KG ZNS bei Kindern: Definition, Ursachen, Symptome und Therapie

Hirntumoren sind komplexe Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS), die eine individuelle Betrachtung und Therapie erfordern. Selbst nach erfolgreicher Behandlung können Spätfolgen auftreten, was eine umfassende Rehabilitation und Nachsorge unerlässlich macht. Dieser Artikel bietet einen Überblick über Hirntumoren im Kindesalter, ihre Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten.

Was sind Hirntumoren?

Der Begriff Hirntumor umfasst nicht nur Tumoren im Gehirn selbst, sondern alle Zellwucherungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören:

  • Das Gehirn und seine Häute
  • Das Rückenmark und seine Häute
  • Die Hirnnerven, die aus dem Gehirn stammen, aber in andere Körperregionen ziehen

Am häufigsten entstehen Hirntumoren jedoch im Gehirn und in seinen Häuten (Gehirntumoren).

Gutartige und bösartige Hirntumoren

Wie bei anderen Tumoren unterscheidet man bei Hirntumoren gutartige („benigne“) von bösartigen („maligne“) Wucherungen. Ein bösartiger Tumor wird als Krebs bezeichnet. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige und können metastasieren, d. h. Teile des Krebses können sich vom Ursprungstumor trennen und an anderer Stelle Tochtertumoren, sogenannte Metastasen, bilden. Ein sekundärer Gehirntumor, also eine Hirnmetastase, ist immer bösartig, weil Metastasen von bösartigen Krebserkrankungen abstammen.

Klassifikation von Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren nach ihrer Gut- oder Bösartigkeit in vier Grade:

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  • WHO-Grad I: gutartiger Hirntumor mit langsamem Wachstum
  • WHO-Grad II: teilweise gutartiger Hirntumor
  • WHO-Grad III: bösartiger Hirntumor
  • WHO-Grad IV: sehr bösartiger Hirntumor mit schnellem Wachstum

Primäre und sekundäre Tumoren

Man unterscheidet primäre und sekundäre Tumoren im zentralen Nervensystem.

Primäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Je nachdem, aus welchen der Zellen der Tumor entsteht und welche Eigenschaften er hat, unterscheiden Ärzt*innen beispielsweise:

  • Gliome: Etwa die Hälfte der primären Gehirntumoren gehören zu den Gliomen. Unter den Gliomen gibt es gutartige und bösartige Tumoren.
    • Glioblastome: bösartig, entsprechen WHO-Grad IV
    • Pilozytische Astrozytome: treten in der Regel bei Kindern auf und sind gutartig (WHO-Grad I)
    • Astrozytome: es gibt gutartige und bösartige Astrozytome; (WHO-Grad I-IV)
    • Oligodendrogliome: sie haben meist einen WHO-Grad II oder III
    • Ependynome: können gut- oder bösartig sein (WHO-Grade I-III)
    • Gangliogliome: Mischtumoren, die meist einen WHO-Grad II aufweisen, sie können aber auch die WHO-Grade III und IV entwickeln
    • Als Inselgliome werden Gliome bezeichnet, die schwer zu operieren sind, weil sie sich in lebenswichtigen Hirnregionen befinden. Sie können verschiedene WHO-Grade haben.
  • Meningeome: Meningeome sind meist gutartige Tumoren mit WHO Grad I, die aus den Hirnhäuten stammen, die das Gehirn umgeben. Bei einer bestimmten Lage oder einer größeren Ausbreitung kann es schwierig sein, sie zu behandeln. Die bösartigen Formen des Meningeoms, das atypische Meningeom (WHO-Grad II) und das anaplastische Meningeom (WHO-Grad III), kommen selten vor.
  • Medulloblastome: Medulloblastome (WHO-Grad IV) sind die häufigsten bösartigen Tumoren bei Kindern, aber insgesamt sehr selten. Nur etwa 5 von 1 Million Kinder erkranken daran pro Jahr. Etwa die Hälfte kann durch eine intensive Behandlung geheilt werden.
  • Neurinome: Neurinome sind gutartig (WHO-Grad I). Im Gehirn handelt es sich in der Regel um ein Akustikusneurinom, das an Hör- und Gleichgewichtsnerven entsteht und zu Hör- und Gleichgewichtsstörungen führen kann.

