Alois Alzheimer: Leben, Werk und die Entdeckung einer Krankheit

Alois Alzheimer, dessen Name untrennbar mit einer der bekanntesten und gefürchtetsten neurodegenerativen Erkrankungen verbunden ist, war ein bedeutender deutscher Psychiater und Neuropathologe. Seine akribische Arbeit und sein unermüdliches Engagement führten zur Entdeckung der Alzheimer-Krankheit, einer Form der Demenz, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinträchtigt.

Frühes Leben und Ausbildung

Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 in Marktbreit, Unterfranken, geboren. Er war der Sohn des Notars Eduard Alzheimer und dessen zweiter Ehefrau Barbara Theresia. Nach seiner Schulzeit in Aschaffenburg studierte er Medizin an den Universitäten Berlin, Tübingen und Würzburg. Sein Interesse an der Anatomie und Physiologie des Gehirns wurde während seines Studiums geweckt. Im Jahr 1887 promovierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit einer Dissertation über die Ohrenschmalzdrüsen.

Karrierebeginn in Frankfurt am Main

Nach seinem Studium begann Alzheimer seine berufliche Laufbahn in der "Anstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main. Dort arbeitete er unter der Leitung von Emil Sioli, der zu dieser Zeit der einzige Arzt für 254 Patienten war. Die Zustände in der Anstalt waren katastrophal, und Alzheimer war schockiert über die mangelnde Versorgung und die unwürdigen Lebensbedingungen der Patienten. Gemeinsam mit Franz Nissl, der bald ein enger Freund und Kollege wurde, setzte sich Alzheimer für eine Verbesserung der Zustände ein. Sie modernisierten die Klinik, führten neue Behandlungsmethoden ein und schufen eine humanere Umgebung für die Patienten.

Alzheimer und Nissl richteten ein Mikroskopierzimmer ein, in dem sie gemeinsam Gehirnschnitte von Verstorbenen untersuchten, die an progressiver Paralyse litten, einer damals häufigen Geisteskrankheit, die später als Spätfolge der Syphilis erkannt wurde. Diese Arbeit trug maßgeblich zu Alzheimers Habilitation bei.

Begegnung mit Auguste Deter

Ein entscheidender Moment in Alzheimers Karriere war die Aufnahme von Auguste Deter in die Frankfurter Anstalt im November 1901. Auguste war 51 Jahre alt und wies eine Reihe ungewöhnlicher Symptome auf, darunter Gedächtnisverlust, Desorientierung, Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Ihr Ehemann, Karl Deter, ein Eisenbahnkanzlist, hatte sie in die Anstalt gebracht, da er mit ihrem Zustand überfordert war.

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Alzheimer widmete Auguste Deter besondere Aufmerksamkeit und führte ausführliche Gespräche mit ihr, um ihre Symptome und ihren Krankheitsverlauf genau zu dokumentieren. Er erkannte, dass es sich bei Auguste Deters Erkrankung um etwas anderes handelte als die üblichen Formen der Altersdemenz. Er notierte folgende Besuchsszene: "Wie heißen Sie?" "Mai." - "Schreiben Sie Ihren Namen auf." Sie schrieb "Mai". Ein Vierteljahr später konnte sich Alzheimer nicht mehr mit seiner Patientin unterhalten, die er fast täglich besuchte. Die Frau jammerte oder schrie oft anfallsartig mehrere Stunden lang.

Wechsel nach München und die Entdeckung der Alzheimer-Krankheit

Im Jahr 1903 wechselte Alzheimer auf Einladung von Emil Kraepelin an die Königliche Psychiatrische Universitätsklinik in München. Dort setzte er seine Forschungen fort und baute ein modernes Labor auf, in dem er zahlreiche internationale Forscher ausbildete. Alzheimer blieb jedoch weiterhin an Auguste Deters Fall interessiert. Nach ihrem Tod im April 1906 erhielt er die Krankenakte und das Gehirn der Patientin von Emil Sioli aus Frankfurt.

