Kaffee und Nervenschmerzen: Wirkung und Überlegungen bei Polyneuropathie

Viele Patienten mit Polyneuropathie beschäftigen sich mit der Frage, ob Kaffee schädlich sein könnte. Angesichts der Tatsache, dass diese Krankheit die Lebensqualität oft erheblich beeinträchtigt, ist die Verunsicherung groß. Dieser Artikel fasst die Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Kaffee und Polyneuropathie zusammen, um offene Fragen zu klären.

Was ist Polyneuropathie?

Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die das periphere Nervensystem betrifft. Die meisten Menschen leiden an Schmerzen, Taubheit und Missempfindungen in Füßen und Händen. In den meisten Fällen bestehen die Nervenschäden bei Polyneuropathie jedoch nicht vorrangig im vegetativen Nervensystem.

Kaffee und das Nervensystem

Kaffee beeinflusst das vegetative Nervensystem und wirkt daher anregend. Das im Kaffee enthaltene Koffein wird innerhalb von maximal 45 Minuten vom Körper aufgenommen. Danach erfolgt je nach genetischer Veranlagung eine unterschiedlich schnelle Metabolisierung des Koffeins. Der Zeitraum der Halbwertszeit von Koffein variiert erheblich, das heißt, nach etwa zweieinhalb bis fünf Stunden ist die Hälfte des konsumierten Koffeins abgebaut. Das CYP1A2-Gen, das umgangssprachlich als „Koffein-Gen“ bezeichnet wird, entscheidet darüber, welchem Metabolisierungstyp Sie angehören. Es existieren zwei Varianten - die "schnelle" und die "langsame". Personen mit zwei Kopien der "schnellen" Variante gelten als schnelle Koffeinverarbeiter, während diejenigen mit einer oder zwei Kopien der "langsamen" Variante als langsame Verstoffwechsler gelten.

Koffein bindet im Gehirn an die Adenosin-Rezeptoren und blockiert diese. Dadurch wird die Information „müde“ nicht mehr vermittelt und Sie bleiben länger wach. Koffein wird dabei in verschiedenen Hirnregionen wirksam, z. B. im Thalamus, der Region im Hirn, die die Bereitschaft, Informationen aufzunehmen, beeinflusst sowie den Schlaf reguliert. Koffein wirkt auch im Hippocampus, der Region im Hirn, wo Gelerntes aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übergeht, und im Neokortex der Großhirnrinde. In der Großhirnrinde werden Inhalte aus verschiedenen Hirnregionen zusammengeführt und z. B. neue Sinneseindrücke gespeichert oder in das bestehende Gedächtnis integriert. Forscher gehen davon aus, dass Koffein gerade in diesen Arealen die Aufmerksamkeit und kognitive Leistungsfähigkeit steigern kann.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Kaffee und Polyneuropathie

Bisher gibt es kaum Studien am Menschen, die die Wirkung von Kaffee bei Polyneuropathie direkt untersuchen. Bei der Suche nach Informationen findet man zunächst kaum etwas. Um verlässliche Informationen zu finden, kann man nach wissenschaftlichen Studien suchen. In solchen Fällen ist die beste Adresse "Pubmed", die wichtigste Datenbank für medizinische Studien. Wenn es Beweise für medizinisch relevante Wirkungen von Genussmitteln gibt, dann lassen sie sich hier ziemlich sicher finden.

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Das Einzige, was gefunden wurde, sind zwei Studien mit Mäusen, die an Diabetes litten. Durch den Diabetes wurden bei diesen Mäusen Schäden an den Gehörnerven ausgelöst (sie litten an Auditorischer Neuropathie). Wenn die Tiere Kaffee bekamen, schützte das die Gehörnerven. Die Nerven funktionierten besser und konnten besser Signale verarbeiten. Die Mäuse konnten also besser hören, denn die Nerven funktionierten besser, wenn sie Kaffee bekamen.

Auswirkungen von Kaffee auf Diabetes und Polyneuropathie

Regelmäßiger Kaffeekonsum kann bei Diabetes sogar helfen. Durch Kaffeekonsum wird die Gefahr, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, reduziert. Regelmäßiger Konsum scheint den Langzeitblutzucker HbA1c um maximal 0,5 senken zu können. Auch die Gefahr, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu erleiden, scheint durch Kaffee bei Diabetikern etwas gesenkt zu werden.

Daher gibt es keinen Grund zur Annahme, dass Kaffee bei Diabetischer Polyneuropathie schaden könnte. Wenn Ihre Polyneuropathie also durch Diabetes ausgelöst wurde und Sie gerne Kaffee trinken, dann machen Sie ruhig weiter damit. Sie werden sich damit eher etwas Gutes tun als sich schaden.