Sekundäre Hirntumore

Häufig entstehen Tumoren im Gehirn infolge von Krebs in anderen Körperregionen, z. B. den Lungen, der Brust oder der Haut. Wenn ein solcher Krebs metastasiert, können sich Metastasen im Gehirn bilden. Man spricht in diesen Fällen von Hirnmetastasen oder sekundären Hirntumoren. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.

Wie häufig treten Hirntumoren auf?

Im Vergleich zu anderen Tumorkrankheiten kommen primäre Hirntumoren selten vor. Sie machen insgesamt nur ungefähr zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Es wird geschätzt, dass rund 7.000 Menschen in Deutschland jährlich die Diagnose „primärer Hirntumor“ erhalten. Gehirntumoren kommen dabei sehr viel häufiger vor als Tumoren im Rückenmark. Die meisten Patient*innen sind bei der Diagnose Hirntumor zwischen 50 und 70 Jahre alt. Aber auch bei Kindern können sich Tumoren im ZNS entwickeln. Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa 1 von 4 Kindern mit Krebs hat einen Hirntumor. Hirntumoren machen also etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirntumoren

Ein Tumor kann entstehen, wenn sich das Erbgut in einer Zelle verändert: Die Zelle mutiert. Die Mutation bewirkt, dass diese Zelle zur Tumorzelle wird. Tumorzellen sind darauf programmiert, sich unbegrenzt zu vermehren. Dieses Vermehrungsprogramm gibt die Tumorzelle an alle Nachkommen weiter, die dadurch auch zu Tumorzellen werden. Daher wachsen Tumoren immer weiter. Je nach Tumorart schneller oder langsamer.

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Was löst die Genveränderung aus?

Bei vielen Tumoren kennt man die Ursachen und Risikofaktoren. Am besten bekannt ist das Rauchen als Ursache für Lungenkrebs. Bei Hirntumoren sind diese Ursachen unbekannt. Als Risikofaktoren gelten familiäre Veranlagung, bestimmte Erbkrankheiten (Tumor-Syndrome) und eine Strahlentherapie im Kopfbereich. Das Risiko für einen Hirntumor ist erhöht bei bestimmten erblichen Krankheitsbildern: das betrifft Tumor-Syndrome wie das Lynch-Syndrom, die Neurofibromatose Typ 1 und das Li-Fraumeni-Syndrom.

Symptome bei einem Gehirntumor

Die Symptome von Hirntumoren sind individuell unterschiedlich und vielfältig:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühle
  • Epileptische Anfälle
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Schwerhörigkeit
  • Hormonstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Depression
  • Persönlichkeitsveränderungen

Besonderheiten einiger Symptome bei einem Hirntumor

Die obengenannten Symptome können bei vielen Krankheiten des zentralen Nervensystems auftreten. Bei einem Hirntumor können einige von ihnen folgende Besonderheiten aufweisen:

  • neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
  • neu auftretende epileptische Anfälle
  • zu Übelkeit und Erbrechen kommt es häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung
  • eine neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache

Diagnostik beim Verdacht auf einen Hirntumor

Bei den oben beschriebenen Symptomen besteht der Verdacht auf eine neurologische Erkrankung. Eine Diagnose kann nur mithilfe medizinischer (neurologischer und onkologischer) Untersuchungen in speziellen Abteilungen von Kliniken gestellt werden. Wenn eine Erkrankung des Gehirns vermutet wird, können mithilfe der Computertomographie (CT) und der Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) Schnittbilder des Gehirns angefertigt werden. Mit der CT kann man Tumoren, Verkalkungen und Blutungen gut erkennen. Da die MRT Weichgewebe genauer darstellt als die CT, wird sie bei der Diagnostik von Hirntumoren bevorzugt.

Falls erforderlich werden auch ein Elektroenzephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt. Das EEG kann Aufschluss darüber geben, ob das Risiko von Anfällen besteht. Mithilfe einer Liquor-Untersuchung wird geprüft, ob sich entzündliche Prozesse im Gehirn abspielen.

