Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson: Ursachen und Behandlung

Parkinson-Patienten können im Laufe ihrer Erkrankung verschiedene motorische Störungen entwickeln, darunter auch Kau- und Schmatzbewegungen. Diese unwillkürlichen Bewegungen können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen dieser Symptome im Zusammenhang mit Parkinson und diskutiert verschiedene Behandlungsansätze.

Was ist Parkinson?

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem das motorische System betrifft. Der Name "Parkinson" stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Angriff" oder "Überfall". Im 16. Jahrhundert wurde die Epilepsie erstmals notiert. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen zuständig ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen von Parkinson, wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und Haltungsinstabilität.

Ursachen von Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson

Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson können verschiedene Ursachen haben:

Medikamenteninduzierte Dyskinesien

Ein wichtiger Faktor sind medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen, insbesondere Spätdyskinesien. Diese treten häufig als Nebenwirkung von Medikamenten auf, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, insbesondere von Levodopa. Levodopa ist ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und den Dopaminmangel ausgleichen soll. Allerdings kann eine langfristige Behandlung mit Levodopa zu unwillkürlichen Bewegungen führen, da es zu einer Überstimulation der Dopaminrezeptoren im Gehirn kommen kann.

Spätdyskinesien können sich in unwillkürlichen, stereotypen Bewegungsmustern äußern, zu denen auch Kau-, Schluck- und Schmatzbewegungen, Grimassieren, Zungenbewegungen, Kopfwendungen oder ständiges Blinzeln gehören. Diese Bewegungen treten oft im Gesichtsbereich auf und können für die Betroffenen sehr belastend sein.

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Extrapyramidales Syndrom (EPS)

Bewegungsstörungen durch Medikamente können vielfältig sein. Sie treten meist kurz nach Therapiebeginn auf. Die Medikamente interagieren mit einem bestimmten Teil des motorischen Systems, dem extrapyramidal-motorischen System, das für die unwillkürliche Koordination von Bewegungsabläufen zuständig ist. Die Folge sind sog. extrapyramidal-motorische Störungen bzw. ein extrapyramidales Syndrom (EPS).

Direkte Auswirkungen der Parkinson-Krankheit

Auch ohne medikamentöse Behandlung können Parkinson-Patienten Kau- und Schmatzbewegungen entwickeln. Dies liegt daran, dass die Parkinson-Krankheit selbst die Muskeln im Gesicht und im Mundbereich beeinträchtigen kann. Die Muskelsteifheit (Rigor), die ein typisches Symptom von Parkinson ist, kann auch die Gesichtsmuskulatur betreffen und zu unwillkürlichen Bewegungen führen.

Schluckstörungen (Dysphagie)

Schluckstörungen (Dysphagie) treten häufig bei Parkinson-Patienten auf. Studien legen nahe, dass bis zu 80 % der Menschen mit Parkinson-Krankheit im Verlauf ihrer Erkrankung eine Dysphagie entwickeln. Eine Dysphagie kann ebenfalls zu Kau- und Schmatzbewegungen führen, da die Betroffenen Schwierigkeiten haben, die Nahrung richtig zu kauen und zu schlucken.

Diagnose

Die Diagnose von Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung. Der Arzt wird die Symptome des Patienten erfragen und eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Bewegungsstörungen auszuschließen.

Medikamentenanamnese

Eine wichtige Rolle spielt die Medikamentenanamnese. Der Arzt wird детально nachfragen, welche Medikamente der Patient einnimmt, insbesondere Levodopa und andere Parkinson-Medikamente.

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Klinische Schluckuntersuchung (KSU)

Durch die klinische Schluckuntersuchung (KSU) soll das Vorhandensein sowie die Schwere von Schluckstörungen festgestellt werden - gegebenenfalls werden weitere Untersuchungsverfahren eingeleitet. Eine klinische Diagnostik durch einen Logopäden umfasst:

  • Ein Gespräch zum Krankheitsverlauf und zu Beschwerden in Bezug auf das Schlucken inklusive Angaben von Angehörigen (Anamnesegespräch),
  • Eine Untersuchung der am Schlucken beteiligten Organe (Lippen, Kiefer, Wangen, Zunge, Gaumensegel, Kehlkopf),
  • Testen der Funktionsfähigkeit des Schluckablaufs anhand unterschiedlicher Konsistenzen,
  • Beobachtung des Schluckens in unterschiedlichen Wirkphasen der Medikation,
  • Testen der Schutzreflexe Räuspern und Husten,
  • Beobachtungen zur Häufigkeit des Schluckens und Auslösung des Schluckreflexes,
  • Beurteilung des Stimmklanges (feuchte oder gurgelnde Stimme/"wet voice").

Behandlung von Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson

Die Behandlung von Kau- und Schmatzbewegungen bei Parkinson zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Symptome eingesetzt werden können.

Anpassung der Medikamente

Wenn die Kau- und Schmatzbewegungen durch Levodopa oder andere Parkinson-Medikamente verursacht werden, kann eine Anpassung der Medikamentendosis oder ein Wechsel des Medikaments erforderlich sein. Ziel ist es, die Dopaminrezeptoren im Gehirn nicht zu überstimulieren und gleichzeitig die Parkinson-Symptome ausreichend zu kontrollieren.

