreiz zum ersten Mal aufgetreten?
- Wie lange, wie stark und wo juckt es?
- Wie sah die Haut vor dem Kratzen aus?
- Sind Allergien bekannt?
- Welche Medikamente werden eingenommen?
- Gibt es weitere Symptome? Liegt eine Grunderkrankung vor?
- Haben andere nahe Kontaktpersonen auch Juckreiz?
- Gibt es äußere Umstände, die den Juckreiz auslösen oder tritt der Juckreiz zu bestimmten Zeiten auf?
- Hat sich die Ernährung geändert?
- Gibt es neue Möbel oder ein Haustier in der Wohnung?
- Gibt es Verwandte, die eine ähnliche Erkrankung haben?
- Wie wirkt sich der Juckreiz auf die Lebensqualität und die Stimmung aus?
- Sind Ängste oder Schlafstörungen entstanden?
Wichtig zu wissen: Um die Symptome genau zu erfassen, kann es nützlich sein, ein Juckreiz-Tagebuch zu führen. Außerdem untersuchen Ärztinnen und Ärzte den gesamten Körper.
Behandlung von chronischem Juckreiz
Da es oft schwer ist, die Ursache für den Juckreiz zu finden, ist die Therapie meist langwierig. Dazu kommt, dass der Juckreiz durch die Behandlungsmaßnahmen selten sofort aufhört, sondern nur langsam abklingt.
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Allgemeine Maßnahmen
- Haut pflegen: wenig und nicht zu heiß duschen oder baden, milde Seifen und feuchtigkeitsspendende Pflegemittel verwenden, Haut sanft abtrocknen, Haut regelmäßig mit rückfettenden Cremes oder Lotionen einreiben
- Auf ausreichend Feuchtigkeit in der Raumluft und eine kühle Umgebung achten: Dabei spielt sowohl die Lufttemperatur als auch die Kleidung eine Rolle.
- Direkten Kontakt mit Dingen vermeiden, die die Haut reizen können: zum Beispiel Kleidung aus Wolle oder Putzmittel
- Stress abbauen: Entspannungstechniken können helfen, dass weniger Juckreiz entsteht und er milder ausgeprägt ist. Auch Yoga oder alternative Therapieformen wie Akupunktur können nützlich sein.
Therapien zur lokalen Anwendung
- Arzneimittel, die den Juckreiz direkt unterdrücken: Dazu zählen kühlende Lotionen mit Harnstoff (Urea), Menthol, Kampfer, Betäubungsmittel, Entzündungshemmer und Capsaicin. Capsaicin ist eine schmerzmodulierende und durchblutungsfördernde Substanz, die aus Chilischoten gewonnen wird.
- Bei bestimmten Hautkrankheiten und verschiedenen inneren Erkrankungen kann eine Phototherapie hilfreich gegen den Juckreiz sein. Dabei wird die Haut mit UV-Licht bestrahlt.
Medikamente zum Einnehmen
- Antihistaminika: Das sind Wirkstoffe, die vor allem den allergischen Juckreiz lindern.
- Medikamente gegen Depressionen oder Krampfanfälle
- Wirkstoffe, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen oder die Immunabwehr beeinflussen
Es gibt kein Medikament, das den Juckreiz bei allen Menschen zuverlässig beseitigt. Aber es gibt viele Medikamente, die helfen können. Deshalb muss man individuell überlegen und probieren, was am besten wirkt.
Psychotherapie
Eine Psychotherapie bei chronischem Juckreiz hat vor allem zum Ziel, das Kratzverhalten zu verändern.
Ursachen für quälenden Juckreiz
Jeder fünfte Deutsche leidet an juckender Haut. Meist entsteht das unangenehme Jucken durch eine empfindliche, trockene Haut. Juckende Haut ist oft Leitsymptom von Hautkrankheiten wie Neurodermitis (atopisches Ekzem) oder Schuppenflechte. Aber auch innere Erkrankungen wie Nierenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Infektionskrankheiten und Nebenwirkungen von Medikamenten können sich durch juckende Haut äußern.
Trockene juckende Haut
Eine häufige Ursache für juckende Hautstellen ist Trockenheit. Durch zu häufiges Waschen mit auslaugenden Seifen oder Schaumbädern kann eine normale Haut in eine dauerhaft trockene Haut übergehen. Ständiger Kontakt mit Reinigungsmitteln entzieht der Haut Fett und Feuchthaltefaktoren. In einigen Fällen kommt es zu trockenen Ekzemen. Auch eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit, wie sie z.B. in klimatisierten Räumen oder bei kaltem Winterwetter vorherrscht, trocknet die Haut aus. Trockene Haut beginnt häufig zu spannen und zu jucken.
