Trigeminusneuralgie: Erfahrungen und Behandlungsansätze

Die Trigeminusneuralgie ist eine seltene, aber äußerst schmerzhafte Erkrankung, die durch blitzartige, einschießende Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Reizung des Trigeminusnervs, des fünften Hirnnervs, der für die Wahrnehmung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesicht verantwortlich ist. Die Attacken können durch minimale Reize wie Sprechen, Kauen, Zähneputzen oder sogar einen leichten Luftzug ausgelöst werden.

Was ist Trigeminusneuralgie?

Die Trigeminusneuralgie, auch bekannt als Drillingsnervschmerz, ist durch extrem starke, plötzlich einsetzende und einseitig auftretende Gesichtsschmerzen gekennzeichnet. In den meisten Fällen sind der zweite und/oder dritte Ast des Trigeminusnervs betroffen, was zu Schmerzen im Oberkiefer-/Wangenbereich und/oder im Unterkieferbereich führt. Die Schmerzattacken können sich häufig und rasch wiederholen und sowohl spontan als auch durch harmlose Reize ausgelöst werden. Zwischen den Attacken haben die meisten Betroffenen keine Beschwerden.

Paroxysmale Symptome

Paroxysmale Symptome sind Beschwerden, die überfallartig, kurz (maximal wenige Minuten) und wiederkehrend auftreten. Das häufigste paroxysmale Symptom ist die MS-bedingte Trigeminusneuralgie, die im Gegensatz zur „normalen Trigeminusneuralgie“ oft beidseitig auftritt. Auslöser können plötzliche Bewegungs- oder Haltungsänderungen, Sprechen, Lachen, Schlucken, heißes oder kaltes Essen sein, aber auch spontan entstehen.

Ursachen der Trigeminusneuralgie

Man unterscheidet zwischen der klassischen und der symptomatischen Trigeminusneuralgie.

Klassische Trigeminusneuralgie

Die klassische Trigeminusneuralgie hat ihre Ursachen in der Regel in einem krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt. Dabei drückt ein benachbartes Blutgefäß auf den Nerv, was zu einer Schädigung führt. Meist handelt es sich um verdickte und starrere Schlagadern, zum Beispiel als Folge von Arteriosklerose.

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Symptomatische Trigeminusneuralgie

Die symptomatische Trigeminusneuralgie wird durch andere Erkrankungen verursacht, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Hirntumore oder Gefäßmissbildungen. Bei Multipler Sklerose kann der Trigeminusnerv selbst entzündet sein, was zu Schmerzen führt. Raumforderungen wie Nerventumoren können ebenfalls eine symptomatische Trigeminusneuralgie auslösen. Häufiger ist bei dieser Form der erste Ast des Trigeminusnervs betroffen, was zu Schmerzen im Augen- und Stirnbereich führt. Die Schmerzattacken können auch beidseitig auftreten, und es kommt häufiger zu Missempfindungen im Gesicht.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Aufgrund der charakteristischen Symptomatik ist eine Trigeminusneuralgie für einen Neurologen in der Regel leicht zu diagnostizieren. In einem ausführlichen Gespräch erkundigt sich der Arzt nach dem Verlauf, der Dauer, der Ausprägung und den Auslösern der Gesichtsschmerzen. Es folgt eine neurologische Untersuchung. Um festzustellen, ob es sich um die klassische oder die symptomatische Form handelt, kann eine MRT- oder CT-Aufnahme durchgeführt werden, um andere Ursachen wie Tumore auszuschließen. Ein Schmerztagebuch kann hilfreich sein, um die Auslöser der Schmerzen zu identifizieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu dokumentieren.

Therapie der Trigeminusneuralgie

Ziel der Therapie ist es, die Schmerzen zu lindern und möglichst Beschwerdefreiheit zu erreichen. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung eingesetzt werden.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist oft der erste Schritt bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie.

Antiepileptika

Antiepileptika wie Carbamazepin, Oxcarbazepin oder Gabapentin werden häufig eingesetzt, um die Reizweiterleitung im Nervensystem zu hemmen. Carbamazepin ist in der Regel sehr wirksam, kann aber auch Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und allergische Reaktionen verursachen. Die Dosis wird in der Regel langsam erhöht, bis die Schmerzen unter Kontrolle sind. Wenn die Schmerzen mit der medikamentösen Therapie nicht abklingen oder die Nebenwirkungen zu stark sind, stehen weitere Behandlungsansätze zur Verfügung.

