Migräne bei Kindern: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke und wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von einer Vielzahl weiterer Symptome begleitet sein kann. Sie ist ein häufiges Gesundheitsproblem bei Kindern und Jugendlichen, das oft unterschätzt wird. Etwa vier bis fünf Prozent aller Kinder sind von Migräne betroffen. Eine frühzeitige Erkennung der Migräne sowie gezielte Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen sind entscheidend, um die Lebensqualität der Familien zu verbessern.

Definitionen und Arten von Kopfschmerzen

Nach den Vorschlägen der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) lassen sich im Wesentlichen unterscheiden:

  • Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit < 15 Kopfschmerzereignissen pro Monat
  • Chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp mit ≥ 15 Kopfschmerzereignissen pro Monat
  • Migräne ohne Aura, also ohne neurologische Symptomatik, aber mit Übelkeit und/oder Erbrechen

Es wird heute jedoch über mehr als 367 Hauptformen von Kopfschmerzen unterschieden. Aus diesem Grunde ist es wichtig, dass auch im Einzelfall seltene Kopfschmerzerkrankungen frühzeitig erfasst werden.

Ursachen und Auslöser von Migräne bei Kindern

Bislang ist noch nicht vollständig geklärt, was eine Migräne bei Kindern auslöst. Man vermutet jedoch, dass Migräne erblich bedingt ist, da sie in vielen Familien gehäuft auftritt. Auch scheinen gewisse Trigger-Faktoren (Auslöser) Migräne-Attacken bei Kindern zu begünstigen.

Das kindliche Gehirn reagiert auf viel mehr Reize und Ereignisse mit einem Migräne-Anfall als das Gehirn von Erwachsenen. Ein zentraler Auslöser ist die Unregelmäßigkeit im Alltag, die zu einer Überforderung der Nervenzellen führt. Faktoren wie Stress, ein ungeordneter Lebensstil, übermäßige Anforderungen, plötzlich auftretende Reize oder eine übermäßige Reizvielfalt können Migräne begünstigen. Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen.

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Häufige Trigger für Migräne bei Kindern und Jugendlichen sind:

  • Stress: Psychische Belastungen und Stress können ebenfalls Migräne bei Kindern auslösen. Dazu zählt zum Beispiel auch die Reizüberflutung durch elektronische Geräte wie Computer, Smartphone oder Fernseher. Ein hoher Medienkonsum vor dem Schlafengehen wirkt sich besonders negativ aus. Mangelnde körperliche Bewegung, familiäre Konflikte und hohe Leistungsansprüche in der Schule sowie Mobbing sind ebenso häufig Auslöser für Migräne-Attacken. Auch eine Erkältung oder die Vorfreude auf ein Geburtstagsfest rufen unter Umständen Stress hervor und verursachen Migräne bei Kindern.
  • Unregelmäßiger Tagesablauf: Bei abweichenden Essenszeiten und zu wenig Schlaf reagieren viele Kinder mit Kopfschmerzen. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf führt unter Umständen zu einem Migräne-Anfall. Sehr häufig gerät der Schlafrhythmus am Wochenende durcheinander, wenn die Kinder zu spät ins Bett gehen und dafür länger schlafen. Das kann Migräne-Attacken begünstigen. Umgekehrt erschwert eine Attacke auch das Einschlafen.
  • Niedriger Blutzucker und Flüssigkeitsmangel: Strengen sich Kinder körperlich zu stark an, reagieren sie häufig mit Kopfschmerzen darauf. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht genügend getrunken oder gegessen haben. Vor allem Kinder reagieren besonders sensibel auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Häufig machen sich Migräne-Attacken bemerkbar, wenn ein Kind beispielsweise morgens nicht gefrühstückt hat.
  • Wetter: Vor allem Kinder reagieren auf bestimmte Wetterlagen sensibel. Oft lösen ein plötzlicher Temperaturwechsel (meist ein Temperaturanstieg) und eine hohe Luftfeuchtigkeit Migräne bei Kindern aus. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Wetter und Migräne bislang nicht wissenschaftlich belegt.
  • Lärm und Licht: Insbesondere Lärm und Lichtveränderungen können einen Migräne-Anfall bei Kindern verursachen. Vor allem Lärm löst starken Stress aus. Das gilt nicht nur für laute Geräusche in der Nähe von Baustellen oder durch den Straßenverkehr, sondern auch für zu laut eingestellte Musik (insbesondere bei Kopfhörern). Kinder reagieren auch sehr sensibel auf veränderte Lichtverhältnisse, wenn zum Beispiel der Schreibtisch frontal vor einem Fenster platziert ist. Arbeitsmediziner empfehlen, einen Schreibtisch stattdessen im rechten Winkel zum Fenster aufzustellen. Auch flackernde Blitzlichter in Clubs können bei manchen Jugendlichen eine Migräne auslösen.
  • Chemische Reizstoffe: Kinder reagieren häufig sehr sensibel auf chemische Reizstoffe. Typische kopfschmerzauslösende Substanzen sind beispielsweise Abgase von Autos, Farb- und Klebstoffe (z. B. beim Basteln), Parfums und Deodorants, Wohngifte (z. B. Holzschutzmittel oder Lösungsstoffe in Möbeln oder Fußböden) und Zigarettenrauch.
  • Nahrungsmittel: Auch bestimmte Nahrungsmittel stehen im Verdacht, Migräne auszulösen. So ist eine Unverträglichkeit bestimmter Stoffe ein möglicher Grund, etwa die Eiweißstoffe Tyramin und Histamin. Wissenschaftliche Belege dazu fehlen jedoch noch. Folgende Lebensmittel werden als mögliche Auslöser von Migräne bei Kindern diskutiert: Kuhmilch, Eier, Käse, Schokolade, kakaohaltige Produkte, Koffein, glutenhaltige Getreidesorten (z. B. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste), Tomaten, Zitrusfrüchte (z. B. Zitronen, Orangen) und fettige Speisen wie Wurst, Schinken, Salami, Schweinefleisch. Nach derzeitigem Wissensstand ist es nicht notwendig, bei Migräne generell auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten. Eine spezielle „Migränediät“ ist ernährungsmedizinischen Erkenntnissen zufolge nicht sinnvoll.

Es ist wichtig, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Migräne kann für Kinder sehr belastend sein - besonders, wenn sie von Auren oder intensiven Schmerzen begleitet wird. Ein einfühlsames Zuhören und altersgerechte Erklärungen über die Migräneattacke können das Vertrauen stärken und dem Kind helfen, sich besser aufgehoben zu fühlen.

Symptome und Besonderheiten von Migräne bei Kindern

Die Migräne bei Kindern unterscheidet sich in mehreren Aspekten von der Migräne bei Erwachsenen. Sie äußert sich häufig anders als bei Erwachsenen. Achten Sie daher genau auf das Verhalten Ihres Kindes und lassen Sie auftretende Beschwerden gegebenenfalls ärztlich abklären.

Bestimmte Migräne-Symptome einer Migräne bei Kindern sind ähnlich zu denen Erwachsener. Dennoch ergeben sich einige Besonderheiten. So wirken Kinder während einer Migräneattacke oft abwesend, sie erscheinen blass oder weisen Hautrötungen auf. Vermehrter Harndrang, Durst, eine erhöhte Temperatur oder Müdigkeit kommen ebenfalls vor. Nicht selten schlafen die betroffenen Kinder ein und erwachen nach einigen Stunden wieder beschwerdefrei.

