Das Heart and Brain Center Göttingen (HBCG) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist eine bundesweit einzigartige Forschungseinrichtung, die sich der Erforschung organübergreifender Ursachen von häufigen Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und des Nervensystems widmet. Durch die Zusammenführung der Forschungsschwerpunkte Kardiologie und Neurowissenschaften unter einem Dach wird eine innovative Plattform geschaffen, um das komplexe Zusammenspiel von Herz und Gehirn umfassend zu untersuchen.
Einzigartige interdisziplinäre Zusammenarbeit
Bislang arbeiteten Kardiologie und Neurologie bei der Diagnostik und Behandlung von Krankheitsbildern sowie in der Forschung meist fachlich und räumlich getrennt. Das HBCG strebt die Auflösung dieser strikten Trennung an und ermöglicht ein integratives experimentelles und translationales Forschungskonzept. Ziel ist es, organübergreifende Ursachen von häufigen Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und des Nervensystems zu erforschen.
Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstands der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), betonte: „Die Entscheidung heute ist ein großer Erfolg für die universitäre Medizin in Göttingen und für den Wissenschaftsstandort ‚Göttingen Campus‘. Eine Zusammenarbeit in dieser Form gibt es bislang noch nicht."
Forschungsschwerpunkte und Ziele
Das HBCG konzentriert sich auf die Erforschung von Krankheitsmechanismen, die sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch das Nervensystem betreffen. Dabei sollen Präventions- und Therapieverfahren entwickelt werden.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die translationale Forschung: Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sollen möglichst schnell in die klinische Erprobung gebracht werden und der Behandlung von Patient*innen zur Verfügung stehen.
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Das HBCG verknüpft die wissenschaftliche, krankheitsorientierte Expertise in den Neurowissenschaften, der Skelettmuskelforschung und der Herzmedizin mit der Methodenkompetenz unter anderem der Biologie und der molekularen Biowissenschaften, der Bildgebung und (Medizinischen) Informatik, der Physik und der Pharmakologie. Im HBCG erfolgen somit erstmalig systematische experimentelle, theoretische und klinische Untersuchungen von Faktoren für Erkrankungen dieser drei Organsysteme.
Gebäude und Ausstattung
Das HBCG verfügt über vier Geschosse und eine Hauptnutzfläche von 3.450 Quadratmetern. Davon sind etwa 1.000 Quadratmeter für 26 Labore vorgesehen, darunter biochemische Labore, Zellkulturlabore sowie Mikroskopie- und Optiklabore. Hinzu kommen 23 Büroarbeitsräume und zwei Konferenzräume. Für die Untersuchung und Behandlung von Patient*innen im Rahmen der Forschungsvorhaben stehen 700 Quadratmeter zur Verfügung. Im Erdgeschoss befindet sich ein eigener Forschungs-MRT.
Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Forschungsarbeit mit höchstauflösenden Mikroskopen (STED-Mikroskopie).
Beteiligte Personen und Arbeitsgruppen
Das HBCG wird von Univ.-Prof. Dr. med. Mathias Bähr (Direktor der Klinik für Neurologie) geleitet. Stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Karl Toischer. Insgesamt sind elf Forschungsgruppen und fünf Infrastrukturgruppen im Gebäude tätig.
Weitere wichtige Personen sind:
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- Prof. Wolfgang Brück (Mitglied des HBCG Vorstandes)
- Prof. Dr. med. C. von Arnim (Inhaberin des Lehrstuhls für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen)
- Prof. Melanie Wilke (Mitglied des HBCG Vorstandes)
- Prof. Dr. Gerd Hasenfuß (ehemaliges Vorstandsmitglied des DZHK, Vorsitzender des Herzforschungszentrums Göttingen, Vorsitzender des Herzzentrums und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG)
- Univ.-Prof. Dr. Martin S. Weber (Leiter der Arbeitsgruppe „Translationale Neuroinflammation“)
- PD. Dr. Dirk Fitzner (Geschäftsführender Oberarzt)
- PD. Dr. Daniela Infanti (Sekretariat UnivProf. Dr. Weber/ PD. Dr. med. Fitzner/ PD Dr. D. Fitzner / PD Dr. C.)