Juckende Haut im Alter
Im Laufe des natürlichen Alterungsprozesses verliert die Haut zunehmend die Fähigkeit Feuchtigkeit zu speichern. Auch ist die Aktivität der Hautdrüsen vermindert. Die Talgdrüsen produzieren weniger Hauttalg, die Schweißdrüsen weniger Schweiß. Die Konsequenz ist trockene juckende Haut.
Juckende Hautstellen bei Schuppenflechte (Psoriasis)
Die Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche, schubweise verlaufende Erkrankung, bei der eine genetische Veranlagung vorliegt. Dabei werden vermehrt Zellen der obersten Hautschicht gebildet. Besonders an Ellenbogen, Knien und Haaransatz bilden sich silberweiße Schuppen mit oft juckenden Hautstellen.
Juckende Haut bei Nierenfunktions-Störungen
Bei etwa 40 Prozent der Patienten mit fortschreitender Niereninsuffizienz tritt juckende Haut begleitend auf. Eine mögliche Ursache ist die Anhäufung von Stoffwechselprodukten im Körper, die nicht mehr über die Nieren ausgeschieden werden können. Bei bis zu 50 Prozent der Dialysepatienten tritt regelmäßig nach den Blutwäschen stark juckende Haut am ganzen Körper auf. Begleitend auftretende trockene Haut verstärkt das Jucken zusätzlich.
Juckende Haut bei Ekzemen
Ekzem ist die Sammelbezeichnung für eine nicht ansteckende Entzündung der oberen Hautschicht, die meist mit juckender Haut einhergeht. Beim akuten Ekzem ist die Haut gerötet, geschwollen und es können sich Bläschen bilden, die später verkrusten. Es werden verschiedene Arten von Ekzemen unterschieden:
- Exsikkationsekzem (trockenes Ekzem): Das trockene Ekzem entsteht bei zu geringer Talgproduktion. Dadurch wird zu wenig Feuchtigkeit gebunden und die Haut trocknet aus. Ursache können klimatische Bedingungen z. B. trockene Luft im Winter oder übertriebene Körperhygiene sein. So kann häufiges Duschen oder Baden der Haut Fette und damit Feuchtigkeit entziehen und das Erscheinungsbild des trockenen Ekzems begünstigen. Oft sind auch nur die Hände betroffen. Durch zu häufiges Händewaschen mit warmem Wasser und nicht rückfettenden Seifen kann sich ein chronisches Handekzem entwickeln.
- Atopisches Ekzem (Neurodermitis): Bei Neurodermitis fehlen der Haut aufgrund einer erblichen Veranlagung natürliche Feuchthaltefaktoren und Hautfette. Auch ist die Zusammensetzung der Hautfette verändert. Dies führt zu einer gestörten Hautbarriere mit der Folge einer sehr trockenen juckenden Haut. Charakteristisch sind schuppende, juckende Hautstellen in Armbeugen und Kniekehlen.
Juckende Haut bei Diabetes
Etwa 20 - 40 Prozent aller Diabetiker berichten über eine juckende Haut. Diabetiker haben oft eine juckende trockene Haut, die zu Entzündungen neigt. Meist wird dies durch einen Flüssigkeitsverlust infolge hoher Blutzuckerwerte ausgelöst. Auch Nervenschädigungen, die durch Diabetes verursacht werden, können zu einer verminderten Talg- und Schweißproduktion führen - juckende trockene Haut ist die Folge.
Juckende Haut durch äußere Faktoren
Auch äußere Faktoren können juckende Haut verstärken: Trockene Raumlauft, Aufenthalt in klimatisierten Räumen mit niedriger Luftfeuchtigkeit, häufiges Waschen oder heißes Baden, Stress, Schwitzen, raue Kleidung, heiße Getränke und scharfes Essen.
Juckende Haut behandeln
Laut einer Studie der Universität Münster leiden in Deutschland rund 12 Prozent der jüngeren Bevölkerung bis 30 Jahre und etwa 20 Prozent der älteren Bevölkerung zwischen 61 und 70 Jahren unter chronisch juckender Haut. Über 90 Prozent nehmen keine Behandlung in Anspruch. Juckende Haut kann für die Betroffenen sehr belastend sein und die Lebensqualität stark einschränken. Vor allem nächtliche Juckreizattacken führen zu Schlafstörungen und Schlafentzug - Depressionen können eine Folge sein. Deshalb sollte eine Therapie rasch begonnen werden.