Weitere typische Symptome einer Migräne bei Kindern sind:

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  • Plötzliche Kopfschmerz-Attacken, die wiederholt auftreten oder längere Zeit anhalten, sind das häufigste Symptom bei Kindern mit Migräne. Manchmal äußert sich der Kopfschmerz auch als starker Druck am Kopf.
  • Je jünger das Kind ist, desto eher sind die Kopfschmerzen beidseitig (bilateral). Selten betrifft der Migränekopfschmerz nur eine Seite wie bei Erwachsenen. Am häufigsten tritt der Schmerz an der Stirn, den Schläfen und im Augenbereich auf. Schmerzen im hinteren Bereich des Kopfes sind für eine Migräne bei Kindern eher untypisch.
  • Im Gegensatz zu Erwachsenen kommt es bei Kindern auch oft zu Migräne ohne Kopfschmerzen oder die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Dafür kommen Übelkeit und Erbrechen bei Kindern deutlich stärker und häufiger vor bei Migräne.
  • Manche Kinder mit Migräne zeigen zusätzlich oder ausschließlich andere Symptome wie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit, erhöhte Temperatur oder Fieber, Bauchschmerzen (sogenannte „Bauchmigräne“ oder abdominelle Migräne), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, vermehrter Harndrang, Durst und Herzrasen.
  • Manche Kinder haben auch neurologische Beschwerden - die sogenannte „Aura“. Typische Anzeichen sind zum Beispiel optische Halluzinationen wie bunte Farben und seltsame Formen, die das Kind wahrnimmt. Auch Sehstörungen, Lichtblitze oder flimmernde Muster treten auf. Mediziner sprechen dabei auch vom „Alice-im-Wunderland-Syndrom“. Weitere typische Aura-Symptome sind Missempfindungen, zum Beispiel ein Taubheits- oder Lähmungsgefühl oder auch Kribbeln in Armen und Beinen. Manche Kinder haben außerdem Probleme zu sprechen.

Die Kopfschmerzen während einer Migräneattacke laufen in 4 Phasen ab. In der Phase vor der Kopfschmerzattacke zeigen sowohl Kinder als auch Erwachsene Stimmungsveränderungen wie z.B. Reizbarkeit. Kinder zeigen zudem im höheren Ausmaß Blässe oder entwickeln dunkle Augenränder. Die Kinder berichten dabei auch häufiger Bauchschmerzen, Durchfall oder Verdauungsschwierigkeiten. Auch muskuläre Steifheit, Müdigkeit und Gähnen können auftreten. In der sogenannte Auraphase, können häufig Sehstörungen und andere neurologische Symptome auftreten. Kindern fällt es schwer, diese Veränderungen zu beschreiben. Daher können sie z.B. Zickzacklinien im Gesichtsfeld, Kribbelmissempfindungen, Schwindel oder Sprachstörungen nur sehr schwer kommunizieren. Während der Kopfschmerzphase sind die Kinder auch nur sehr schwer in der Lage, die Schmerzcharakteristika zu beschreiben. Auch hierzu fehlen ihnen noch die Vokabeln, um z.B. einen pulsierenden Schmerz in der Kommunikation mitzuteilen. Auch die Schwere der Schmerzen können sie nur schlecht in Worte fassen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, durch Beobachtung des Verhaltens und auch durch Wahrnehmung von Veränderungen des Effektes bei Kindern die Schmerzen zu erfassen. Kinder können z.B. den Beginn von Schmerzen nur schwer kommunizieren. Sie hören jedoch auf zu spielen oder zu essen, sie können weinen, gereizt sein oder auch Wutanfälle haben. Diese Veränderungen können nicht die Diagnose einer Migräne begründen. Sie sind jedoch Hinweise auf den Beginn und Ablauf einer Migräne. Nach Abklingen der Kopfschmerzen schließt sich die sogenannte Nachphase der Migräne an. Im Erwachsenenalter finden sich hier häufig Müdigkeit, Schwäche, Stimmungsänderungen, Schmerzen im Nacken, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwindel.

