Sumatriptan: Wirksamkeit bei Migräne und die Bedeutung der richtigen Anwendung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der etwa 12 bis 16 % der Bevölkerung betroffen sind. Frauen sind dabei zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Behandlung von Migräneattacken umfasst sowohl die Akuttherapie als auch die Prophylaxe. Im Rahmen der Akuttherapie spielen Triptane eine wichtige Rolle, insbesondere Sumatriptan.

Was ist Sumatriptan?

Sumatriptan ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Triptane. Er wird hauptsächlich in der Akutbehandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen eingesetzt. Triptane sind Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten und wurden in den 90er-Jahren als erste speziell für Migräne entwickelte Akut-Medikamente eingeführt. Im Idealfall behandeln sie auch die Begleitsymptome wie Geräusch-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit sowie Übelkeit und Erbrechen.

Wirkmechanismus von Sumatriptan

Sumatriptan wirkt auf verschiedene Weise:

  • Vasokonstriktion: Der vaskuläre 5-HT1D-Rezeptor wird überwiegend in kranialen Blutgefäßen gefunden und vermittelt Vasokonstriktion. Bei einem Migräneanfall weiten sich die Gefäße, und Triptane bewirken das Gegenteil, indem sie die Gefäße verengen.
  • Hemmung der Trigeminusnerv-Aktivität: Sumatriptan hemmt die Aktivität des Trigeminusnervs.
  • Hemmung der Freisetzung von Botenstoffen: Triptane hemmen die Freisetzung von ungünstigen Botenstoffen.

Wann sollte Sumatriptan eingenommen werden?

Es wird empfohlen, die Behandlung beim ersten Anzeichen von Migränekopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz (nur subkutan!) oder damit in Zusammenhang stehenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit zu beginnen und nicht prophylaktisch einzusetzen. Sumatriptan ist aber auch bei Anwendung zu einem anderen Zeitpunkt der Attacke gleichermaßen wirksam.

Die Triptanschwelle

Die sogenannte Triptanschwelle gibt vor, wann es Zeit für ein Triptan ist. Dies ist der Fall, wenn mindestens zwei der folgenden Schmerz-Kriterien zutreffen:

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  • Mittlerer oder starker Schmerz
  • Einseitig
  • Pulsierend
  • Wird verstärkt durch körperliche Aktivitäten wie Treppensteigen oder Bücken

Und mindestens eins der folgenden Symptome-Kriterien zutrifft:

  • Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit

Dosierung und Anwendung

  • Monotherapie: Zur akuten Behandlung der Migräne sollte Sumatriptan nur als Monotherapie eingesetzt werden. Die gleichzeitige Gabe mit Ergotamin-haltigen Arzneimitteln ist kontraindiziert.
  • Nicht-Ansprechen: Bei Nicht-Ansprechen auf die erste Dosis sollte Sumatriptan nicht ein zweites Mal auf dieselbe Attacke angewendet werden.
  • Empfohlene Dosis: Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg Sumatriptan. Einige Patienten benötigen 100 mg Sumatriptan. Bei höheren Einzeldosen ist keine Wirkungsverbesserung zu erwarten.
  • Wiederholte Einnahme: Falls bereits abgeklungene Beschwerden wieder auftreten, kann erst nach mindestens zwei Stunden eine weitere Dosis innerhalb der nächsten 24 Stunden eingenommen werden.
  • Nasale Anwendung: Die empfohlene Dosis beträgt 20 mg Sumatriptan nasal, appliziert in ein Nasenloch.
  • Subkutane Injektion: Sumatriptan 6 mg wird subkutan injiziert. Bei Anwendung höherer Dosen ist keine Wirkungsverbesserung zu erwarten. Falls bereits abgeklungene Symptome wieder auftreten, kann frühestens nach zwei Stunden eine weitere Dosis subkutan injiziert werden.
  • Jugendliche: Die Verordnung von Sumatriptan nasal bei Jugendlichen über 12 Jahre sollte nur durch einen spezialisierten Arzt in der Migränebehandlung erfolgen. Die empfohlene Dosierung von Sumatriptan nasal ist die Applikation von 10 mg Sumatriptan in ein Nasenloch. Insgesamt dürfen nicht mehr als 2 Dosen Sumatriptan nasal 10 mg im Abstand von zwei Stunden innerhalb von 24 Stunden angewendet werden.
  • Ältere Patienten: Die Anwendung von Sumatriptan bei Patienten über 65 Jahre wird nicht empfohlen, da die Daten begrenzt sind.
  • Einnahme: Die Filmtabletten bzw. Tabletten werden unzerkaut mit Wasser eingenommen. Sumatriptan subkutan ist nur zur subkutanen Injektion vorgesehen und darf nicht intravenös injiziert werden.