Tipps bei juckender Haut
- Bringen Sie Ihrer Haut Linderung, z. B. in Form von feuchten oder kühlenden Umschlägen. Achten Sie im Anschluss auf eine feuchtigkeitsspendende und rückfettende Hautpflege.
- Tragen Sie luftige Kleidung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle.
- Setzen Sie auf Entspannungsübungen. Autogenes Training oder Yoga können z. B. von Problemen ablenken. Üben Sie außerdem Alternativen zum Kratzen wie Drücken, Reiben oder leichtes Kneifen.
- Meiden Sie alles, was die Gesundheit der Haut beeinflussen kann. Hierzu zählen Stress, Alkohol und stark gewürzte Speisen.
- Achten Sie auf kühle Temperaturen im Schlafzimmer, da Wärme und starkes Schwitzen den Juckreiz fördern.
- Halten Sie Ihre Fingernägel kurz. Baumwollhandschuhe schützen vor unbewussten nächtlichen Kratzattacken.
- Meide Sie häufige Vollbäder und duschen Sie möglichst nur mit lauwarmem Wasser.
- Greifen Sie auf Reinigungsprodukte zurück, die die Haut nicht weiter austrocknen Verwenden Sie zudem regelmäßig eine Pflege zur Rückfettung der Haut.
- Führen Sie ein Juckreiz-Tagebuch in Vorbereitung für den Arztbesuch. Ihr Arzt erhält dadurch hilfreiche Informationen.
Chronisches Jucken: Ein interdisziplinäres Problem
Jucken wird aufgrund seiner vielfältigen Ursachen als „interdisziplinäres Symptom“ bezeichnet. Bei der Ursachensuche sollten verschiedene Fachdisziplinen zusammenarbeiten (Dermatologen, Internisten, Neurologen, Psychosomatiker, Radiologen, Anästhesisten, Schmerztherapeuten, eventuell Gynäkologen und Kinderärzte).
Chronisches Jucken führt zu ständigem Kratzen. Das (Auf-) Kratzen der Haut verursacht wiederum juckende, entzündliche Hautveränderungen und Jucken bei der Wundheilung, wodurch ein sogenannter Juck- Kratz-Teufelskreis entstehen kann. Einige Patienten entwickeln sogar Juckknötchen (sog. Prurigo), die ständig weiter jucken. Kratzen ist ein natürlicher Reflex und kann willentlich nur begrenzt unterdrückt werden. Der gute Rat „bitte nicht kratzen“ wird nur schwer oder gar nicht durchführbar sein. Um die Hautverletzungen, die vom Kratzen hervorgerufen wurden, zu reduzieren, kann versucht werden, das Kratzen tagsüber „umzuleiten“. Betroffene benutzen dazu kleine Kratzkissen, die Bettdecke oder das Sofa, um den Kratzreflex abzuarbeiten. Prinzipiell sollte versucht werden, die Haut bei Jucken zuerst mit kühlenden und lindernden Präparaten einzucremen statt zu kratzen. Andere Patienten profitieren von autogenem Training oder Akupunktur.
Psychosomatische Aspekte von Juckreiz
Jucken wird heute nicht mehr als rein organische Erkrankung angesehen. Auch andere Faktoren, wie eine chronische Stressbelastung, verursachen oder verstärken das Jucken. Das ständig vorhandene Jucken schränkt die Alltags- und Freizeitgestaltung ein, nicht selten bedeutet dies die starke Verminderung der Lebensqualität. Viele Patienten berichten von vermindertem Antrieb, Schlafstörungen, Einschränkung der Aktivitäten, Konzentrationsschwierigkeiten oder Gefühlen von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Andere ziehen sich völlig zurück und scheuen sich, mit ihrer Hauterkrankung am sozialen Leben teilzunehmen. Häufig folgen Konflikte in der Familie („Kratz doch nicht immer!“) oder Spannungssituationen im sozialen und beruflichen Umfeld, was die Erkrankung weiter verschlechtert. Das Bewältigungsvermögen jedes Patienten ist anders, nicht alle Betroffenen kommen mit so einer Situation allein zurecht. Daher ist bei chronischem Jucken oft eine psychosomatische Beratung sinnvoll.
Innovationen in der Pruritusforschung
Die Pruritusforschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Auch die forschende Industrie hat jetzt erstmals neue Substanzen entwickelt, die in äußerlicher oder innerlicher Form speziell gegen Pruritus wirken. Diese werden in Studien auf ihre genaue Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen überprüft.
