Die Geschichte des KGB, des sowjetischen Komitees für Staatssicherheit, ist reich an Intrigen, Spionage und geheimnisvollen Projekten. Weit verbreitete Überwachung, die Rekrutierung von Agenten und die Unterdrückung von Dissidenten waren nur einige der vielen Facetten dieser Organisation. Doch hinter den Kulissen des Kalten Krieges verbarg der KGB auch ein Interesse an Feldern wie Parapsychologie und Gedankenkontrolle, was zu bizarren Experimenten und Spekulationen führte.
Die Auslandsspionage der DDR und die Rolle des KGB
Die Hauptverwaltung A (HV A), umgangssprachlich auch "Aufklärung" genannt, war die Auslandsspionage-Abteilung der Stasi, des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Sie rekrutierte zahlreiche Bürger der Bundesrepublik als Agenten und schleuste zudem DDR-Bürger mit Spionageauftrag in den Westen. Markus Wolf leitete die HV A bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahre 1986. Die Auslandsspionage der DDR stand unter strenger sowjetischer Aufsicht. Die Hauptmethode der DDR-Spionage blieb der Einsatz menschlicher Quellen.
Der politische Hauptgegner der SED war die Bundesrepublik mit West-Berlin. Damit war auch für die Stasi-Auslandsspionage das zentrale "Operationsgebiet" vorgegeben. Der aufsehenerregendste Spionagefall war der des Kanzleramtsspions Günter Guillaume. Seine Enttarnung am 24. April 1974 veranlasste Bundeskanzler Willy Brandt zum Rücktritt.
Der Fall Gordijewski: Ein KGB-Überläufer im Kalten Krieg
Oleg Gordijewski war ein hochrangiger KGB-Offizier, der über zehn Jahre lang den britischen Geheimdienst MI6 mit Informationen versorgte. Im Jahr 1985 geriet er jedoch unter Verdacht und floh mit Hilfe britischer Agenten aus der Sowjetunion. Seitdem lebt Gordijewski, der als ranghöchster KGB-Überläufer des Kalten Krieges gilt, in Großbritannien.
Gordijewski wird oft als der Mann gefeiert, der die Welt vor einem Atomkrieg bewahrte. Er wies den Westen rechtzeitig darauf hin, dass die sowjetische Führung die im November 1983 geplante NATO-Übung "Able Archer 83" irrtümlicherweise für die Tarnung eines nuklearen Erstschlags gehalten habe. Allerdings debattieren Geheimdienstexperten bis heute darüber, wie groß die damalige Kriegsgefahr tatsächlich gewesen ist.
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Parapsychologie im Visier des KGB
Es mag überraschen, aber der KGB interessierte sich auch für parapsychologische Forschungen. In der Sowjetunion wurde Psi - alles, was jenseits der fünf Sinne liegen soll, wie Hellsehen, Tischerücken, Wahrsagen - als "Biokommunikation" bezeichnet, die dahinter vermutete Kraft als "Bioenergie".
Sowjetische Wissenschaftler schenkten der Parapsychologie mitunter sogar in ihren offiziellen Forschungsprogrammen Aufmerksamkeit. So befand der Leningrader Psychologie-Ordinarius Leonid Wassiljew, korrespondierendes Mitglied der Medizinischen Akademie der Wissenschaften: »Die Entdeckung der Energie der außersinnlichen Wahrnehmung wird von der gleichen Bedeutung sein wie die der Atomenergie.«
Auf der Suche nach dem Bio-Psi entstand 1961 an der Leningrader Uni das erste Telepathie-Labor. 1965 wurde in Moskau unter Professor Ippolit Kogan eine »Abteilung Bioinformation« bei der »A.S. Popow-Gesellschaft für Radiotechnik und elektrische Kommunikation« gegründet.
Experimente mit Telepathie und Psychokinese
Die sowjetischen Forscher meldeten Unglaubliches bei ihrer Fahndung nach dem Unbekannten. Der Moskauer Psychologie-Professor Weniamin Puschkin prüfte den »Fall Jermolajew«, der angeblich Gegenstände zum Schweben bringen konnte. Puschkin bestätigte, dass es Menschen gibt, welche die Kraft besitzen, Gegenstände so zu beeinflussen, dass sie in der Luft schweben.
