Jugend Migräne Kreislaufmittel Behandlung: Ein umfassender Leitfaden

Kopfschmerzen und Migräne sind bei Kindern und Jugendlichen ein häufiges Problem, das oft zu Arztbesuchen führt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Migräne bei Jugendlichen, basierend auf Expertenmeinungen und aktuellen Forschungsergebnissen.

Einführung

Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter sind ein weit verbreitetes Phänomen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont, dass dies einer der Hauptgründe ist, warum junge Menschen ärztliche Hilfe suchen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Kopfschmerzen und Migräne bei Jugendlichen und bietet umfassende Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten.

Arten von Kopfschmerzen

Die internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD 3) unterscheidet Hunderte von Kopfschmerzarten. Die bekanntesten sind Spannungskopfschmerzen und Migräne.

Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen zeichnen sich durch einen gleichmäßig drückenden Schmerz aus. Betroffene beschreiben das Gefühl oft als "einen zu engen Hut auf dem Kopf" oder als ob der Kopf in einem Schraubstock eingespannt sei. Die Schmerzen können in Dauer und Intensität variieren und werden nicht durch körperliche Aktivität verstärkt. Ein Spaziergang kann sogar eine positive Wirkung haben.

Migräne

Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen verschlimmern sich Migräneschmerzen durch Bewegung. Sie sind oft heftig, pulsierend oder einseitig. Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit sind charakteristisch und ähneln den Symptomen einer Hirnhautentzündung. Betroffene fühlen sich oft richtig krank. Eine Migräne hat ein klares zeitliches Muster und dauert in der Regel zwischen vier Stunden und drei Tagen. Viele Patienten spüren den Beginn einer Migräne durch Heißhunger auf Süßes, Müdigkeit oder eine besonders aufgedrehte Stimmung. Etwa 20 Prozent der Betroffenen erleben neurologische Störungen wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle zu Beginn einer Attacke.

Lesen Sie auch: Neurologische Probleme in der Pädiatrie

Ursachen von Kopfschmerzen

Kopfschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Bei sekundären Kopfschmerzen werden sie durch andere Erkrankungen wie Entzündungen, Bluthochdruck oder Augenkrankheiten ausgelöst. In diesem Fall steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei primären Kopfschmerzen liegen keine organischen Ursachen im Gehirn oder Kopf vor. Die Diagnose erfolgt hier ausschließlich anhand der Beschreibung der Symptome. Kopfschmerzen sind auch mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomografie (MRT) nicht sichtbar.

Genetische Veranlagung

Bei Migräne spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle, die jedoch nicht bestimmt, ob oder wie schwer die Migräne auftritt. Innere und äußere Stressfaktoren können als Auslöser wirken.

Auslöser

Störungen im Biorhythmus, wie Schlafmangel oder Hormonschwankungen, können ebenso Kopfschmerzen und Migräne auslösen wie Stress am Arbeitsplatz oder im Alltag, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder zu wenig Sport.

Kopfschmerzen bei Kindern

Schon Kleinkinder können Kopfschmerzen haben, wobei die Kommunikation der Jüngsten naturgemäß erschwert ist. Migräne tritt häufig erst im Jugendalter auf, aber auch Kinder können schon darunter leiden. Bei Kleinkindern äußert sich Migräne mitunter ohne Kopfschmerzen, sondern durch Übelkeit oder Schwindel. Die Kinder fühlen sich für einige Stunden krank, ohne dass ein Virus die Ursache ist, und erholen sich dann schnell wieder. Generell nehmen Kopfschmerzerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu. Studien zeigen, dass etwa 75 Prozent der 15- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen haben.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Eltern sollten ihr Kind bei akuten und besonders starken Schmerzen oder bei wiederholtem Auftreten von Kopfschmerzen einem Arzt vorstellen. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Kinderarzt, der organische Ursachen wie Sehfehler, Eisenmangel oder Zähneknirschen ausschließen kann. Bei Bedarf kann der Kinderarzt an einen Facharzt wie einen Schmerztherapeuten überweisen.

Lesen Sie auch: Alkoholbedingte Hirnschäden bei Jugendlichen

Behandlung von Migräne bei Jugendlichen

Die Behandlung von Migräne bei Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich von der bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, Migräne bei Kindern zunächst mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern oft wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Wenn die Beschwerden nicht ausreichend gelindert werden können oder das Kind starke Schmerzen hat, können Medikamente eingesetzt werden, wobei andere Arzneimittel als bei Erwachsenen zum Einsatz kommen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson oder autogenes Training sind oft hilfreich. Die Kinder lernen, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen.
  • Physikalische Therapie: Wärmeanwendungen, Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur können starke Kopfschmerzen lindern.
  • Biofeedback: Das Biofeedback ist besonders wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut werden Körperfunktionen gemessen und durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen, diese Funktionen gezielt zu beeinflussen.