In den meisten Fällen ist ein Migräne-Anfall bei Kindern nach zwei bis sechs Stunden vorüber. Die Attacken sind kürzer als bei Erwachsenen. Gelegentlich kann eine Migräne bei Kindern jedoch auch bis zu 48 Stunden andauern. Auch die Symptome einer Aura sind bei Kindern nur vorübergehend und kündigen die Kopfschmerzen der Migräne in der Regel an. Die Aura-Wahrnehmungen lassen meist schnell nach und halten etwa eine halbe bis eine Stunde lang an. Bleibende neurologische Schäden sind nicht zu befürchten.

Gerade kleine Kinder können ihre Empfindungen und Körpersignale noch nicht genau deuten und sich nicht richtig ausdrücken. Achten Sie deshalb darauf, ob sich Ihr Kind anders verhält als sonst. Viele Kinder hören beispielsweise auf zu spielen, sind blass oder rot im Gesicht oder möchten sich gerne hinlegen und schlafen. Andere Kinder werden unruhig und reizbar. Manche klagen über Bauchweh oder kneifen die Augen bei hellem Licht zusammen. Schulkinder haben zudem oft plötzlich Probleme, sich zu konzentrieren und ihre Hausaufgaben zu machen. Auch bei Kopfschmerzen, die das Kind nachts wecken, sollten Sie an Migräne denken.

Bauchmigräne (abdominelle Migräne)

Als Bauchmigräne, auch abdominelle Migräne genannt, bezeichnen Ärzte Bauchschmerzen, die in regelmäßigen Abständen und anfallsartig auftreten. Eine solche Migräne-Attacke kann sich von einer Stunde bis zu drei Tagen erstrecken. Zwischen den Attacken herrscht eine völlige Beschwerdefreiheit. Etwa ein bis vier Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von einer Bauchmigräne betroffen - wobei sie meist im Grundschulalter sind. Häufig klingt die Bauchmigräne mit der Pubertät ab und geht in eine Kopfmigräne über.

Eine abdominelle Migräne geht typischerweise mit plötzlich auftretenden Bauchschmerzen einher. Doch auch weitere Symptome begleiten eine Bauchmigräne, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe (manchmal auch Gesichtsröte), dunkle Augenringe und Lichtscheue. Kinder lokalisieren die Magenschmerzen meist im Bereich des Bauchnabels sowie entlang der Mittellinie des Bauches.

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Grundsätzlich sollte bei Kindern mit Bauchschmerzen immer ein Arzt konsultiert werden, damit dieser krankhafte Ursachen ausschließt. Um die Diagnose Bauchmigräne zu stellen, erfragt der Arzt zunächst einmal die genauen Symptome. Die Behandlung einer Bauchmigräne umfasst vor allem Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelentspannung bei Migräne oder autogenes Training, und das Abschirmen von auslösenden Reizen. Um die tatsächlichen Triggerfaktoren herauszufinden, sollten Eltern mit ihren Kindern ein Bauchschmerztagebuch führen. Es gibt hingegen nur wenige Medikamente zur Therapie einer Bauchmigräne.

Diagnose von Migräne bei Kindern

Da sich kleine Kinder meist noch nicht entsprechend ausdrücken können, gestaltet sich die Diagnostik bei einer kindlichen Migräne oft schwierig. In vielen Fällen wird eine Migräne erst relativ spät festgestellt. Wenn Sie Migräne bei Ihrem Kind vermuten, lassen Sie Ihr Kind möglichst rasch ärztlich untersuchen.

Der Kinder- oder Hausarzt ist Ihr erster Ansprechpartner. Bei Bedarf oder für weitere Untersuchungen überweist er Ihr Kind gegebenenfalls weiter an einen Neurologen oder Kinderneurologen. Treten plötzliche Kopfschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, dauern sie länger an oder verstärken sie sich, gehen Sie möglichst rasch zum Arzt.

Zur Migräne-Diagnose benötigt der Arzt viele Informationen: Wie lange, wie oft und wann tauchen die Beschwerden auf? Gibt es neben den Kopfschmerzen weitere Symptome? Eine Untersuchung der geistigen und motorischen Entwicklung steht ebenso auf dem Plan wie der Ausschluss von körperlichen Erkrankungen. Dabei hilft beispielsweise eine Hirnstrommessung (EEG) oder eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT).

Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifikation und Minimierung von Auslösern. Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem das Kind jede Episode protokolliert, unterstützt den Arzt dabei, die individuellen Stressfaktoren zu erkennen. Das kann zum Beispiel eine Lese-Rechtschreib-Schwäche sein, ein ausufernder Medienkonsum oder eine Konfliktsituation in der Familie. Der Arzt bespricht dann mit dem Kind und seinen Eltern geeignete Maßnahmen, die den kindlichen Stress verringern und die seelische Widerstandskraft steigern können.

Behandlung von Migräne bei Kindern

Eine komplette Heilung ist nicht möglich. Doch was hilft gegen Migräne bei Kindern? Die Attacken können reduziert werden. Gerade bei Kindern sind die Auslöser der Migräne meist alltägliche Dinge wie ein unregelmäßiger Tagesablauf oder Bewegungsmangel. Um den Trigger der Kindermigräne herauszufinden, hat sich das Ausfüllen eines Migränetagebuchs als sinnvoll erwiesen.

Die Therapie von Migräne bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Ärzte empfehlen, eine Migräne bei Kindern zunächst nur mit unterstützenden Maßnahmen ohne Medikamente zu behandeln. Diese Maßnahmen sind bei Kindern erfahrungsgemäß viel wirkungsvoller als bei Erwachsenen. Lassen sich die Beschwerden so nicht ausreichend lindern oder hat das Kind starke Schmerzen, verordnen Ärzte bei Bedarf auch Medikamente. Allerdings bekommen Kinder andere Arzneimittel als Erwachsene.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Eine nicht-medikamentöse Therapie ist bei Kindern mit Migräne von zentraler Bedeutung. Sie stellt oft den ersten Behandlungsschritt dar und umfasst Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Stressmanagement, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

  • Entspannungsverfahren: Kindern mit Migräne helfen meist bereits einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei lernen sie, bestimmte Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Auch autogenes Training ist gut geeignet. Die Kinder sagen sich wiederholt Gedankenformeln vor (z.B. „Mein Arm wird ganz schwer“) und entspannen sich dadurch. Bei beiden Methoden ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die Übungen regelmäßig - am besten täglich - durchführen.
  • Physikalische Therapie: Die physikalische Therapie beinhaltet Wärmeanwendungen oder Massagen von Hals, Nacken, Kopf und Gesicht sowie Akupunktur. Diese Maßnahmen können starke Kopfschmerzen bei Kindern lindern.
  • Biofeedback: Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist insbesondere das sogenannte Biofeedback bei Kindern und Jugendlichen sehr wirkungsvoll. Über Elektroden auf der Haut lassen sich verschiedene Körperfunktionen messen, beispielsweise Anspannung oder Entspannung der Kopfmuskulatur oder auch die Weit- und Engstellung der Arterien im Gehirn. Diese Messungen werden durch Ton- und Lichtsignale sichtbar gemacht. Die Betroffenen lernen so, diese Funktionen absichtlich und gezielt zu beeinflussen. Dadurch können sie einen akuten Migräne-Anfall abschwächen und den Attacken vorbeugen (Prophylaxe).
  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können. Dies kann ihnen helfen, die Symptome als weniger quälend zu erleben und besser damit zurechtzukommen. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden oft auch andere Techniken wie eine Entspannungsmethode oder ein Biofeedback vermittelt.

Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind nicht-medikamentöse Verfahren bei Kindern meist ähnlich wirksam wie Medikamente.

Hausmittel

Bei einem akuten Migräne-Anfall ist es wichtig, dass die Kinder Ruhe bekommen. Selbst kleinste Tätigkeiten wie Umherlaufen oder Fernsehen verstärken oft die Migräne bei Kindern. Bringen Sie Ihr Kind in einen wohltemperierten und abgedunkelten Raum. Schirmen Sie es vor störenden Reizen und Geräuschquellen wie Radio oder Fernsehen ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Wasser trinkt.

