Tipps zum Ankleiden bei Hemiparese: Selbstständigkeit und Lebensqualität erhalten

Eine Hemiparese, oft die Folge eines Schlaganfalls, kann das Leben erheblich verändern. Die halbseitige Lähmung beeinträchtigt die Bewegungsfähigkeit und Selbstständigkeit im Alltag. Dieser Artikel gibt Ihnen praktische Tipps und Ratschläge zum Thema Ankleiden bei Hemiparese, damit Sie oder Ihre Angehörigen trotz der Einschränkungen ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können.

Was ist Hemiparese?

Hemiparese bezeichnet eine unvollständige Lähmung einer Körperhälfte. Sie entsteht durch eine Schädigung einer Gehirnhälfte, beispielsweise durch einen Schlaganfall, einen Unfall oder eine Verletzung. Da die Gehirnhälften die jeweils andere Körperhälfte steuern, betrifft die Lähmung die gegenüberliegende Seite der geschädigten Hirnhälfte.

Die Symptome einer Hemiparese können vielfältig sein. Neben Bewegungsstörungen in Arm und Bein können auch Koordinationsstörungen, Sensibilitätsstörungen und neuropsychologische Störungen auftreten. Häufig ist die Muskelspannung erhöht, was zu einer spastischen Hemiparese führt.

Die Bedeutung der Rehabilitation

Je früher die Therapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Rehabilitation. Diese beginnt bereits in der Akutphase im Krankenhaus und wird idealerweise in stationären oder ambulanten Rehabilitationseinrichtungen fortgesetzt. Auch zu Hause ist die Rehabilitation eine Teamaufgabe, bei der Hausarzt, Therapeuten und Angehörige zusammenarbeiten.

Ein wichtiger Aspekt der Rehabilitation ist die Förderung der Selbstständigkeit im Alltag. Dazu gehört auch das An- und Auskleiden.

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Grundsätze beim An- und Auskleiden

Da der Betroffene seine betroffene Körperhälfte oft nur teilweise wahrnimmt, ist es wichtig, ihn für diese Seite wieder zu sensibilisieren. Der pflegerische Standard sieht vor, immer zuerst die betroffenen Körperpartien in die Pflege einzubeziehen.

Beim Ankleiden gilt: Beginnen Sie immer mit der betroffenen Seite. Beim Auskleiden verfahren Sie in umgekehrter Reihenfolge und beginnen mit der nicht betroffenen Seite. Reichen Sie Ihrem Angehörigen die Kleidung so an, dass er zuerst das betroffene Körperteil bekleiden kann.

Praktische Tipps für das Ankleiden

  • Oberteile: Legen Sie das Oberteil so hin, dass der Halsausschnitt auf den Knien liegt und das Ärmelloch des betroffenen Arms wie ein Nest auf dem Schoß angeordnet ist. Führen Sie den gestreckten betroffenen Arm in den Ärmel ein und ziehen Sie ihn so weit wie möglich hoch. Richten Sie sich dann auf und ziehen Sie den anderen Arm an, bevor Sie das Oberteil über den Kopf ziehen. Bei Blusen "auf Figur" aus unelastischem Stoff ziehen Sie diese wie eine Jacke an.
  • Unterteile: Legen Sie das Unterteil so hin, dass es leicht zugänglich ist. Führen Sie zuerst das betroffene Bein in das Hosenbein ein und ziehen Sie die Hose hoch. Wiederholen Sie den Vorgang mit dem nicht betroffenen Bein. Achten Sie darauf, dass die Hose gut sitzt und nicht einschnürt.
  • Schuhe und Strümpfe: Verwenden Sie einen Schuhlöffel, um das Anziehen der Schuhe zu erleichtern. Bei Strümpfen kann eine spezielle Greifzange hilfreich sein.
  • Reißverschlüsse und Knöpfe: Reißverschlüsse und Knöpfe können eine große Herausforderung darstellen. Spezielle Einfädelhilfen können hier eine gute Unterstützung sein. Alternativ können Sie auf Kleidung mit Klettverschlüssen oder elastischen Bündchen zurückgreifen.

