Die Entwicklung des Gehirns eines Babys ist ein komplexer Prozess, der bereits in der Schwangerschaft beginnt und sich bis ins junge Erwachsenenalter fortsetzt. Die ersten 1000 Tage, von der Befruchtung bis zum zweiten Geburtstag, sind dabei besonders wichtig, da in dieser Zeit die Grundlagen für die weitere Gehirnentwicklung gelegt werden. In der 35. Schwangerschaftswoche (SSW) macht das Gehirn des Babys bedeutende Fortschritte, die für seine zukünftige Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind.
Das Wachstum des Babys in der 35. SSW
In der 35. SSW legt das Baby kräftig an Gewicht zu, bis zu 700 Gramm pro Woche. Es bildet den typischen „Babyspeck“ aus, wodurch sich seine Formen abrunden und die Haut weniger runzlig wirkt. Die Lanugobehaarung verschwindet fast vollständig, während die Kopfbehaarung dichter wird. Die Fingernägel liegen bereits fertig im Nagelbett und wachsen in den folgenden Wochen weiter, sodass sich das Baby kratzen kann. Das Baby wiegt jetzt fast zwei Kilo und ist von Kopf bis Fuß etwa 43 cm lang.
Die Entwicklung des Gehirns in der 35. SSW
In der 35. SSW wächst das Gehirn des Babys weiter und seine einzelnen Teile sind gut erkennbar. Es kann jetzt Informationen aller Sinne aufnehmen und verarbeiten. Der Kopf wächst relativ gesehen zum Körper wieder ein bisschen und wird bei der Geburt ca. ein Viertel der Körpergröße ausmachen. Jetzt sind auch die ersten Anlagen der Nasennebenhöhlen sichtbar. Die Kieferhöhlen sind jetzt als kleine, mit Ausstülpungen der Nasenschleimhaut überzogene Knochenhöhlen erkennbar. Die Verknöcherung des Kiefers schreitet weiter fort und es entstehen weitere Teile der Zähne. Hierfür wird viel Kalzium benötigt. Der Kalziumspiegel im Körper des Babys ist inzwischen höher als der der Mutter, weshalb werdende Mütter weiterhin auf eine ausreichende Kalziumzufuhr achten sollten.
Auch die Hörschnecke, die zu Beginn der Schwangerschaft eine schlauchförmige Ausstülpung war, hat jetzt zweieinhalb Drehungen vollzogen und sieht damit schon beinahe genauso aus, wie die Gehörgänge eines Erwachsenen. Geräusche kann das Kind zwar schon länger wahrnehmen und gewöhnt sich somit schon im Bauch an die Geräusche, die in der Welt draußen warten, doch jetzt sind die kleinen Ohren „fertig“.
Der Kopfumfang des Babys
Der Kopfumfang des Babys ist ein wichtiger Indikator für seine Entwicklung. Er wird in der Schwangerschaft und nach der Geburt regelmäßig gemessen, um das Wachstum des Gehirns zu beurteilen und eventuelle Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Termingerecht geborene Babys haben statistisch gesehen einen Kopfumfang von um die 34 cm. Aber auch, wenn man bei seinem Kind zwischen 32 und 38 cm misst, sind diese Werte kein Grund zur Besorgnis. Die erste Messung des Kopfumfangs beim Baby erfolgt direkt nach der Geburt bei der U1.
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Demnach liegt der Kopfumfang der meisten Babys:
- mit drei Monaten zwischen 38 und 42 cm
- mit einem halben Jahr zwischen 41 und 44 cm
- mit einem dreiviertel Jahr zwischen 42 und 46 cm
- und mit einem Jahr zwischen 43 und 47 cm
Die Messungen des Kopfumfangs enden im Normalfall im zweiten Lebensjahr, denn dann ist das größte Wachstum des Kopfes abgeschlossen, die Fontanelle am Kopf des Babys schließt sich und der Schädel verfestigt sich.
