Kamillentee und andere Heilpflanzen bei Kopfschmerzen und Migräne: Wirkung und Anwendung

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der etwa 16 % der Weltbevölkerung betroffen sind, wobei Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Viele Betroffene suchen nach alternativen Behandlungsmethoden, da nicht alle Migräneformen effektiv mit schulmedizinischen Therapien behandelt werden können oder diese Therapien nicht gut vertragen werden. Heilpflanzen und Hausmittel wie Kamillentee werden oft als natürliche Unterstützung in Betracht gezogen. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Wirkungen von Kamillentee und anderen Heilpflanzen bei Kopfschmerzen und Migräne, basierend auf aktuellen Studien und traditionellen Anwendungen.

Flüssigkeitszufuhr und Kopfschmerzen

Oftmals sind Kopfschmerzen ein Zeichen von Dehydration. Wer zu wenig trinkt, riskiert Kopfschmerzen, die durch den Flüssigkeitsmangel ausgelöst werden. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann bereits innerhalb einer halben Stunde Besserung bringen.

Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass eine höhere Flüssigkeitszufuhr auch bei Migräne helfen kann. Teilnehmer, die mehr Wasser konsumierten, erlebten eine signifikante Besserung in Bezug auf den Schweregrad der Beeinträchtigung, Schmerzstärke, Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen.

Tee kann somit allein durch die Flüssigkeitsmenge eine gute Option bei Kopfschmerzen sein. Aber was unterscheidet einen Kopfschmerz-Tee von anderen Teesorten oder einem Glas Wasser?

Was steckt in Kopfschmerz-Tees?

Gängige Tees gegen Kopfschmerzen enthalten oft Pfefferminze, Grüntee, Melisse, Süßholzwurzel, Lavendelblüten und Mädesüß. Auch Heilpflanzen wie Baldrian, Kamille und Ingwer werden häufig als Hilfsmittel bei Kopfschmerzen beschrieben.

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Kamille

Bisher haben nur wenige Studien die Wirkung von Kamille auf das zentrale Nervensystem untersucht. Ihr werden aber entzündungshemmende und entzündungsmodulierende Eigenschaften nachgesagt. In Tiermodellen hatte die konzentrierte Form eines Wirkstoffs aus der Kamillen zudem eine sedierende und somit beruhigende Wirkung gezeigt. Eine entspannende Wirkung liegt somit nahe, wobei die Ergebnisse nicht auf Kamillentee übertragbar sind.

Pfefferminz

Pfefferminze enthält ätherische Öle, die in Form eines Tees wahrscheinlich keine große Wirkung entfalten, da sie in geringer Konzentration vorliegen und den Magen-Darm-Trakt passieren müssten. Studien untersuchen vor allem die Wirkung von Pfefferminzöl. Auf der Haut können ätherische Öle Kälterezeptoren anregen, wodurch eine schmerzlindernde Wirkung bei Kopfschmerzen im Sinne einer Kältetherapie zustande kommt. Eine Konzentration von 1,5 % zeigte einen Effekt, der mit der Einnahme einer Schmerztablette vergleichbar war.

Mädesüß

Mehrere Studien zeigten entzündungshemmende Eigenschaften der Heilpflanze Mädesüß, die vor allem auf ihren Gehalt an Salicylderivaten zurückzuführen sind. Diese Stoffe sind Vorläufer der Acetylsalicylsäure (Aspirin). Eine schmerzlindernde Wirkung bei Kopfschmerzen liegt nahe, ist aber für die niedrige Konzentration und Einnahme in Kopfschmerz-Tee nicht bewiesen.

Grüntee

Grüntee enthält Teein (ein Koffeinderivat) und wirkt somit als Stimulans des zentralen Nervensystems. Koffein und Kopfschmerzen haben eine ambivalente Beziehung: Einerseits kann Kaffee gegen Kopfschmerzen helfen und wird Schmerzmitteln zugesetzt, um deren Wirkung zu verstärken. Andererseits kann übermäßiger Koffeinkonsum Kopfschmerzen verursachen oder verschlimmern, insbesondere bei plötzlichem Verzicht. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass grüner Tee in der Lage ist, Blutzuckerwerte minimal abzusenken.

Lavendel

Lavendel wirkt entspannend, krampflösend und antibakteriell. Hinzu kommen antioxidative und blutzuckersenkende Eigenschaften sowie eine schmerzstillende Wirkung, welche alle von Vorteil für Migräne sein können. Der Großteil der Studien wurde aber mit konzentriertem ätherischen Lavendelöl und nicht mit Lavendeltee durchgeführt, weshalb eine Übertragung der Effekte nicht möglich ist.

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Melisse

Melisse wird in der traditionellen marokkanischen Medizin als beruhigend, krampflösend und stärkend für das Herz beschrieben. Studien zeigten potenziell entzündungshemmende Eigenschaften, die in der traditionellen Anwendung der Pflanze bei der Behandlung verschiedener Krankheiten unterstützend sein können. Diese Eigenschaften könnten sich auch bei Migräne positiv auswirken, da diese durch Entzündungsreaktionen ausgelöst werden kann - Daten gibt es dazu aber keine.