Sumatriptan wirkt nicht mehr nach 3 Tagen Migräne

Die Einnahme von (frei verkäuflichen) Analgetika und Triptanen an mehr als 3 Tagen hintereinander wird grundsätzlich nicht empfohlen. Bei Patienten mit einer primären Kopfschmerzerkrankung können Triptane und Kombinationsanalgetika bei regelmäßiger Einnahme an mehr als 10 Tagen pro Monat, Monoanalgetika an mehr als 15 Tagen pro Monat zur Entwicklung eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes führen. Das Risiko, einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz zu entwickeln, ist den Patienten oft nicht bekannt.

Medikamenteninduzierter Kopfschmerz (MÜK)

Triptane können einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz auslösen. Deshalb darf man höchstens zehn Tage im Monat und an drei Tagen hintereinander Triptane einnehmen. Prolongiert verlaufende Kopfschmerzattacken können Ausdruck einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung sein. Patienten sollten dann einen Arzt aufsuchen.

Alternativen bei lang anhaltenden Attacken und häufigem Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen

Bei lang anhaltenden Attacken und häufigem Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen ist die Verordnung eines eher lang wirksamen Triptans in Kombination mit Naproxen (500 mg) sinnvoll. Naproxen zeichnet sich durch eine deutlich längere Halbwertszeit aus als andere nicht steroidale Antirheumatika und ist deshalb besonders geeignet. Die Wirksamkeit dieser Kombinationsbehandlung wurde in kontrollierten Studien gezeigt.

Wiederkehrkopfschmerz

Wiederkehrkopfschmerz bedeutet, dass die Schmerzen aufgrund einer kurzen Wirkdauer des Medikaments nach zunächst erfolgreicher Behandlung nach 2 bis 24 Stunden erneut und verstärkt auftreten können. Dies bedarf dann einer erneuten Triptangabe, was es eigentlich zu vermeiden gilt.

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Triptane können aber auch mit einem langwirkenden NSAR wie Naproxen oder einem sogenannten COX-2-Hemmer wie Arcoxia 120 mg kombiniert werden. Dadurch kann die Wirkung eines Triptans verlängert und die Gefahr eines Wiederkehrkopfschmerzes reduziert werden.

Weitere wichtige Aspekte bei der Einnahme von Sumatriptan

  • Frühzeitige Einnahme: Schmerzmittel und Triptane wirken am besten, wenn sie frühzeitig in der Migräneattacke eingenommen werden. Zugleich erhöhen diese Substanzen aber bei zu häufiger Einnahme das Risiko, einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch zu entwickeln, ganz erheblich.
  • Chronifizierungsrisiko: Bei Patienten mit vielen Kopfschmerztagen pro Monat ist der Aspekt des Chronifizierungsrisikos in den Vordergrund zu stellen und meist auch eine prophylaktische Behandlung indiziert.
  • Gezielter Einsatz: Patienten mit vielen Kopfschmerztagen pro Monat sollten lernen, Schmerzmittel sehr gezielt einzusetzen, zum Beispiel erst dann, wenn sie sicher sind, dass eine Migräneattacke vorliegt.
  • Prophylaktische Einnahme vermeiden: Die oft von Patienten praktizierte prophylaktische Einnahme von Analgetika und Triptanen ist nicht sinnvoll.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Während der Schwangerschaft sollte eine akute Migräneattacke zunächst mit Analgetika wie Paracetamol und NSAR (Ibuprofen, Naproxen) behandelt werden. NSAR dürfen jedoch nicht nach der 28. SSW eingenommen werden. Es wurde gezeigt, dass Sumatriptan nach subkutaner Anwendung in die Muttermilch übergeht. Die Exposition des Säuglings kann minimiert werden, indem das Stillen für 12 Stunden nach der Anwendung vermieden wird.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Leidet man unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen (auch in der Vorgeschichte), sollte man auf die Einnahme von Triptanen und Ergotaminen ganz verzichten! Triptane sollten niemals in Verbindung mit Ergotaminen genommen werden, da sich deren gefäßverengende Wirkung verdoppeln kann.

