Schweizerische Gesellschaft für Neurochirurgie: Ein Überblick

Die Schweizerische Gesellschaft für Neurochirurgie (SGN) ist eine Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich der Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems widmen. Um die Bedeutung und den Kontext dieser Gesellschaft besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die Entwicklung der Neurochirurgie im deutschsprachigen Raum und die Rolle ähnlicher Organisationen zu werfen.

Die Gesellschaft für Schädelbasischirurgie e.V.

Ein Beispiel für eine solche Organisation ist die Gesellschaft für Schädelbasischirurgie e.V. Dieser interdisziplinäre Zusammenschluss deutschsprachiger Ärzte und Wissenschaftler (aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und ggf. weiteren Ländern) hat sich zum Ziel gesetzt, die interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis zu verbessern. Die Schädelbasis ist eine anatomisch und funktionell bedeutende Körperregion, deren Erkrankungen fundierte anatomische Kenntnisse und vielfältige diagnostische und therapeutische Verfahren erfordern.

Die Gesellschaft für Schädelbasischirurgie e.V. strebt den Gedankenaustausch mit Experten aus verschiedenen Fachgebieten an, darunter Anatomie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Ophthalmologie, Pathologie/Neuropathologie, Neuroanatomie, Radiologie/Neuroradiologie sowie Strahlentherapie. Die Aufgaben im Bereich der Schädelbasis erfordern aufgrund der spezifischen Probleme dieser Körperregion einen interdisziplinären Zusammenschluss unterschiedlicher operativer und nichtoperativer Gebiete.

Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke und erstrebt keinen Gewinn. Ihre Mittel dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden, und die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln der Gesellschaft. An den Inhalten und Zielen der Gesellschaft interessierte Ärzte oder Wissenschaftler können außerordentliche Mitglieder werden. Die Aufnahme erfolgt auf schriftlichen Antrag, der von zwei ordentlichen Mitgliedern befürwortet sein muss. Über die Aufnahme entscheidet der erweiterte Vorstand mit 2/3-Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Wissenschaftler, die fachliche oder freundschaftliche Verbindungen zur Gesellschaft pflegen, können zu korrespondierenden Mitgliedern ernannt werden. Persönlichkeiten, die die Erforschung, Erkennung oder Behandlung von Fehlbildungen, Verletzungen oder Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis wesentlich gefördert oder sich um die Gesellschaft besonders verdient gemacht haben, können zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Ein ehemaliger Präsident der Gesellschaft kann zum Ehrenpräsidenten (beratend) ernannt werden.

Der Austritt aus der Gesellschaft erfolgt durch eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Vorstand. Mitglieder, die die Zwecke und das Ansehen der Gesellschaft schädigen, können durch die Mitgliederversammlung ausgeschlossen werden. Die ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder haben einen Jahresbeitrag zu leisten, der von der Mitgliederversammlung festgesetzt wird. Korrespondierende Mitglieder, Ehrenmitglieder, der Ehrenpräsident und Mitglieder, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, zahlen keinen Beitrag.

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Die ordentliche Mitgliederversammlung findet in der Regel anlässlich der Jahrestagung statt. Die Einladung zu dieser Jahrestagung muss die Tagesordnung enthalten und den Mitgliedern wenigstens dreißig Tage vor der Versammlung zugestellt werden. Außerordentliche Mitgliederversammlungen können jederzeit durch den Vorstand mit einer Frist von 14 Tagen schriftlich unter Mitteilung der Tagesordnung einberufen werden. Jede ordnungsgemäß einberufene Mitgliederversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der erschienenen stimmberechtigten Mitglieder beschlussfähig. Stimmberechtigt sind nur die ordentlichen Mitglieder.

Der Schriftführer fertigt über die Mitgliederversammlungen ein Protokoll an und schickt es den Mitgliedern zu. Einsprüche gegen das Protokoll müssen innerhalb eines Monats beim Vorstand schriftlich angemeldet werden. In der ordentlichen Mitgliederversammlung wird die Kassenabrechnung für das laufende Kalenderjahr vorgelegt. Über die Entlastung des Vorstandes entscheidet die Mitgliederversammlung mit einfacher Stimmenmehrheit. Die Kassenführung wird geprüft von zwei ordentlichen Mitgliedern, die jährlich von der Mitgliederversammlung für das laufende Geschäftsjahr mit einfacher Mehrheit gewählt werden.

