Aktiv bleiben mit Parkinson: Bewegung als Therapie

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die die Bewegungskoordination beeinträchtigt. Obwohl es keine Heilung gibt, können verschiedene Therapien die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern. Bewegung, insbesondere in Form von Tai Chi und spezialisierten Programmen wie "Keep Moving", spielt dabei eine zentrale Rolle.

Was ist Parkinson?

Parkinson, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns, der für die Bewegungskontrolle zuständig ist, allmählich absterben. Diese Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Signalübertragung zur Steuerung der Bewegungen unerlässlich ist. Ein Dopaminmangel führt zu den typischen Symptomen wie Zittern, Muskelsteifheit, verlangsamten Bewegungen und Gleichgewichtsstörungen. In Deutschland sind schätzungsweise 220.000 Menschen von Parkinson betroffen.

Die genauen Ursachen für den Abbau der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt, darunter Alter, genetische Veranlagung, Umweltgifte und Kopfverletzungen.

Symptome und Verlauf

Parkinson beginnt meist schleichend und schreitet langsam fort. Die ersten Anzeichen können unspezifisch sein und werden oft erst im Nachhinein als Vorboten der Erkrankung erkannt. Im weiteren Verlauf treten die vier Hauptsymptome auf:

  • Muskelzittern (Tremor): Oft das erste wahrgenommene Symptom, meist ein Ruhetremor, der in Bewegung nachlässt.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Erhöhte Muskelspannung, die zu steifen und ruckartigen Bewegungen führt.
  • Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese): Schwierigkeiten, Bewegungen einzuleiten und auszuführen, was zu kleinen Schritten, Schlurfen und vermindertem Armschwingen beim Gehen führen kann.
  • Gang- und Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität): Unsicherheit beim Gehen und Stehen, erhöhte Sturzgefahr.

Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Beschwerden auftreten, wie z.B. Verdauungsprobleme, Blasenfunktionsstörungen, sexuelle Störungen, Schlafstörungen, Depressionen und Demenz.

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Bewegungstherapie bei Parkinson

Bewegungstherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Sie hilft, die körperlichen Funktionen zu erhalten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Bewegung positive Auswirkungen auf Schmerzen, Kraft, Gleichgewicht, Gangmuster und -geschwindigkeit hat.

Prof. Dr. med. betont die positive Wirkung von Sport- und Bewegungstherapie als Ergänzung zu pharmakologischen Behandlungen. Sie trägt dazu bei, Funktionen zu erhalten und verhindert die Anpassung der Betroffenen an die Erkrankung. Zudem kann die Bewältigung von Aktivitäten des täglichen Lebens durch dieses therapeutische Angebot erleichtert werden.

Tai Chi: Chinesisches Schattenboxen als Therapie

Tai Chi, auch bekannt als Taijiquan oder Schattenboxen, ist eine chinesische Kampfkunst, die heute weltweit als Bewegungslehre zur Verbesserung der Gesundheit und der geistigen Klarheit praktiziert wird. Tai Chi kombiniert sanfte, fließende Bewegungen mit Atemübungen und mentaler Konzentration.

Eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2012 hat die Wirksamkeit von Tai Chi bei der Verbesserung des Bewegungsumfangs und des Gleichgewichts von Parkinson-Patienten gezeigt.

Keep Moving: Ein spezialisiertes Tai Chi-Programm für Parkinson

Mirko Lorenz hat das "Keep Moving"-Programm entwickelt, ein auf Tai Chi basierendes Bewegungsprogramm, das speziell auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patienten zugeschnitten ist. "Keep Moving" passt die Bewegungen und Techniken des Tai Chi individuell an die Bedürfnisse jedes Patienten an, wobei besonderes Augenmerk auf Probleme wie Balance, Stabilität, Koordination und Motorik gelegt wird.

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Prof. Dr. med. Georg Ebersbach vom Parkinsonzentrum Beelitz-Heilstätten betont die positiven Auswirkungen des Programms: "Die intensive Körperarbeit führt dazu, dass Bewegungen bewusster und mit mehr Sicherheit und Präzision ausgeführt werden. Neben den Effekten auf Beweglichkeit und Gleichgewicht kann sich Tai Chi auch positiv auf Stimmung und Hirnleistung auswirken."

"Keep Moving" ist leicht erlernbar und hat einen baukastenähnlichen Aufbau. Das Training verbessert Gleichgewicht, Körperkontrolle und Motorik sowie die Fähigkeit zu Entspannung und Konzentration und es hebt die innere Stimmung.

Weitere Bewegungsformen

Neben Tai Chi und "Keep Moving" können auch andere Bewegungsformen wie Tanzen und Yoga positive Auswirkungen auf Parkinson-Patienten haben:

  • Tanzen: Tanzen hat einen positiven Einfluss auf Balance und Gang. Es hilft, das sogenannte Freezing-Phänomen, eine Muskelstarre, die zu den häufig auftretenden Symptomen der Parkinson-Erkrankung gehört, zu überwinden.
  • Yoga: Yoga kann die Symptomatik von Parkinson-Betroffenen lindern. Das Training zielt grundsätzlich auf Ausdauer, Kraft und Flexibilität ab. Zudem wird der Fokus auf Gleichgewicht und Koordination gelegt.

Die Bedeutung sozialer Kontakte

Neben der Bewegungstherapie sind auch soziale Kontakte wichtig für Parkinson-Patienten. Parkinson kann zu sozialer Isolation führen, daher ist es wichtig, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Die Deutsche Parkinson Vereinigung e. V. (dPV) veranstaltet regelmäßig den KEEP MOVING DAY, um den sportlichen Aspekt als zweite Säule der Parkinson-Therapie bekannt zu machen und Betroffenen die Möglichkeit zu geben, verschiedene Bewegungsformen auszuprobieren.

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Ernährung bei Parkinson

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist ebenfalls wichtig für Parkinson-Patienten. Prof. Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité - Universitätsmedizin Berlin, gibt regelmäßig Expertentalks zum Thema gesunde Ernährung, die Darm-Gesundheit und Fasten bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson.

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