Eine eingeschränkte Nasenatmung, insbesondere durch einseitige Verstopfung des linken Nasenlochs, kann verschiedene Ursachen haben und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Problematik zu vermitteln.
Ursachen für eine behinderte Nasenatmung
Eine Behinderung der Nasenatmung kann vielfältige Ursachen haben. Viele Patienten haben vor allem in den Wintermonaten, wenn geheizt wird, Probleme mit einer Austrocknung der Nasenschleimhäute mit Krustenbildung. Hier sind einige der häufigsten Gründe für eine eingeschränkte Nasenatmung durch das linke Nasenloch:
- Anatomische Ursachen:
- Nasenscheidewandverkrümmung (Nasenseptumdeviation): Eine Verkrümmung der Nasenscheidewand, die die Nasenhaupthöhle in zwei Hälften teilt, ist eine häufige Ursache für einseitige oder beidseitige Nasenatmungsbehinderung. Die Nasenscheidewand besteht aus einem vorderen knorpeligen und einem hinteren knöchernen Anteil. Wenn diese Anteile sowie die Gesichtsknochen unterschiedlich schnell wachsen, verbiegt sich die Scheidewand meist S- oder C-förmig. Auch Verletzungen der Nase, z. B. bei der Geburt oder durch einen Nasenbeinbruch, können zu einer Verkrümmung führen.
- Vergrößerung der Nasenmuscheln (Nasenmuschelhypertrophie): Die Nasenmuscheln sind knöcherne Strukturen in der Nase, die mit Schleimhaut überzogen sind und für die Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft zuständig sind. Sind die Nasenmuscheln permanent vergrößert, kann die Atmung erschwert werden. Eine Ursache der Nasenmuschelschwellung liegt meistens in einer neurosensorischen Reflexstörung selbst oder ist von außen durch Allergene bedingt, die zu entzündlichen Schwellungen der Nasenmuscheln führen.
- Entzündliche Ursachen:
- Akute oder chronische Rhinitis (Schnupfen): Häufige Auslöser sind Infekte der oberen Atemwege durch Viren und Krankheitserreger - also der allseits bekannte Schnupfen im Rahmen einer Erkältung. Schwillt die Schleimhaut in der Nase stark an und produziert zähflüssigen Schleim, so verengen sich die Kanäle. Die Folge: Sie bekommen weniger Luft.
- Chronische Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut (Rhinosinusitis): Wenn Sie zusätzlich unter einem Druckgefühl über Wangen und Stirn, verstärktem Schleimfluss in den Rachen und/oder einer Verschlechterung des Riechvermögens leiden, könnte eine chronische Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut vorliegen.
- Allergien: Allergien (z. B. Heuschnupfen) können ebenfalls zu einer Schwellung der Nasenschleimhaut und damit zu einer behinderten Nasenatmung führen. Wenn Ihre Beschwerden die Seite wechseln und sich im Liegen verstärken, spricht dies für eine Vergrößerung der unteren Nasenmuscheln als Ursache. In diesem Fall sollten Allergien als mögliche Ursache abgeklärt werden.
- Nasenpolypen: Chronisch entzündete Nasennebenhöhlen deuten auf Nasenpolypen hin. Polypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut.
- Weitere Ursachen:
- Fremdkörper in der Nase: Vor allem bei Kindern können Fremdkörper in der Nase eine einseitige Verstopfung verursachen.
- Tumore: Sollte sich eine einseitige Behinderung der Nasenatmung relativ rasch entwickelt haben, evtl. noch in Verbindung mit Nasenbluten, so können Tumorerkrankungen die Ursache sein.
- Medikamente: Ein erschwertes Atmen kann auch Nebenwirkung eines bestimmten Medikamentes sein oder auf eine Unverträglichkeit hinweisen.
- Verletzungen der Nase: z. B. Verletzungen der Nase.
Diagnose
Am Beginn der Diagnose steht ein ausführliches Gespräch mit Ihnen, denn jedes Problem mit der Nase, den Nasennebenhöhlen oder dem Schnarchen hat seine eigene Geschichte. Anschließend untersuchen wir Sie in unserer HNO-Ambulanz. Die Diagnose einer behinderten Nasenatmung umfasst in der Regel folgende Schritte:
HNO-ärztliche Untersuchung: Eine gründliche Untersuchung der Nase mit einem Nasenspekulum oder Endoskop ermöglicht die Beurteilung der Nasenscheidewand, der Nasenmuscheln und des Vorhandenseins von Polypen oder anderen Auffälligkeiten.