Der Vorstand der Gesellschaft für Schädelbasischirurgie e.V. besteht aus 7 stimmberechtigten Mitgliedern und den Ehrenpräsident(en). Der Präsident und der Vizepräsident werden jeweils auf zwei Jahre gewählt. Ihre Wiederwahl ist nur einmal möglich und nur zulässig mit 2/3-Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Der Generalsekretär und der Schatzmeister werden ebenfalls auf zwei Jahre gewählt. Der Beirat soll den Vorstand in der Führung der Gesellschaft unterstützen und beraten. Er besteht aus den Amtsvorgängern des Präsidenten und möglichst einem Vertreter der unter § 3 Abs. 2 genannten Fachdisziplinen (Deutschland, Österreich, der Schweiz oder ggf. weitere). Der Präsident wird jeweils nach Ablauf seiner Wahlperiode Mitglied des Beirates. Die Vorsitzenden der ständigen Kommissionen gehören dem Beirat für die Dauer ihrer Amtszeit an. Ad-hoc-Kommissionen können vom Vorstand oder dem erweiterten Vorstand zur Bearbeitung besonderer Fragen eingesetzt werden.

Bei Auflösung oder Aufhebung des Vereins oder bei Wegfall ihres bisherigen Zwecks, ist das Vermögen zu steuerbegünstigten Zwecken zu verwenden.

Die Entwicklung der Neurochirurgie in Deutschland

Um die Bedeutung der Schweizerischen Gesellschaft für Neurochirurgie besser zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die historische Entwicklung der Neurochirurgie im deutschsprachigen Raum zu werfen. Die Grundlagen der modernen Chirurgie wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffen, wobei mehrere Nationen wichtige Beiträge leisteten. Die Narkose zur Ausschaltung des Operationsschmerzes wurde in den USA eingeführt (Warren 1846), die Antisepsis zur Vorbeugung der Wundinfektion in Schottland (Lister 1867).

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In Deutschland waren es vor allem die zahlreichen militärischen Konflikte und die Wunden durch neue Distanzwaffen, die Chirurgen dazu zwangen, in das Gehirn vorzudringen, das bis dahin wegen der unvermeidlichen und meistens tödlichen Wundinfektion als Tabu galt. Ernst von Bergmann (1836-1907), oft als Vater der modernen deutschen Chirurgie bezeichnet, war in erster Linie ein Militärchirurg. Er erwarb seine ärztlichen Erfahrungen auf zahlreichen Kriegsschauplätzen, bevor er 1871 auf den chirurgischen Lehrstuhl in Dorpat (heute Tartu, Estland) berufen wurde. 1878 wurde er Ordinarius an der Würzburger Universität und 1882 schließlich Nachfolger Bernhard von Langenbecks an der Berliner Universitätsklinik. Er beschäftigte sich als erster Deutscher systematisch mit der Chirurgie des Gehirns. Frühzeitig übernahm er Listers Prinzip der Antisepsis, führte aber 1886 zusammen mit seinem Mitarbeiter Curt Schimmelbusch die Dampfsterilisation und damit das Prinzip der Asepsis ein.

Ausgehend von seinen Erfahrungen als Militärarzt untersuchte von Bergmann das Phänomen des erhöhten Schädelinnendrucks bei Hirnverletzungen genauer. Im Laufe der Zeit sammelte er auch Erfahrungen mit nichttraumatischen Hirnerkrankungen, die er in dem Buch "Die chirurgische Behandlung der Hirnkrankheiten" (1889) zusammenfasste. Seine Haltung zur Tumorchirurgie war angesichts der katastrophalen Ergebnisse noch von großer Skepsis geprägt: Blutverlust und postoperative Hirnschwellung stellten unbeherrschbare Probleme dar. Nur rindennahe Tumoren des Großhirns hielt er für operabel, von Eingriffen am Kleinhirn riet er grundsätzlich ab. Seine Autorität sorgte dafür, dass der gerade aufkommende chirurgische Enthusiasmus wieder abebbte. Dennoch konnte sein Schüler Friedrich von Bramann über einige spektakuläre Erfolge bei Hirnoperationen berichten.