Hausmittel

Bei einem akuten Migräneanfall ist Ruhe wichtig. Ein wohltemperierter und abgedunkelter Raum, ausreichend Wasser und einige Stunden Schlaf können helfen. Ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl können ebenfalls Linderung verschaffen. Pfefferminzöl sollte bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden. Wenn die Beschwerden anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht die erste Wahl. Medikamente dienen eher als Reservemaßnahme, wenn andere Methoden nicht erfolgreich sind. Werden Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräneattacken manchmal noch stoppen.

  • Migräne-Medikamente bei Kindern unter 12 Jahren: Bei einem akuten Migräneanfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol.
  • Migräne-Medikamente bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren: Kinder ab zwölf Jahren dürfen nach ärztlicher Untersuchung Schmerzmittel wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) einnehmen. Das verschreibungspflichtige Antiemetikum Domperidon kann Übelkeit bekämpfen und die Wirkung von Schmerzmitteln verstärken. Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Viele Medikamente gegen Migräne, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern unter Umständen schwere Schäden anrichten. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kann in Betracht gezogen werden, wenn ein Kind mehr als dreimal im Monat unter Migräne leidet, Schmerz- oder Migränemittel nur unzureichend helfen oder Schmerztabletten und andere Arzneimittel gegen Migräne ständige Begleiter sind. Wichtig ist, dass man nicht zu schnell zu viel von sich, seinem Körper und der Wirksamkeit der Medikamente erwartet. Ob eine medikamentöse Vorbeugung bei Migräne wirksam ist oder nicht, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen.

Lesen Sie auch: Psychotherapeuten spezialisiert auf ADS

Übersicht über Prophylaktika:

  • Antidepressiva
  • Betablocker
  • Antikonvulsiva (Antiepileptika)
  • Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker)
  • CGRP-Antikörper (migränespezifische Prophylaxe)

Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe

Neben der medikamentösen Migräneprophylaxe ist die nicht-medikamentöse Vorbeugung ein wichtiger Baustein.

  • Akupunktur: Die Häufigkeit von Migräneattacken kann nach einer Akupunktur oftmals abnehmen. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann.
  • Biofeedback-Therapie: Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen.
  • Migräne-Piercing: Es besteht die Annahme, ein sogenanntes Migräne-Piercing am Ohrknorpel könne nach dem Prinzip der Akupunktur Migräne-Attacken vorbeugen. Bisher gibt es hierzu jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege.
  • Progressive Muskelentspannung: Menschen erlernen dabei, die wichtigsten Muskeln ihres Körpers kontrolliert anzuspannen und daraufhin wieder zu entspannen.
  • Autogenes Training: Das autogene Training ist ein bewährtes Entspannungsverfahren, welches Betroffene auch vorbeugend für Migräne-Attacken einsetzen können.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Psychologische Faktoren wie Stress spielen bei herkömmlichen Kopfschmerzen eine wesentliche Rolle. Stress zählt zu den häufigsten Auslösern einer Attacke und kann deren Häufigkeit steigern.

Weitere Tipps zur Migräneprophylaxe

  • Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren (mindestens dreimal wöchentlich)
  • Stress reduzieren
  • Regelmäßige Pausen im hektischen Alltag
  • Genügend Schlaf
  • Gegebenenfalls zusätzlich vorhandene psychische Erkrankungen nicht ignorieren, sondern eine Behandlung in Anspruch nehmen
  • Schulungen und Aufklärung über Migräne
  • Vermeiden individuell unterschiedlicher Migräne-Auslöser (sogenannte Trigger)

Symptome von Migräne bei Jugendlichen

Plötzliche Kopfschmerzattacken, die wiederholt auftreten oder längere Zeit anhalten, sind das häufigste Symptom bei Kindern mit Migräne. Manchmal äußert sich der Kopfschmerz auch als starker Druck am Kopf. Je jünger das Kind ist, desto eher sind die Kopfschmerzen beidseitig (bilateral). Am häufigsten tritt der Schmerz an der Stirn, den Schläfen und im Augenbereich auf. Schmerzen im hinteren Bereich des Kopfes sind für eine Migräne bei Kindern eher untypisch. Im Gegensatz zu Erwachsenen kommt es bei Kindern auch oft zu Migräne ohne Kopfschmerzen oder die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Dafür kommen Übelkeit und Erbrechen bei Kindern deutlich stärker und häufiger vor.

