Ketogene Diät bei Kindern mit Epilepsie: Eine umfassende Betrachtung

Einführung

Die ketogene Diät ist eine etablierte Behandlungsmethode für Epilepsie, insbesondere bei Kindern mit schwer behandelbaren Formen. Sie zeichnet sich durch einen hohen Fettanteil und eine Reduktion von Kohlenhydraten aus. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Wirksamkeit und potenziellen Risiken dieser Diätform.

Grundlagen der ketogenen Diät

Die ketogene Diät ist eine Spezialdiät, bei der die Nahrungsaufnahme hauptsächlich aus Fett und nur zu einem geringen Teil aus Kohlenhydraten und Eiweiß besteht. Diese Zusammensetzung zwingt den Körper, Fett anstelle von Kohlenhydraten als Hauptenergiequelle zu nutzen. Der vermehrte Fettabbau in der Leber führt zur Bildung von Ketonkörpern, die das Gehirn anstelle von Glukose mit Energie versorgen. Dieser Zustand wird als Ketose bezeichnet und imitiert den Zustand des Fastens.

Formen der ketogenen Ernährungstherapie (KET)

Neben der klassischen ketogenen Diät (KD) mit einem Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten plus Proteinen von 4:1 gibt es abgewandelte Formen:

  • Modifizierte Atkins Diät (MAD): Eine weniger restriktive Variante.
  • MCT-Diät: Eine Diät mit mittelkettigen Fettsäuren.
  • Niedrig-glykämische Index-Therapie (LGIT): Eine weitere, weniger strenge Form.

Anwendung der ketogenen Diät bei Epilepsie

Die ketogene Diät wird vorwiegend bei Kindern mit therapieschwieriger Epilepsie eingesetzt. Sie dient oft als begleitende Therapie zur medikamentösen Behandlung, kann aber auch als alleinige Therapie infrage kommen.

Ziele der Diät

  • Verringerung der Schwere und Häufigkeit epileptischer Anfälle.
  • Reduzierung der Medikamentendosis.
  • Verbesserung der Lebensqualität (z.B. verbesserte Aussprache, Merkfähigkeit, Fröhlichkeit).

Ablauf der Umstellung

Die Einführung der ketogenen Diät erfolgt in der Regel stationär unter der Aufsicht erfahrener Kinderärzte und Ernährungsberater. Dies ist besonders wichtig in den ersten Wochen, da die Ernährungsumstellung erheblich ist. Später können die Eltern die Diät eigenständig fortführen.

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Geeignete Lebensmittel

Erlaubte Lebensmittel sind stärkearme Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Nüsse und vorzugsweise pflanzliche Fette. Zucker, Getreideprodukte und die meisten Obstsorten sind hingegen nicht erlaubt.

Überwachung und Anpassung

Während der Umstellungsphase ist eine engmaschige Überwachung der Blutwerte (Blutzucker, Ketone, Blutgasanalyse) notwendig. Bei stabilisierter Ketose können die Kontrollen reduziert werden. Veränderungen im Alltag oder der Essgewohnheiten erfordern eine Anpassung des Diätplans.

Wirksamkeit der ketogenen Diät

Die ketogene Diät kann die Anfallshäufigkeit bei Epilepsiepatienten, insbesondere bei Kindern, deutlich reduzieren. Studien zeigen, dass bei strikter Einhaltung eine Reduktion um mehr als 50 Prozent möglich ist.

Studienergebnisse

  • Ein Übersichtsartikel im "European Journal of Clinical Nutrition" bestätigt die Wirksamkeit der Diät.
  • Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, anfallsfrei zu werden, bei Kindern unter ketogener Ernährung bis zu dreimal höher ist als bei nicht-ketogener Ernährung.
  • Auch bei erwachsenen Epilepsiepatienten kann die ketogene Diät die Anfallshäufigkeit reduzieren, auch wenn Anfallsfreiheit seltener erreicht wird.
  • Eine Studie zeigte, dass sich die Lebensqualität der Teilnehmenden verbesserte. Bereits nach vier Monaten waren die Teilnehmenden aktiver, produktiver und weniger ängstlich im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Wirkungsweise

Es wird angenommen, dass die antikonvulsive Wirkung auf der erhöhten Konzentration von Ketonkörpern und Fettsäuren sowie dem reduzierten Glukosespiegel beruht. Zudem soll die Diät Entzündungsreaktionen im Gehirn senken und die Darmflora positiv verändern, was sich ebenfalls auf neurologische Erkrankungen auswirken kann. Medikamente hemmen die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen im Gehirn und reduzieren so die Häufigkeit von Krampfanfällen. Auch bestimmte Fettsäuren - die sogenannte Decansäuren - besitzen diese Wirkung.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Trotz der positiven Effekte birgt die ketogene Diät auch Risiken und Nebenwirkungen.

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Häufige Nebenwirkungen

  • Gastrointestinale Symptome wie Erbrechen, Verstopfung und Durchfall.
  • Gewichtsverlust.

Seltenere Nebenwirkungen

  • Gallen- oder Nierensteine.
  • Fettleber.
  • Erhöhte Cholesterinwerte (Hypercholesterinämie).
  • Atemwegs- oder Infektionskrankheiten.
  • Längere Krankenhausaufenthalte.
  • Hunger.

Langzeitrisiken

Die langfristigen Auswirkungen der ketogenen Diät sind noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Blutgefäße durch die sehr fettreiche Ernährung. Eine Beobachtungsstudie deutet auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hin, insbesondere bei Personen mit bereits bestehenden Risikofaktoren wie Übergewicht und Diabetes.

Abbruch der Diät

Nebenwirkungen und mangelnde Wirksamkeit können zum Abbruch der Diät führen.

Praktische Tipps für die Umsetzung

  • Vorbereitung ist entscheidend: Je besser Patienten und Eltern vorbereitet sind, desto besser verläuft die ketogene Diät.
  • Ideenreichtum: Mit Kreativität kann die Ernährung schmackhaft und abwechslungsreich gestaltet werden.
  • Einbindung des Umfelds: Kita, Schule, Sportverein und Betreuung sollten in die Diätplanung einbezogen werden.
  • Passende Rezepte und Lebensmittel: Diese sollten immer vorrätig sein.
  • Kosten: Die Lebensmittelkosten können im Rahmen einer ketogenen Diät um bis zu ein Drittel steigen.
  • Eigenständige Kontrollen: Patienten und/oder ihre Eltern müssen lernen, eigenständige Kontrollen durchzuführen (z.B. Ketonteststreifen).
  • Ausreichend Flüssigkeit: Es muss pro Tag mehr getrunken werden als für das jeweilige Alter üblich.
  • Zuckerquellen beachten: Zucker ist nicht nur in Lebensmitteln enthalten, sondern auch in Medikamenten oder Zahnpasta.

Wann ist die ketogene Diät geeignet?

Die ketogene Diät kann eine Behandlungsalternative für Menschen mit medikamentös schwer therapierbaren Epilepsien sein oder wenn eine Operation nicht in Frage kommt. Sie wird häufig bei Kindern angewandt, während sie bei Erwachsenen oft als zu aufwendig angesehen wird. Etwa 10% aller Epilepsien im Kindesalter sind pharmakoresistent. Hier ist die ketogene Diät als erfolgreiche Therapieoption weltweit etabliert.

Weitere Indikationen

Weitere Indikationen sind ein Defekt des Glukosetransporters 1 (GLUT1) und ein Pyruvatdehydrogenasemangel - hier sind Ketone alternative Energieträger für das Gehirn und die ketogene Diät Therapie der Wahl.

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