Migräne während der Periode ist eine spezielle Form der Migräne, die viele Frauen betrifft. Diese sogenannte menstruelle Migräne steht in engem Zusammenhang mit der Monatsblutung und kann den Alltag erheblich einschränken. Glücklicherweise gibt es verschiedene Ansätze, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Was ist Menstruelle Migräne?
Man spricht von menstrueller Migräne, wenn die Kopfschmerzen meist ein bis zwei Tage vor Eintritt der Periode bis drei Tage danach auftreten. Viele Frauen berichten von besonders intensiven Kopfschmerzen während ihrer Menstruation, die länger anhalten als sonst und schwerer zu lindern sind. Häufig beginnt diese menstruelle Migräne ohne Aura und zieht sich über mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen. Typisch hierbei sind einseitige, pulsierende Schmerzen.
Gemäß der internationalen Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf, und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach.
Ursachen der Menstruellen Migräne
Hormonelle Schwankungen
Der Hauptauslöser für menstruelle Migräne sind hormonelle Veränderungen, insbesondere der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor der Periode. Dieser Hormonabfall kann das Gehirn empfindlicher für Reize machen und einen Migräneanfall auslösen. Experimente mit Tieren liefern Hinweise, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen.
Eine Studie der Charité in Berlin hat gezeigt, dass Migränepatientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt, als migränefreie Probandinnen. CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) ist eine körpereigene Substanz, die bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn erweitert.
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Weitere Faktoren
Neben den Hormonen gibt es auch weitere Faktoren, die Migräne beeinflussen können:
- Stress: Emotionale Belastungen und Stress können Migräneattacken auslösen.
- Schlaf-Wach-Rhythmus: Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus kann die Regelmäßigkeit und Stärke der Anfälle beeinflussen.
- Ernährung: Zu wenig oder unregelmäßige Mahlzeiten können ebenfalls Migräneattacken begünstigen.
- Weitere hormonelle Einflüsse: Auch andere hormonelle Schwankungen, etwa durch die Pille, eine Schwangerschaft, das Alter oder die Wechseljahre, können Einfluss auf die Migräne nehmen.
Symptome der Menstruellen Migräne
Hormonell bedingte Migräne tritt bei den meisten Frauen kurz vor, während oder nach der Periode auf. Zu den Symptomen zählen:
- Kopfschmerzattacken, die mehrere Tage anhalten können
- Oft einseitiger, pulsierender oder pochender Schmerz
- Mittlere bis starke Schmerzen, die bei Aktivität zunehmen
- Übelkeit und Erbrechen
- Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen und Geräuschen
Manche Frauen erleben die menstruelle Migräne auch mit einer Aura. So werden neurologische Ausfallerscheinungen und Störungen bezeichnet, die kurz vor der Migräneattacke auftreten. Dazu zählen Sehstörungen wie Lichtblitze, Sprachstörungen, Missempfindungen, Lähmungen oder Schwindel.
Diagnose der Menstruellen Migräne
Die Diagnose „menstruelle Migräne“ sollte laut den ärztlichen Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, den Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne zu erkennen und zu dokumentieren.
Behandlung der Menstruellen Migräne
Die Behandlung der menstruellen Migräne zielt darauf ab, die akuten Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren.
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Akutbehandlung
Akute menstruell bedingte Migräneattacken werden genauso behandelt wie andere Migräneattacken. Dabei liegt der Fokus auf einer möglichst effektiven und individuellen Schmerzlinderung.
- Schmerzmittel: Bei starken Beschwerden helfen Medikamente, um den Anfall zu unterbrechen und durchzustehen. Dazu zählen Schmerzmittel wie ASS, Ibuprofen oder die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein, die möglichst am Anfang der Attacke eingenommen werden sollten.
- Triptane: Darüber hinaus gibt es auch spezielle Migränemittel wie Triptane. Sie verengen gezielt die Blutgefäße in den Hirnhäuten und unterbrechen damit den Migräneanfall. Dabei wirken sie nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit.
- CGRP-Inhibitoren: Helfen diese Medikamente nicht, werden sie nicht vertragen oder können sie aus anderen Gründen nicht eingenommen werden, können auch sogenannte CGRP-Inhibitoren in Betracht gezogen werden.
- Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen empfiehlt die Leitlinie Medikamente, die als Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon enthalten. Die beiden sogenannten Antiemetika bessern nicht nur die Begleitsymptome von hormonellen Kopfschmerzen, sondern regen auch die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes an.
Es ist zu beachten, dass ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln dazu führen kann, dass Kopfschmerzen chronisch werden. Deshalb sollte die Einnahme von Medikamenten immer mit den behandelnden Expertinnen und Experten abgeklärt werden.