- Univ. Prof. Niels Focke (Oberarzt / Schwerpunktprofessor)
- Prof. Dr. Claudia Lange (Dipl.-Psych.) Klinische Neuropsychologin (GNP)
Klinische Schwerpunkte und Kooperationen
Die Klinik für Neurologie der UMG bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen an. Dazu gehören:
- Nervenwasserdiagnostik (Lumbalpunktion) einschließlich Druckmessung
- Neurophysiologische Funktionsdiagnostik wie Elektromyographie (EMG), Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und evozierte Potenziale (VEP, SEP, MEP, AEP)
- Bildgebende Diagnostik einschl. CT bzw. MRT
Fachlich werden Betroffene in der Tagesklinik von den jeweiligen Leitern der Spezialambulanzen der neurologischen Klinik behandelt, wie z.B. der neurovaskulären Sprechstunde, der neuromuskulären Ambulanz, der Demenzsprechstunde, der Bewegungsstörungsambulanz und der Multiple-Sklerose-Ambulanz.
Durch diese Spezialisierung ist die Tagesklinik und Infusionsambulanz Bestandteil der jeweiligen Behandlungszentren, an denen sich die Klinik für Neurologie beteiligt: MS-Zentrum, Neurovaskuläres Zentrum, Neuromuskuläres Zentrum, Zentrum für seltene Erkrankungen Göttingen.
Betroffene, deren neurologische Erkrankung eine (wiederkehrende) Infusionsbehandlung erfordert, können in der Infusionsambulanz behandelt werden. Hierzu zählen z.B. Infusionen mit Glukokortikoiden, Immunglobuline (IgG), Natalizumab, Rituximab, Ocrelizumab, Eculizumab und andere.
Die kardiovaskuläre Forschung erfolgt an der Schnittstelle von Herz und Gefäßen mit Niere und Hirn und damit in enger Interaktion und Kooperation mit den beteiligten Kliniken der Nephrologie und Neurologie sowie der Gefäßchirurgie.
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Mit der Klinik für Neurologie besteht seit dem Jahre 2014 eine sehr enge Kooperation (PD Dr. J. Liman, Frau Dr. M. Schnieder) - sowohl von klinischer als auch wissenschaftlicher Seite. Neben einigen epidemiologischen neurokardiologischen Studien, die bereits erfolgreich publiziert worden sind, erfolgen zur Zeit mehrere prospektive Studien zum kardioembolischen Schlaganfall, u.a. die CEIS-Studie (‚Comparing Echocardiography In Stroke‘). Sie dienen zur Erforschung und Validierung von aktuellen Diagnostik- und Therapieverfahren des Schlaganfalls aus kardiologischer Sicht.
Geriatrie an der UMG
Innerhalb der UMG baute Prof. von Arnim neben der Station auch eine Forschungsgruppe auf, die sich mit Krankheiten bei Hochbetagten und Zusammenhängen im Organismus beschäftigt. Die Forschungsgruppe wird mit Eröffnung in das Heart & Brain Center eingegliedert Im Februar 2021 eröffnete sie die Station der Geriatrie im Bettenhaus 2, seit Herbst 2021 verfügt die Geriatrie auch über eine Ambulanzsprechstunde. Mit der Eröffnung der Geriatrie-Station wurde Prof. Sommer als Oberarzt in der Geriatrie tätig. Prof. Sommer hat eine eigene Ambulanzsprechstunde, die sich auf die Schmerztherapie für Hochbetagte bezieht.
Hypertonie-Zentrum
Prof. Dr. M. Schroeter ist von kardiologischer Seite für das interdisziplinäre Hypertonie-Zentrum verantwortlich und leitet interdisziplinär u.a. die Heart Failure Unit des Herzzentrums. Dadurch besteht eine enge Kooperation zur Klinik Nephrologie und Rheumatologie (Prof. Dr. M. Koziolek, PD Dr. M. Wallbach). Neben bereits bestehenden gemeinsamen Projekten ist aktuell eine prospektive Studie zum kardiorenalen Syndrom geplant. Des Weiteren sind die Barorezeptoraktivierungstherapie (BAT) und die Renale Denervation (RD) neben dem Einsatz beim therapierefraktären arteriellen Hypertonus auch bei zu behandelnde Personen mit Herzinsuffizienz in entsprechenden Studien vorgesehen.
Feierliche Eröffnung
Das HBCG wurde am 22. August 2024 feierlich eröffnet. Bund und Land Niedersachsen investierten rund 38 Millionen Euro in den Neubau.
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