Junge Hirntumor: Symptome, Diagnose und Behandlung

Ein Hirntumor ist eine Geschwulst im Kopf, die entsteht, wenn sich Zellen im Gehirn unkontrolliert vermehren. Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems, das heißt an Tumoren des Gehirns oder des Rückenmarks. Bei Kindern sind Hirntumore die zweithäufigste Krebsart.

Was ist ein Hirntumor?

Ein Hirntumor entsteht entweder primär aus unterschiedlichen Zellen des zentralen Nervensystems (ZNS) oder sekundär als Hirnmetastase, also als Absiedelung von Tumoren außerhalb des ZNS.

Primäre Hirntumoren

Zu den primären Hirntumoren zählen u.a.:

  • Gliome, die im Hirngewebe selbst oder in den Liquorräumen des Gehirns wachsen (Astrozytome, Oligodendrogliome, Glioblastome; neuronale und neuronal-gliale Tumore; Ependymome)
  • Meningeome, die aus den das Gehirn umhüllenden Hirnhäuten entstehen
  • Schwannome, die von den Hirnnerven ausgehen (s. Akustikusneurinom)

Meningeome stellen etwa ein Drittel und damit die häufigsten aller primären Hirntumore dar. Die Inzidenz (jährliche Neuerkrankungsrate) steigt mit dem Alter an, so dass v.a. Patienten jenseits des 65. Gliome sind in ihrer Gesamtheit etwas seltener als Meningeome und weisen je nach Malignitätsgrad eine typische Altersverteilung auf: Während niedriggradige Gliome eine Erkrankung jüngerer Erwachsener sind (3. bis 5. Lebensdekade), liegt das mittlere Erkrankungsalter von höhergradigen Gliomen bei 64 Jahren.

Hirntumore werden aufgrund ihrer feingeweblichen (histologischen) und molekularen Eigenschaften und ihres Wachstumsverhaltens entsprechend der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation („WHO Classification of Tumours of the Central Nervous System“) in bis zu vier verschiedene Schweregrade eingeteilt. Etwa zwei Drittel aller Hirntumore sind gutartig, d. h. sie wachsen langsam und sind bei vielen Tumorentitäten auch vom umliegenden Hirngewebe abzugrenzen.

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Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen)

Krebserkrankungen anderer Organe können auch im Gehirn Tochtergeschwülste bilden (Gehirnmetastasen). Diese Metastasen im Kopf sind im Erwachsenenalter häufiger als primäre Tumoren des Gehirns. Ein Verdacht auf Gehirnmetastasen entsteht insbesondere dann, wenn:

  • mehrere Tumorherde in verschiedenen Gehirnanteilen nachweisbar sind oder
  • bei einem Betroffenen bereits eine Krebserkrankung in einem anderen Organ festgestellt wurde.

Manche Krebsarten neigen besonders dazu, Metastasen im Kopf zu bilden.

Symptome von Hirntumoren

Welche Beschwerden eine Patientin oder ein Patient mit Gehirntumor hat, hängt von der Größe und Lage des Tumors ab. Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:

  • Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
  • Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
  • Bewusstseins-/Konzentrations-/Koordinationsstörungen
  • Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
  • Taubheitsgefühl/Lähmung
  • Schwindel
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
  • Hormonale Störungen

Kopfschmerzen können - müssen aber nicht - ein Hinweis auf einen Hirntumor sein. Es gibt auch Tumorerkrankungen im Gehirn, bei denen keine Kopfschmerzen auftreten.

Kopfschmerzen als Symptom

Das häufigste Erstsymptom bei Hirntumoren sind Kopfschmerzen. Etwa die Hälfte aller Betroffenen mit einem Tumor im Kopf klagt bei Diagnosestellung darüber. Da jeder Mensch gelegentlich Kopfschmerzen hat, ist es hilfreich, einige Besonderheiten der Kopfschmerzen zu kennen, die bei Hirntumoren auftreten. Sie sind Folge des erhöhten Drucks im Schädelinneren, da das Gehirn dem wachsenden Tumor im knöchernen Schädel nur wenig ausweichen kann.

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Typischerweise treten diese Kopfschmerzen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich zunächst im Lauf des Tages. Das liegt daran, dass während der Nacht mehr Blut im Gehirn ist und dessen Volumen schon dadurch vergrößert ist. Im Laufe des Tages, wenn wieder weniger Blut im Gehirn ist, nimmt entsprechend das Gehirnvolumen wieder ab. Die Kopfschmerzen können - ebenfalls in den frühen Morgenstunden - von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein.

Kopfschmerzen als Folge eines Gehirntumors werden im Verlauf von wenigen Tagen bis Wochen immer stärker. Sie lassen sich durch normale Schmerzmittel nur kurz oder gar nicht beeinflussen und nehmen zu, wenn der Betroffene liegt.

