Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederholende Schmerzattacken äußert und die Betroffenen körperlich und seelisch belastet. Typisch für Migräne sind einseitig beginnende Schmerzen, die mit Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit einhergehen können. Auch Lichtempfindlichkeit ist ein häufiges Symptom. Ein weiteres Merkmal, das oft übersehen wird: kalte Hände und Füße. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen kalten Füßen und Migräne, mögliche Ursachen und Behandlungsansätze.
Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine eigenständige primäre Erkrankung und nicht um das Symptom einer anderen Erkrankung. Betroffene sind weder arbeitsunwillig noch psychisch krank oder auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Die Krankheit kann mit einer Vielzahl von Symptomen einhergehen, die den gesamten Körper in Mitleidenschaft ziehen.
Formen der Migräne
Es gibt verschiedene Formen von Migräne, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden:
- Klassische Migräne: Kennzeichnet sich durch einen hämmernden und pulssynchronen Schmerz, der sich vorwiegend auf den Bereich der Schläfen oder Augen konzentriert. Oft treten zusätzlich Sehstörungen wie Flimmern oder teilweise Blindheit auf.
- Einfache Migräne: Hier fehlen die Sehstörungen, und der Schmerz ist nicht auf eine Kopfseite beschränkt.
- Chronischer Spannungskopfschmerz: Ein ständig vorhandener, dumpfer Kopfschmerz mit Muskelspannungen, der von Angst- oder Depressionszuständen begleitet sein kann. Betroffene können unter Licht- und Lärmempfindlichkeit sowie Übelkeit leiden.
- Cluster-Kopfschmerz: Eine der schlimmsten Formen von Kopfschmerzen, die schnell und mit sehr hoher Schmerzintensität auftritt. Der Schmerz ist fast immer einseitig und tritt oft zur gleichen Tageszeit auf.
Der Zusammenhang zwischen kalten Füßen und Migräne
Eine Studie hat gezeigt, dass Frauen mit Migräne häufiger über kalte Gliedmaßen berichten als Frauen ohne Migräne. Dies deutet auf eine vaskuläre Komponente bei Migräne hin, die sich in kalten Händen und Füßen äußern könnte. Die Studie ergab auch, dass Frauen mit diesem Faktor häufiger unter Migräneattacken litten als andere Migränepatientinnen, was teilweise durch Schlafprobleme vermittelt wurde.
Vaskuläre Dysfunktion als Ursache?
Migräne, insbesondere bei Frauen und bei Migräne mit Aura, stellt einen vaskulären Risikofaktor dar. Dies könnte mit geteilten pathophysiologischen Mechanismen zwischen Migräne und beispielsweise Schlaganfall oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen zusammenhängen. Kalte Gliedmaßen könnten demnach ein Hinweis auf eine vaskuläre Dysfunktion bei Migräne sein.
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Die Rolle des Nervensystems
Immer mehr Untersuchungen deuten darauf hin, dass das gestörte autonome Nervensystem eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Migräne spielt. Ein erhöhter Muskeltonus und daraus folgende Spannungskopfschmerzen sind ebenso wie Migräne Ausdruck eines überaktiven Sympathikus.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die Entstehung von Migräne basiert auf einer Engstellung der Gefäße im Kopf, die sich dann zu einer Weitstellung entwickelt. Genau diese Weitstellung ist dann der Grund für die Schmerzen. Die Ursache für eine Migräne kann auf eine Funktionsstörung der Gefäße zurückgeführt werden, die von verschiedenen Botenstoffen im Gehirn verursacht wird. Es gibt unterschiedliche Auslöser, die eine Migräne verursachen können:
- Stress
- Veränderungen der Umwelteinflüsse
- Bestimmte Nahrungsmittel
- Hormonelle Veränderungen
Stress als Faktor
Stress entsteht, wenn gestellte Aufgaben und Anforderungen nicht mehr gemeistert werden können. Stress ist das Ergebnis dessen, wie Anforderungen verarbeitet und bewertet werden. Jeder ist durch etwas anderes gestresst, und jeder wirkt selbst an seinem Stresserleben mit.