Objektive Messung des Luftstroms (Rhinomanometrie): Dabei wird geprüft, ob die Nasenatmung einschränkt ist. Die Durchgängigkeit der Atemwege wird mithilfe einer Atemmaske gemessen, und zwar vor und nach der Anwendung eines schleimhautabschwellenden Mittels.
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Allergietest: Um Heuschnupfen oder eine andere Allergie als Ursache für die Beschwerden auszuschließen.
Bildgebende Verfahren: Vor allem zur Abklärung von unklaren Verläufen bzw. zur Planung einer Operation kommen weitere bildgebende Verfahren wie CT oder DVT zum Einsatz. Hat Ihr HNO-Arzt oder HNO-Ärztin bereits ein CT oder eine digitale Volumentomografie (DVT) durchgeführt, so bringen Sie uns die Ergebnisse gerne mit.
Weitere Untersuchungen:
- Riechprüfung (Olfaktometrie): Mithilfe verschiedener Duftstoffe wird festgestellt, ob die Riechfunktion eingeschränkt ist.
- Akustische Rhinometrie: Bei dieser Untersuchung wird die Nasenhöhle mit Schallwellen vermessen.
- Polygrafie: Bei starkem Schnarchen wird ein Gerät mitgegeben, das unter anderem die Atmung und den Herzschlag im Schlaf misst.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung einer behinderten Nasenatmung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt sowohl konservative als auch operative Therapieansätze. Auf Basis einer exakten Diagnose entwickeln wir schließlich ein individuelles Behandlungskonzept.
Konservative Behandlung
- Beratung zur Pflege der Nasenschleimhäute: Viele Patienten haben v.a. in den Wintermonaten wenn geheizt wird Probleme mit einer Austrocknung der Nasenschleimhäute mit Krustenbildung. Wir beraten Sie in diesem Fall gerne hinsichtlich sinnvoller Pflegemaßnahmen.
- Nasenspülungen: Nasenspülungen bzw. Nasenduschen können helfen, die Nasenschleimhaut zu befeuchten und von Schleim und Krusten zu befreien.
- Inhalation: Bei Schnupfen, Erkältungskrankheiten und trockener Nasenschleimhaut kann auch das tägliche Inhalieren mit warmen Dämpfen helfen. Die Inhalation kann den Schleim verflüssigen, Krusten lösen und die Nasenschleimhaut befeuchten. Möglich ist dabei, reinen Wasserdampf oder eine Kochsalzlösung zu inhalieren.
- Abschwellende Nasentropfen oder -sprays: Ist die Nase verstopft, können Sie abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays benutzen. Doch Achtung: Sie sollten das Medikament max. 3-mal am Tag und nicht länger als eine Woche anwenden. Bei einer kurzfristigen Nutzung sind in der Regel keine negativen Folgen zu erwarten. Werden die Tropfen und Sprays jedoch länger angewendet, kann sich die Nasenschleimhaut an das Mittel gewöhnen. Zum Abschwellen fordert sie dann das Medikament immer wieder ein. Von dieser Praxis ist ärztlicherseits dringend abzuraten, da die verwendeten Substanzen die Schleimhaut langfristig schädigen können. Außerdem tritt oft ein sog. “rebound”-Phänomen auf, d.h. der Schwellungszustand der Schleimhaut geht zwar nach Gebrauch der Tropfen bzw. Sprays zurück; lässt die Wirkung des Medikamentes jedoch nach, kommt es reaktiv zu einer stärkeren Füllung der Gefäße in der Nasenschleimhaut, so dass die Nase stärker verstopft ist als vorher. Entsprechend werden immer höhere Medikamentendosen notwendig, um den gewünschten abschwellenden Effekt zu erzielen; in der Folgezeit stellt sich häufig ein Gewöhnungs- bzw. Abhängigkeitseffekt ein, so dass die Nase schließlich ohne die regelmäßige Verwendung von Nasentropfen überhaupt nicht mehr frei wird. Gleichzeitig kommt es in vielen Fällen zur Austrocknung der Schleimhaut mit Krustenbildung und einer verstärkten Neigung zum Nasenbluten.
