Kindliche Nerven in erneuter Schwangerschaft: Was Sie wissen sollten

Eine zweite Schwangerschaft ist oft anders als die erste. Während viele Frauen gelassener sind, können bei anderen Ängste und Sorgen auftreten, besonders wenn die erste Schwangerschaft Komplikationen mit sich brachte. Darüber hinaus ist der Alltag mit einem bereits vorhandenen Kind anstrengender, was zusätzliche Belastungen mit sich bringen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die bei einer erneuten Schwangerschaft eine Rolle spielen, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung des kindlichen Nervensystems und mögliche Risiken.

Gelassenheit und Herausforderungen einer zweiten Schwangerschaft

Viele Frauen fühlen sich in ihrer zweiten Schwangerschaft sicherer und entspannter. Sie haben bereits eine Schwangerschaft und Geburt erlebt und können kleine Beschwerden besser einordnen. Der Umgang mit einem Säugling ist kein Neuland mehr. Allerdings kann die Sorge vor einer Wiederholung von Komplikationen aus der ersten Schwangerschaft groß sein. Jede Schwangerschaft ist anders, und es gibt keine Garantie dafür, dass sich bestimmte Erfahrungen wiederholen.

Der Alltag mit einem Kind ist anstrengender. Mütter haben weniger Zeit für sich und müssen sich Ruhe und Entspannung bewusst einplanen. Die Unterstützung durch Partner, Großeltern oder Freunde ist in dieser Phase besonders wichtig.

Altersabstand zwischen Geschwistern

Die Frage nach dem idealen Altersabstand zwischen Geschwistern beschäftigt viele Eltern. Es gibt Vor- und Nachteile für jede Zeitspanne. Ein geringer Altersunterschied kann für die Eltern anstrengend sein, ermöglicht aber oft ein früheres gemeinsames Spielen der Geschwister. Ein größerer Altersunterschied kann den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erleichtern, da das ältere Kind bereits selbstständiger ist. Gynäkologen empfehlen in der Regel, dem Körper nach einer normalen Schwangerschaft und Geburt ein halbes Jahr zur Regeneration zu geben. Nach einem Kaiserschnitt oder einer komplizierten Geburt wird oft eine längere Pause empfohlen.

Vorsorgeuntersuchungen und Rhesusunverträglichkeit

Auch in der zweiten Schwangerschaft sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Informationen über frühere Schwangerschaften und Geburten sind für den Arzt von Bedeutung, um Risiken abschätzen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können.

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Ein besonderes Problem, das bei einer zweiten Schwangerschaft auftreten kann, ist die Rhesusunverträglichkeit. Diese entsteht, wenn die Mutter rhesusnegativ (Rh-) ist und der Vater rhesuspositiv (Rh+). Das Kind kann dann ebenfalls rhesuspositiv sein. Wenn mütterliches und kindliches Blut in Kontakt kommen, bildet der mütterliche Körper Antikörper gegen den Rhesusfaktor. Bei der ersten Schwangerschaft ist dies meist kein Problem, da sich das Blut in der Regel erst bei der Geburt vermischt. Bei einer zweiten Schwangerschaft mit einem Rh+ Kind können die Antikörper der Mutter jedoch über die Plazenta in den Blutkreislauf des Kindes gelangen und dessen rote Blutkörperchen zerstören. Um dies zu verhindern, wird bei Schwangeren mit Rhesusunverträglichkeit die Antikörperbildung mit Medikamenten (Anti-D-Globuline) verhindert.

Veränderungen im Körper und Kindsbewegungen

In der zweiten Schwangerschaft nehmen viele Frauen den wachsenden Bauch und die Kindsbewegungen früher wahr. Dies liegt daran, dass das Gewebe bereits gedehnt wurde und der Körper sich schneller an die Veränderungen anpasst.

Die Kindsbewegungen verändern sich im Laufe der Schwangerschaft. Zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche spüren werdende Mütter die Kindsbewegungen meist zum ersten Mal. Bis zur 30. Schwangerschaftswoche nehmen die Bewegungen zu und werden stärker. Nach der 32. Schwangerschaftswoche wird es ruhiger, da das Kind weniger Platz hat. In den letzten Tagen vor der Geburt lassen die Kindsbewegungen oft deutlich nach, da sich das Baby auf die Geburt vorbereitet.

Es ist wichtig, auf die Kindsbewegungen zu achten und bei ungewöhnlich vielen oder wenigen Bewegungen den Arzt zu konsultieren. Viele Kindsbewegungen können ein Zeichen für ein hohes Geburtsgewicht, wenig Fruchtwasser oder die Geburtsposition des Babys sein.

Schilddrüsenfunktion und Autismusrisiko

Eine Studie der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel hat gezeigt, dass eine anhaltende Störung der Schilddrüsenhormone in der Schwangerschaft das Autismusrisiko des Kindes erhöhen kann. Die Schilddrüse produziert Hormone, die für die Gehirnentwicklung des Babys unentbehrlich sind. Eine unbehandelte oder anhaltende Schilddrüsenunterfunktion kann die Vernetzung der Nervenzellen beeinträchtigen und die kognitive Entwicklung verzögern.

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Frauen mit einer bekannten und regelmäßig behandelten Schilddrüsenerkrankung haben laut Studie kein erhöhtes Risiko. Entscheidend ist die Stabilität der Hormonwerte. Daher sind routinemäßige Kontrollen und eine rechtzeitige Anpassung der Therapie wichtig, um normale Schilddrüsenhormonspiegel während der Schwangerschaft aufrechtzuerhalten.