Vitamine und Kaffee

Kaffee enthält Niacin (Vitamin B3) und fördert die Aufnahme von Vitamin B12. Ein Mangel an B-Vitaminen kann ebenfalls eine Polyneuropathie auslösen, weshalb ein Mangel an B-Vitaminen dringend vermieden und entsprechend viele B-Vitamine in der Ernährung enthalten sein sollten. Gleichzeitig scheint der Kaffee aber zu einem Verlust an Vitamin B1 zu führen. Diese Wirkung ist jedoch nicht so groß, dass man deshalb auf den Kaffee verzichten müsste, insbesondere wenn man ansonsten auf die Ernährung achtet.

Allgemein ist zu sagen, dass das Potenzial für die Heilung der Polyneuropathie begrenzt ist, wenn sie nicht durch einen Vitaminmangel verursacht wurde. Wenn man an Nervenschäden leidet, die durch einen Mangel an Vitaminen ausgelöst wurden, macht es natürlich durchaus Sinn, viele dieser Vitamine zu sich zu nehmen. Das heißt, eine normale Versorgung mit Vitaminen aller Art genügt. Wenn Sie keinen Mangel an Vitaminen haben, wird es auch nichts nutzen, Vitaminpillen zu nehmen, oder auf eine Ernährung mit vielen dieser Vitamine zu achten.

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Kaffee und mentale Gesundheit

Regelmäßiges Kaffeetrinken kann Ihnen dabei helfen, psychisch gesund zu sein und zu bleiben, was wichtig für Ihre Lebensqualität, Ihre Leistungsfähigkeit und Ihre soziale Teilhabe ist. Forscher haben herausgefunden, dass bereits eine Tasse Kaffee am Tag die Aufmerksamkeit, die Zufriedenheit und die Stimmung erhöht. Bei gesunden Personen scheint Kaffee, aber insbesondere Koffein, das Risiko, an einer Depression zu erkranken, zu verringern.

Mögliche negative Auswirkungen von Kaffee

Es gibt jedoch auch mögliche negative Auswirkungen von Kaffee, die berücksichtigt werden sollten:

  • Angstzustände und Panikattacken: Studien zeigen, dass Personen mit bestimmten genetischen Eigenschaften nach Koffeinverzehr Angstsymptome und Panikstörung entwickeln können.
  • Kopfschmerzen: Das im Kaffee enthaltene Koffein kann unter bestimmten Umständen Kopfschmerzen auslösen. So entsteht beispielsweise durch häufigen Konsum eine Gewöhnung an das Koffein, die zu Kopfschmerzen führt, wenn man das Koffein wieder weglässt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass durch hohen Koffeinkonsum die Urinausscheidung erhöht wird und das zu einem Wassermangel im Körper führt.
  • Schlafstörungen: Ein akuter oder chronischer Schlafentzug erhöht möglicherweise die Schmerz­empfindlichkeit.

Kaffee und Gelenke

Jüngste Studien zeigen angeblich, dass Kaffee negative Folgen für Ihre Gelenke haben kann und sogar rheumatoide Arthritis und Arthrose begünstigt. In aktuellen Studien beschäftigen sich Experten insbesondere mit dem Konsum von Kaffee und der Entstehung von Arthrose und rheumatoider Arthritis. Beobachtet wurde, wie sich bei Probanden der Rheumafaktor durch einen regelmäßigen Konsum von Kaffee veränderte. Der Rheumafaktor, abgekürzt RF, ist einer von vielen Indikatoren für die Diagnose von Rheuma. Es ist zwar durchaus möglich, dass ein hoher Koffeinkonsum den Rheumafaktor beeinflusst, aber andere Einflüsse wie Bewegung, die allgemeine Ernährung der Probanden, das Trinken von Alkohol oder andere Stressoren wurden während der Untersuchung nicht berücksichtigt.

Alternativen zu Kaffee

Wenn Sie Bedenken hinsichtlich des Koffeingehalts haben, können Sie auf entkoffeinierten Kaffee umsteigen. Entkoffeinierter Kaffee beinhaltet wie koffeinhaltiger Kaffee die Diterpene Cafestol und Kahweol, EHT (Eicosanoyl-5-hydroxytryptamid), ein bestimmtes Tryptamin sowie Phenylindane, die durch die Wärme-Einwirkung im Röstprozess von dunklem Kaffee entstehen. Entkoffeiniertem grünen Kaffee wird die Wirksamkeit auf die Ankurbelung des Energiestoffwechsels im Gehirn zugeschrieben.

Andere Alternativen sind:

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  • Grüner Tee: Er ist im Gegensatz zum Schwarzen Tee nicht fermentiert und enthält daher noch biologisch wirksame Substanzen. Die antioxidative Aktivität ist bei Grünem Tee höher als bei fermentiertem Tee.
  • Kräutertee: Sie können davon so viel trinken, wie Sie mögen.
  • Matcha: Matcha enthält zwar auch Koffein, sogar mehr als Kaffee, dieses wirkt jedoch trotz seiner anregenden Effekte ganz anders in Ihrem Organismus.

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