Hilfsmittel für mehr Selbstständigkeit

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das An- und Auskleiden erleichtern können:

  • Knöpfhilfen: Erleichtern das Schließen von Knöpfen.
  • Reißverschlusshilfen: Unterstützen beim Schließen von Reißverschlüssen.
  • Strumpfanzieher: Ermöglichen das Anziehen von Strümpfen ohne Bücken.
  • Schuhlöffel mit langem Griff: Erleichtern das Anziehen von Schuhen ohne Bücken.
  • Greifzangen: Helfen beim Greifen und Anziehen von Kleidungsstücken.
  • Einhänderbrettchen: Dieses Hilfsmittel hat einen erhöhten Rand, um das Verrutschen des Brotes zu verhindern und das Schmieren mit einer Hand zu ermöglichen.
  • Griffverdickungen, Griffanpassungen: Diese Hilfsmittel können an verschiedenen Gegenständen befestigt werden, um den Griff zu erleichtern.

Tipps zur Auswahl der Kleidung

  • Bequeme Kleidung: Wählen Sie bequeme Kleidung, die nicht einengt und Bewegungsfreiheit ermöglicht.
  • Einfache Verschlüsse: Bevorzugen Sie Kleidung mit einfachen Verschlüssen wie Klettverschlüssen, Druckknöpfen oder elastischen Bündchen.
  • Vermeiden Sie enge Kleidung: Enge Kleidung kann das An- und Ausziehen erschweren.
  • Achten Sie auf die Materialien: Wählen Sie atmungsaktive Materialien, die ein angenehmes Tragegefühl gewährleisten.

Weitere Tipps für den Alltag

  • Positionierung: Stellen Sie zu benutzende Gegenstände immer auf die betroffene Seite, um die Wahrnehmung dieser Körperhälfte zu fördern.
  • Raumgestaltung: Positionieren Sie das Bett so, dass der Betroffene über die betroffene Seite das restliche Zimmer wahrnimmt.
  • Schulterprobleme: Achten Sie auf eine hängende Schulter, die durch das Eigengewicht des Arms Schmerzen verursachen kann. Lagern Sie den Arm entsprechend hoch.
  • Bobath-Konzept: Informieren Sie sich über das Bobath-Konzept, das die bewusste Körperwahrnehmung fördert und die korrekte Positionierung der betroffenen Extremitäten vorgibt.

Kommunikation und Unterstützung

Sprachstörungen (Aphasien) können die Kommunikation erschweren. Sprechen Sie in kurzen, einfachen Sätzen und regen Sie den Betroffenen zum Sprechen an. Seien Sie sich bewusst, dass eine Sprachstörung nicht automatisch eine geistige Beeinträchtigung bedeutet.

Unterstützen Sie Ihren Angehörigen und ermutigen Sie ihn, so viel wie möglich selbstständig zu tun. Geben Sie ihm Zeit und seien Sie geduldig.

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Sturzprophylaxe

Achten Sie auf eine sichere Umgebung, um Stürze zu vermeiden. Entfernen Sie Stolperfallen und sorgen Sie für ausreichend Licht. Verwenden Sie rutschfeste Unterlagen und Hilfsmittel wie Haltegriffe im Badezimmer.

Wichtige Hinweise

  • Körpergefühl: Das Körpergefühl für die geschädigte Seite ist oft beeinträchtigt. Achten Sie darauf, Gegenstände und Personen auf dieser Seite nicht zu ignorieren.
  • Lagerung: Achten Sie auf eine korrekte Lagerung, um Spasmen zu hemmen, normale Bewegungsmuster vorzubereiten und die Wahrnehmung zu fördern.
  • Mundhygiene: Achten Sie bei Gesichtslähmung besonders auf die Mundhygiene, da die geschädigte Seite oft vernachlässigt wird.
  • Inkontinenz: Bei anfänglicher Inkontinenz kann ein gezieltes Toilettentraining helfen.
  • Medikamente: Stellen Sie die vorschriftsmäßige Einnahme von Medikamenten sicher.

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