Cannabis und seine Auswirkungen auf das Gehirn: Aktuelle Studienlage

Die Legalisierung von Cannabis in Deutschland hat eine breite gesellschaftliche Debatte über die Risiken und Vorteile des Konsums ausgelöst. Ein zentraler Aspekt dieser Diskussion betrifft die Auswirkungen von Cannabis auf das Gehirn, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dieser Artikel fasst die aktuelle Studienlage zusammen und beleuchtet die potenziellen Schäden, die durch Cannabiskonsum entstehen können.

Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland

Am 1. April trat in Deutschland die Teillegalisierung von Cannabis in Kraft. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) diskutierte daraufhin mit Schülern über die Gefährlichkeit des Konsums und erklärte, dass die Teillegalisierung notwendig gewesen sei, um den Schwarzmarkt und die Drogenkriminalität einzudämmen. Durch die Enttabuisierung der Droge könne man nun auch den Jugendschutz vorantreiben. Erwachsene ab 18 Jahren dürfen seitdem bis zu 25 Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit mit sich führen und bis zu drei Cannabispflanzen privat anbauen. Volljährige können sich in Cannabis-Clubs zusammenschließen, in denen der Anbau und die Abgabe der Droge erlaubt sind.

Anstieg des Cannabiskonsums und des THC-Gehalts

Trotz Verbotsmaßnahmen ist der Cannabiskonsum in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Tetrahydrocannabinol-(THC-)Gehalt der Droge erhöht. Auf dem Schwarzmarkt wird Cannabis inzwischen mit einem THC-Gehalt von etwa 14 Prozent angeboten. In den Cannabisclubs darf der THC-Gehalt der Pflanzen nicht höher als zehn Prozent sein.

Laut Lauterbach ist ein hoher THC-Gehalt besonders schädlich für junge Gehirne. Studien hätten gezeigt, dass gerade 18- bis 21-Jährige sehr anfällig seien. „Bei Konsum mit hohem THC-Gehalt wird die Nachreifung des Gehirns geschädigt mit Folgen für das Aufmerksamkeits- und Erinnerungsvermögen und das exekutive Denken im Erwachsenenalter“, so der Minister.

Auswirkungen von Cannabiskonsum auf das Gehirn

Strukturelle Veränderungen

Starker Cannabiskonsum wirkt sich insbesondere auf Hirnregionen mit einer hohen Dichte an Cannabinoidrezeptoren aus, die zum Endocannabinoid-System gehören. Eine hohe Dichte an Cannabinoidrezeptoren findet sich unter anderem im Hippocampus. Bildgebende Verfahren haben gezeigt, dass der Hippocampus bei starkem Cannabiskonsum schrumpft, was auf einen Abbau von Nervenzellen hindeutet. Eine weitere wichtige Hirnregion mit einer hohen Dichte an Cannabinoidrezeptoren ist der präfrontale Cortex, der für höhere geistige Leistungen wie Nachdenken und Entscheiden zuständig ist.

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Je jünger die Person beim ersten Cannabiskonsum ist und je früher sie zum regelmäßigen Konsum übergeht, desto wahrscheinlicher sind strukturelle Hirnveränderungen und Einbußen in der geistigen Leistungsfähigkeit. Die Gehirnentwicklung ist erst mit etwa 25 Jahren weitestgehend abgeschlossen, und das Endocannabinoid-System spielt dabei eine wichtige Rolle.

Kognitive Beeinträchtigungen

Regelmäßiger Cannabiskonsum kann die Gedächtniskapazität unterdrücken. Eine Studie des Massachusetts General Hospital (MGH) zeigte, dass die Gedächtnisleistung junger Cannabiskonsumenten beeinträchtigt ist. Allerdings ließ diese Beeinträchtigung schnell nach, nachdem der Konsum eingestellt wurde. Die Fähigkeit, neue Informationen zu erlernen und sie sich einzuprägen, verbesserte sich nach nur einem Monat Abstinenz.

Langfristiger Cannabiskonsum kann zu kognitiven Defiziten führen. Eine Langzeitstudie aus Neuseeland mit über 1.000 Teilnehmenden zeigte, dass Langzeitnutzer im Schnitt 5,5 IQ-Punkte im Vergleich zu ihrer Kindheit verloren und bei Tests zu Lernen, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit schlechter abschnitten als Gelegenheitskonsumenten oder Nichtkonsumenten.

Psychische Erkrankungen

Langfristiger, intensiver Cannabiskonsum steht in Verbindung mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Psychosen, besonders bei frühzeitigem Einstieg. Eine Studie der Bezirkskliniken Schwaben zeigte, dass Cannabis-Psychosen seit der Legalisierung deutlich häufiger auftreten. Der Anteil der cannabisbedingten Psychosen stieg von 4,7 Prozent auf 8,2 Prozent an.

Persönlichkeitsveränderungen

Langfristiger Cannabiskonsum kann die Persönlichkeit verändern. Studien legen nahe, dass regelmäßige Konsumenten oft offener für neue Erfahrungen sind, gleichzeitig aber Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit und soziale Verträglichkeit abnehmen.

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Risikogruppen und Prävention

Besonders anfällig für gesundheitliche Risiken sind Jugendliche, Schwangere, ältere Menschen und Personen mit psychischen Vorerkrankungen. Für diese Gruppen gilt besondere Vorsicht. Experten empfehlen, nur geprüfte und regulierte Cannabisprodukte aus legalen Quellen zu verwenden, da diese weniger Schadstoffe enthalten und eine bessere Kontrolle über Wirkstoffgehalte bieten.

Um junge Menschen über die Risiken des Cannabiskonsums aufzuklären, forderte ein Schüler, die Aufklärung in den Lehrplan zu übernehmen. Lauterbach erklärte, dass er ein großes Interesse daran hätte, wenn es an Schulen ein Fach Gesundheit geben würde. Für Prävention und Aufklärungskampagnen sei das neue Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) zuständig.

Erholung des Gehirns nach Abstinenz

Allerdings kann sich die geistige Leistungsfähigkeit nach Beendigung des Cannabiskonsums wieder erholen. Je länger die Abstinenz, desto stärker erholt sich das Gehirn. Eine Studie des MGH zeigte, dass sich die Gedächtnisleistung junger Cannabiskonsumenten nach nur einem Monat Abstinenz verbesserte und normalisierte.

Die Rolle des THC-Gehalts

Es gibt Hinweise aus der Forschung, dass hochpotenter Cannabis mit hohem THC-Gehalt das Gehirn stärker schädigt als niedrigpotenter Cannabis. Das trifft besonders auf synthetische Cannabinoide zu, die noch stärker wirken als THC. Laut Lauterbach ist ein hoher THC-Gehalt besonders schädlich für junge Gehirne, da er die Nachreifung des Gehirns beeinträchtigen kann.

Cannabis und Straßenverkehr

Seit August gilt in Deutschland ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC je Milliliter Blut im Straßenverkehr. Wer diesen Wert überschreitet und am Steuer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld und einem Fahrverbot rechnen. Für Fahranfänger und Personen unter 21 Jahren gilt ein absolutes Cannabisverbot am Steuer.

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