Entwicklung des kindlichen Nervensystems

Bereits in der dritten Schwangerschaftswoche beginnt sich das kindliche Gehirn zu entwickeln. Bis zum Ende des zweiten Monats sind Gehirn und Rückenmark bereits fast vollständig angelegt. Im Gehirn bilden sich unzählige Nervenzellen, von denen einige noch vor der Geburt wieder abgebaut werden. Dieser Abbauprozess ist wichtig, damit sich effiziente neuronale Netzwerke ausbilden können.

Durch dieses neuronale Netz kann ein Embryo bereits im Mutterleib Informationen aufnehmen und verarbeiten. Die Stimmen der Eltern oder das Krähen des Geschwisters führen zum Beispiel dazu, dass das Kind den Sprachrhythmus der Muttersprache verinnerlicht und Personen wiedererkennt. Auch auf Musik reagieren viele Ungeborene.

Die sich gerade im Aufbau befindlichen Strukturen sind äußerst empfindlich gegenüber Einflüssen von außen. Alkohol, Medikamente, Rauchen, Strahlung, Jodmangel oder Infektionskrankheiten können dem sich entwickelnden Nervensystem gefährlich werden.

Wenn man sein Neugeborenes das erste Mal im Arm hält, wirkt es wie ein fertiger Mensch. Sein Gehirn weist bereits 100 Milliarden Neuronen auf. Die Verbindungen zwischen den Nervenzellen müssen sich jedoch erst aufbauen. In den ersten Lebensmonaten nimmt die Größe des kindlichen Gehirns zu und die Nervenfasern werden gebündelt und ummantelt. So können Informationen im Gehirn schneller weitergeleitet werden.

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Die Vernetzung zwischen den Nervenzellen ist mit drei Jahren auf ihrem Höhepunkt angelangt. Ein Kind in diesem Alter hat doppelt so viele Verbindungen wie ein Erwachsener. Art und Anzahl der sich formenden und bestehen bleibenden Synapsen hängt dabei stark mit der Umwelt und den speziell erlernten Fähigkeiten zusammen.

Angeborene Beeinträchtigungen

Angeborene Beeinträchtigungen sind selten, aber es gibt keine Garantie dafür, dass ein Kind ohne Beeinträchtigung auf die Welt kommt. Ein Teil der angeborenen Entwicklungsstörungen ist genetisch bedingt. Andere Ursachen sind Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft, wie Infektionen der Mutter, chronische Erkrankungen, Strahlenbelastung oder Medikamente.

Zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen gehören Herzfehler, genetisch bedingte Erkrankungen und Fehlbildungen des zentralen Nervensystems. Die Zahlen sagen aber nichts darüber aus, wie stark eine Fehlbildung ist und wie sehr das Kind dadurch beeinträchtigt wird.

Angeborene Herzfehler

Bei 80 von 10.000 schwangeren Frauen hat das Ungeborene einen Herzfehler, der sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Viele kindliche Herzfehler sind gut behandelbar, weshalb die Kinder oft ein weitgehend normales Leben führen können.

Fehlbildungen an Wirbelsäule, Rückenmark und Gehirn

Etwa 30 von 10.000 Neugeborenen haben eine Fehlbildung am zentralen Nervensystem. Dazu gehören der offene Rücken (Spina bifida) und der Wasserkopf (Hydrozephalus). Inzwischen ist es möglich, den offenen Rücken schon vor der Geburt zu operieren.

Veränderungen im Erbgut: Chromosomen-Abweichungen

Veränderungen in der Anzahl oder dem Aufbau der Chromosomen können zu Erkrankungen wie Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 18 (Edwards-Syndrom), Trisomie 13 (Pätau-Syndrom), Monosomie X (Ullrich-Turner-Syndrom) oder Klinefelter-Syndrom führen.

Stress in der Schwangerschaft

Stress kann sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Erhöhte mütterliche Kortisol-Werte in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft können beim Ungeborenen zu Stress und heftigen Stressantworten führen. Wenn zu lange zu viel Kortisol ausgeschüttet wird, muss der Körper einen enormen Energiebedarf decken. Dies kann zu einer verzögerten Gewichtszunahme und Entwicklung des Ungeborenen führen. Die Folgen hiervon sind SGA, ein erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, Präeklampsie und Gestationsdiabetes.

Hebammen haben vielfältige Möglichkeiten, Schwangere und deren Partner für die schädlichen Auswirkungen von Stress zu sensibilisieren und mit stressreduzierenden Maßnahmen entgegenzuwirken. Durch eine Verminderung von Stress während der Schwangerschaft und der Geburt sowie der Förderung der Ausschüttung von Oxytozin können negative Auswirkungen gemildert oder sogar verhindert werden.

Tipps für eine entspannte zweite Schwangerschaft

  • Nehmen Sie sich Zeit für Ruhe und Entspannung: Der Alltag mit einem Kind ist anstrengender, daher ist es wichtig, sich bewusst Auszeiten zu gönnen.
  • Bitten Sie um Hilfe: Scheuen Sie sich nicht, Ihren Partner, Großeltern oder Freunde um Unterstützung zu bitten.
  • Nehmen Sie an einem Geburtsvorbereitungskurs teil: Auch wenn Sie bereits eine Geburt erlebt haben, kann ein Kurs sinnvoll sein, um sich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten und Erfahrungen mit anderen Müttern auszutauschen.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Eine gesunde Ernährung ist wichtig für die Entwicklung des Kindes und Ihr Wohlbefinden.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig: Sanfte Bewegung wie Spaziergänge, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga kann helfen, Rückenschmerzen zu lindern und Ihr Wohlbefinden zu steigern.
  • Sprechen Sie über Ihre Sorgen und Ängste: Teilen Sie Ihre Gefühle Ihrem Partner, Ihrer Hebamme oder einer Freundin mit.
  • Lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen: Eine stabile Schilddrüsenfunktion ist wichtig für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.

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