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Gewebeuntersuchung: onkologische und pathohistologische Untersuchung

Die Gewebeuntersuchung verschafft Gewissheit. Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für dendie Patientin auszuwählen. Die nötigen Gewebeproben werden mittels Biopsie oder im Rahmen einer Operation in einer entsprechenden Klinik gewonnen.

Behandlung von Hirntumoren

Meistens werden Hirntumoren durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert. Die Behandlung eines Gehirntumors, kann erhebliche Nebenwirkungen haben, insbesondere bei einer Chemotherapie. Behandelt werden die Patient*innen in onkologischen, neurologischen und neurochirurgischen Abteilungen und Kliniken.

Die Therapie eines Hirntumors richtet sich danach,

  • aus welchen Ursprungszellen der Tumor entstanden ist (Tumorart)
  • welche genetischen Eigenschaften er hat (zielgerichtete Therapien)
  • wo er im Gehirn sitzt, wie groß er ist und wie seine Prognose ist
  • welches Alter, welchen Allgemeinzustand und welche Begleiterkrankungen derdie Patientenin hat

Hirnmetastasen müssen mit Medikamenten behandelt werden, die gegen den Ursprungskrebs und im Gehirn wirken.

Kurative und palliative Therapien

Wenn es möglich ist, wird ein Hirntumor per Operation oder Strahlentherapie vollständig entfernt. Die vollständige und dauerhafte Entfernung entspricht einer Heilung des Tumors. Behandlungen, die eine Heilung zum Ziel haben, nennt man kurative Therapien. Palliative Therapien werden eingesetzt, wenn eine Heilung nicht möglich erscheint. Sie haben das Ziel, die Beschwerden zu lindern, das Krebswachstum aufzuhalten und die Lebenserwartung der Patientinnen zu verlängern. Wenn die Patientinnen zuhause nicht versorgt werden können, werden sie in Palliativstationen spezialisierter Kliniken betreut.

Rehabilitation bei Hirntumoren

In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden. Aufgrund der großen Vielfalt der Krankheitsbilder und den unterschiedlichen Verläufen bei einem Hirntumor, muss bei jedemr Patientenin die Nachsorge individuell geplant werden.

Grundsätzlich unterscheidet man auch bei der Reha kurative und palliative Therapien:

  • Die kurative Behandlung soll Sie dabei unterstützen, sich wieder in Ihren privaten und beruflichen Alltag einzufinden
    • die Folgen der Tumortherapie behandeln
    • Ihre Lebensqualität verbessern
    • Ihre Selbstständigkeit wiederherstellen
  • Ziele einer palliativen Behandlung:
    • das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen
    • Ihre Beschwerden lindern
    • Ihre Lebensqualität verbessern
    • die häusliche Versorgung klären

Diagnostik in der Reha

Mögliche Diagnosemaßnahmen sind:

  • medizinische Untersuchung
  • neurologische Untersuchung (Muskelkraft, Ausdauer, Muskelreflexe)
  • psychiatrische Untersuchung (formales und inhaltliches Denken, Stimmung, Antrieb, Anpassungsvorgänge, Orientierung)
  • neuropsychologische Diagnostik (kognitive Basisfunktionen, Sehstörungen, Orientierungsstörungen)
  • logopädische Diagnostik (Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen)
  • Computertomografie
  • Magnetresonanztomografie
  • Elektroenzephalografie
  • Nervenwasseruntersuchung

Therapien in der Reha

An einer onkologischen und neurologischen Rehabilitation sind neben Ärztinnen auch viele andere Fachkräfte, wie Pflegerinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen beteiligt. Da die Beschwerden und Funktionsstörungen durch einen Hirntumor oder die Tumortherapie von Patientin zu Patient*in sehr unterschiedlich sind, wird für Sie ein individueller Therapieplan erarbeitet.