Auch die staatliche sowjetische Propaganda-Agentur »Nowosti« unterstützte den amerikanischen Journalisten Henry Gris bei seinem Vorhaben, über das Walten des Übersinnlichen in der Sowjet-Union ein Buch zu schreiben.
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Von West-Besuchern ungesehen blieb jene sagenhafte Nelja Michailowa, von der berichtet wurde, sie könne Streichhölzer, Zigaretten, Äpfel vom Tisch springen lassen und Gläser in Bewegung setzen, ohne sie anzufassen. Der Ordinarius für theoretische Physik an der Moskauer Universität und Staatspreisträger Terlezki erklärte dazu im Parteiorgan »Moskowskaja prawda": »Frau Michailowa entwickelt eine neue und unbekannte Form von Energie.«
Allerdings wurde Nelja Michailowa später des Betrugs überführt, als sie mit Hilfe versteckter Magneten arbeitete.
Gedankenübertragung als hohe Kunst der Parapsychologie
Als hohe Kunst galt Parapsychologen die Gedankenübertragung. Dazu entschied die »Komsomolskaja prawda« 1966, sie unterstütze die Auffassung »jener sowjetischen Wissenschaftler, die glauben, daß alle Menschen, wenngleich in unterschiedlichem Maße, S.134 zur Telepathie fähig sind und daß diese Fähigkeit durch Übung entwickelt werden kann«.
Der sowjetische Schauspieler Karl Nikolajew und der Biophysiker Jurij Kamenski konnten angeblich sogar über eine örtliche Distanz hinweg einander die geometrischen Figuren übertragen, an die sie gerade denken. 1966 führten sie das über eine Strecke von 2700 Kilometern vor.
Die Sowjetforscher schlossen die beiden Telepathen an EKG und EEG zur Messung der Herz- und Hirnströme an, und siehe, ihre Herzen schlugen rhythmisch, ihre Hirne strömten gleichgerichtet, mit gleicher Frequenz und übereinstimmenden Veränderungen.
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Allerdings wurde auch die Telepathie später als Humbug enthüllt, als Nikolajew in einem Test kein einziges Stück traf.
Die Kirlian-Photographie und die Aura des Menschen
Der Mechaniker Semjon Dawidowitsch Kirlian will die »Aura«, mithin den Heiligenschein, photographiert haben. Kirlian schließt die eine Elektrode eines Hochfrequenz-Generators an eine photographische Platte, die andere an seine daraufgelegte Hand. Das Photo zeigt hernach um den Handschatten herum einen Kranz bunter Blitze. Deren Farbe ändert sich angeblich bei wechselnden Stimmungen, plötzlich auftretender sexueller Lust oder auch heftigen Schmerzen.
Kirlian ging noch weiter und photographierte nach seiner Methode Pflanzen. Ein Blatt, von dem ein Stück abgerissen war, soll auf dem Kirlian-Photo im vollen Umriß erschienen sein.
Propaganda und Desinformation
Der KGB war auch ein Meister der Propaganda und Desinformation. Ziel war es, die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu beeinflussen und die Interessen der Sowjetunion zu fördern.
Ein Beispiel dafür ist die Dokumentation „Putins Kampf um Europa“, die im ZDF produziert wurde. Die Dokumentation, eine eindringliche Warnung vor seinen gefährlichen Ambitionen, war im Herbst 2015 in großen Teilen fertiggestellt worden. Doch sie kam nicht auf den Bildschirm. Nach dem Einmarsch der russischen Armee in Syrien waren die Verantwortlichen im ZDF der Meinung, eine Sendung über Putins Pläne für Europa sei nicht aktuell.
Die Rolle von Wladimir Putin
Wladimir Putin, der heutige Präsident Russlands, begann seine Karriere beim KGB. Er war von 1985 bis 1990 in Dresden stationiert, wo er vom Hauptmann zum Oberstleutnant aufstieg.
Putin wurde von einigen als "Giftzwerg" bezeichnet, da er als Intrigant, hinterhältig und rücksichtsloser Karrierist galt.