Stressoren können körperlicher Natur sein, wie Kälte, Hitze, Lärm und Schmerzen, oder chemischer Natur, wie Drogen, Medikamente und Nikotin.
Migräne und Kieferfehlstellung
Eine Fehlstellung zwischen Unterkiefer und Oberkiefer (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) kann ebenfalls ein Auslöser für Migräne sein. Bei jedem Zusammenbeißen ist die Kiefermuskulatur damit beschäftigt, den Fehlbiss auszugleichen, und zieht dabei auch die Kopf- und Nackenmuskulatur in Mitleidenschaft. Dies führt zu einer Ermüdung oder Verspannung der Muskulatur und kann Migräne auslösen.
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Was hilft gegen Migräne?
Was sofort gegen Migräne hilft, hängt vom Migränetyp und von individuellen Faktoren ab. Es gibt kein „Patentrezept“. Medikamente wie Schmerzmittel oder Triptane können schnelle Hilfe bieten. Es gibt aber auch nicht-medikamentöse Verfahren, mit denen sich die Migräne gut in den Griff bekommen lässt.
Medikamentöse Behandlung
Gegen die Schmerzen selbst werden herkömmliche Schmerzmittel (Analgetika) wie Ibuprofen und Paracetamol oder - bei stärkeren Beschwerden - spezielle Migräne-Medikamente (Triptane) empfohlen. Manche dieser Medikamente sind verschreibungspflichtig, andere rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Auch wenn rezeptfreie Medikamente helfen, sollte man sich vorher von einem Arzt beraten lassen.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen helfen Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon. Sie verstärken auch die Wirkung von anschließend eingenommenen Schmerzmitteln.
- Mutterkornalkaloide (Ergotamine): Werden nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräne-Attacken empfohlen, etwa bei besonders lange anhaltenden Migränebeschwerden.
- Kortison: Kann bei einer länger als 72 Stunden anhaltenden Migräne-Attacke verabreicht werden.
- Cannabis: Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2019 lieferte Hinweise darauf, dass inhaliertes Cannabis bei Migräne und Kopfschmerzen den Schweregrad der Beschwerden deutlich verringern kann. Allerdings kann die Anwendung von Cannabis auch das Auftreten von medikamenteninduziertem Kopfschmerz begünstigen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Viele Betroffene schaffen es, mit nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Sport, Entspannungsverfahren oder Biofeedback Migräne-Attacken vorzubeugen.
- Allgemeine Tipps: Auslöser meiden, kein Perfektionist sein, Kopfschmerz- bzw. Migräne-Medikamente nicht zu häufig einnehmen.
- Alternative Heilmethoden: Akupunktur, Akupressur, Homöopathie und Schüssler-Salze. Die Wirksamkeit einiger dieser Methoden ist wissenschaftlich allerdings nicht belegt.
- Pflanzliche Präparate: Pestwurz oder Mutterkraut.
Hydrotherapie
Hydrotherapie kann bei Spannungskopfschmerzen und Migräne durch die Anwendung von Wasser in verschiedenen Formen, wie warmen oder kalten Güssen, Wickeln, Bädern oder Duschen, Linderung verschaffen. Die Wärme fördert die Durchblutung und entspannt verspannte Muskulatur, während Kälte Entzündungen reduzieren und Schmerzen betäuben kann. Zudem kann die Hydrotherapie Stress abbauen und das allgemeine Wohlbefinden steigern, was ebenfalls zur Verringerung der Häufigkeit und Intensität von Kopfschmerzattacken beitragen kann.
- Kalter Gesichtsguss: Wirkt reflektorisch auf die gesamte Kopfregion.
- Ansteigender Nackenguss: Entspannend, entkrampfend und durchblutungssteigernd auf das behandelte Muskelareal.
- Warmes Fußbad: Hat eine vagotonisierende Wirkung und hilft bei kalten Füßen. Ein Zusatz von Ingwerpulver verstärkt den Wärmeeffekt.
- Wechselfußbad: Fördert die Durchblutung und stärkt die Gefäße.
Hausmittel
Hausmittel gegen Migräne haben den Vorteil, dass sie den Organismus in der Regel nicht durch ausgeprägte Nebenwirkungen belasten. Allerdings ist die Wirkung der Hausmittel meist nicht wissenschaftlich bestätigt.