Dieser kann je nach Fall folgende Behandlungen und Maßnahmen beinhalten:

  • Ärztliche Therapie: Die Ärztliche Therapie umfasst die Behandlung von Schmerzen, Beschwerden und Begleitkrankheiten während Ihres Aufenthalts in der Reha-Klinik. Wenn Sie eine Chemotherapie bekommen, kann diese fortgeführt werden.
  • Physiotherapie: Die Physiotherapie soll ihre Mobilität und Bewegungsfähigkeit verbessern und Sie dabei unterstützen, Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit auszugleichen.
    • Physiotherapie auf neurophysiologischer Basis
    • Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach
    • Spiegeltherapie
    • Forced-use-Therapie
    • Kinesio-Tape
    • Schlingentischübungen
    • Manuelle Therapie
    • Cranio-Sacral-Therapie
    • Training in Aktivitäten des täglichen Lebens
    • Gangschule
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie trainieren Sie Alltagsfähigkeiten und lernen den Umgang mit Hilfsmitteln. Die Ergotherapie bereitet Sie praxisnah auf Ihren Alltag vor und unterstützt Sie dabei, wieder (mehr) Selbstständigkeit und Handlungsspielraum zu erlangen.
    • feinmotorische Übungsgruppen
    • Sensibilitätsschulung
    • kognitive Übungsgruppen in Zusammenarbeit mit der Neuropsychologie
    • Kunsttherapie in Kreativgruppen
    • freizeittherapeutisch orientierte Gruppenaktivitäten
    • Rollstuhltraining
    • Frühstückstraining: In diesem Training üben Sie, wie Sie trotz motorischer Störungen Essen zubereiten.
    • Kochgruppe
    • Werkgruppen
  • Physikalische Therapie: In der physikalischen Therapie werden Körperfunktionen angeregt, die durch Schäden im Nervensystem infolge des Hirntumors gestört wurden.
    • verschiedene Massagen
    • Bewegungstherapie im Wasser
    • Wärmebehandlungen
    • Kryo-Therapie
    • Magnetfeld-Therapie
    • medizinische Bäder
    • Elektrotherapie
  • Sporttherapie: Die Sporttherapie während einer Rehabilitation wird an Ihre persönlichen körperlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten angepasst. Sie dient Ihrer geistigen und körperlichen Erholung. Zusätzlich fördert die Sporttherapie Ihre Ausdauer, Ihre Kraft und Ihre Beweglichkeit.
    • Gymnastik
    • Beinbewegungstraining
    • Spezielles Muskelaufbautraining
    • Rückentraining
    • Schwimmtraining
    • Wassergymnastik
    • Laufband
    • Terraintraining
    • Walking

KG-ZNS: Neurologische Behandlungsmethoden in der Physiotherapie

Neurologische Behandlungsmethoden finden Ihre Anwendung vor allem bei Erwachsenen und Kindern mit Störungen des zentralen Nervensystems (wie, dem Gehirn und dem Rückenmark). Die neurologische Behandlung geht davon aus, dass alle menschlichen Bewegungsmuster seit der frühsten Kindheit in unserem zentralen Nervensystem abgespeichert werden. Wenn eine Erkrankung dieses Muster verändert, können die Bewegungsabläufe also wieder hervorgerufen werden. Das heißt, dass sich der Körper wieder an bestimmte Bewegungsmuster “erinnert”.

Die KG-ZNS ist eine Zusammenfassung mehrerer neurologischen Behandlungskonzepte. Neurologische Patienten/innen können sich ausschließlich demnach von fortgebildeten Physiotherapeuten auf ärztliches Rezept behandeln lassen. Die Fachärzte, die am häufigsten neurologische Behandlungen verschreiben, sind Neurologen, Rehabilitationsmediziner und Orthopäden. Da in der Regel ein langer Behandlungszeitraum anstehen kann, sind auch einige Hausärzte dazu bereit, sie bei ihrer Behandlung zu unterstützen.

Behandlungskonzepte in der Physiotherapie

Die zwei bekanntesten Therapiekonzepte der KG-ZNS innerhalb der Physiotherapie ist die propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation und die Bobath-Therapie.

  • Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF): Bei dieser Behandlungsmethode verstärkt der Therapeut durch dreidimensionale Bewegungen des Patienten alle äußeren sowie inneren Reize des betroffenen Körperabschnitts. Dabei wird die vollständige Wiederherstellung der Bewegungsmuster angestrebt. Ist das nicht mehr möglich, entwickelt der Therapeut mit dem Patienten eine ähnliche Bewegung, die dem gleichen Ziel dient.
  • Bobath-Konzept: Im Unterschied zu anderen Konzepten gibt es in der Bobath-Therapie keine standardisierten Übungen. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten. Das Konzept basiert auf der Plastizität des zentralen Nervensystems, also der Fähigkeit, nach einem Trauma Bewegungsabläufe wieder neu erlernen zu können.

