Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle können in ihrer Erscheinung sehr unterschiedlich sein, von kaum wahrnehmbaren Sinnesempfindungen und leichten Muskelzuckungen bis hin zu Stürzen mit Bewusstseinsverlust und Zuckungen am ganzen Körper. Eine Herausforderung bei der Behandlung von Epilepsie besteht darin, dass etwa ein Drittel der Anfälle unerkannt bleibt, was die Diagnose und die Anpassung der Therapie erschwert. Um diese Lücke zu schließen, werden innovative Technologien zur Anfallserkennung und -überwachung entwickelt.
Radiofrequenz-Sensorsystem mit KI-Auswertung
Im Projekt Epiwatch wird ein Sensorsystem entwickelt, das epileptische Anfälle messen und klassifizieren kann. Dieses System verwendet eine Radiofrequenz-Kamera, die durch elektronische Verschaltung von Radarantennen ein Bild des Patienten aufnimmt. In Kombination mit einer Infrarotkamera können die Vitaldaten eines im Bett liegenden Patienten zuverlässig überwacht werden, selbst im Dunkeln und durch die Bettdecke hindurch.
Das System erkennt nicht nur, wann ein epileptischer Anfall auftritt, sondern klassifiziert ihn auch mithilfe speziell entwickelter Algorithmen. Im Notfall kann ein integrierter Aktor im Bett den Patienten stimulieren, um die Atmung wiederherzustellen. Durch die Kombination von Radiofrequenz- und Infrarotkameras kann im Notfall schneller interveniert, die Diagnose verbessert und die Therapie bedarfsgerecht angepasst werden.
Video-EEG-Monitoring
Das Video-EEG-Monitoring ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren, bei dem Patienten stationär aufgenommen und über ein bis zwei Wochen kontinuierlich mit EEG und Video überwacht werden. Ziel ist es, Anfälle aufzuzeichnen, um epileptische von nicht-epileptischen Anfällen abzugrenzen und bei Patienten, bei denen eine medikamentöse Behandlung keine Anfallskontrolle ermöglicht, die Eignung für einen epilepsiechirurgischen Eingriff zu prüfen. In einigen Fällen ist ein invasives Video-EEG-Monitoring erforderlich, bei dem EEG-Elektroden operativ unter den Schädelknochen auf die Gehirnoberfläche aufgebracht werden.
Neuropsychologische Untersuchungen
Neuropsychologische Untersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik, Behandlung und Verlaufskontrolle von Epilepsien. Sie umfassen die Untersuchung verschiedener kognitiver Funktionen wie Gedächtnisleistung, psychische Leistungsfähigkeit und spezielle Sprachfunktionen. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf den Entstehungsort der Epilepsie und assoziierte kognitive und psychische Funktionsstörungen. In der prächirurgischen Diagnostik dienen sie dazu, mögliche Funktionseinbußen durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff abzuschätzen. Postoperativ erfolgen Verlaufskontrollen, um den Erfolg der Operation und Veränderungen beispielsweise der Gedächtnisleistung oder Sprachfunktionen zu beurteilen.
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Funktionelle Bildgebung
Verschiedene funktionelle Bildgebungsverfahren werden eingesetzt, um die Lokalisation von Sprach- und Gedächtnisfunktionen im Gehirn zu bestimmen. Dazu gehören die funktionelle transkranielle Dopplersonographie (fTCD), das funktionelle MRT (fMRT), das SPECT (single photon emission computed tomography) und die PET (Positronenemissionstomographie). Diese Verfahren ermöglichen es, die Hirnaktivität während verschiedener Aufgaben zu messen und Rückschlüsse auf die beteiligten Hirnareale zu ziehen.
Wada-Test
Vor epilepsiechirurgischen Eingriffen in Hirnregionen, die Sprach- oder Gedächtnisfunktionen tragen, kann ein Wada-Test notwendig werden, um postoperative Ausfälle abschätzen zu können. Bei dieser angiographischen Untersuchung wird Amobarbital, ein kurz wirksames Narkosemittel, zuerst in eine und dann in die andere Arteria carotis interna gespritzt, wodurch die entsprechenden Hirnareale kurzfristig in ihrer Funktion gestört werden.
Anfallsüberwachungsgeräte im Alltag
Die Diskussion um Anfallsüberwachungsgeräte hat in den letzten Jahren zugenommen. Neben EKG- und SaO2-Monitoren, Babyphonen und Kameras gibt es mittlerweile spezielle Anfallsüberwachungsgeräte. Diese Geräte unterscheiden sich in ihren Messmöglichkeiten und sind nicht für alle Situationen geeignet. Viele Daten über die Zuverlässigkeit dieser Geräte stammen aus Epilepsiezentren, während Informationen über den Alltagseinsatz rar sind.
Eine Umfrage des epilepsie bundes-elternverband (e.b.e.) hat die Alltagstauglichkeit verschiedener Geräte aus Sicht der Familien untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine große Vielfalt der eingesetzten Geräte, wobei NightWatch® und VitaGuard® 3100/310 tendenziell besser bewertet wurden. Die Kostenübernahme durch Krankenkassen ist uneinheitlich.
Herausforderungen und Perspektiven
Viele Eltern fürchten bei einem ersten Anfall um das Leben ihres Kindes. Auch wenn einzelne Anfälle typischerweise nicht lebensgefährlich sind, besteht ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Tod bei Epilepsien (SUDEP). Obwohl es keine Daten dafür gibt, dass Wearables das SUDEP-Risiko signifikant reduzieren können, wünschen sich viele Eltern eine Überwachungsmöglichkeit, insbesondere für nächtliche Anfälle.
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In den letzten Jahren wurden weitere Überwachungsgeräte spezifisch für Epilepsien entwickelt, die in verschiedenen Ländern vertrieben werden. Allerdings fehlen häufig Angaben zu Fehlalarmen und Faktoren, die Sensitivität und Spezifität beeinflussen. Zukünftige Forschung sollte sich auf die Alltagspraktikabilität und den Einsatz im häuslichen Umfeld konzentrieren, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Anfallsüberwachungsgeräte zu schaffen.
Sicherheit im Alltag
Neben der technischen Überwachung gibt es auch praktische Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, um ihren Kindern mit Epilepsie mehr Sicherheit im Alltag zu geben:
- Medikamenteneinnahme: Eine Wochendosette und Erinnerungsstützen helfen bei der regelmäßigen Einnahme der Medikamente.
- Badezimmer: Duschen statt Baden reduziert das Risiko des Ertrinkens bei einem Anfall. Türen, die nach außen aufgehen, erleichtern den Zugang im Notfall.
- Kindergarten und Schule: Eine gute Aufklärung der ErzieherInnen und LehrerInnen ist wichtig. Es sollte eine schriftliche Vereinbarung über die notwendigen Maßnahmen im Anfallsfall geben.
- Sport: Regelmäßige sportliche Betätigung ist wichtig, aber die Sportart und das Ausmaß des Trainings sollten von der Anfallsart und -häufigkeit abhängig gemacht werden. Vorsicht ist beim Schwimmen und bei Sportarten mit Absturzgefahr geboten.
- Urlaub: Eine gut bestückte Reiseapotheke und ein Notfallausweis tragen zu einem entspannten Urlaub bei. Bei Flugreisen sollte man sich vorab bei der Fluggesellschaft erkundigen.
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