Unabhängig von Ernst von Bergmann entwickelte sich Fedor Krause (1857-1937) zum eigentlichen Pionier der deutschen Neurochirurgie. Trotzdem blieb er zeitlebens Allgemeinchirurg, der das gesamte Spektrum der Chirurgie abdeckte. Krause war ein außerordentlich begabter Chirurg, der als Erster einige der wichtigsten Zugangswege zu tief gelegenen Hirnregionen beschrieb. So entwickelte er 1893 kurz nach, aber unabhängig von dem Amerikaner Frank Hartley, den extraduralen Zugang zum Ganglion Gasseri bei Patienten mit Trigeminusneuralgie. Zur Schädelöffnung übernahm er Wilhelm Wagners Technik des gestielten Knochenlappens von 1889, die sich damit als Routinemethode durchsetzte. 1898 beschrieb er den operativen Zugang zum Kleinhirnbrückenwinkel und 1900 den Zugang zur Sellaregion entlang der Basis des Stirnhirns, um eine Pistolenkugel zu entfernen. Das Projektil hatte er mit den von Wilhelm Conrad Röntgen 1895 entdeckten Strahlen lokalisieren können. Krause war 1908 vermutlich der erste Chirurg, der einen lumbalen Bandscheibenvorfall erfolgreich entfernte, auch wenn er ihn irrtümlich für einen Tumor („Enchondrom“) hielt. Schließlich entwickelte er 1913 den Zugang zur Pinealisregion zwischen Kleinhirnoberfläche und Tentorium, den „Krause-Zugang“. Da zu dieser Zeit neuroradiologische Kontrastverfahren noch nicht zur Verfügung standen, war Krause auf die subtile klinische Untersuchungstechnik seines genialen neurologischen Partners Hermann Oppenheim angewiesen, der ihm zeigte, wo der Schädel oder der Wirbelkanal geöffnet werden musste.

Hirnoperationen führte Krause stets zweizeitig durch, weil sich der Patient wegen der noch unzureichenden Methoden der Blutstillung und fehlenden Transfusionsmöglichkeit nach der Trepanation zunächst erholen musste. Der eigentliche Eingriff am Gehirn folgte eine bis zwei Wochen später. Trotz der bereits bekannten Risiken der Chloroform-Narkose zog er diese Form der Schmerzausschaltung der gut entwickelten Lokalanästhesie vor, da letztere den Patienten psychisch zu sehr belaste. Eingriffe am Kleinhirn führte er am sitzenden Patienten durch, wobei der Kopf durch einen Assistenten gestützt wurde.

Neben Krause begannen auch andere Chirurgen, sich auf das Nervensystem zu konzentrieren. Dem Bergmann-Schüler Moritz Borchardt gelang 1905 erstmals die radikale Entfernung eines Tumors des achten Hirnnerven (Vestibularisschwannom), die nicht sofort im Tod des Patienten endete. Borchardt beschäftigte sich auch intensiv mit der Chirurgie peripherer Nerven und führte vorbildliche anatomische Studien durch. Als einer der ersten wies er auf die Bedeutung der Dauer der primären Bewusstlosigkeit für die Prognose gedeckter Hirnverletzungen hin. Der Österreicher Erwin Payr behandelte den Wasserkopf (Hydrozephalus), indem er mit einer frei transplantierten Vene eine direkte Verbindung zwischen Hirnkammern und Längsblutleiter herstellte, eine Technik, die eine feine Gefäßnaht erforderte. Ernst Unger führte 1910 den chirurgischen Sauger bei Hirnoperationen ein.

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Der Erste Weltkrieg beeinflusste die Neurochirurgie in Deutschland nachhaltig, allerdings in gegensätzlicher Weise. Zunächst führten die zahlreichen Verwundeten von den Schlachtfeldern zu einem Entwicklungsschub: Viele Chirurgen befassten sich jetzt mit der Versorgung von Verletzungen peripherer Nerven und des Gehirns. In Berlin gab es ein erstes Spezial-Lazarett für Hirnverletzte. Mit der Niederlage der deutschen Wehrmacht wurde diese aus medizinischer Sicht positive Entwicklung abrupt gebremst. Die Siegermächte schlossen Deutschland vom internationalen wissenschaftlichen Austausch weitgehend aus und verbannten die deutsche Sprache aus internationalen Journalen. Als zweiter Faktor wirkte sich der wirtschaftliche Zusammenbruch negativ aus, verursacht durch die Kriegskosten selbst, die unrealistischen Reparationsforderungen aus dem Versailler Vertrag und die konsekutiven politischen Unruhen. Als weiteres Hemmnis erwies sich die unverändert autoritäre Struktur der akademischen Institutionen. Sie stand neuen Ideen einer medizinischen Subspezialisierung entgegen.