Tipps zur Einnahme von Triptanen bei Migräne

  • Frühzeitig einnehmen: Nimm das Triptan am besten sehr früh, aber nicht in der Auraphase, ein! Eine Einnahme zu Beginn des Anfalles ist sinnvoll, da dann die Wirkung am schnellsten und zuverlässigsten eintritt. Leidest du an Migräne mit Aura solltest du das Triptan erst nach der Auraphase einnehmen, da es aufgrund der gefäßverengenden Wirkung die Aura verstärken kann.
  • Ruhe: Lege dich nach der Triptaneinnahme hin und ruhe dich aus! Wenn du deinem Körper Ruhe gönnst, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du Linderung verspürst. Am besten ist es wirklich, wenn du dich nach der Einnahme in einen dunklen, ruhigen Raum legst und dich von so vielen Reizen wie möglich (Licht, Geräusche, Gerüche usw.) abschirmst.
  • Antiemetikum: Nehme zur besseren Wirksamkeit eine halbe Stunde vorher ein Antiemetikum gegen die Übelkeit! Denn es wurde herausgefunden, dass die Beweglichkeit und somit die Aufnahmefähigkeit des Magens während akuter Migräneattacken eingeschränkt ist. Du bereitest deinen Magen somit ideal für die Aufnahme der Migränemedikamente vor und sie können so besser wirken. Dies gilt sowohl für Schmerzmedikamente als auch für Triptane.
  • Wiederholung: Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen nach initialer Wirksamkeit eines Triptans kannst du nach frühestens zwei Stunden eine zweite Dosis eines Triptans einnehmen.

Die Kehrseite der Medaille: Triptane und Nebenwirkungen

Wie bei jeder Arzneimittelgabe müssen Risiken und Nutzen immer gut gegeneinander abgewogen werden. Dies ist bei Triptanen in besonderem Maße der Fall, denn es gibt einige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Nebenwirkungen:

  1. Erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko: Wer starke Triptane oder zu viele hintereinander nimmt, kennt vielleicht das Gefühl, dass es eng wird in der Brust. Das ist eine bekannte Nebenwirkung, die daraus resultiert, dass sich die Gefäße so stark zusammenziehen. Daher ist das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. Wenn daher ein Verdacht auf bereits bestehende Gefäßverengungen vorliegt, dürfen auf keinen Fall Triptane verordnet werden, da sonst ein Gefäßverschluss die Folge sein könnte. Liegen Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen (auch in der Vergangenheit) vor wie z.B. Bluthochdruck, starkes Übergewicht oder hohes Cholesterin, dann sollte vor der Verordnung von Triptanen unbedingt durch entsprechende Diagnostik bereits bestehende Gefäßverengungen ausgeschlossen werden.
  2. Gefahr der Entwicklung eines Serotoninsyndroms: Dabei handelt es sich um einen durch Medikamente bedingten Überschuss an Serotonin im Körper, der sich durch Symptome wie Puls- und Blutdruckanstieg, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Pupillenerweiterung, Unruhe, Koordinationsstörungen und Halluzinationen äußern kann. Ein Serotonin-Syndrom ist äußerst selten, kann jedoch lebensbedrohlich sein. Daher ist es wichtig die Wechselwirkungen von Medikamenten mit Ärzt:innen zu besprechen und die Symptome zu kennen. Aus diesem Grunde dürfen auch Medikamente, die in den Serotoninhaushalt eingreifen wie z.B. Antidepressiva als Migräne-Prophylaxe, nicht zusammen mit den Triptanen verabreicht werden.
  3. Gefahr der Verschlimmerung der Migräne: Forschende haben festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen neuen Migräneanfall an den nächsten Tagen nach Einnahme der Triptane deutlich erhöht ist und man somit vermehrt Migräneanfälle bekommt. Dies bedeutet: Mit der Einnahme von Triptanen solltest du sehr zurückhaltend sein. Wenn möglich, solltest du versuchen mit Medikamenten wie z.B. ASS oder Ibuprofen (bei Migräne aber leider auch schwächeren Medikamenten) auszukommen. Brauchst du alle zwei bis drei Tage ein Triptan, so handelt es sich vermutlich um eine triptanbedingte Migräne. Das bedeutet das Medikament unterhält die Krankheit, gegen die es eigentlich eingesetzt wird.
  4. Gefahr der Entwicklung eines Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK): Triptane können einen Medikamenten-induzierten Kopfschmerz auslösen. Deshalb darfst du höchstens zehn Tage im Monat und an drei Tagen hintereinander Triptane einnehmen.

Alternativen zu Triptanen bei Migräne

Bei Kontraindikationen gegen Triptane, bei Unwirksamkeit von Analgetika/NSARs/Triptanen oder wenn dir die Einnahme von Triptanen zu heikel ist, kannst du auch auf andere Akutmedikamente oder die neueren Medikamente wie Ditane oder Gepante zurückgreifen. Darüber hinaus gibt es mehrere natürliche Möglichkeiten der akuten Migränebehandlung.

Sinnvoll ist es auch vorbeugend was gegen Migräne zu tun. Auch dort gibt es diverse vorbeugende Medikamente oder natürliche, nicht-medikamentöse Maßnahmen. Zu letzterem zählen Entspannungsübungen, Ausdauersport sowie eine blutzuckerstabilisierende Ernährung.

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