Vorbeugende Behandlung
Eine wichtige Säule in der Behandlung von hormonellen Kopfschmerzen ist die vorbeugende Behandlung.
- Kurzzeitprophylaxe: Die schwierige Akutbehandlung und der Umstand, dass die Attacken besonders schwer sind und lange dauern, machen eine Kurzzeitprophylaxe nötig. Dabei nehmen die Betroffenen zwei Tage vor Menstruationsbeginn fünf Tage lang ein- bis zweimal täglich Naproxen 500 mg ein. Auch Naratriptan, Frovatriptan und Sumatriptan sind in der Kurzzeitprophylaxe wirksam (Off-label-use).
- Langzeitprophylaxe: Treten auch noch häufiger nichtmenstruelle Attacken auf, wird eine Langzeitprophylaxe empfohlen.
- Hormonelle Therapie: Zu hormonellen Therapieverfahren wie verschreibungspflichtigen Hormonpflastern oder einer oralen Gabe von Östrogen raten Ärzte mittlerweile ab. Östrogen-Gele, die auf die Haut aufgetragen werden und Frauen an ihren „kritischen Tagen“ schützen sollen, haben sich hingegen in einigen Fällen bewährt.
- CGRP-Hemmer: Vielversprechend scheint der Einsatz von Medikamenten, die die Ausschüttung von CGRP hemmen, die zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Zu klären ist die Frage, ob es sinnvoll sein könnte CGRP-Hemmer abhängig vom Zyklus zu verabreichen.
Nicht-medikamentöse Methoden
Viele Frauen haben bei leichten Beschwerden positive Erfahrungen mit nicht-medikamentösen Methoden gesammelt:
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können dabei helfen, mit Stress besser umzugehen.
- Regelmäßige Bewegung: Ausdauersportarten wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen haben sich als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.
- Schlaf-Wach-Rhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten. Also möglichst zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen. Auch ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Ernährung: Auf regelmäßige Mahlzeiten achten.
- Vermeidung von Triggern: Kurz vor und während der Periode auf Alkohol verzichten.
Weitere Tipps
- Bei einem akuten Migräneanfall kann es helfen, sich zurückzuziehen. Im besten Fall in einen ruhigen Raum, der sich abdunkeln lässt.
- Das Führen eines Kopfschmerzkalenders kann helfen, auslösende Faktoren zu erkennen und den Erfolg der eingesetzten Medikamente zu bewerten.
- Regelmäßige Bewegung tut dem Körper gut - das ist kein Geheimnis. So kann die körperliche Aktivität sogar bei der Schmerzlinderung helfen und dafür sorgen, dass du dich auch vor und während der Periode wohler fühlst.
- Sorge außerdem für regelmäßige Pausen in deinem Alltag und nimm dich und deine Bedürfnisse ernst - ganz besonders in der Zeit vor und während deiner Periode.
Menstruelle Migräne und Schwangerschaft
Die Migräne ist von besonderer Bedeutung für eine mögliche oder bestehende Schwangerschaft. Zum einen ergibt sich die Frage, wie eine Migräne während der Schwangerschaft zu behandeln ist, insbesondere welche Medikamente indiziert oder kontraindiziert sind. Zum anderen sorgen sich betroffene Patientinnen, ob die Schwangerschaft durch die Migräneerkrankung bedroht wird.
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Typisch ist auch, dass sich bei 50 bis 80 Prozent der schwangeren Betroffenen ab dem vierten Monat, wenn stabile hochnormale Östrogenspiegel vorliegen, die Migräne bessert oder gar keine Attacken auftreten. Nach der Geburt, wenn der Östrogenspiegel abfällt, treten häufig wieder Anfälle auf. Stillen hingegen erhält den Östrogenspiegel und zögert so die Rückkehr der Migräne hinaus.
Menstruelle Migräne und Wechseljahre
In der Perimenopause, wenn der Östrogenspiegel kontinuierlich sinkt, besteht die höchste Migräneprävalenz. Ist die Menopause allerdings abgeschlossen, kann sich die Migräne bessern oder ganz verschwinden.
Ein starker Abfall der Östrogenkonzentration innerhalb weniger Tage kann, neben den bekannten Symptomen der Wechseljahre wie Hitzewallungen, auch eine hormonelle Migräne mit sich bringen. Deswegen ist eine Verschlechterung der Migräne meist auch während der Wechseljahre zu beobachten, bei der die Hormone stark schwanken können. Frauen, denen die Wechseljahre bevorstehen, sollten bereits über eine nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe nachdenken.