Otfrid Foerster (1873-1941) war ein bekannter Vertreter dieser Zeit. Schon seit 1908 hatte er gemeinsam mit Breslauer Chirurgen Eingriffe am Rückenmark durchgeführt. Obwohl selbst ohne chirurgische Grundausbildung, begann er während des Krieges mit selbstständigen Operationen an peripheren Nerven, weil nicht genügend Chirurgen verfügbar waren. Sehr bald folgten Eingriffe bei Tumoren des Rückenmarks und des Gehirns. Im Gegensatz zum praxisorientierten Kliniker Fedor Krause war Foerster ein Wissenschaftler, der sich zeitlebens auf die funktionelle Neuroanatomie konzentrierte und mit jedem chirurgischen Eingriff auch den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn suchte. Wie Krause beschäftigte er sich auch mit der chirurgischen Behandlung der Epilepsie. In den 1920er Jahren gehörte Foerster zu den berühmtesten Neurologen der Welt. Ausländische Besucher bewunderten seine fundierten wissenschaftlichen Kenntnisse und seine elegante Operationstechnik am Nervengewebe. Gleichzeitig waren sie schockiert über die grobe Technik der Schädelöffnung. Wie Krause plante Foerster seine Hirnoperationen stets zweizeitig. 1930 war Foerster zu Gast bei dem amerikanischen Pionier der Neurochirurgie Harvey Cushing in Boston, wo er mit dem Titel „Surgeon-in-Chief pro tempore“ geehrt wurde. Die Rockefeller-Stiftung finanzierte für Foerster ein „Neurologisches Forschungsinstitut“, das schließlich 1934 eingeweiht werden konnte.

Emil Heymann (1878-1936) ist dagegen heute vielen Zeitgenossen unbekannt, obwohl er als Neurochirurg dem berühmten Breslauer Kollegen mindestens ebenbürtig, wahrscheinlich sogar überlegen war. Als Krauses Assistent seit 1903 und Oberarzt seit 1909 hatte er eine gründliche und umfassende allgemein- und neurochirurgische Ausbildung erfahren. Schließlich wurde er 1921 Krauses Nachfolger am Berliner Augusta-Hospital, wo er Krauses neurochirurgische Schule fortführte. Heymann wurde von Zeitzeugen als brillanter Operateur geschildert. Ebenso wie Foerster setzte er die neuen diagnostischen Möglichkeiten der Luftenzephalographie und der Myelographie mit positivem Kontrastmittel konsequent ein. 1929 übernahm er als Erster in Deutschland die von Cushing und Bovie kurz zuvor publizierte Technik der Elektrokoagulation mit Hochfrequenzstrom für die Hirnchirurgie und verbesserte Geräte und Handstücke. Er befasste sich mit der Chirurgie der Tumoren am Kleinhirnbrückenwinkel und konnte gegenüber Krause deutlich bessere Ergebnisse vorweisen. Besondere Expertise erwarb er in der Chirurgie der Tumoren im Wirbelkanal. Hirnoperationen führte Heymann wie sein Lehrer zweizeitig durch, bevorzugte aber die Lokalanästhesie, die er seit 1927 mit dem neuen rektalen Narkosemittel Tribromäthanol (Avertin®) ergänzte. Dass er ohne Handschuhe und Mundschutz operierte, war damals keineswegs unüblich. Obwohl in einem kleinen Haus überwiegend als Allgemeinchirurg tätig und mit bescheidenen Mitteln ausgestattet, war er als Neurochirurg national und international angesehen.