Juckreiz ohne Ausschlag: Mögliche Ursachen
Pruritus kann den ganzen Körper betreffen und auch ohne sichtbare Zeichen an der Haut auftreten. Durch Kratzen ist es jedoch möglich, dass sich Hautveränderungen entwickeln. Sie kann sich an den betroffenen Stellen verdicken, vergröbern und weniger elastisch sein. Das kommt häufig bei Menschen vor, die aufgrund einer Erkrankung der Nerven an starkem Juckreiz leiden, bei einer psychischen Erkrankung, aber auch bei der Hauterkrankung Neurodermitis, die ebenfalls stark juckt.
Stressbedingter Juckreiz
Unser Körper reagiert auf Stress wie auf eine Gefahr. Er gibt Cortisol ab und aktiviert Entzündungsstoffe. Diese chemische Reaktion kann die Hautbarriere schwächen. Dadurch kann Stress Juckreiz auslösen.
Symptome von stressbedingtem Juckreiz:
- Prüfungsphasen: Der Druck, gute Leistungen zu erbringen, kann den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand versetzen.
- Wandernder Juckreiz: Der Juckreiz tritt nicht immer an derselben Stelle auf, sondern wechselt zwischen Armen, Beinen oder Rücken.
- Verstärkung in Ruhephasen: Besonders abends oder nachts, wenn der Körper zur Ruhe kommt, scheint der Juckreiz schlimmer zu werden.
- Kein sichtbarer Ausschlag: Oft juckt die Haut, ohne dass Rötungen oder Flecken sichtbar sind.
Tipps bei stressbedingtem Juckreiz:
- Kühlkompressen: Eiswürfel in eine Wickel einpacken und diese auf die betroffene Stelle wickeln.
- Feuchtigkeitsspendende Lotion mit Menthol: Menthol hat eine kühlende Wirkung und lenkt die Nerven von dem Juckreiz ab.
- Atemübung 4-7-8: 4 Sekunden einatmen, den Atem für 7 Sekunden halten und 8 Sekunden ausatmen.
- Abklopfen der Haut: Auf die juckende Stelle sanft mit einer weichen Bürste oder den Fingern klopfen.
- Wärmflasche auf den Bauch: Die Wärme hilft dem Vagusnerv.
- Achtsamkeitsmeditation: Regelmäßige Meditation hilft, den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen.
- "Digital Detox"-Zeiten festlegen: Zeit einräumen, wo das Handy auch mal weg bleibt.
- Omega-3-Fettsäuren: Diese finden Sie in Leinsamen, Walnüssen oder fettem Fisch.
Stressbedingter Juckreiz ist kein Einbildung - sondern eine echte körperliche Reaktion. Mit der richtigen Kombination aus Stressabbau, Hautpflege und Geduld kann man die Kontrolle zurückgewinnen.
Juckreiz in der Nacht
Warum ist Juckreiz oft nachts am schlimmsten, wenn man im Bett liegt und eigentlich schlafen will? Weil in der Nacht die Umgebungsreize fehlen. Man kann sich dann voll auf seinen Körper konzentrieren - und auf das Jucken. Vor allem Juckreiz am ganzen Körper ist nachts sehr unangenehm und lässt Betroffene kaum zur Ruhe kommen.
Lebensmittel und Juckreiz
Enthalten Lebensmittel viel Histamin, dann verstärken sie alle Arten von Juckreiz, die durch Histamin ausgelöst werden. Reichlich Histamin steckt zum Beispiel in Thunfisch, Lachs, Shrimps, Tomaten, Erdbeeren, Salami, Wein und Käse.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
In den meisten Fällen ist es nicht nötig, mit Juckreiz zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen - zum Beispiel, wenn er von einem Insektenstich herrührt oder von zu trockener Haut. Tritt der Juckreiz jedoch zusammen mit unerklärlichem Gewichtsverlust, starker Abgeschlagenheit, nächtlichen Schweißausbrüchen, Taubheit der Haut oder Kribbeln auf, ist das ein Alarmzeichen und ein Arztbesucht ratsam: Dann kann eine schwere Erkrankung dahinterstecken. Übermäßiger Durst oder eine Gelbverfärbung der Haut deuten ebenfalls auf behandlungsbedürftige Ursachen hin. Auch unerklärlicher Juckreiz am ganzen Körper, der nicht nach kurzer Zeit wieder vergeht, sollte ein Arzt untersuchen.