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- Pfefferminzöl: Äußerlich aufgetragenes Pfefferminzöl wirkt erfrischend kühl auf der Haut.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Ansteigende Arm- beziehungsweise Fußbäder, Wechselduschen, heiße Dusche oder ein Vollbad. Eine kühle Kompresse auf der Stirn oder im Nacken kann ebenfalls angenehm sein.
- Tee: Schlüsselblumentee, Ingwertee oder Weidenrindentee können bei Migräne helfen.
Ernährung
Einzelne Lebensmittel bei Migräne zu meiden, kann sich bei manchen Patienten positiv auf die Symptome auswirken. Es ist wichtig, eine vollwertige Mischkost zu sich zu nehmen, die ausreichend Kohlenhydrate enthält.
- Koffein: Kann in geringen Mengen positive Auswirkungen haben, sollte aber nicht in großen Mengen konsumiert werden, da es zu Abhängigkeit führen kann.
- Rohkost und Magnesium: Eine Ernährung mit viel Rohkost und Magnesium kann ebenfalls hilfreich sein.
Atlastherapie
AtlasreflexTh. bietet mit seinen Atlastherapeuten eine Behandlungsmöglichkeit bei Migräne an.
Medikamentöse Migräneprophylaxe
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kommt in Betracht, wenn die Betroffenen sehr unter der Migräne leiden, in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind und wenn die Gefahr eines übermäßigen Medikamentengebrauchs besteht.
Zur Vorbeugung stehen verschiedene Wirkstoffe zur Auswahl:
- Betablocker: Propranolol, Metoprolol, Bisoprolol senken den Blutdruck.
- Kalzium-Antagonist: Flunarizin wird auch gegen Schwindel eingesetzt.
- Antikonvulsiva: Valproinsäure, Topiramat sind Mittel gegen Krampfanfälle.
- Antidepressivum: Amitriptylin wird auch bei Depressionen und Nervenschmerzen eingesetzt.
- Onabotulinumtoxin A: Injektionen mit Botox können bei chronischer Migräne vorbeugend wirken.
- Monoklonale Antikörper: Können seit einiger Zeit zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden, wenn andere Mittel nicht helfen oder nicht vertragen werden.
Ablauf und Dauer der medikamentösen Migräneprophylaxe
Die meisten Migräneprophylaktika werden einschleichend dosiert. Bessert sich die Migräne innerhalb von zwei Monaten nicht ausreichend, können Arzt und Patient über einen Abbruch der Prophylaxe oder einen Wechsel des Medikaments entscheiden. Ist die medikamentöse Prophylaxe wirksam, sollte nach sechs bis zwölf Monaten überprüft werden, ob eine Weiterführung notwendig ist.
Raynaud-Syndrom und Migräne
Es gibt Hinweise darauf, dass Migräne-Antikörper ein Raynaud-Syndrom verschlimmern oder neu auftreten lassen können, und Migränepatienten scheinen von vornherein anfälliger für ein Raynaud-Syndrom zu sein. Vor Anwendung von Migräne-Antikörpern sollten Patienten über das Vorliegen eines Raynaud-Syndroms befragt und über die Möglichkeit einer Erstmanifestation bzw. Verstärkung des Phänomens informiert werden.
Was der Patient selbst tun kann
Patienten können aktiv mitwirken, um die Entstehung von Kopfschmerzen oder Migräne zu begünstigen.
- Kopfschmerztagebuch: Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um herauszufinden, welche Faktoren die Entstehung von Kopfschmerzen oder Migräne begünstigen.
- Schmerzmitteltagebuch: Führen Sie ein Schmerzmitteltagebuch.
- Psychosoziale Zusammenhänge: Achten Sie auf psychosoziale Zusammenhänge, Einstellungen oder auch Verhaltensweisen.
- Lebensstil: Ordnen Sie Ihr Leben. Aktive und passive Lebensphasen sollten ausgewogen miteinander kombiniert werden. Achten Sie auf einen gesunden Schlaf-Wachrhythmus und vermeiden Sie negativen Stress.