Epileptische Anfälle als Symptom

Etwa 20 Prozent der von einem Gehirntumor Betroffenen erleiden ohne Vorwarnung, das heißt aus völligem Wohlbefinden heraus, epileptische Anfälle. Dabei kann es sich um fokale Anfälle oder um generalisierte Anfälle handeln:

  • Fokale Anfälle gehen von einer bestimmten Hirnregion aus - gewöhnlich, weil der wachsende Hirntumor diese reizt.
  • Bei generalisierten Anfällen sind mehrere Hirnregionen und schließlich das gesamte Großhirn beteiligt.

Die Anfälle äußern sich beispielsweise durch unwillkürliche Zuckungen von Armen, Beinen oder einer ganzen Körperhälfte. Sie enden gewöhnlich nach wenigen Minuten, können sich im ungünstigen Fall aber auf den gesamten Körper ausbreiten und schließlich zur Bewusstlosigkeit (Grand Mal-Anfall) führen. Die Gefahr, dass der Betroffene sich hierbei verletzt, ist sehr groß.

Weitere unspezifische Symptome

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann ein Gehirntumor uncharakteristische Beschwerden auslösen. So können Tumoren im Stirnlappen des Gehirns zu Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensstörungen und Änderungen im Antrieb führen. Schon vorhandene Persönlichkeitsmerkmale können sich verstärken oder abnehmen.

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Diagnose von Hirntumoren

Wenn bei Ihnen Hirntumor-Symptome vorliegen, ist zunächst eine fachärztliche Untersuchung nötig. Schon Ihre Krankengeschichte kann oft wichtige Informationen geben, die den Neurologen zur Diagnose Gehirntumor führen können. Die körperliche Untersuchung gibt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Hinweise darauf, dass eine Erkrankung des Gehirns vorliegt.

Anamnese

Im Rahmen der Diagnose eines Hirntumors wird Ihr Arzt in einem ausführlichen Gespräch nach Ihren aktuellen Beschwerden fragen und wie lange Sie diese schon haben. Er wird sich auch danach erkundigen, welche Krankheiten Sie früher bereits hatten und welche Sie vielleicht gerade haben. Denken Sie daran, dass Sie Ihrem Arzt sagen, welche Medikamente Sie einnehmen, auch ergänzende Mittel, die Ihnen kein Arzt verordnet hat (zum Beispiel Johanniskraut, Ginkgopräparate oder grüner Tee). Denn auch diese Substanzen können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.

Bildgebende Verfahren

Zur weiteren Diagnostik stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung:

  • Computertomographie (CT): Eine spezielle Röntgenuntersuchung, die den Körper im Querschnitt zeigt und darüber informiert, wo der Tumor sich befindet und wie groß er ist.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Das Untersuchungsverfahren der Wahl zum Nachweis und zur Darstellung eines Hirntumors. Diese hat im letzten Jahrzehnt die Computertomographie in der Diagnostik von Hirntumoren verdrängt, da sie Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar macht als die Computertomographie. Sie wird selbst dann durchgeführt wenn die Computertomographie trotz entsprechenden Verdachts keinen auffälligen Befund erbracht hat.
  • Positronenemissionstomographie (PET): Ein bildgebendes Verfahren, das die Stoffwechselaktivität der Zellen sichtbar macht. Mit der PET lassen sich beispielsweise Gewebe mit besonders aktivem Stoffwechsel von solchen mit weniger aktiven Zellen unterscheiden. Da Krebszellen schnell wachsen, benötigen sie meist viel Energie. Sie nehmen zum Beispiel Traubenzucker oder Sauerstoff oft viel rascher auf als gesundes Gewebe.

Liquoruntersuchung

In manchen Fällen ist bei Verdacht auf einen Gehirntumor eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erforderlich. Bei einigen Hirntumoren (etwa dem Medulloblastom) können sich Tumorzellen ablösen und über den Liquorraum im Rückenmarkkanal verteilen. Bei der Liquorpunktion oder Lumbalpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule der Rückenmarkkanal mit einer feinen Nadel zwischen zwei Lendenwirbelkörpern punktiert. Der Neuropathologe untersucht dann das entnommene Nervenwasser unter dem Mikroskop auf Tumorzellen.

Biopsie

Besteht auch nach der MRT ein Tumorverdacht, bekommt die Patientin oder der Patient in der Regel während einer Operation aus dem verdächtigen Bereich im Gehirn Gewebe entnommen (Biopsie). Das ist notwendig, um die Diagnose abzusichern. Nach der Biopsie untersucht eine Fachärztin oder ein Facharzt die Gewebeproben unter einem Mikroskop. Dadurch lässt sich der Tumortyp und ebenfalls mögliche Erbgutveränderungen mit molekularbiologischen Tests feststellen.

Therapie von Hirntumoren

Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich.

Welche Behandlung bei dir infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehören neben den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit) auch seine Lage sowie dein Alter, dein Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen. Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren: Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Es können aber auch zielgerichtete Medikamente zum Einsatz kommen oder du kannst an einer klinischen Studie teilnehmen.