Baldrian

Baldrian wird eine entspannende und beruhigende Wirkung nachgesagt. Es ist eines der meistverwendeten Heilpflanzen bei Schlafproblemen, obwohl es keine eindeutige wissenschaftliche Evidenz für seine Wirksamkeit bei Schlafstörungen gibt. Regelmäßiger und ausreichender Schlaf mit guter Schlafqualität kann Migräne und Kopfschmerzen vorbeugen. Ein zusätzlicher positiver Effekt von Baldrian ist jedoch nicht zu erwarten.

Ingwer

Studien haben gezeigt, dass Ingwer sowohl Schmerzen als auch Übelkeit lindern kann, wodurch ein Effekt auf Migräne nahe liegt. Die Wirkung hängt von der Art der Einnahme ab. Es spricht aber nichts dagegen, die Wirksamkeit von Ingwer bei Kopfschmerzen und Übelkeit auszuprobieren.

Weitere Heilpflanzen bei Migräne

Neben den Inhaltsstoffen von Kopfschmerz-Tees gibt es auch andere Heilpflanzen, die bei Migräne hilfreich sein könnten:

Mutterkraut (Tanacetum parthenium)

Das Mutterkraut, auch bekannt als "Falsche Kamille", ähnelt der Kamille im Aussehen und wird traditionell zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Es enthält Sesquiterpenlactone, insbesondere Parthenolid, das entzündungshemmende, gefäßentspannende und blutgerinnungshemmende Eigenschaften besitzt und die Serotoninfreisetzung hemmen kann. Klinische Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Mutterkraut vor Migräneanfällen schützen könnte. Allerdings sind die wissenschaftlichen Beweise für diesen Zusammenhang bislang nicht ausreichend. Mutterkraut kann im Garten oder auf dem Balkon angebaut werden, und das Kraut kann während der Blütezeit geerntet werden.

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Cannabidiol (CBD) aus Hanf (Cannabis indica/sativa)

Cannabidiol (CBD), ein Wirkstoff aus Hanf, hat in den letzten Jahren großes Interesse geweckt. Forschungen deuten darauf hin, dass bei Migräne ein Mangel an Endocannabinoiden vorliegen könnte. CBD könnte hilfreich sein, da es den Abbau von Endocannabinoiden hemmt. In einigen Fällen übernehmen Krankenkassen die Kosten für einen Therapieversuch mit CBD oder CBD-haltigem Cannabis, wenn andere Therapien nicht erfolgreich sind.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut hat nicht nur eine antidepressive Wirkung, sondern kann auch Nervenschmerzen lindern und die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in Blutgefäßen unterdrücken. Da Stickstoffmonoxid die Gefäße im Kopf erweitert und bei der Entstehung von Migräneattacken eine Rolle spielt, könnte Johanniskraut hier regulierend wirken.

Teerezeptur gegen Migräne

Eine spezielle Teerezeptur, die aus der Praxis stammt, kombiniert Johanniskraut, Mutterkraut, Silberweidenrinde, Haferkraut, Schafgarbe und Jasminblüten. Die Silberweidenrinde enthält Salicin, eine Vorstufe der Salicylsäure, die schmerzlindernd wirkt. Haferkraut und Schafgarbe könnten beruhigende Aspekte beitragen, während Jasminblüten entspannend auf die Muskulatur von Gefäßen wirken sollen.

Zutaten:

  • 15 g Jasminblüten (Jasmini flores)
  • 40 g Johanniskraut (Hyperici herba)
  • 40 g Mutterkraut (Tanaceti parthenii herba)
  • 40 g Schafgarbe (Millefolii herba)
  • 45 g Haferkraut (Avenae herba)
  • 55 g Weidenrinde (Salicis cortex)

Zubereitung/Dosierung:

3-mal täglich 1 Esslöffel der Mischung mit 250 ml siedendem Wasser zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen und trinken.

Wichtige Hinweise:

  • In der Schwangerschaft oder Stillzeit sollte die Rezeptur ohne Mutterkraut hergestellt und nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
  • Nicht einnehmen bei bekannter Salicylat-Unverträglichkeit oder Allergie gegenüber Korbblütlern.
  • Bei Einnahme von Medikamenten sollte der Tee nur nach ärztlicher Rücksprache getrunken werden, da Johanniskraut die Wirksamkeit verschiedener Medikamente beeinflussen kann.

Entspannung und Kopfschmerzen

Eine Tasse Tee kann oft mit Ruhe und Entspannung verbunden sein. Rituale wie das gemütliche Machen auf der Couch oder das bewusste Durchatmen in hektischen Zeiten können positive Auswirkungen auf Kopfschmerzen und Migräne haben, da Stress und Migräne eng zusammenhängen.

Weitere Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Migräne

Neben Tees gibt es noch weitere Hausmittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne Linderung verschaffen können:

  • Ätherische Öle: Pfefferminzöl, Lavendelöl, Ingweröl, Zimtöl und Vanilleöl können inhaliert, als Badezusatz verwendet oder vorsichtig auf die Haut aufgetragen werden.
  • Wasseranwendungen: Lauwarme Teilbäder, heiße Vollbäder und kalte Güsse können je nach Vorliebe und Art der Kopfschmerzen hilfreich sein.
  • Entspannungsmethoden: Gesichtsgymnastik, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen und Akupressur können Verspannungen lösen und Kopfschmerzen vorbeugen.

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft unterliegt die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen. Die in diesem Artikel beschriebenen medizinischen Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen sind allgemeine Darstellungen und ersetzen keine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apothekerin. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zur Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.

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