Auch einige Stunden Schlaf, ein kühles Tuch auf der Stirn oder eine Nackenmassage mit Pfefferminzöl sorgen in den meisten Fällen dafür, dass sich Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern schnell wieder bessern. Pfefferminzöl darf bei Säuglingen und Kleinkindern nicht angewendet werden! Gerade kleine Kinder mit Migräne schlafen auch beim Spielen ein. Lassen Sie Ihr Kind in diesem Fall am besten einfach weiterschlafen. Der Schlaf tut Ihrem Kind gut, und es wacht möglicherweise ohne Kopfschmerzen wieder auf.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin aufsuchen.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung von Migräne bei Kindern ist nicht das erste Mittel der Wahl. Die ärztliche Empfehlung lautet, zuerst nicht-medikamentöse Methoden auszuprobieren. Medikamente dienen bei Kindern mit Migräne eher als Reservemaßnahme, wenn die anderen Methoden nicht erfolgreich sind.

Werden die Schmerzmittel frühzeitig eingenommen, lassen sich die Migräne-Attacken manchmal noch stoppen. Da Migräne-Anfälle bei Kindern meist kürzer sind als bei Erwachsenen, wirken die Medikamente oft erst dann, wenn die Attacke schon vorbei ist. Allerdings gibt es auch Kinder, die sehr starke Schmerzen haben und dringend Medikamente benötigen. Ob und in welcher Dosis Ihr Kind Schmerzmittel einnehmen sollte, erklärt Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin.

Bei einem akuten Migräne-Anfall empfehlen Ärzte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol für Kinder. Kinder ab zwölf Jahren dürfen nach einer ärztlichen Untersuchung die folgenden Medikamente einnehmen: Schmerzmittel wie Aspirin (Acetylsalicylsäure) sind als Tabletten, Pulver oder Zäpfchen erhältlich. Das verschreibungspflichtige Antiemetikum Domperidon gibt es als Tabletten oder Zäpfchen. Das Medikament bekämpft nicht nur die Übelkeit, sondern verstärkt auch die Wirkung von Schmerzmitteln. Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane wirken gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Dazu gehören beispielsweise die Mittel Sumatriptan und Zolmitriptan in Form von Nasensprays.

Viele Medikamente gegen Migräne (z. B. Metoclopramid oder Steroide), die Erwachsenen helfen, richten bei Kindern unter Umständen schwere Schäden an. Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente, die Sie selbst einnehmen!

Fachleute halten eine vorbeugende Migränebehandlung mit Medikamenten für sinnvoll, wenn mehr als dreimal im Monat Migräneanfälle auftreten, die Anfälle besonders schmerzhaft oder lang anhaltend sind, Medikamente zur akuten Migränebehandlung nicht ausreichend wirken oder zum Beispiel wegen Nebenwirkungen nicht infrage kommen. Die Entscheidung für eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten hängt aber auch von persönlichen Faktoren ab: Etwa davon, wie stark sich ein Kind von der Migräne beeinträchtigt fühlt oder ob es sich vorstellen kann, jeden Tag Medikamente einzunehmen. Zur Migränevorbeugung werden Flunarizin und Propranolol eingesetzt. Sie sind für Erwachsene zur Vorbeugung von Migräneattacken zugelassen. Wenn Kinder mit Migräne diese Medikamente einnehmen, handelt es sich um einen sogenannten "Off-Label-Use".

Die Wirksamkeit von Flunarizin und Propranolol zur Vorbeugung von Migräne bei Heranwachsenden ist bislang nicht sicher belegt. Auch diese Medikamente haben verschiedene Nebenwirkungen: Propranolol kann Müdigkeit, Schwindel und Schlafstörungen auslösen und ist für Kinder mit Asthma nicht geeignet. Flunarizin kann zu Müdigkeit, Gewichtszunahme, Magen-Darm-Beschwerden und Stimmungsveränderungen führen.