- Cortisonhaltige Nasensprays: Vielen Patienten hilft die Anwendung eines cortisonhaltigen Nasensprays.
- Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren: Bei allergisch bedingter Nasenatmungsbehinderung können Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren die Symptome lindern.
- Immuntherapie (Hyposensibilisierung): Bei Allergien kann eine Hyposensibilisierung in Betracht gezogen werden, um die Reaktion auf die Allergene zu reduzieren.
- Einnahme von Schleimlösern: Einnahme von Schleimlösern (z.B.
- Hausmittel: Ist die Nase aus einem „simplen“ Grund verstopft und liegen keine körperlichen Ursachen wie eine verkrümmte Nasenscheidewand vor, so können auch Hausmittel gute Dienste leisten. Ein gängiger Tipp ist hierbei, viel Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken. Durch die erhöhte Flüssigkeitszufuhr kann sich der zähe Schleim in der Nase und den Nasennebenhöhlen verflüssigen und so abtransportiert werden. Oft wird auch empfohlen, heiß und scharf zu essen. Meerrettich, Ingwer, Chili oder Senf tragen zu einer gesteigerten Durchblutung der Schleimhäute bei und können so die Atemwege befreien. Empfehlenswert ist auch, sich beim Schlafen auf die Seite zu legen. Auf diese Weise kann das obere Nasenloch abschwellen. Dadurch bekommen Sie besser Luft. Achten Sie auch darauf, Ihren Kopf etwas erhöht zu lagern. In einer flachen Liegeposition verstopft die Nase schneller. Ein weiterer Tipp ist, die Raumluft - gerade in den Wintermonaten, in denen die Heizung oft und stark läuft - mit Hilfe eines Luftbefeuchters oder eines Zimmerbrunnens zu befeuchten. Dadurch trocknet die Nasenschleimhaut nicht so einfach aus und wird weniger gereizt. Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften.
- Aufenthalt in Gebieten, die sich positiv auf die Nasenschleimhaut auswirken: Aufenthalt in Gebieten, die sich positiv auf die Nasenschleimhaut auswirken (z.B.
Operative Behandlung
Operative Möglichkeiten müssen wir immer dann in Betracht ziehen, wenn medikamentöse und physikalische Methoden dauerhaft nicht zum gewünschten Erfolg führen. Auch bei Nasenpolypen kommen sie zum Einsatz.
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- Schleimhaut-schonende Verkleinerung der unteren Nasenmuscheln: Wirkt dies nicht zufriedenstellend oder bestehen dagegen Vorbehalte, können die unteren Nasenmuscheln in einem ambulanten Eingriff in lokaler Betäubung verkleinert werden. Wir bieten hierfür zwei verschiedene Verfahren an. Bei der Radiofrequenztherapie wird eine Nadel in die Nasenmuscheln eingeführt und an der Spitze unter Strom gesetzt, sodass - ohne die Schleimhautoberfläche zu schädigen - das Weichgewebe der Nasenmuschel schrumpft. Wenden Sie sich für diese Methode an Dr. Morski oder Prof. Olzowy. Dr. Stegherr bietet die Nasenmuschelverkleinerung mit Hilfe eines Lasers an. Mit der Laserconchotomie können wir krankhaft vergrößerte Nasenmuscheln mit Laser behandeln und wieder normalen Dimensionen angleichen.
- Chirurgische Begradigung der Nasenscheidewand (Septumplastik): Wenn dauerhaft immer eine Seite der Nase verstopft ist, ist eine Verkrümmung der Nasenscheidewand als Ursache wahrscheinlich. Diese kann nur durch eine operative Nasenscheidewandbegradigung in Vollnarkose korrigiert werden, die wir am Klinikum Landsberg stationär durchführen. Im Zuge der Nasenscheidewand-OP können wir die Fehlstellung korrigieren. Dadurch können Sie wieder besser Luft durch die Nase bekommen. Zusätzlicher Vorteil: Ein verbogenes Septum lässt die Nase oft schief aussehen. Mit der Nasenkorrektur gleichen wir die Schiefnase auch optisch aus. Bei der Septumplastik soll die Nasenscheidewand wieder in eine mittige und gerade Position gebracht werden, um die Atmung durch beide Nasenhaupthöhlen zu erleichtern. Dadurch kann die Luft besser befeuchtet, erwärmt und gefiltert werden.