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  • Carbamazepin: Tägliche Dosis beginnend mit 100-300 mg, Steigerung bis 1200-1800 mg. Mögliche Nebenwirkungen: Benommenheit, Schwindel, Gangunsicherheit, Übelkeit, Doppelbilder.
  • Gabapentin: Mögliche Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Nervosität, Schlaflosigkeit.
  • Lamotrigin: Mögliche Nebenwirkungen: Hautausschlag, Juckreiz, Kopfschmerzen, Schwindel, Doppeltsehen, Verschwommensehen, Müdigkeit, Schlafstörungen.

Weitere Medikamente

In der Akutbehandlung können auch Phenytoin oder Pimozid eingesetzt werden, um die Schmerzattacken schnell zu lindern.

Neue Antiepileptika

Neue Antiepileptika wie Lamotrigin, Gabapentin und Oxcarbazepin haben sich ebenfalls als wirksam erwiesen, wobei Lamotrigin und Gabapentin im Vergleich zu älteren Medikamenten besser verträglich sind. Gabapentin ist besonders für Patienten mit Polypharmakotherapie geeignet, da es weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt.

  • Levetiracetam (Keppra): Obwohl hauptsächlich zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, kann Levetiracetam auch bei anderen neurologischen Erkrankungen in Betracht gezogen werden. Die empfohlene Tagesdosis liegt zu Beginn bei 2 x 250 mg, kann nach 2 Wochen auf 2 x 500 mg gesteigert werden. Die max. zugelassene Tagesdosis liegt bei 1500 mg. Häufige Nebenwirkungen sind Schwäche, Kopfschmerzen und Benommenheit sowie psychische Symptome (Verhaltensänderungen).
  • Topiramat: Kann auch bei der Migränebehandlung und Trigeminusneuralgie verwendet werden. Bei der Trigeminusneuralgie werden 50 bis 75 mg/d verwendet.

Invasive Therapie

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist, können verschiedene operative Verfahren in Betracht gezogen werden.

Mikrovaskuläre Dekompression

Bei der mikrovaskulären Dekompression wird der Schädel geöffnet, um den Kontakt zwischen dem Blutgefäß und dem Trigeminusnerv zu unterbrechen. Ein Kunststoffstück wird als Puffer eingelegt, um den Nerv zu entlasten. Diese Methode hat eine hohe Erfolgsrate, wobei acht von zehn Patienten nach dem Eingriff schmerzfrei sind.

Perkutane Operationsverfahren

Bei perkutanen Operationsverfahren wird der Trigeminusnerv im Bereich des Ganglion Gasseri thermisch, chemisch oder mechanisch geschädigt. Der Zugang erfolgt durch die Haut seitlich des Mundwinkels. Diese Methode ist auch für ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen geeignet, da sie in der Regel nur örtlich betäubt werden.

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  • Thermokoagulation: Hierbei werden die schmerzleitenden Fasern gezielt ausgeschaltet.
  • Glyzerinrhizolyse: Chemische Ausschaltung durch Glyzerin.
  • Ballonkompression: Mechanische Schädigung mit einem Ballonkatheter.

Radiochirurgische Behandlung

Bei der radiochirurgischen Behandlung wird der Trigeminusnerv am Abgang mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt, um eine Teilschädigung des Nervs zu erreichen. Die Besserung der Symptomatik tritt erst nach Tagen bis Wochen ein.

Leben mit Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie kann den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden, um Schmerzattacken vorzubeugen. Ein Schmerztagebuch kann dabei helfen, die Auslöser zu erkennen. Da die Schmerzen die Nahrungsaufnahme erschweren können, ist es wichtig, auf eine ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr zu achten. Entspannungstechniken und psychologische Unterstützung können helfen, die psychische Belastung durch die Schmerzen zu bewältigen.

Alternative Behandlungen

Obwohl die wissenschaftliche Evidenz begrenzt ist, berichten einige Patienten von positiven Erfahrungen mit alternativen Behandlungen wie Akupunktur, Homöopathie oder pflanzlichen Mitteln. Es ist wichtig, solche Behandlungen mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen.

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