Operation

Eine Operation ist meist der erste Behandlungsschritt. Sie hat das Ziel, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine umliegenden Hirnregionen beschädigt werden, damit es nicht zu neurologischen Beeinträchtigungen kommt. Deswegen werden Hirnoperationen nicht immer unter Vollnarkose durchgeführt. So kann während der Operation z. B.

Für die allermeisten Hirntumor-Entitäten konnte allerdings in zahlreichen Studien gezeigt werden, dass eine weitestgehende oder vollständige Entfernung des Tumors entweder zur Heilung oder zumindest zu einer Verlängerung der Lebenserwartung führt. Daneben führt eine Entfernung oder Verkleinerung des Hirntumors zur Verbesserung neurologischer Ausfallserscheinungen und Reduktion von epileptischen Anfällen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist nach der Operation die zweitwichtigste Therapiemöglichkeit bei Tumoren des ZNS. Die Strahlentherapie ist eine lokale Therapie. Das bedeutet, dass sie zielgenau auf die vom Tumor betroffenen Regionen wirken kann und so weniger Schaden bei gesunden Zellen und somit weniger Nebenwirkungen verursacht. Dabei werden hochenergetische Röntgenstrahlen verwendet, die auch in tiefere Regionen vordringen können. Die Strahlen schädigen das Erbgut der Tumorzellen und verhindern so das weitere Wachstum.

Chemotherapie

Auch bei einer Chemotherapie schädigen die Medikamente das Erbgut der Tumorzellen oder stören ihren Stoffwechsel. Da Zytostatika jedoch im ganzen Körper (systemisch) wirken, beeinträchtigen sie auch sich schnell teilende gesunde Zellen. Deswegen kommt es zu mehr Nebenwirkungen als bei einer Strahlentherapie.

Da Zytostatika meist per Infusion in die Vene verabreicht werden, verteilen sie sich über das Blut im Körper. Hier kommt es zu einer Herausforderung bei Hirntumoren: Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke vor schädlichen Substanzen geschützt. Nur wenige Medikamente, darunter auch einige Zytostatika, können diese Barriere überwinden. Vereinfachend kommt hinzu, dass die Blut-Hirn-Schranke bei bösartigen Tumoren häufig nicht mehr intakt ist.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist. Es müssen allerdings bestimmte Eigenschaften beim Tumor vorliegen, gegen die sich eine zielgerichtete Therapie richten kann. So können beispielweise BRAF/MEK-Hemmer bei einer BRAF V600-Mutation angewendet werden.

Klinische Studien

Zeigt keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg oder ist eine Mutation vorhanden, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.

Supportive Therapie

Der Gehirntumor selbst oder Nebenwirkungen einer Therapie können Beschwerden auslösen. Ziel einer supportiven Therapie ist es, solche Beschwerden zu lindern. Sie kann Beschwerden, die durch die Krebserkrankung selbst und/oder die Behandlung entstehen, lindern oder vorbeugen.

Nachsorge bei Hirntumoren

Für eine Patientin oder einen Patienten mit Hirntumor stehen auch nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation weiterhin regelmäßige Untersuchungstermine an. Diese fortlaufende Betreuung wird als Nachsorge oder Verlaufskontrolle bezeichnet. Treten zwischen den Terminen Beschwerden auf, sollte man auf jeden Fall schon früher zum Arzt gehen.

Ziele der Nachsorgeuntersuchungen und Verlaufskontrollen:

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen helfen dabei, einen Rückfall der Krebserkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Die Untersuchungen dienen auch zur Tumorkontrolle - sowohl bei Betroffenen ohne als auch mit vorhandenem Resttumor: Wächst der Tumor wieder, müssen Betroffene und die behandelnden Ärzte über eine erneute Krebstherapie entscheiden. Das hängt unter anderem davon ab, wie schnell ein Tumor wächst, wie groß er ist und welche Symptome er macht.
  • Beschwerden durch den Hirntumor oder aufgrund der Therapie können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das kann die Lebensqualität einer Patientin oder eines Patienten verbessern und sie bestmöglich erhalten.
  • Betroffene können bei einem Nachsorgetermin auch seelische und soziale Probleme ansprechen. Die behandelnden Ärzte vermitteln bei Bedarf Fachleute für eine psychosoziale und psychoonkologische Unterstützung.

So läuft eine Nachsorgeuntersuchung ab: Zunächst fragt die behandelnde Ärztin oder der Arzt nach vorhandenen Beschwerden. Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei prüfen Ärzte unter anderem die Muskelreflexe, die Muskelkraft und die Koordination. Patienten müssen dabei zum Beispiel die Stirn runzeln oder bekommen Licht in ihre Augen geleuchtet. Zur Nachsorge gehören für eine Patientin oder einen Patienten auch regelmäßige Untersuchungen mit der Magnetresonanztomographie (MRT).

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