Kaliumbromid zur Behandlung von Epilepsie bei Katzen: Dosierung und Anwendung

Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen bei Tieren, insbesondere bei Hunden, und stellt eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität für Tier und Halter dar. Obwohl epileptische Anfälle beim Hund häufiger vorkommen, können auch Katzen betroffen sein. Kaliumbromid ist ein Antikonvulsivum, das in der Tiermedizin zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, insbesondere als Ergänzungstherapie bei Hunden und gelegentlich auch bei Katzen.

Was ist Kaliumbromid?

Kaliumbromid ist ein Bromsalz und wirkt als Antiepileptikum. Es erhöht die Bewegung von Bromidionen durch Zellmembranen, was zur Hyperpolarisierung von Neuronen führt. Dies stabilisiert das Ruhemembranpotenzial der Neuronen im Gehirn und reduziert so die Anfallsbereitschaft. Ein wesentlicher Vorteil von Kaliumbromid ist seine lange Halbwertszeit, die stabile Blutkonzentrationen gewährleistet.

Anwendungsgebiete von Kaliumbromid

Kaliumbromid wird hauptsächlich zur Behandlung von:

  • Symptomatischer Epilepsie: Diese Form der Epilepsie kann durch strukturelle Erkrankungen des Gehirns oder Stoffwechselstörungen ausgelöst werden, wie z.B. durch ein Schädel-Hirn-Trauma.
  • Kryptogener Epilepsie: Hierbei handelt es sich um Epilepsie, bei der die Ursache der Anfälle unklar bleibt, selbst nach umfangreichen diagnostischen Maßnahmen.
  • Idiopathischer Epilepsie: Kaliumbromid kann auch bei idiopathischer Epilepsie eingesetzt werden, insbesondere wenn andere Antiepileptika wie Phenobarbital nicht ausreichend wirksam sind oder aufgrund von Nebenwirkungen nicht eingesetzt werden können.

Das Medikament ist besonders geeignet bei primär und sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen, wie sie bei der frühkindlichen Grand Mal Epilepsie auftreten, sowie bei schweren myoklonischen Syndromen im Kindesalter, wie beispielsweise beim Dravet-Syndrom. Es wird empfohlen, Kaliumbromid nur unter der Aufsicht eines in der Behandlung von Anfallsleiden und der Bromidtherapie erfahrenen Facharztes einzusetzen, da es eine enge therapeutische Breite hat.

Dosierung von Kaliumbromid bei Katzen

Die Dosierung von Kaliumbromid muss individuell angepasst werden, da die Reaktion auf das Medikament von Tier zu Tier variieren kann. Es ist wichtig, die Anweisungen des Tierarztes genau zu befolgen und die Dosis nicht ohne Rücksprache zu ändern.

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Allgemeine Dosierungsempfehlungen

Die Behandlung mit Kaliumbromid kann bereits zu Anfang mit einer durchschnittlichen Erhaltungsdosis begonnen werden. Je nach Art und Schwere des Krankheitsbildes und der Verträglichkeit erfolgt die weitere Dosiseinstellung individuell. Diese weitere Festlegung der therapeutischen Dosis sollte, insbesondere bei Kombinationstherapie, über die Bestimmung der Serumspiegel kontrolliert werden.

Der therapeutische Bromidspiegel liegt erfahrungsgemäß zwischen 18,75 bis 31,25 mmol/L (1,5 bis 2,5 mg/ml), jedoch nicht über 37,5 mmol/L (3,0 mg/ml) [röntgenfluoreszenz-analytische Bestimmung], bzw. zwischen 12,5 bis 21,75 mmol/L (1,0 bis 1,75 mg/ml), jedoch nicht über 25 mmol/L (2,0 mg/ml) [photometrische Bestimmung].

Im Einzelfall kann die erforderliche Dosis erheblich von der angegebenen Anfangs- bzw. Erhaltungsdosis abweichen (z.B. wegen Beschleunigung oder Verlangsamung der Ausscheidung durch Veränderungen des Kochsalzhaushaltes).

Überwachung der Therapie

Während der Therapie mit Kaliumbromid sind regelmäßige Serumkonzentrationsbestimmungen für Bromid erforderlich: in den ersten 3 Monaten wenigstens alle 4 Wochen, danach alle 3 Monate. Es ist wichtig, dass die Kontrolluntersuchungen, die der Tierarzt vereinbart, unbedingt eingehalten werden.

