Die Behandlung von Morbus Parkinson erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Berlin bietet eine Vielzahl von Kliniken und spezialisierten Abteilungen, die umfassende Diagnostik und Therapie für Menschen mit Parkinson-Syndrom anbieten. Dieser Artikel gibt einen Überblick über einige dieser Einrichtungen und ihre jeweiligen Schwerpunkte.
Neurologische Kompetenzzentren in Berlin
Mehrere Kliniken in Berlin haben sich auf die Behandlung neurologischer Erkrankungen, einschließlich Morbus Parkinson, spezialisiert. Diese Zentren verfügen über erfahrene Neurologenteams und modernste diagnostische Verfahren, um eine präzise Diagnose und einen individuellen Behandlungsplan zu gewährleisten.
Medical Park Humboldtmühle Berlin
Die Neurologie im Medical Park Humboldtmühle Berlin wird seit 2017 von Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Ebinger geleitet. Er gilt als Spezialist für die gesamte Bandbreite der Schlaganfallmedizin. Die Klinik bietet neurologische Rehabilitation für Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Postpoliosyndrom, Querschnittlähmung, Myasthenie und neurologisches Schmerzsyndrom an. Ralf Hackbarth übernahm 2019 die Rolle des Pflegedirektors innerhalb der Klinikleitung. Seit 2011 arbeitet Frau Müller im Medical Park Berlin Humboldtmühle als Physiotherapeutin und übernahm ab 2014 die Verantwortung der Fachbereichsleitung Orthopädie. Seit Anfang 2018 übernimmt sie als Mitglied der Klinikleitung die Therapieleitung der Humboldtmühle. Heike Neels-Herzmann leitet seit Januar 2025 die Pflege im Medical Park Berlin Humboldtmühle. Stefan Ganz übernahm Anfang Dezember die Leitung des Bereichs Hotellerie und Service.
Schlosspark-Klinik Charlottenburg
Die Abteilung für Neurologie in der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg bietet ein breites Leistungsspektrum zur Diagnose und Therapie akuter und chronischer Erkrankungen des Muskel- und Nervensystems. Das Ärzteteam ist besonders auf die Behandlung von Schlaganfällen, neuromuskulären Erkrankungen, Multipler Sklerose, Parkinson-Erkrankung, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen spezialisiert. Für die vielfältigen Untersuchungen der klinischen Neurophysiologie stehen moderne Methoden, einschließlich der Video-Okulografie und der Elektromyographie, zur Verfügung. Ergänzend dazu bieten Physiotherapeuten Gleichgewichts- sowie Lagerungstraining, Rückenschule, Parkinsontherapie und Krankengymnastik bei Bewegungsstörungen wie Dystonie nach Bobath an. Die Stroke Unit der Schlosspark-Klinik ist durch die Deutsche Schlaganfall-Hilfe als „Überregionale Stroke Unit" zertifiziert. Das interdisziplinäre Team aus Neurologen, auf Schlaganfall spezialisierten Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden erarbeitet für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept.
Park-Klinik Weißensee
Die Abteilung für Neurologie der Park-Klinik Weißensee diagnostiziert und behandelt akute und chronische Erkrankungen des Muskel- und Nervensystems nach neuesten Standards. Das Team spezialisiert sich auf die Therapie von Parkinson-Erkrankten sowie Schlaganfallpatienten. Das Ärzteteam ist besonders auf die Behandlung der Parkinson-Erkrankung und anderer Bewegungsstörungen sowie Schwindel und Gleichgewichtsstörungen spezialisiert. Betroffenen mit chronischen Schmerzen wird eine multimodale Schmerztherapie zur Linderung angeboten. Patienten mit Schlaganfall werden auf einer zertifizierten Schlaganfallstation (Stroke Unit) intensiv betreut. In der neurologischen Frührehabilitation der Phase B können Patienten nach einer schweren Schädigung des Nervensystems frühzeitig therapiert werden. Die Klinik arbeitet interdisziplinär mit der Abteilung für Psychiatrie sowie der Abteilung für Anästhesiologie und Innere Medizin zusammen.
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Charité - Universitätsmedizin Berlin
Die Neurologische Klinik der Charité ist als Regionalzentrum in Berlin an zwei Standorten vertreten: Campus Virchow-Klinikum (CVK) und Campus Benjamin Franklin (CBF). Schwerpunkte sind der therapeutische Einsatz der tiefen Hirnstimulation (CVK) sowie die Pumpentherapie (CBF). Seit 2010 läuft eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Klinische Forschergruppe (KFO 247) zum Thema „Tiefe Hirnstimulation“ unter der Leitung von Prof. Andrea Kühn. In der Ambulanz für Bewegungsstörungen, mit je einem Standort am Campus Charité Mitte (CCM) bzw. am Campus Virchow-Klinikum (CVK), werden ca. 1.000 Patientinnen und Patienten mit Parkinson-Syndromen und Dystonien jährlich behandelt. Zusätzlich wird am Standort CCM ein Behandlungsangebot für Patientinnen und Patienten mit Bewegungsstörungen in der neurologischen Tagesklinik angeboten. Ein klinischer Schwerpunkt am CCM ist die Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen mit der Tiefen Hirnstimulation. Am CVK wird nach neuen Therapiemöglichkeiten bei sogenannten atypischen Parkinsonsyndromen geforscht.
