Schlaganfall und Parkinson: Ein komplexer Zusammenhang

Einführung

Schlaganfall und Parkinson sind zwei der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinträchtigen. Obwohl sie unterschiedliche Ursachen und Symptome haben, gibt es zunehmend Hinweise auf einen komplexen Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Zusammenhangs, von den gemeinsamen Risikofaktoren bis hin zu den therapeutischen Überlegungen.

Schlaganfall: Eine plötzliche Unterbrechung der Hirnversorgung

Ein Schlaganfall, auch Apoplex genannt, tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Dies kann durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht werden. In Deutschland erleidet alle drei Minuten ein Mensch einen Schlaganfall, und alle neun Minuten stirbt ein Mensch daran. Die Auswirkungen eines Schlaganfalls können vielfältig sein und hängen davon ab, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist. Häufige Folgen sind:

  • Hemiparese (Lähmung einer Körperhälfte)
  • Fußheberschwäche
  • Sprach- und Gedächtnisstörungen
  • Schluckstörungen

Die Behandlung von Schlaganfallpatienten hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert, insbesondere durch die Einrichtung von Stroke Units. Diese spezialisierten Einheiten ermöglichen eine schnelle Diagnostik und Therapie, was die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich steigern kann. Im CaritasKlinikum Saarbrücken werden jährlich etwa 500 Schlaganfallpatienten behandelt. Dr. med. Christoph Massing, Chefarzt der Klinik für Neurologie im CaritasKlinikum Saarbrücken, betont die Wichtigkeit schneller Diagnostik und Therapie bei neurovaskulären Erkrankungen wie dem Schlaganfall.

Parkinson: Eine neurodegenerative Erkrankung

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie ist durch den Verlust von Nervenzellen gekennzeichnet, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dies führt zu einer Reihe von motorischen und nicht-motorischen Symptomen, darunter:

  • Zittern
  • Muskelsteifigkeit
  • Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese)
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Magen-Darm-Störungen

Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, können die Symptome durch Medikamente, Physiotherapie und andere Therapien gelindert werden. Eine Option ist die Behandlung des fortgeschrittenen Parkinsonsyndroms mit Pumpen-Therapien, bei denen die Medikamente direkt in die Haut oder in den Darm abgegeben werden.

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Gemeinsame Risikofaktoren

Obwohl Schlaganfall und Parkinson unterschiedliche Erkrankungen sind, teilen sie einige gemeinsame Risikofaktoren. Dazu gehören:

  • Alter: Das Risiko für beide Erkrankungen steigt mit zunehmendem Alter.
  • Bluthochdruck: Hoher Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfall und kann auch das Risiko für Parkinson erhöhen.
  • Diabetes: Diabetes mellitus erhöht das Risiko für vaskuläre Erkrankungen, einschließlich Schlaganfall. Einige Studien deuten auch auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Diabetes und Parkinson hin.
  • Herzerkrankungen: Vorhofflimmern und andere Herzerkrankungen erhöhen das Schlaganfallrisiko. Es gibt auch Hinweise darauf, dass bestimmte Herzerkrankungen mit einem erhöhten Parkinson-Risiko verbunden sein könnten.
  • Schlafstörungen: Schlafapnoe, eine häufige Schlafstörung, ist mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall verbunden. Neue Studien zeigen, dass chronische Schlafstörungen neurokognitive Degeneration begünstigen können, was möglicherweise auch das Parkinson-Risiko beeinflusst.

Vaskulärer Parkinsonismus: Wenn Schlaganfälle Parkinson-Symptome verursachen

In einigen Fällen können häufige kleine Schlaganfälle (Multiinfarktsyndrom) zu einem Parkinson-Syndrom führen. Dies wird als vaskulärer Parkinsonismus bezeichnet. Im Gegensatz zum idiopathischen Parkinson ist der vaskuläre Parkinsonismus oft durch eine plötzliche Verschlechterung der Symptome und das Vorhandensein von Risikofaktoren für vaskuläre Erkrankungen gekennzeichnet.

Medikamente und sekundäres Parkinson-Syndrom

Bestimmte Medikamente, wie Chlorpromazin oder Haloperidol (gegen Psychosen), Lithium (gegen bipolare Störungen), Metoclopramid (gegen Übelkeit) oder Flunarizin (zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen), können ein Parkinson-Syndrom auslösen. Der Arzt wird gezielt nach der Einnahme von Medikamenten fragen, welche diese Wirkstoffe enthalten.

Schlaganfallrisiko bei Parkinson-Patienten

Es gibt Hinweise darauf, dass Parkinson-Patienten ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle haben könnten. Dies könnte auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein, darunter:

  • Eingeschränkte Mobilität: Parkinson-Patienten sind oft weniger mobil, was das Risiko für Blutgerinnselbildung und damit für ischämische Schlaganfälle erhöhen kann.
  • Autonome Dysfunktion: Parkinson kann das autonome Nervensystem beeinträchtigen, was zu Blutdruckschwankungen und einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen kann.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können das Risiko für bestimmte Komplikationen erhöhen, die wiederum das Schlaganfallrisiko beeinflussen können.

Neuroorthopädie: Hilfe nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann die Neuroorthopädie helfen, die Folgen nervlich bedingter Krankheiten zu behandeln. Ziel ist es, den Menschen die bestmögliche Versorgung zu geben, um wieder am täglichen Leben teilnehmen zu können. Die Neuroorthopädie beschäftigt sich auch ausgiebig mit neurologischen Funktionsstörungen bei Kindern, also Erkrankungen, die durch Schädigung des Zentralen Nervensystems auftreten.

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Innovative Therapien

Die Forschung arbeitet kontinuierlich an neuen Therapien, um die Behandlung von Schlaganfall- und Parkinson-Patienten zu verbessern. Einige vielversprechende Ansätze sind:

  • Elektrische Hirnstimulation: Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) wird zur Unterstützung des Sprachtrainings nach einem Schlaganfall eingesetzt. Dabei fließt ein schwacher Strom über Elektroden an der Kopfhaut zu den Nervenzellen des Gehirns.
  • Tiefe Hirnstimulation: Bei Parkinsonpatienten kann die tiefe Hirnstimulation eingesetzt werden, um unkontrollierte Bewegungen wie Zittern abzumildern. Dabei werden Elektroden tief ins Gehirn vorgeschoben, die elektrische Impulse abgeben.
  • Adaptive Stimulation: Neue Geräte können die Hirnaktivität überwachen und nur dann Stromimpulse geben, wenn das Gehirn krankhafte Aktivität zeigt.

Prävention

Prävention spielt eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung des Risikos für Schlaganfall und Parkinson. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht auf Rauchen kann das Risiko für beide Erkrankungen senken. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen ist ebenfalls von großer Bedeutung.

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