Medikamentöse Therapie

Es gibt Medikamente, die speziell zur Behandlung von Dyskinesien eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Amantadin und Clozapin. Diese Medikamente können die unwillkürlichen Bewegungen reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Tetrabenazin

An medikamentösen Ansätzen findet international das nebenwirkungsreiche Tetrabenazin am meisten Beachtung.

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VMAT2-Inhibitoren: Valbenazin und Deutetrabenazin

In der Behandlung tardiver Syndrome werden die vesikulären Typ 2-Monoamin-Transporter-Inhibitoren (VMAT2) Valbenazin und Deutetrabenazin eingesetzt (Citrome 2020). Dabei müssen Nebenwirkungen beachtet werden.

Logopädie

Logopädie kann bei Parkinson-Patienten mit Schluckstörungen (Dysphagie) helfen. Logopäden können den Betroffenen spezielle Übungen zeigen, um die Muskeln im Mund- und Rachenbereich zu stärken und die Schluckfunktion zu verbessern.

Schluckstrategien im Eigentraining

  • RESTITUIERENDE VERFAHREN (RV): Dienen zum Aufbau erhaltener Restfunktionen und streben eine maximale Beweglichkeit an (Mobilisation).
  • KOMPENSATORISCHE VERFAHREN (KV): Zum Erlernen von Schlucktechniken und Haltungsänderungen, um den Schluckakt zu unterstützen.
  • ADAPTIERENDE VERFAHREN (AV): Beinhalten eine Kostanpassung bzw. einen Einsatz spezieller Ess- und Trinkhilfen (z. B. Andickungsmittel).

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine operative Behandlungsmethode, bei der Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden. Diese Elektroden senden elektrische Impulse aus, die die Aktivität der Nervenzellen in diesen Bereichen modulieren. THS kann bei Parkinson-Patienten mit Dyskinesien und anderen motorischen Symptomen eingesetzt werden, wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist.

Botulinumtoxin-Injektionen

In einigen Fällen können Botulinumtoxin-Injektionen in die Gesichtsmuskulatur helfen, die Kau- und Schmatzbewegungen zu reduzieren. Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das die Muskeln lähmt. Die Wirkung der Injektionen ist jedoch zeitlich begrenzt und muss regelmäßig wiederholt werden.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben den genannten Behandlungen können auch weitere unterstützende Maßnahmen helfen, die Lebensqualität von Parkinson-Patienten mit Kau- und Schmatzbewegungen zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise:

  • Ergotherapie, um die Feinmotorik und die Koordination zu verbessern
  • Physiotherapie, um die Muskelkraft und die Beweglichkeit zu erhalten
  • Psychologische Unterstützung, um mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen

Medikamente, die Bewegungsstörungen auslösen können

Neben den Parkinson-Medikamenten gibt es auch andere Medikamente, die Bewegungsstörungen als Nebenwirkung auslösen können. Dazu gehören beispielsweise:

  • Neuroleptika (Antipsychotika), die zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt werden
  • Antiemetika, die gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden
  • Kalziumantagonisten, die zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzerkrankungen eingesetzt werden
  • Antidepressiva, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden
  • Antihistaminika, die gegen Allergien eingesetzt werden

Wenn ein Patient unter der Einnahme eines dieser Medikamente Bewegungsstörungen entwickelt, sollte der Arzt konsultiert werden, um die Medikation zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Antipsychotika

Antipsychotika haben die Therapie der Schizophrenie in den letzten 70 Jahren deutlich verbessert. Neuere Präparate haben ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und ermöglichen den Patienten mehr Lebensqualität. Antipsychotika machen nicht abhängig und lösen keine Toleranz aus. Mittlerweile sind Antipsychotika in den Indikationen Schizophrenie, akute Manie, Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen von demenziellen Erkrankungen und als Kombinationstherapie bei depressiven Erkrankungen zugelassen. Off label ist die Verordnung bei anderen psychiatrischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Tourette-Syndrom und Tic-Störungen.

Man unterscheidet Antipsychotika der ersten, zweiten und dritten Generation. Die Bezeichnung »atypische ­Antipsychotika« oder »Atypika« wird synonym für Antipsychotika zweiter und dritter Generation verwendet.

Arten von Neuroleptika

  • Typische Neuroleptika: Typische Neuroleptika sind ältere Neuroleptika, die häufig starke Nebenwirkungen haben. Man unterscheidet zwischen hochpotenten, mittelpotenten und niedrigpotenten Neuroleptika. Wegen der hemmenden Wirkung auf den Botenstoff Dopamin treten bei typischen Neuroleptika häufig so genannte extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen auf. Zu den extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen zählen Frühdyskinesien, Spätdyskinesien, die Akathesie und Symptome, die der Parkinsonkrankheit ähneln - der so genannte Parkinsonoid.
  • Atypische Neuroleptika: Neuere, atypische Neuroleptika zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine oder nur geringe extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen haben. Zudem können sie auch bei der so genannten Negativsymptomatik der Schizophrenie eingesetzt werden, bei der Antriebsarmut und eine Verarmung von Sprache und Gefühlsleben im Vordergrund stehen.

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