Mögliche Probleme mit dem Kopfumfang
Wenn der Kopfumfang des Babys außerhalb der Norm liegt, kann dies ein Zeichen für eine Fehlentwicklung sein. Ist der Kopf im Vergleich zu den Referenzwerten zu groß, könnte das bedeuten, dass sich zu viel Nervenwasser (Liquor) im Gehirn gebildet hat. Auch wenn der Kopf des Babys sich verformt, kann das der Kinderarzt durch die regelmäßigen Vermessungen seines Kopfumfanges schneller erkennen. In manchen Fällen verspricht ein spezieller Helm fürs Baby Hilfe, der einer starken Verformung entgegenwirken kann.
Eine Mikrozephalie, ein zu kleiner Kopfumfang, kann verschiedene Ursachen haben, darunter genetische Veränderungen, Infektionen der Mutter in der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel unter der Geburt. Eine Mikrozephalie kann zu Entwicklungsverzögerungen, geistigen Behinderungen, motorischen Beeinträchtigungen und anderen Problemen führen.
Beschwerden der Mutter in der 35. SSW
In der 35. SSW treten bei vielen Schwangeren Beschwerden wie Vorwehen, Senkwehen, Trägheit, Kurzatmigkeit, Magenschmerzen, Sodbrennen, Übelkeit, Wassereinlagerungen in den Beinen, Karpaltunnelsyndrom, Hämorrhoiden und Schlafmangel auf. Die wachsende Gebärmutter drückt auf die darüber liegenden Organe (Lungen und Magen), was zunehmend zu Kurzatmigkeit, aber auch Magenschmerzen und Sodbrennen führt. Gegen die Kurzatmigkeit und auch die Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen hilft es, immer wieder die Beine hochzulegen. Nutzen Sie die Gelegenheit dafür so oft wie möglich und schalten Sie generell einen Gang zurück.
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Es ist wichtig, sich in dieser Zeit ausreichend zu entspannen und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Gespräche mit der Hebamme, anderen Schwangeren oder auch dem Partner oder den eigenen Eltern können helfen, mit Zukunftsfragen und -ängsten umzugehen.
Ernährung in der 35. SSW
Das immer größer werdende Baby, und auch die an der Schwangerschaft beteiligten Organe, sind inzwischen so groß, dass etwas zusätzliche Energie nötig ist, um sie zu versorgen. Experten empfehlen, dass gegen Ende der Schwangerschaft ungefähr 10% mehr Energie zugeführt wird, als normalerweise. Ein zusätzlicher Energiebedarf (Kalorienbedarf) von 10% entspricht ca. 200 kcal. Es ist wichtig, sich weiterhin gesund zu ernähren und ausreichend Vitamine und Mineralstoffe (Eisen, Zink, Kalzium,…) zu sich zu nehmen.
Die richtige Lage des Kindes
Die allermeisten Babys haben sich zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft schon gedreht und liegen mit dem Köpfchen nach unten. Eine Drehung wird mit jeder Schwangerschaftswoche schwieriger, da dafür ausreichend Platz und Fruchtwasser nötig ist. Wenn das Baby sich bis jetzt noch nicht gedreht hat und der Kopf noch oben liegt, befindet es sich in der Beckenendlage (Steißlage), seltener in einer Schräg- oder Querlage. Es kann immer noch sein, dass das Baby sich in diesem Schwangerschaftsmonat von alleine dreht. Es gibt Möglichkeiten, das Baby zu einer Drehung „zu überreden“, indem man bei Gymnastikübungen eine Haltung einnimmt, die für das Baby in der Kopflage bequemer sind. Weitere sanfte Methoden, die zur Drehung des Babys führen können sind Akkupunktur, Massagen,… Sollte dies nicht gelingen, gibt es die Möglichkeit dass ein Arzt in der 37. Woche die „äußere Wendung“ durchführt.
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