Wer sich für eine medikamentöse Vorbeugung entscheidet, muss etwas Geduld haben: Meist lässt sich erst nach 2 bis 3 Monaten sagen, ob die Medikamente die Beschwerden verringern.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Migräne

Vorbeugende Maßnahmen können einigen Kindern und Jugendlichen helfen, einem Migräneanfall vorzubeugen oder die Beschwerden zu lindern. Hierzu gehören außer Entspannungstechniken zum Beispiel das sogenannte Biofeedback oder die Verhaltenstherapie.

Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln.

  • Förderung eines geregelten Tagesablaufs: Konstante Schlafenszeiten und eine strukturierte Tagesplanung reduzieren Schwankungen, die Migräne begünstigen könnten.
  • Begrenzung der Medienzeit: Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
  • Wechselnde Lichtverhältnisse meiden: Der Schreibtisch des Kindes sollte idealerweise an einer Wand platziert werden, um gleichmäßige Lichtverhältnisse sicherzustellen und Blendungen durch wechselndes Licht zu vermeiden.
  • Regelmäßige Pausen: Im Alltag - insbesondere während der Schulzeit - sind planmäßige Ruhephasen entscheidend.
  • Bewegung: Moderate körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft fördern die allgemeine Gesundheit und wirken entspannend.

Was können Eltern tun?

Eltern sind für eine erfolgreiche Behandlung jedoch genauso bedeutend und spielen eine zentrale Rolle. Sie nehmen ihre Kinder oft sehr ernst, wenn diese über Kopfschmerzen klagen - und das ist richtig so. Außerdem unterstützen sie beim Führen des Tagebuchs. Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifikation und Minimierung von Auslösern.

Eltern spielen eine zentrale Rolle dabei, Migräneauslöser zu erkennen und ihrem Kind zu helfen, besser damit umzugehen. Besonders wichtig ist es, das Kind ernst zu nehmen und ihm Geborgenheit zu vermitteln. Migräne kann für Kinder sehr belastend sein - besonders, wenn sie von Auren oder intensiven Schmerzen begleitet wird.

  • Einfühlsames Zuhören: Es ist wichtig, die Beschwerden des Kindes ernst zu nehmen und Verständnis für das Leiden zu zeigen, auch wenn es schwerfällt, die Schmerzen nachzuvollziehen.
  • Vertrauen stärken: Es ist hilfreich, dem Kind altersgerecht zu erklären, was während einer Migräneattacke passiert. Mit einem einfühlsamen und unterstützenden Umgang können Eltern dazu beitragen, dass sich das Kind während eines Migräneanfalls sowohl körperlich als auch emotional besser aufgehoben fühlt.
  • Förderung eines geregelten Tagesablaufs: Konstante Schlafenszeiten und eine strukturierte Tagesplanung reduzieren Schwankungen, die Migräne begünstigen könnten.
  • Begrenzung der Medienzeit: Die Zeit, die Kinder und Jugendliche vor dem Fernseher oder Computer verbringen, sollte ihrem Alter angemessen sein.
  • Wechselnde Lichtverhältnisse meiden: Der Schreibtisch des Kindes sollte idealerweise an einer Wand platziert werden, um gleichmäßige Lichtverhältnisse sicherzustellen und Blendungen durch wechselndes Licht zu vermeiden.
  • Regelmäßige Pausen: Im Alltag - insbesondere während der Schulzeit - sind planmäßige Ruhephasen entscheidend.
  • Bewegung: Moderate körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen an der frischen Luft fördern die allgemeine Gesundheit und wirken entspannend.

Verlauf und Prognose

Migräne bei Kindern ist nicht heilbar, lässt sich jedoch meist gut behandeln. Bei der Hälfte der Kinder verschwindet die Migräne in der Pubertät, bei den anderen bleibt sie bestehen.

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