Keine Kraft mehr? Ursachen und Behandlung von Migräne

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Allein in Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen von Migräne betroffen [1]. Migräneattacken können das Leben erheblich beeinträchtigen. Oft kündigt sich eine Attacke durch eine sogenannte Aura an. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Linderung zu ermöglichen.

Was ist Migräne?

Eine Migräneattacke zeichnet sich typischerweise durch starke, pulsierende Kopfschmerzen aus, die meist nur auf einer Seite des Kopfes auftreten. Körperliche Bewegung verschlimmert die Schmerzen. Häufige Begleitsymptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. In manchen Fällen geht der Migräne eine Aura voraus, die Sehstörungen und andere Symptome umfassen kann.

Migräne ist eine weit verbreitete Erkrankung. Jährlich sind etwa zehn bis 15 von 100 Menschen von Migräne betroffen [1]. Die Attacken treten besonders häufig zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer, wobei der Unterschied zwischen den Geschlechtern um das 30. Lebensjahr am größten ist. Bereits Kinder können an Migräne leiden, wobei ein erstes Auftreten typischerweise nach der Pubertät erfolgt. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen. In der Regel haben Betroffene nur an manchen Tagen Kopfschmerzattacken und sind an den meisten Tagen des Monats schmerzfrei.

Was passiert bei einer Migräne?

Die genauen Vorgänge im Gehirn, die die typischen Migränekopfschmerzen verursachen, sind noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse. Vermutlich wirken verschiedene Faktoren zusammen. Erbliche Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Ursachen und Auslöser der Migräne

Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Diese sogenannten Trigger sind sehr individuell. Zu den häufigsten Triggern gehören:

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  • Stress: Migräneanfälle treten besonders häufig bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder nach einer anstrengenden, stressigen Zeit auf.
  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.
  • Flüssigkeitsmangel: Migräneanfälle beginnen häufig, wenn zu wenig getrunken wurde.
  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation.
  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel, wie z. B. Rotwein, gelten als Auslöser. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern.
  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden.

Wie fühlt sich eine Migräne an?

Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen. Diese dauern unterschiedlich lange und müssen nicht zwingend alle auftreten.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten. Studien zeigen, dass Betroffene sich bis zu drei Tage vor der Attacke anders fühlen. Je besser man diese Phase kennt, desto besser kann man die Attacke abwenden oder abschwächen.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:

  • Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu einem Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie).
  • Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.
  • Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

Auflösungsphase

Das Schlimmste ist überstanden. Die Symptome sind zwar noch da, werden aber weniger intensiv. Die Kopfschmerzen sind nicht mehr pulsierend, sondern eher gleichbleibend. Patienten sind oft sehr müde. Die Übelkeit und die Empfindlichkeit z.B. gegen Licht werden weniger, sind aber noch nicht verschwunden.

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Erholungsphase

Die Patienten sind angeschlagen und fühlen sich wie nach einem Kater. Die Symptome ähneln denen der Prodromalphase.

Wie wird eine Migräne diagnostiziert?

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Wie wird eine Migräne behandelt?

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl vorbeugende Maßnahmen als auch die Akuttherapie von Migräneattacken.

Vorbeugung von Migräne

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.

Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wie Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage. Welche Mittel wann helfen, sollte mit einem Arzt besprochen werden.

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Seit einigen Jahren ist in Deutschland eine besondere Antikörpertherapie zur Vorbeugung von Attacken bei chronischer Migräne zugelassen. Die ist gut wirksam, kommt aber nicht für jeden infrage. Ähnlich verhält es sich mit der neuen Wirkstoffgruppe der Gepante.

Die sogenannte Remote Electrical Neuromodulation (REN) ist eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen oder sie zu behandeln. Dabei werden Nervenfasern außerhalb der Migräneschmerzregion stimuliert. In der Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe aus - und der eigentliche Migränekopfschmerz wird unterdrückt.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Akut-Therapie von Migräne-Attacken

Zur Linderung akuter Migräne-Anfälle werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure sowie koffeinhaltige Kombinationspräparate eingesetzt. Migränespezifische Medikamente wie Triptane oder Ditane sind wirksam gegen starke Symptome und sollten frühzeitig eingenommen werden. Gegen Übelkeit helfen zum Beispiel Metoclopramid und Domperidon.

Die neue Wirkstoffgruppe der Gepante kann eingesetzt werden, wenn Schmerzmittel oder Triptane nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden. Außerdem ist die Remote Electrical Neuromodulation eine Ergänzung oder Alternative zur Standardtherapie - etwa dann, wenn etwas gegen Medikamente spricht.

Auch Kinder können von Migräne betroffen sein. Für sie sind aber nicht alle Medikamente zugelassen. Schmerzmittel müssen in der Dosierung entsprechend angepasst werden. Auch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte eine Behandlung mit Medikamenten bei ihnen immer genau mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt sein. Auch in der Schwangerschaft lässt sich Migräne behandeln. In jedem Fall sollte eine Therapie dann mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden, um Schäden am Ungeborenen durch Medikamente zu vermeiden. Glücklicherweise verlieren viele betroffene Frauen während der Schwangerschaft vorübergehend ihre Migräne.

Alternative Behandlungsmethoden

Neben den medikamentösen Behandlungen gibt es auch alternative Ansätze, die bei Migräne helfen können. Dazu gehören:

  • Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
  • Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
  • Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
  • Entspannungsverfahren: Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Interventionen können zur Behandlung der Migräne beitragen.
  • Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion kann zur prophylaktischen Behandlung der episodischen Migräne eingesetzt werden.

Leben mit Migräne

Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die eigenen Triggerfaktoren zu kennen und zu vermeiden. Ein Kopfschmerztagebuch kann dabei helfen, die Auslöser zu identifizieren.

Die Rolle der Ernährung

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Migräne. Insbesondere der Konsum von fermentierten Lebensmitteln kann die Neigung zu weiteren Migräneattacken fördern. Gereifter Käse, Alkohol und Schokolade können Migräneattacken auslösen. Daher sollten Migränepatienten diese Produkte gegebenenfalls meiden. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, die eigenen Essgewohnheiten zu dokumentieren und langfristig festzustellen, welche Nahrungsmittel die Migräneattacken wahrscheinlich befeuern.

Bewegung und Schlaf

Regelmäßige Bewegung in beschwerdefreien Phasen ist eine gute Maßnahme zur Vorbeugung von Migräne. Ausdauersport, möglichst dreimal pro Woche, wird empfohlen. Zudem tragen ein effektives Stressmanagement und eine gute Schlafqualität zu einem beschwerdeärmeren Leben bei.

Fatigue und Migräne

Migräne und Fatigue, die starke Erschöpfung, gehören zusammen. Im Zusammenhang mit Fatigue wird inzwischen auch öfter das Restless-Legs-Syndrom erwähnt. Auch andere Faktoren wie Depressionen und Fibromyalgie können eine starke Erschöpfung hervorrufen.

Migräne ohne Kopfschmerzen

Eine Migräne ohne Kopfschmerzen klingt zunächst paradox. Tatsächlich gibt es jedoch Menschen, die eine Migräne-Aura mit Sehstörungen entwickeln, ohne dass der typische Kopfschmerz folgt. Bei einer Migräne ohne Kopfschmerzen (migraine sans migraine) nimmt der Betroffene eine Aura wahr, die er oft gar nicht als solche erkennt. Die Aura dauert meist 15 Minuten bis maximal eine Stunde und kann auch eher schwach ausfallen.

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