Einige Zeitgenossen Heymanns wurden ebenfalls neurochirurgisch aktiv. Alexander Stieda, Bramann-Schüler und nach dem Krieg in Halle-Weidenplan tätig, sammelte im Lauf seines Berufslebens ausgedehnte hirnchirurgische Erfahrungen. Nicolai Guleke, jüngster Schüler Ernst von Bergmanns, hatte 1919 den chirurgischen Lehrstuhl in Jena und damit eine der größten chirurgischen Kliniken Deutschlands übernommen. Er befasste sich besonders mit Tumoren des Wirbelkanals, später auch mit Hirntumoren. Sein neurologischer Partner war Hans Berger, der Erfinder des EEG. Arthur Woldemar Meyer, seit 1922 Leiter der Zweiten Chirurgischen Klinik in Berlin-Charlottenburg, entwickelte eine Messsonde, mit der er Hirntumoren anhand des elektrischen Gewebswiderstandes identifizieren konnte. Franz Schück, Chirurg im Berliner städtischen Krankenhaus Am Urban, lieferte wichtige Erkenntnisse zur Pathogenese des sog. Sudeck-Syndroms und betonte die Rolle des Hirnstamms bei der Steuerung des Bewusstseins. Wilhelm Löhr in Magdeburg führte 1933 die von Antonio Egas Moniz entwickelte Technik der Hirnangiographie in Deutschland ein, wobei er wegen des besseren Kontrastes radioaktives Thoriumdioxid verwendete. Herbert Peiper beschäftigte sich zur gleichen Zeit wie Heymann mit der Kontrastdarstellung des Wirbelkanals; er führte den Begriff „Myelographie“ ein.

Der Einfluss von Harvey Cushing

Im Vergleich dazu war die Verselbstständigung der Neurochirurgie im Ausland weiter fortgeschritten. Harvey Cushing in den USA hatte sich seit 1904 ausschließlich auf die Chirurgie des Nervensystems konzentriert und diese Haltung auch offensiv vertreten. Mit seinen guten Operationsergebnissen erregte er bald Aufsehen, zog daher zahlreiche Stipendiaten und Gastärzte an, die seine Ideen weltweit verbreiteten. Cushing führte seine Erfolge auf die ausschließliche Beschäftigung mit dem Nervensystem und auf spezielle Techniken und Hilfsmittel zurück: So hatte er schon 1901 das Narkoseprotokoll mit Blutdrucküberwachung eingeführt, 1911 den Gefäßclip und ab 1918 - unabhängig von Ernst Unger - stufenweise den chirurgischen Sauger, der sich bis Mitte der 1920er Jahre annähernd zur heutigen Form entwickelt hatte. 1927 folgte die entscheidende Abwandlung eines Diathermie-Apparates zur elektrischen Verschorfung blutender Gefäße, ohne dass der Strom am Gehirn Krampfaktivität auslöste. Die Teilung der Hirnoperationen in zwei Zeiten hatte er frühzeitig aufgegeben, ebenso die Auslösung der Hirntumoren mit dem Finger. Vor allem vertrat er bei Hirntumoren ein anderes Prinzip als bisherige Chirurgen, die durch Umfahren der Tumorgrenzen eine radikale Exstirpation anstrebten. Cushing höhlte die Tumoren zunächst aus und ließ notfalls eine Tumorschale stehen, wenn ihre Entfernung zu riskant erschien.

Ausgewählte Publikationen

Die Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Neurochirurgie und verwandter Organisationen tragen durch ihre Forschung und Publikationen zur Weiterentwicklung des Fachgebiets bei. Einige ausgewählte Publikationen von Forschern in diesem Bereich sind:

  • Hopf NJ, Bremm J, Bohl J, Perneczky A (1994) Image analysis of proliferating cells in tumors of the human nervous system: An immunohistological study using the monoclonal antibody Ki-67. Neurosurgery 35: 917-923
  • Hopf NJ, Füllbier L (2010)
  • Hopf NJ, Perneczky A (1998) Endoscopic neurosurgery and endoscope-assisted microneurosurgery for the treatment of intracranial cysts. Neurosurgery 43: 1330-1337
  • Hopf NJ, Grunert P, Fries G, Resch KDM, Perneczky A (1999) Endoscopic third ventriculostomy: Outcome analysis of 100 consecutive procedures. Neurosurgery 44: 795-806
  • Hopf NJ, Grunert P, Darabi K, Busert C, Perneczky A (1999) Frameless neuronavigation applied to endoscopic neurosurgery. Minim Invas Neurosurg 42: 187-193
  • Hopf NJ (1999) Endoscopic neurosurgery „around the corner“ with a rigid endoscope. Minim Invas Neurosurg 42: 27-31
  • Kanner A, Hopf NJ, Grunert P (2000) The „optimal“ burr hole position for endoscopic third ventriculostomy: results from 31 stereotactically guided procedures. Minim Invas Neurosurg 43: 187-189
  • Demuth T, Hopf NJ, Kempski O, Sauner D, Herr M, Giese A, Perneczky A (2001) Migration activity of human glioma cell lines in vitro assessed by continuous single cell observation. Clin Exp Metastas 18: 589-597
  • Koch D, Grunert P, Filippi R, Hopf NJ (2002) Re-ventriculostomy for treatment of obstructive hydrocephalus in cases of stoma dysfunction. Minim Invasiv Neurosurg 45: 158-163
  • Hopf NJ, Stadie A, Reisch R (2009) Management of bilateral middle cerebral artery aneurysms via a Unilateral Supraorbital Key-Hole Craniotomy Minim Invasiv Neurosurg 52: 126-131
  • Reisch R, Stadie A, Kockro R, Gawish I, Schwandt E, Hopf NJ (2009) Supraorbital subfrontal key-hole approach for surgical treatment of temporomesial lesions of the dominant hemisphere Minim Invasiv Neurosurg 52: 163-169
  • Hopf NJ, Füllbier L (2010) Minimally invasive neurosurgery for vascular lesions. Neurosurg Clin N Am 21(4): 673-689
  • Fischer G, Stadie A, Reisch R, Hopf NJ, Fries G, Böcher-Schwarz H, van Lindert E, Ungersböck K, Knosp E, Oertel J, Perneczky A (2011) The keyhole concept in aneurysm surgery: results of the past 20 years. Neurosurgery 68 (1 Suppl Operative):45-51; discussion 51.
  • Coburger J, Musahl C, Henkes H, Horvath-Rizea D, Bittl M, Weissbach C, Hopf N (2012) Comparison of navigated transcranial magnetic stimulation and functional magnetic resonance imaging for preoperative mapping in rolandic tumor surgery Neurosurg Rev 36: 65-75, discussion 75-76
  • Coburger J, Karhu J, Bittl M, Hopf NJ (2012) First preoperative functional mapping via navigated transcranial magnetic stimulation in a 3-year-old boy. J Neurosurg Pediatr 9 (6): 660-664
  • Reisch R, Stadie A, Kockro RA, Hopf N (2012) The keyhole concept in Neurosurgery. World Neurosurg 79 (2 Suppl); p. S17.e9-13 /201302/
  • Kurucz P, Baksa G, Patonay L, Hopf NJ (2013) Endoscopic anatomical study of the arachnoid architecture on the base of the skull: Part I: The anterior and middle cranial fossa Innovative Neurosurgery 1(1): 55-66
  • Kurucz P, Baksa G, Patonay L, Hopf NJ (2013) Endoscopic anatomical study of the arachnoid architecture on the base of the skull: Part II: Level of the tentorium, posterior cranial fossa and the craniovertebral junction Innovative Neurosurgery 1(2): 91-108
  • Hopf NJ, Kurucz P, Reisch R (2013) Three-dimensional HD endoscopy - first experiences with the Einstein Vision system in neurosurgery Innovative Neurosurgery 1(2): 125-131
  • Renovanz M, Gutenberg A, Haug M, Strittmacher E, Mazur J, Nadji-Ohl M, Giese A, Hopf N (2013) Postsurgical screening for psychological disorders in neurooncological patients Acta neurochirurgica; VOL: 155 (12); p. 2255-61 /201312/
  • Renovanz M, Hickmann A-K, Henkel C, Nadji-Ohl M, Hopf NJ (2014) Navigated versus non-navigated intraoperative ultrasound: is there any impact on the extend of resection of high-grade gliomas? A retrospective clinical analysis. J Neurol surg A 75: 224-230
  • Thaher F, Kurucz P, Fuellbier L, Bittl M, Hopf NJ (2014) Endoscopic surgery for tumors of the pineal region via a paramedian infratentorial supracerebellar keyhole approach (PISKA) Neurosurgical Review 37: 677-684
  • Hickmann A; Nadji-Ohl M; Hopf NJ (2014) Feasibility of fluorescence-guided resection of recurrent gliomas using five-aminolevulinic acid: retrospective analysis of surgical and neurological outcome in 58 patients. Journal of neuro-oncology /20150104/
  • Reisch R; Fischer G; Stadie A; Kockro R; Cesnulis E; Hopf N (2014) The Supraorbital Endoscopic Approach for Aneurysms. World neurosurgery; VOL: 82 (6S); p. S130-S137
  • Renovanz M; Hickmann AK; Gutenberg A; Bittl M; Hopf NJ (2015) Does size matter? Minimally invasive approach in pediatric neurosurgery-a review of 125 minimally invasive surgeries in children: clinical history and operative results. Childs Nerv Syst.

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