- Nasennebenhöhlen-OP: Wenn Entzündungen aus der Nase in die Nebenhöhlen übergehen, können sie zu Blockaden der Belüftung und chronischen Entzündungen führen. Auch eine Polypenbildung in den Nebenhöhlen kann zu diesem Effekt führen. Mit der Nasennebenhöhlen-OP können wir z. B. krankhaft veränderte Schleimhaut entfernen und Engstellen zur Nasenhaupthöhle beseitigen.
- Korrekturen an der äußeren Nasenform: Falls gewünscht können in gleicher Sitzung auch Korrekturen an der äußeren Nasenform vorgenommen werden, sprechen Sie uns gegebenenfalls an. Facharzt Ulrich Möckel verfügt über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich ästhetischer Nasenkorrekturen und funktioneller Nasenoperationen. Er hat sich auf die Rhinochirurgie spezialisiert und betreibt erfolgreich Praxen in Hamburg und Münster.
Behandlung des Empty Nose Syndroms (ENS)
Auch wenn es medizinisch notwendig ist, die Nasenmuscheln zu verkleinern oder eine Nasenscheidewandkorrektur vorzunehmen, kann ein Empty Nose Syndrom (ENS) verhindert werden. Deshalb setzt Dr. Bodlaj auf moderne laser- oder radiofrequenzchirurgische Techniken zur Verkleinerung der Nasenmuscheln. Bei der plastischen Korrektur der Nasenscheidewand kommt ein kopfgetragenes Mikroskop zum Einsatz, das derzeit erst an drei HNO-Kliniken in Deutschland verfügbar ist. Die Gefahr einer zu großzügigen Verkleinerung der Nasenmuscheln, wie sie bei herkömmlichen Verfahren durch Teilabtragung mittels Schere schnell auftreten kann, ist bei diesen Techniken ausgeschlossen.
Grundsätzlich gibt es operative und nichtoperative Behandlungsmöglichkeiten. Die nichtoperativen Therapieformen zielen auf die Erhaltung und Pflege der noch vorhandenen Nasenschleimhaut ab. Die Nase soll dabei möglichst feucht und frei von Reizen und Infekten gehalten werden. Ziel eines chirurgischen Eingriffs ist es, die Luftströme in der Nase zu harmonisieren, um eine weitgehend natürliche Nasenatmung wiederherzustellen. Dabei sollen die fehlenden Nasenmuscheln mittels Implantaten wiederhergestellt werden. Auch hier kommen in unserer Praxis modernste technische Hilfsmittel zum Einsatz. Das Nasenmuschelgewebe ist einzigartig und nicht ersetzbar. Neuartige Implantationsstoffe, wie z.B. eine azelluläre Kollagenmatrix, wie sie auch in der HNO-Praxis von Dr. med. Robert Bodlaj verwendet werden, können die Beschwerden reduzieren. Sie werden unter die Nasenschleimhaut des Septums und / oder der lateralen Nasenaußenwand eingebracht und sollen die Luftströme wieder normalisieren, damit typische ENS Symptome wie z.B. Ist nur wenig von der unteren Nasenmuschel entfernt worden, kann die Struktur der Nasenmuschel auch durch eine Injektion mit Cymetra (flüssiges Alloderm) verbessert werden.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Bitte gehen Sie zum Arzt, wenn …
- Ihre Nase selbst nach zwei Wochen noch verstopft ist,
- Sie oft durch den Mund atmen oder heftig schnarchen,
- Sie nicht mehr gut riechen und schmecken können,
- Sie tagsüber immer wieder unter Müdigkeit leiden,
- asthmatische Beschwerden hinzukommen,
- Anzeichen einer allergischen Reaktion aufgetreten (z. B. Niesen, Augenjucken …).
- Wenn die Erkrankung länger als zehn Tage dauert.
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