Wer kann von neurologischen Behandlungen (KG-ZNS) profitieren?

Alle neurologischen Erkrankungen können mit der KG-ZNS gut behandelt werden. Die häufigsten sind:

  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Morbus Parkinson
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Querschnittslähmungen
  • Schlaganfall
  • Schädel-Hirn Trauma
  • Zentrale Bewegungsstörungen
  • Zerebralparesen
  • Lähmungen
  • Polyneuropathien
  • Fußheberparesen / Fußheberschwächen

Ist die KG-ZNS schmerzhaft?

Alle neurologischen Behandlungsformen der KG-ZNS sind schmerzfrei. Viel mehr müssen sie schmerzfrei sein. Gerade bei zentralen Störungen unseres Nervensystems kann es durch Schmerzen zu Krämpfen oder noch gravierender zu Spastiken kommen. Die Spastiken behindern erheblich die Therapie und verhindern das der/die Patient/in seine/ihre Übungen korrekt ausüben kann.

Heilmittel im sozialrechtlichen Sinn

Heilmittel sind äußerliche Behandlungsmethoden wie Krankengymnastik, Massage, Lymphdrainage, Ergotherapie oder Logopädie. Werden Heilmittel ärztlich verordnet, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Heilmittel wirken mit dem Ziel der Krankheitsbekämpfung überwiegend äußerlich auf den menschlichen Organismus ein.

Gesetzlich Versicherte können sich bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob sie freiwillig weitere Heilmittel erstattet (§ 11 Abs. 6 SGB V). Gesetzlich Versicherte mit langfristigem Behandlungsbedarf im Sinne einer besonderen Schwere und Langfristigkeit der funktionellen bzw. strukturellen Schädigungen, der Beeinträchtigungen der Aktivitäten und des nachvollziehbaren Behandlungsbedarfs können bei ihrer Krankenkasse einen Antrag stellen, die erforderlichen Heilmittel länger als es die o.g. Regel-Einheiten vorsehen zu genehmigen.

Heilmittel werden auf ärztliche Verordnung von der Krankenversicherung oder der Unfallversicherung übernommen. Beschränkungen wegen Unwirtschaftlichkeit, geringer oder zweifelhafter Wirkung finden sich in der Unfallversicherung nicht.

Gesetzlich Krankenversicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zahlen 10 % der Kosten plus 10,- € je Verordnung zu, auch bei Massagen, Bädern und Krankengymnastik als Bestandteil der ärztlichen bzw. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Sind allerdings Festbeträge im Sinne der Krankenversicherung festgesetzt, trägt auch die Unfallversicherung die Kosten der Heilmittel nur bis zu dieser Höhe. Die Verordnung von Heilmitteln außerhalb der Praxis des Therapeuten, insbesondere in Form eines Hausbesuchs, ist ausnahmsweise nur dann zulässig, wenn der Patient aus medizinischen Gründen den Therapeuten nicht aufsuchen kann bzw.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zur Verordnung von Heilmitteln sogenannte Heilmittel-Richtlinien erstellt. Innerhalb der Heilmittel-Richtlinien regelt der sogenannte Heilmittelkatalog die jeweiligen Indikationen zu den einzelnen Heilmittelmaßnahmen der physikalischen und podologischen Therapie, sowie der Stimm-, Sprech- und Sprach- sowie Ergotherapie.