Dosierungsschema für Kinder (als Richtlinie)

Obwohl Kaliumbromid hauptsächlich bei Tieren eingesetzt wird, kann das folgende Dosierschema für Kinder als grobe Richtlinie dienen:

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  • Kinder 1/2 - 3 Jahre (7 - 15 kg): 50 - 70 mg/kg KG täglich, auf 2 - 3 Einzelgaben verteilt.
  • Kinder 4 - 8 Jahre (16 - 28 kg): 40 - 60 mg/kg KG täglich, auf 2 - 3 Einzelgaben verteilt.
  • Kinder 9 - 15 Jahre (29 - 58 kg): 40 - 60 mg/kg KG täglich, auf 2 - 3 Einzelgaben verteilt.
  • Erwachsene: 30 - 50 mg/kg KG täglich, auf 2 - 3 Einzelgaben verteilt.

Während eines Infektes sollte die Dosis halbiert werden, um einer Anreicherung und den damit verbundenen Nebenwirkungen vorzubeugen. Eine Gesamttagesdosis von 4000 mg darf nicht überschritten werden, da in höheren Dosen vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Nebenwirkungen von Kaliumbromid

Kaliumbromid ist im Allgemeinen gut verträglich, kann jedoch Nebenwirkungen verursachen. Die erwünschten und unerwünschten Wirkungen von Kaliumbromid führen zu einer Verlangsamung zentralnervöser Vorgänge, wobei große Unterschiede in der individuellen Bromidempfindlichkeit bestehen.

Häufige Nebenwirkungen

  • Sedierung: Müdigkeit, Verlangsamung, erhöhtes Schlafbedürfnis.
  • Ataxie: Unsicherer Gang, Koordinationsstörungen.
  • Gastrointestinale Symptome: Völlegefühl, Magenschmerzen, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall.

Weniger häufige Nebenwirkungen

  • Hautreaktionen: Bromakne (knotige Hautveränderungen bzw. Eiterbläschen), Bromoderma tuberosum.
  • Atemwegsprobleme: Bromschnupfen (seröse Rhinitis), Verschleimung, Bronchitis, Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis).
  • Verhaltensänderungen: Aggressivität, Verwirrtheitszustände.

Seltene Nebenwirkungen

  • Neurologische Symptome: Hirndruckzeichen, Sensibilitätsstörungen, unwillkürliche Muskelzuckungen (Kloni), verwaschene Sprache, Muskelzittern (Tremor), Lähmungen (Paresen), Pupillenbewegungsstörungen.
  • Endokrine Störungen: Brom-bedingte Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose).
  • Andere: Gelenkentzündung (Arthritis), Bindehautentzündung (Konjunktivitis).

Maßnahmen bei Nebenwirkungen

Bei leichter Überdosierung kann die Tagesdosis nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vermindert oder das Präparat für 1 - 2 Tage ausgesetzt werden (sogenannte Brompause). Durch kochsalzreiche Ernährung kann die Bromausscheidung beschleunigt werden.

Es ist wichtig, den Tierarzt über alle beobachteten Nebenwirkungen zu informieren, damit die Dosis angepasst oder alternative Behandlungen in Erwägung gezogen werden können.

Gegenanzeigen

Kaliumbromid darf nicht eingenommen werden:

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  • Bei Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Kaliumbromid oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparates.
  • Bei bekannter Bromidunverträglichkeit.
  • Bei Nierenversagen (Niereninsuffizienz).

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Asthma bronchiale.
  • Unterernährung oder Ernährungsstörungen.
  • Kaliumarmer Diät.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Es ist wichtig, den Tierarzt über alle Medikamente zu informieren, die die Katze erhält, da Kaliumbromid Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann.

Wichtige Hinweise zur Anwendung

  • Vor der erstmaligen Anwendung sind die üblichen Messgrößen der Nierenfunktion zu bestimmen und Elektrolytstörungen auszuschließen.
  • Während der Therapie ist auf eine durchschnittliche Kochsalz- und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten.
  • Bei starkem Erbrechen, Durchfallerkrankungen oder starkem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen können verstärkt unerwünschte Wirkungen auftreten.
  • Regelmäßige Serumkonzentrationsbestimmungen für Bromid sind erforderlich.
  • Bei Personen mit einer kaliumarmen Diät ist Vorsicht geboten.

Alternative Behandlungen

Neben Kaliumbromid gibt es andere Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie bei Katzen eingesetzt werden können, wie z.B. Phenobarbital und Imepitoin. Die Wahl des Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Art der Anfälle, dem Gesundheitszustand der Katze und den möglichen Nebenwirkungen.

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