Jüdisches Krankenhaus Berlin
Die Klinik für Neurologie im Jüdischen Krankenhaus Berlin bietet Patient:innen mit Parkinson-Erkrankung ein umfangreiches, personalisiertes und multimodales Behandlungskonzept an. Ziel der Parkinson-Komplexbehandlung ist es, sowohl die motorischen als auch die nichtmotorischen Symptome zu lindern. Die stationäre, multimodale Komplexbehandlung ist auf mindestens 14 Tage ausgelegt und umfasst ein speziell auf die Bedürfnisse von Parkinsonpatient:innen ausgerichtetes Therapieangebot.
Diagnostische Verfahren
Zur Diagnose von Morbus Parkinson und zur Abklärung anderer neurologischer Erkrankungen stehen in den Berliner Kliniken verschiedene Untersuchungstechniken zur Verfügung:
- Körperlich-neurologische Untersuchung: Eine gründliche Untersuchung zur Beurteilung der motorischen und neurologischen Funktionen.
- Nervenleitungsmessung (NLG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit mit schwachen elektrischen Stromimpulsen.
- Elektromyographie (EMG): Untersuchung der elektrischen Aktivität der Muskeln.
- Evozierte Potentiale: Messung der Hirnaktivität als Reaktion auf bestimmte Reize.
- Video-Okulografie: Aufzeichnung und Analyse von Augenbewegungen zur Diagnose von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.
- Tremoranalyse: Elektrophysiologische Untersuchung von Zittern.
- Langzeit-Video-EEG: Aufzeichnung der Hirnaktivität über einen längeren Zeitraum zur Diagnose von Epilepsie.
- Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zur Darstellung von Gehirnstrukturen.
- Kipptischuntersuchung, Katecholaminbestimmung und Sudometrie: Quantitative Untersuchung vegetativ-autonomer Funktionen.
Therapieansätze
Die Behandlung von Morbus Parkinson umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und gegebenenfalls weiteren therapeutischen Maßnahmen.
Medikamentöse Therapie
Grundlage der Behandlung ist die medikamentöse Einstellung. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Symptome von Morbus Parkinson lindern können. Dazu gehören:
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- L-Dopa: Ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird, um den Dopaminmangel auszugleichen.
- Dopaminagonisten: Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im Gehirn imitieren.
- MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.
- COMT-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von L-Dopa im Körper verlangsamen.
Im Rahmen der täglichen Visiten und Teambesprechungen optimieren die Ärzte die häufig in Kombination eingenommenen Parkinsonmedikamente und beraten zu Eskalationsoptionen im Sinne von Pumpentherapien oder für eine Evaluation für eine Tiefe Hirnstimulation.
Nicht-medikamentöse Therapien
Ergänzend zur medikamentösen Therapie spielen nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Morbus Parkinson.
- Physiotherapie: Verbesserung der Beweglichkeit, Koordination und des Gleichgewichts.
- Ergotherapie: Training von Alltagskompetenzen und Feinmotorik.
- Logopädie: Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion.
- Neuropsychologische Betreuung: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und psychischen Problemen.
- Kreativtherapie: Förderung der Kreativität und des Selbstausdrucks.
Spezielle Therapieformen
In einigen Fällen können spezielle Therapieformen in Betracht gezogen werden:
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert werden, um die Symptome von Morbus Parkinson zu lindern. In Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie der Charité Berlin wird untersucht, ob eine Tiefe Hirnstimulation zur Behandlung der Parkinsonerkrankung angezeigt ist. Bei Bedarf wird eine intensive klinische Voruntersuchung durchgeführt, die Implantation des Hirnschrittmachers durch die Neurochirurgie der Charité organisiert und in einem zweiten stationären Aufenthalt die Einstellungen des Hirnschrittmachers optimiert.
- Pumpentherapie: Kontinuierliche Gabe von Medikamenten über eine Pumpe, um den Wirkstoffspiegel im Blut konstant zu halten. Im Rahmen der Parkinsonkomplextherapie werden die Pumpentherapien wenn notwendig begonnen, die Einstellung optimiert und die Patienten / Angehörige im Umgang mit dem neuen Therapiesystem intensiv geschult. Es gibt die Pumpentherapie mit L-Dopa Gel (Duodopa®) oder dem Dopaminagonsiten Apomorphin.
Multimodale Komplexbehandlung
Einige Kliniken bieten eine stationäre, multimodale Komplexbehandlung an, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Parkinsonpatienten zugeschnitten ist. Diese Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Physio- und Ergotherapie, Logopädie, neuropsychologischer Betreuung und sozialmedizinischer Beratung.
Weitere Angebote und Unterstützung
Neben den medizinischen Behandlungen bieten viele Kliniken und Organisationen weitere Angebote und Unterstützung für Menschen mit Morbus Parkinson und ihre Angehörigen:
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- Parkinson-Sprechstunden: Spezialisierte Sprechstunden für die Beratung und Betreuung von Parkinsonpatienten.
- Parkinson-Cafés: Treffen für Betroffene und Angehörige zum Austausch von Erfahrungen und Informationen. Alle drei Monate veranstaltet die Parkinson Nurse Maja Lempe das Parkinson Café für Betroffene und Angehörige.
- Sozialdienst: Beratung und Unterstützung bei Fragen zur häuslichen Versorgung, Hilfsmittelversorgung und sozialrechtlichen Angelegenheiten.
- Selbsthilfegruppen: Gruppen zum Austausch von Erfahrungen und zur gegenseitigen Unterstützung.