Weitere Therapieansätze

Neben den genannten Therapieformen gibt es weitere Ansätze, die bei der Behandlung von Kindern mit Hirntumoren und neurologischen Beeinträchtigungen Anwendung finden können:

  • Bobath Therapie für Kinder: Dieses Konzept ist spezialisiert auf die neurophysiologische Behandlung und Befundung von Säuglingen und Kindern mit Problemen der Muskelspannung, der Bewegungssteuerung und der Wahrnehmung. Es wurde entwickelt von Dr.Karel Bobath (1906-1991) Neurologe und Psychiater und Dr. Ursprünglich behandelten sie Jugendliche und Erwachsene mit erworbenen Bewegungsstörungen durch Unfall oder Schlaganfall.
  • Sensorische Integration nach Ayres: Ayres bezeichnet diese Zusammenwirkung der Sinne als Sensorische Integration. Sie versteht darunter die sinnvolle Ordnung und Aufgliederung von Sinneserregungen, um diese nutzen zu können. Diese Nutzung kann in einer Wahrnehmung oder Erfassung des Körpers oder der Umwelt bestehen, aber auch in einer Anpassungsreaktion oder einem Lernprozess oder auch in der Entwicklung bestimmter neutraler Tätigkeiten.
  • Pörnbacher-Konzept: Als Grundlage wird die gesunde neurophysiologische Entwicklung des Kindes, unter besonderer Beachtung der Nackendehnung und Aufrichtung gesehen. Über die vorgegebenen Lagerungsreize werden jeweils das obere und untere Körpersensorium angesprochen. Durch die Eigenbeweglichkeit, geführt durch die therapeutische Lagerung, kann sich die nächst höhere Entwicklungs- und Koordinationsebene mühelos freispielen. Das Pörnbacher-Konzept ist alltagsbezogen.
  • Hilfsmittelversorgung und Orthesen: Ziel der Orthesen ist es eine gute Führung des Fußes zu ermöglichen, eine Verstärkung der tiefensensorischen Informationen zu setzen für eine bessere Haltungs- und Bewegungskontrolle. Die Orthesen werden nach Gipsabdruck angefertigt und geben den Fuß in festgelegte Bewegungsrichtungen frei um so eine dynamische Stabilität und Aufrichtung des Körpers zu ermöglichen. Die Einlagen werden individuell für jedes Kind angefertigt. Die Hilfsmittel Versorgung und die Beratung ist ein Teil der physiotherapeutischen Arbeit mit unseren Patienten.

Verlauf und Prognose von Hirntumoren

Wie sich ein Hirntumor entwickelt und die Krankheit verläuft, ist individuell unterschiedlich. Je nach Sitz, Größe und den besonderen Eigenschaften des Tumors kommt es zu neurologischen Ausfällen und Symptomen, eventuell auch zu Durchblutungsstörungen oder Entzündungen. Falls der Tumor weiterwächst, nehmen die Häufigkeit und die Schwere der Symptome zu.

Bei gutartigen Hirntumoren, die sich operativ oder durch Strahlentherapie komplett entfernen lassen und die noch keine bleibenden Schäden verursacht haben, ist die Prognose für eine vollständige Heilung gut. Auch wenn ein Tumor sehr gut auf eine Chemotherapie, zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien anspricht, verbessert das die Prognose deutlich. Bei einem fortgeschrittenen, bösartigen Gehirntumor, der nicht mehr auf die möglichen Therapien anspricht, steht die Prognose schlecht. Dazwischen gibt es eine große Bandbreite verschiedener Möglichkeiten.

Die Prognose hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:

  • Tumorart (gutartig/bösartig)
  • Tumorgrad
  • Ansprache auf die Therapie
  • Folgeschäden

Je höher der Tumorgrad, desto schlechter ist die Prognose.

Virale Meningitis als Differenzialdiagnose

Es ist wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Eine virale Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute, die durch Viren ausgelöst wird. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Beim Verdacht auf eine virale Meningitis sollte sofort ärztliche Hilfe gesucht werden. Die wichtigste Untersuchung ist die Lumbalpunktion.

Schutz vor viraler Meningitis

Gegen einige Erreger der viralen Meningitis können Sie sich schützen:

  • Impfungen: Der aktuelle Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Diese senken nicht nur das Risiko für die Kinderkrankheiten, sondern auch für mögliche Komplikationen wie eine Meningitis.
  • FSME-Impfung: Wenn Sie in einem Risikogebiet leben oder dort Urlaub machen und viel in der Natur sind, wird eine Impfung gegen FSME empfohlen.
  • Hygiene: Da Enteroviren oft über Schmierinfektionen übertragen werden, ist regelmäßiges Händewaschen die beste Vorsorgemaßnahme.

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