Manche Kinder mit Migräne zeigen zusätzlich oder ausschließlich andere Symptome:

  • Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
  • Erhöhte Temperatur oder Fieber
  • Bauchschmerzen (sogenannte „Bauchmigräne“ oder abdominelle Migräne)
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen
  • Vermehrter Harndrang
  • Durst
  • Herzrasen

Migräne-Attacken mit Aura

Manche Kinder haben auch neurologische Beschwerden - die sogenannte „Aura“. Typische Anzeichen sind zum Beispiel optische Halluzinationen wie bunte Farben und seltsame Formen, die das Kind wahrnimmt. Auch Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster treten auf.

Wie lange hält eine Migräne-Attacke bei Kindern an?

In den meisten Fällen ist ein Migräne-Anfall bei Kindern nach zwei bis sechs Stunden vorüber. Die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Gelegentlich kann eine Migräne bei Kindern jedoch auch bis zu 48 Stunden andauern. Auch die Symptome einer Aura sind bei Kindern nur vorübergehend und kündigen die Kopfschmerzen der Migräne in der Regel an. Die Aura-Wahrnehmungen lassen meist schnell nach und halten etwa eine halbe bis eine Stunde lang an. Bleibende neurologische Schäden sind nicht zu befürchten.

Wie erkennt man Migräne bei Kindern?

Gerade kleine Kinder können ihre Empfindungen und Körpersignale noch nicht genau deuten und sich nicht richtig ausdrücken. Achten Sie deshalb darauf, ob sich Ihr Kind anders verhält als sonst. Viele Kinder hören beispielsweise auf zu spielen, sind blass oder rot im Gesicht oder möchten sich gerne hinlegen und schlafen. Andere Kinder werden unruhig und reizbar. Manche klagen über Bauchweh oder kneifen die Augen bei hellem Licht zusammen. Schulkinder haben zudem oft plötzlich Probleme, sich zu konzentrieren und ihre Hausaufgaben zu machen. Auch bei Kopfschmerzen, die das Kind nachts wecken, sollten Sie an Migräne denken.

Ursachen von Migräne bei Kindern

Bislang ist noch nicht vollständig geklärt, was eine Migräne bei Kindern auslöst. Man vermutet jedoch, dass Migräne erblich bedingt ist, da sie in vielen Familien gehäuft auftritt. Auch scheinen gewisse Trigger-Faktoren (Auslöser) Migräne-Attacken bei Kindern zu begünstigen.

  • Niedriger Blutzucker und Flüssigkeitsmangel: Strengen sich Kinder körperlich zu stark an, reagieren sie häufig mit Kopfschmerzen darauf. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel.
  • Unregelmäßiger Schlaf: Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf führt unter Umständen zu einem Migräne-Anfall.
  • Stress: Psychische Belastungen und Stress können ebenfalls Migräne bei Kindern auslösen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Reizüberflutung durch elektronische Geräte wie Computer, Smartphone oder Fernseher.
  • Wetter: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus.
  • Lärm und Licht: Insbesondere Lärm und Lichtveränderungen können einen Migräne-Anfall bei Kindern verursachen.
  • Chemische Reizstoffe: Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe wie Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe, Parfums und Deodorants oder Wohngifte.
  • Nahrungsmittel: Auch bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht, Migräne auszulösen.

Diagnose von Migräne bei Kindern

Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen. Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben den genannten Behandlungen gibt es auch alternative Ansätze, die bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt werden können. Homöopathische Arzneimittel wie Cefamig® können bei akuten und wiederkehrenden Kopfschmerzen und Migräneanfällen eingesetzt werden. Es ist jedoch wichtig, bei anhaltenden und unklaren Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Leben mit Migräne: Tipps für den Alltag

Ein routinierter Tagesablauf kann helfen, Migräne in den Griff zu bekommen. Dazu gehören:

  • Tagebuch führen: Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, herauszufinden, was die Attacken auslöst.
  • Freizeit: Versuchen, sich nicht mit zu vielen Hobbys und außerschulischen Verpflichtungen unter Stress zu setzen.
  • Entspannung: Entspannungsübungen und regelmäßige Pausen helfen.
  • Bewegung: Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können einen positiven Einfluss auf die Migräne haben.
  • Ernährung: Das Auslassen von Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel können eine Migräne begünstigen.

tags: #jugend #migrane #kreislaufmittel