Alzheimer untersuchte das Gehirn von Auguste Deter mit großer Sorgfalt und entdeckte unter dem Mikroskop "sehr merkwürdige Veränderungen der Neurofibrillen", also des Zellskeletts der Nervenzellen. Er fand auch "hirsekorngroße Herdchen" in der Hirnrinde, die durch die Einlagerung eines eigenartigen Stoffes bedingt waren. Diese Veränderungen, die heute als Amyloid-Plaques und Neurofibrillenbündel bekannt sind, sind die charakteristischen Merkmale der Alzheimer-Krankheit.

Veröffentlichung der Ergebnisse und die Benennung der Krankheit

Alzheimer präsentierte seine Entdeckungen im November 1906 auf der Versammlung der Süddeutschen Irrenärzte in Tübingen. Sein Vortrag stieß jedoch zunächst auf wenig Resonanz. Erst 1910, als Emil Kraepelin die von Alzheimer entdeckte Krankheit in seinem Lehrbuch der Psychiatrie als "Alzheimer-Krankheit" bezeichnete, erlangte sie größere Bekanntheit.

Weitere Forschung und späte Karriere

Nach seiner Entdeckung der Alzheimer-Krankheit setzte Alzheimer seine Forschungstätigkeit fort und leistete wichtige Beiträge zur Erforschung anderer neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen. Im Jahr 1912 wurde er zum Professor für Psychiatrie an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Breslau ernannt.

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Tod und Vermächtnis

Alois Alzheimer starb am 19. Dezember 1915 in Breslau im Alter von 51 Jahren an einer infektiösen Krankheit, die sein Herz geschädigt hatte. Trotz seines frühen Todes hinterließ er ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe. Seine Entdeckung der Alzheimer-Krankheit war ein Meilenstein in der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen und hat die Entwicklung von Diagnose- und Behandlungsmethoden maßgeblich beeinflusst.

Auch heute noch basiert die moderne pathologische Diagnose der Alzheimer-Krankheit auf denselben Untersuchungsmethoden, die Alzheimer 1906 erstmals verwendete. Sein Name ist untrennbar mit einer der häufigsten und schwerwiegendsten Erkrankungen des Gehirns verbunden und erinnert an seinen Pioniergeist und sein unermüdliches Engagement für die Erforschung der menschlichen Psyche.

Persönliches Leben

Alois Alzheimer heiratete Cecilie Geisenheimer, die Witwe eines Frankfurter Diamantenhändlers, den er zuvor behandelt hatte. Das Paar hatte drei Kinder: Gertrud, Hans und Maria.

Würdigung und Rezeption

Alzheimers Arbeit wurde zu seinen Lebzeiten nicht immer ausreichend gewürdigt. Erst nach seinem Tod erlangte seine Entdeckung der Alzheimer-Krankheit die Anerkennung, die sie verdiente. Heute ist Alzheimer einer der bekanntesten und einflussreichsten Psychiater und Neuropathologen des 20. Jahrhunderts.

Das Umfeld von Alois Alzheimer

Die Frankfurter Psychiatrie, in der Alzheimers Karriere begann, war von bedeutenden Veränderungen geprägt. Emil Sioli, der Direktor der Anstalt, und Franz Nissl, ein weiterer Arzt, spielten eine wichtige Rolle bei der Modernisierung der Klinik und der Verbesserung der Patientenversorgung. Diese Fortschritte ermöglichten es Alzheimer, seine Forschungstätigkeit aufzunehmen und die Alzheimer-Krankheit zu entdecken.

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Bücher und Filme über die Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist ein Thema, das in zahlreichen Büchern und Filmen behandelt wird. Diese Werke tragen dazu bei, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und das Verständnis für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu fördern.

Einige Beispiele für Bücher über die Alzheimer-Krankheit sind:

  • "Alzheimer" von Konrad und Ulrike Maurer
  • "Sterben in Raten. Alzheimer-Demenz" von Emy Bacher
  • "Ich habe Alzheimer" von Stella Braam
  • "Ein langer Abschied" von Ursula Dette
  • "Alzheimer & Demenzen verstehen" von Wolfgang Maier

Einige Beispiele für Filme über die Alzheimer-Krankheit sind:

  • "Iris" von Richard Eyre
  • "Stiller Abschied" von Christiane Hörbiger
  • "An ihrer Seite" von Sarah Polley
  • "Still Alice. Mein Leben ohne Gestern" von Julianne Moore

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